Vom Social ohne Media

Nächste Woche hat DWM Urlaub und da wird sie erstmals seit zehn Jahren wieder etwas probieren, was damals schon nicht funktioniert hat: sie wird Urlaub im eigenen Lande machen. Nun ist das ja in Österreich nichts Ungewöhnliches, andere kommen von weit her gereist. Aber beim letzten Versuch vor 10 Jahren waren die Desperates nach zwei Wochen weichgeregnet und sind schnell noch last minute nach Mallorca geflogen (wo es dann auch geregnet hat). Diesmal aber spielt das Wetter eine untergeordnete Rolle, denn DWM wird sich um ihre sozialen Kontakte kümmern. Ja, solche hat sie auch, nicht nur im Netz, aber die sind erstens schon sehr alt (was eher für die Kontakte spricht) und zweitens sehr weit weg (was das Halten derselbigen schwierig macht), deshalb sind auch nur die besten übrig geblieben. In ihrem derzeitigen Wohnort hat sie sich Kontakte aus dem Kinderumfeld geschaffen, die sehr nett sind, aber es war irgendwie niemand dabei, dem sie ihre intimsten Geheimnisse anvertrauen würde, so wie ihren alten Freunden. Dafür vertraut sie diese jetzt der Allgemeinheit im Internet an 🙂

Nun ist es also so weit: DWM wird sich in der kommenden Woche dem Verteilen und Wiedereinsameln der Kinder, der Beziehungspflege mit DWD, der Freundschaftspflege und den Elternbesuchen widmen. Dafür wird sie eine ganze Woche offline verbringen und danach am Schweregrad der Entzugserscheinungen ihren Suchtstatus ablesen können.

Bleibt ihr gewogen, liebe Leser, DWM vermisst euch jetzt schon!

Ihren Fremdblog hat sie für diese Woche natürlich auch schon bedient mit dem Thema Der Hunger, der Essensplan und ich

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Urlaub Tag 2 – Freundlichkeit

Ein Grund, warum DWM so gerne in der Türkei urlaubt, ist die Freundlichkeit der Menschen. Ganz alltägliche Dinge – und der Segeltörn ist nun mal Alltag unter erschwerten Bedingungen – machen einfach mehr Spaß, wenn sie mit einem Lächeln quittiert werden.

 Am Umsteigeflughafen in Istanbul wollten DWM und DSB die Zeit nutzen, um sich am Bankamatik (ja, so weit reichen ihre Türkischkenntnisse schon!) mit Türkischen Lira zu versorgen. Brav reihen sie sich hinter einer Dame ein. Nachdem diese ihr Geld gezogen hat, dreht sie sich mit einem strahlenden Lächeln um und bedankt sich bei den Desperates fürs Warten.

DWMs Lieblingsputzfrau der Sanitäranlagen freut sich jedes Mal, wenn sie für DWM den elektrischen Handtuchspender bedienen darf. Im Sommer verzichtet DWM aus Umweltgründen auf die Papierhandtücher, was von der Putzfrau wahrscheinlich als mangelnde Kenntnis der Facilities interpretiert wurde. Natürlich würde DWM es niemals wagen, die Putzfrau vor den Kopf zu stoßen und das extra hervorgezogene Handtuch abzulehnen. Jetzt in der Übergangszeit, wo DWM aber ein Handtuch braucht, ist ihre Lieblingsputzfrau noch nicht im Dienst.

 Am schönsten findet DWM aber die Kinderfreundlichkeit. DSB durfte diesmal sein Skateboard mitbringen, um drohender Untersportung vorzubeugen. In Deutschland werden Skateboarder in Skateparks gepfercht, um die Allgemeinheit nicht mit diesem Lärm zu belästigen. Derlei Vergnügungsstätten werden hier nicht geboten, dafür hat DSB die Stufen vor dem Supermarkt als perfekte Ramps erkoren. Brav wartet er bis zum Abend, denn entgegen den Vermutungen der Desperates hat hier schon die Saison eingesetzt und der eine oder andere Charterer tätigt bereits im Supermarkt seine Einkäufe. Als etwas Ruhe eingekehrt ist, vollführt DSB auf dem Skateboard seine Kunststücke. Bis der Kassier seinen Arbeitsplatz verlässt. Schon will DSB enttäuscht den Rückzug antreten, in Erwartung einer Rüge. Stattdessen bekommt er Applaus.

Im Zweifelsfall gegen den Abwesenden

Da hatte DWM sich zu früh gefreut. Diese Ferienwoche war reserviert gewesen für eine erholsame und auch kommunikative Zeit mit ihren Kindern und einer befreundeten chilenischen Familie (Der Bericht von dieser Woche an der Erholungsfront folgt nach Abreise der Gäste).

Heute durschneidet plötzlich penetrantes Telefongeklingel die gewohnte Geräuschkulisse aus lockerem Geplapper in Englisch, Spanisch und Deutsch während des gemeinsamen Frühstücks.

Ein Blick aufs Display lässt DWMs Kopf – seit gestern leider durch eine leichte Gehirnerschütterung lädiert – gleich noch ein wenig mehr brummen. Bevor sie lang überlegen kann, wie sehr sie sich verpflichtet fühlen muss, auch im Urlaub erreichbar zu sein (ad Mittelmaßmama: wie du siehst, muss DWM noch viel lernen, bevor sie ein echter Mamanager werden kann!), nimmt sie ApplePolishers Anruf an.

„Äh, entschuldige die Störung“

DWM lässt den Standardsatz für häusliche Anrufe unkommentiert.

„Wo finde ich denn die Strategie für 2012?“

??? DWM beginnt sich zu fragen, ob der gestrige Sturz vielleicht schlimmer als angenommen verlaufen war, oder ob es doch an den anderen liegt. Wahrheitsgetreu berichtet sie, dass sie NewBoss zwecks Terminvereinbarung zur Strategieerstellung angesprochen habe mit dem Ergebnis, er komme irgendwann auf sie zu, wenn er Zeit habe. DWM fühlte sich nicht verpflichtet, ihren übernächsten Vorgesetzten nochmals darauf hinzuweisen. Strategie ist immer noch Vorstandssache und immerhin hatte sie es „proaktiv“ versucht, war aber vertröstet worden. Seit SmallBoss‘ plötzlichem Abgang scheint offensichtlich etwas Unklarheit darüber eingetreten zu sein, was Vorstandssache ist und was nicht, vor allem in der Unterscheidung zwischen Vorstandssache und Strohmannssache. Vielleicht ist das Strategiepapier heuer gar nicht mehr so wichtig?

ApplePolisher windet sich förmlich am Telefon und gewährt DWM Einblicke in seine missliche Lage. Er müsse jetzt in Anwesenheit von BigBoss dieses Versäumnis von NewBoss öffentlich machen (und damit vor allem sein eigenes, denn er hätte sich als Führungskraft dieses Bereiches auch schon mal um die Todos desselbigen kümmern können. Mittlerweile ist 2012 schon so weit fortgeschritten, dass es sich kaum noch lohnt, ein Strategiepapier dafür zu erstellen).

DWM berichtet die bisherigen Fortschritte mit dem Hinweis, dass es mit entsprechendem Input durchaus möglich sei, das Papier heute fertigzustellen.

„Äh, oder ich sag, es ist zwar fertig, aber irgendwo abgespeichert, wo wir jetzt keinen Zugriff haben.“

„OK, also im Zweifelsfall gegen den Abwesenden.“

DWM ist keine Freundin beschönigender Darstellung und möchte sein Ansinnen auch in aller Härte aussprechen.

„Du machst das schon“ unterbricht sie ApplePolishers Gewinsel, wie schwierig das alles sei. Sie hat schließlich Urlaub. Hatte.

Urlaub Tag 20 – Smalltalk oder Willkommen bei den Pi´s

Heute haben die Kinder endlich die Jungs von ihrem „Contact“ im Hafen wiedergetroffen. Nachdem sie schon eine Weile in der Hafenkneipe sitzen, fühlen sich DWM und der Captain verpflichtet, dort nach dem Rechten zu sehen. Zwei Tische werden zusammengeschoben, der Smalltalk kann beginnen. Denkt DWM. Denn plötzlich sieht sie sich vom Captain der anderen Familie mit der Frage konfrontiert:

„Wie berechnet man die Innenwinkelsumme eines Dreiecks?“

„Und die Außenwinkelsumme?“

und zu guter Letzt: „Wie berechnet man Pi?“

Weder mit der Antwort, Pi betrage ca. 3,14 noch mit dem Versuch, Pi sei eine Taste auf dem Taschenrechner, kann DWM punkten. Sie freut sich, dass sie nicht ganz so nach Gesellschaft giert wie ihre Tochter und beschließt, vor dem nächsten Bootsurlaub ihr Mathebuch oder zumindest Wikipedia zu konsultieren. Da soll nochmal einer sagen, Smalltalk sei einfach!

 

Urlaub Tag 19: Kizil Ada

Heute steht endlich ein Highlight an: ein Abendessen auf der Leuchtturm-Insel Kizil Ada. Für DSB eine seltene Gelegenheit, standesgemäß mit dem Motorboot zu reisen (die langsame Fortbewegung unter Segeln ist nicht wirklich sein Ding), denn der Transfer von Fethyie zur Insel ist im Restaurantpreis inbegriffen.

Urlaub Tag 18 – zu alt (2)

Zur Abwechslung und weil es dort außer Gemüse nichts zu kaufen gibt, verbringen wir heute wieder einmal einen Tag in unsere geliebten Karacaören-Bucht. Für DSB heißt das: endlich wieder wakeboarden! DWM hat ihre Wehwehchen ausgeheilt und beschließt: heute will sie das auch versuchen! Den ersten Dämpfer bekommt sie vom sonst so netten Juniorchef des Restaurants und Watersport-Motorbootfahrer Can, der DSBs sportliches Talent bisher in den höchsten Tönen gelobt hat.

DWM: „Can I try it today?“

Can: (blickt DWM an, als hätte sie ihn gebeten, die ganze Segeljacht hinter seinem Motorboot herzuziehen) „You want to try it?“

DWM (ist an diesem Tag wild entschlossen, sich nicht verunsichern zu lassen): „Yes! You don´t think, I can do it?“

Can: (blickt immer noch so skeptisch, als müsse er seiner Urgroßmutter das Wakeboarden beibringen) „If you have talent, you can do it“

DWM klettert ins Motorboot und bewundert ihren Sohn gebührend, der bereits mit einer Hand fährt und die ersten Sprünge in der Hecksee wagt. Plötzlich bekommt sie eine Schwimmweste zugeworfen. Jetzt ist sie an der Reihe.

Can: „You have 6 try.“

DWM nimmt Can übel, dass er es ihr wohl von vornherein nicht zutraut. Nach dem sechsten Versuch ist Wasser in alle Körperöffnungen gedrungen und den Muskelkater in den Unterarmen beginnt sie jetzt schon zu spüren. Da sie beim letzten Versuch wenigstens beinahe aus dem Wasser gekommen wäre, versteigt Can sich zu der kühnen Behauptung: „If you have some training, you can do it.“

Na bitte! Woher sollte DSB sonst sein Talent haben?

Urlaub Tag 17 – zu alt (1)

Wie DWM vielleicht schon erwähnt hat, ist ein weibliches Leben ohne Shopping-Gen zwar prinzipiell möglich und auch recht sparsam, aber nicht immer einfach, speziell im Zusammenleben mit einer halbwüchsigen Tochter, der sie dieses Manko offensichtlich nicht vererbt hat. Als toleranter Mensch und immer um Gerechtigkeit bemüht, versucht DWM, das Urlaubsbudget nicht nur in Wakeboarding für DSB sondern auch in Bekleidung für DSG zu investieren. Trotz der Hitze versucht sie tapfer, ihre Tochter zu begleiten. Wenn DSG ihre Freude und Dankbarkeit ausdrückt, indem sie auf der Straße spontan nach DWMs Hand greift, ist diese glücklich, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Heute macht sie die erstaunliche Erfahrung, dass diese Shopping-Ausflüge seitens DSG nicht ausschließlich einseitig gewünscht sind. DSG findet in einer netten Boutique eine weiße Tunika, die ihre Mutter unbedingt kaufen sollte.

DSG: „Mama, du musst dir unbedingt auch mal was kaufen!“

DWM: „Je weniger ich für mich kaufe, desto mehr Geld bleibt für dich, ist das nicht viel besser?“

DSG: „Du bist aber langsam zu alt für deine Boardshorts!“