kafkaesk

Seit den jüngsten Veränderungen im Büro fühlt DWM sich mehr denn je wie eine Figur von Franz Kafka. Gemeinsam mit Newcomer sitzt sie an einem Schreibtisch, und die Zahlen, die noch bis vor ein paar Tagen unter Zeitdruck produziert und in Besprechungen zerpflückt wurden, interessieren niemanden mehr. Unter SmallBoss hatte sie an ihrem offiziellen Vorgesetzten ApplePolisher vorbei direkt an den Vorstand berichtet und dessen Wünsche waren umfangreich und seine Anforderungen hoch. Jetzt ist ApplePolisher ihr Verbindungsglied nach oben – so wie es sich halt gehört – und der hat folgende Devise ausgegeben: Man solle mehr für sich selber arbeiten, seine Ergebnisse nicht zu sehr nach außen tragen. Aha. Der Bericht für den Monat Oktober, der wegen SmallBoss´ Urlaub ohnehin ein wenig verspätet war, liegt immer noch brach. DWM und NewComer erscheinen täglich in einem Büro, ohne ihren genauen Auftrag zu kennen oder genaueres über ihre Auftraggeber zu wissen. HOffentlich wacht DWM nicht morgen früh auf ihrem Rücken liegend auf, unfähig sich umzudrehen und stellt wie Gregor Samsa fest, dass sie sich über Nacht in ein Insekt verwandelt hat.

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Veränderungen

Immer wenn vehement behauptet wird, es werde sich nichts ändern, passiert meistens genau das Gegenteil. So war es auch bei den Fusionen, die DWM bereits erlebt hat. Noch nie hat DWM aber die Umstrukturierungen so schnell eintreten sehen. Bisher stand sie Veränderungen immer positiv gegenüber, selbst als sie sich mitten in den Fusionswirren in den Mutterschutz verabschiedet hatte.

Nachdem sie jedoch ein Jahr nach dem Auftritt von SmallBoss um eine Hierarchiestufe tiefer gerutscht war, ist ihr Veränderungsoptimismus etwas gedämpft. Aber immer noch vorhanden, deswegen lugt sie jetzt an ihrem Monitor vorbei gespannt in Richtung ApplePolisher, der seine Untertanen gerade um Aufmerksamkeit gebeten hat. Die ersten Veränderungen werden in erster Linie räumlicher Natur sein. Das trifft sich gut, denn DWM räumt immer nur anläßlich eines Umzugs ihren Schreibtisch auf und die Papierstapel wachsen schon bedenklich in die Höhe. Doch das war noch gar nicht die gute Nachricht. BusyBody und Dottoressa werden ins Vorzimmer von QuietBoss ziehen und wenn ChatterBox aus dem Krankenstand zurückkommt (ja, ChatterBox ist wegen BurnOut seit Monaten krankgeschrieben, deswegen wurde als Vertretung eine Studentin eingestellt, die mittlerweile Dottoressa ist und einen fixen Anstellungsvertrag in der Tasche hat), wird sie sich zu ihnen gesellen und zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben – die sie ja jetzt mit Dottoressa teilt –  ein wenig Assistentin für QuietBoss spielen. Die ehemalige Assistentin von SmallBoss wird in eine andere Abteilung wechseln. Da das Vorzimmer mit drei Personen schon gut gefüllt ist, ziehen DWM und NewComer in den angrenzenden Schulungsraum. Um die Abteilungszusammengehörigkeit nicht zu sehr zu stören, soll eine Tür durchgebrochen werden. Freude und Erstaunen halten sich bei DWM die Waage. Endlich ein eigenes Büro! Aber warum sollen sie zu zweit in einer Halle residieren, während drei Personen sich im Vorzimmer drängeln? Noch während DWM mit einem unmerklichen Lächeln an NewComer ihren stillen Überlegungen nachhängt, macht BusyBody seinem Ärger lautstark Luft. Wer solle denn die Assistenztätigkeiten erledigen wenn ChatterBox – deren Rückkehr für Anfang Februar angekündigt ist – nicht da ist? Das sei schließlich drei Monate im Jahr der Fall. Er werde das auf keinen Fall machen und von einer Frau Doktor könne man auch nicht erwarten, dass sie Kaffee serviere. Dottoressa hat damit aber überhaupt keine Probleme, schließlich hat sie ihr Studium als Servicekraft verdient. Keinesfalls möchte sie aber um sieben Uhr morgens zu arbeiten beginnen, mit allem anderen könne sie leben. ApplePolisher versucht die Wogen zu glätten, die Assistenzarbeiten werden sich in Grenzen halten, QuietBoss werde bei weitem nicht so viele Kontakte pflegen wie sein Vorgänger. DWM ist nicht erstaunt, dass BigBoss seinem Kollegen keine eigene Assistenz zugesteht, während in seinem Vorzimmer zwei hübsche Damen residieren. ApplePolisher verkündet noch, dass er zu DWM und NewComer in den Schulungsraum ziehen wird. Naja, ein Schreibtisch mehr oder weniger wird dort nicht sonderlich auffallen und er selbst ist ohnehin immer in Networking-Missionen unterwegs. Der Schulungsraum werde allerdings nicht umgebaut oder verkleinert, fügt er noch hinzu und das heizt doch noch DWMs neuen Veränderungspessimismus an. Es scheint sich also nur um eine Übergangslösung zu handeln. DWM rechnet ohnehin damit, dass die aus ihr uns NewComer bestehende Gruppe wieder verkleinert wird, denn BigBoss hat ihr schon vor den Veränderungen dargelegt, dass man ein Unternehmen mit Hausverstand zu führen hat und nicht nach Zahlen (Anmerkung: die von DWM und NewComer produziert werden).

Wahrscheinlich wird sie genausowenig dazu befragt werden wie ChatterBox, die von ihrem neuen Aufgabengebiet auch noch nichts ahnt. Wie gut, dass DWM noch ihre Bewerbung laufen hat, von der sie hoffentlich bald hören wird.