Gute Vorsätze im Dezember

…müssen wir Ihnen leider mitteilen……blablabla.

Nicht dass es eine große Überraschung gewesen wäre, aber DWM ist trotzdem enttäuscht. Noch dazu schriftlich ohne Angabe von Gründen, nicht mal fadenscheinigen. DWM unterdrückt den Impuls, den Personalchef anzurufen und die Hintergründe der Entscheidung zu erfragen. Nach dem Blick auf den Kollektivvertrag hatte sie ohnehin kein gutes Gefühl mehr gehabt und das hatte sich jetzt eben bestätigt. Hätte sie ihre Forderungen doch etwas tiefer ansiedeln sollen, vor allem angesichts der Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld? Es heißt doch immer: „Wer wenig verlangt, kriegt auch wenig“. Aber wer viel verlangt kriegt offensichtlich gar nichts!

Neujahr ist nicht mehr allzu fern und DWM beschließt, die guten Vorsätze heuer mal vorzuziehen. Sie wird in Zukunft weder Zeit noch Energie in die nervenaufreibende Jobsuche verwenden. Statt dessen wird sie mit einem umfangreichen „Freu-dich-an dem-was-du-hast-Programm“ an ihrer Befindlichkeit arbeiten. Zum täglichen Erfreuen bieten sich folgende Punkte an.

– zwei (meistens jedenfalls) gesunde Kinder

– ein liebevoller Ehemann

– ein Job, der einigermaßen gut bezahlt ist und in dem sie keinen direkten Unanehmlichkeiten, wie z.B. Mobbing ausgesetzt ist.

– genügend Freizeit, um die letzten Jahre mit ihren Kindern genießen zu können

Die eierlegende Wollmilchsau auf dem Arbeitsmarkt ist ihr nicht begegnet, statt dessen schlug ihr geballte Unflexibilität (?) entgegen.

Um ihre novembergraue Befindlichkeit, die im Dezember eigentlich schon verflogen sein sollte, zu verbessern, wird DWM sich außerdem endlich wieder in einem Fitnessstudio anmelden. Und hoffentlich nicht nur anmelden (aber vielleicht schneit es ja inzwischen und DWM kann statt dessen Outdoor-Aktivitäten nachgehen und dann wäre es ja schade ums Geld, nicht wahr?).

Und in der vielen freien Zeit, die DWM nicht mehr mit der Jobsuche, dem Schreiben von Bewerbungen, der Vorbereitung auf Gespräche, dem Grübeln  über die Vor- und Nachteile (letzterem vor allem!) verbringt, wird sie das tun, was sie immer schon tun wollte. Sie wird endlich beginnen, ihr Buch zu schreiben. Gleich morgen. Heute ist’s ja schon ein wenig spät, nicht?

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Abserviert (2)

Für die Leser, die sich nicht mehr erinnern können, wie aus WorkingMum eine DesperateWorkingMum wurde: SmallBoss hat in seiner Funktion als Ressortvorstand DWMs Leiterposten seinem Liebling ApplePolisher umgehängt, mit der offiziellen Begründung, er wolle keine Teilzeit-Führungskräfte.  DWM durfte Arbeitsinhalte und finanzielle Rahmenbedingungen behalten und bekam zur Unterstützung sogar noch NewComer dazu. Offiziell war sie nunmer ApplePolisher unterstellt, aber da sein Fachwissen gegen null strebt, hat sich auch an der Zusammenarbeit zwischen DWM und SmallBoss wenig geändert, außer dass ApplePolisher die Meetings ab und an mit mehr oder weniger qualifizierten Meldungen glaubte bereichern zu müssen.

Da DWMs Bemühungen, der demütigenden Eingliederung in die neue Abteilung zu entkommen, bisher nicht von Erfolg gekrönt waren, hat sie wenigstens für angenehme Arbeitsbedingungen gesorgt. Was nicht einfach war, weil sie dafür ihre Interessen gegen BusyBody und ApplePolisher durchsetzen musste. Nachdem sie ihr Revier abgesteckt und in NewComer einen loyalen Gefährten gefunden hat, gibt es plötzlich spannende Neuigkeiten:

SmallBoss wird abserviert. Die Vorgehensweise erinnert sehr an die DWMs Degradierung, nur dass ein Vorstand natürlich nicht degradiert wird, nein, sein Vertrag wird innerhalb von drei Tagen aufgelöst, der Aufsichtsrat tritt zusammen, es wird einen neuen Vorstand geben. Nun sind die Gehälter in diesen Ebenen von vornherein schon mit einem dafür geeigneten Schmerzensgeld ausgestattet, sodass er nicht am Hungertuch nagen wird. Aber das Menschliche bleibt und das geht SmallBoss sichtlich nahe, wie man bei der Verkündigung der Nachricht sehen kann.

Obwohl DWM SmallBoss einen Teil ihrer Schmach verdankt (er war letztendlich nur das ausführende Organ von ApplePolishers Wünschen) , sind ihre Gefühle zwiegespalten. Das ist nicht die Art und Weise, wie mit Mitarbeitern (zu denen sie auch die Vorstände zählt) umgegangen werden sollte.  Wohlige Rachegefühle wollen sich nicht so recht einstellen.

Das Gute an der Sache: möglicherweise werden die Karten neu gemischt. Das Negative: DWMs Fachgebiet war ein Steckenpferd von SmallBoss, dieser Tatsache hat sie auch die Einstellung von Newcomer zu verdanken. Der Nachfolger wird zwar erst morgen bekanntgegeben, aber da es eine interne Lösung sein wird, weiß DWM, dass es auf alle Fälle jemand sein wird, der mit diesem Fachgebiet nichts am Hut hat und möglicherweise befinden wird, dass 2 PEs dafür definitiv zu viel sein.

Alles bleibt anders.

DWM gibt noch nicht auf (3)

…laden wir Sie zu einem Gespräch in unserer Personalabteilung ein. Zwecks Terminvereinbarung…..

DWM geht fast an die Decke vor Freude, als sie den Brief liest. Sie vereinbart einen Termin mit des Assistentin des gefürchteten Verhandlers und widmet sich dem umfangreichen Fragebogen, der der Einladung beiliegt. Etwas angestaubt vielleicht in Zeiten wie diesen, aber dafür suchen sie ja jemanden für die IT-Organisation, nicht wahr? Ebenfalls beigelegt ist ein Ausdruck aus Google Maps, auf dem der Standort der Personalabteilung markiert ist und das findet DWM schon mal sehr zuvorkommend.

Dieser Standort befindet sich in repräsentativer Citygegend, deswegen parkt DWM gleich in der Garage, bevor sie sich zum Gespräch begibt. Dann muss sie ein wenig warten, bevor sie vom harten Verhandler empfangen wird. Den sie sich definitiv anders vorgestellt hat. Nicht nur, dass er wohl um einiges jünger ist als DWM (langsam sollte sie sich offensichtlich mal daran gewöhnen). Er wirkt eher ruhig, statt dem stahlblauen harten Blick beim letzten Gespräch schaut DWM jetzt in sanfte braune Augen. Auch gut. Das Vorgeplänkel wird wieder kurz gehalten, der Verhandler will wissen, was für DWM im Projektmanagement denn wichtig sei. DWM ist erstaunt, dass auch in dieser Runde Fachliches besprochen wird und gibt ihre Meinung zum Besten. Zur Sicherheit fragt sie nochmal nach, ob denn ihrem Wunsch nach einem 80%-Vertrag entsprochen werden könne, der Herr Abteilungsleiter wollte diesbezüglich noch mal in sich gehen. Man kann.

Erstaunt nimmt DWM zur Kenntnis, dass einer der beiden ausgeschriebenen Jobs (natürlich der, den sie lieber gehabt hätte) nun doch intern vergeben worden war. Nach kurzem innerlichen Bedauern konzentriert sich DWM wieder auf das Gespräch. Es gibt  immerhin noch den anderen zu vergeben. Nach einem kurzen Blick auf den Lebenlauf, den er vor sich auf dem Besprechungstisch liegen hat, will der Verhandler jetzt wissen, wie das denn gewesen sei mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei ihrem Wiedereinstieg. Jetzt ist DWM erst recht erstaunt, denn das ist fast 10 Jahre her. Während sie bereitwillig Auskunft gibt und geduldig auch die Zwischenfragen zum schier unerschöpflichen Thema „Au-Pair Ja oder Nein“ beantwortet, schöpft sie den Verdacht, der Verhandler benötige diese Informationen für private Zwecke. Sicherheitshalber betont DWM noch einmal, dass eine qualifizierte Arbeit der Mutter nur mit tatkräftiger Mithilfe des Vaters zu schaffen sei. Ob er diesen Satz zu Hause auch so wiedergeben wird? 🙂

Spät aber doch kommt er auf das heikleThema zu sprechen. Wieder zückt DWM ihren Gehaltszettel. Im Vorfeld hatte sie sich schon überlegt, ob und wie viel Gehaltsverzicht für sie vorstellbar wäre. Nach Rücksprache mit DWD – schließlich fließt DWMs Gehalt in den Familienetas – kann sie sich einen Verzicht auf den jährlichen Bonus vorstellen. Auf den besteht ohnehin kein rechtlicher Anspruch, auch wenn er bisher in jedem Jahr, wenn auch in unterschiedlicher Höhe, bezahlt wurde.

Die Reaktion ihres Gegenübers versetzt DWM abermals in Erstaunen. Er bemerkt zwar ebenfalls, das sei eher hoch angesiedelt, aber er habe leider keinen Einfluss auf den Entscheidungsprozess, das müsse der Abteilungsleiter machen, für ihn müsse Gerechtigkeit innerhalb seines Bereiches herrschen bla bla bla. Da haben wir es wieder mal. Keiner möchte über Geld reden, keiner möchte die Verantwortung für eine möglicherweise unpopuläre Entscheidung tragen.

Zum Schluss darf DWM noch einen Blick in den Kollektivvertrag werfen und sich damit gleich ein realistisches Bild ihrer Chancen machen. Wie wird der letztendliche Entscheider – wer immer das sein mag – entscheiden? Verdient DWM tatsächlich so viel, dass es bei einem Wechsel unmöglich ist, das Niveau zu halten? Wie wird sich die Tatsache auswirken, dass in der potenziellen Abteilung nur Frauen arbeiten? Gerüchten zufolge verdienen die viel weniger als Männer und DWM (die bisher nur unter Männern gearbeitet hat) müsste an die dortige Struktur angepasst werden….

Mit gemischen Gefühlen verlässt DWM das Personalbüro und harrt der Dinge, die in den nächsten vierzehn Tagen eintreten werden oder auch nicht.

DWM gibt (noch) nicht auf (2)

Es war nicht anders zu erwarten gewesen. DWD hatte es geschafft, DWMs Zweifel bezüglich der Arbeitszeit zu zerstreuen, 80 % müssten doch drin sein, er sei schließlich auch noch da.

Das war auch gut so, denn einen Tag nachdem DWM auf den „Senden“-Button ihrer Bewerbungsmail gedrückt hatte, kommt schon der Anruf. Wann sie denn Zeit für ein Gespräch habe. Nur mit Mühe kann DWM den Jubel unterdrücken. Wusste sie doch, dieser Job ist wie geschaffen für sie.

Das Büro liegt in der Nähe des jetzigen, somit kann das Gespräch schon am nächsten
Tag diskret in der Mittagspause erledigt werden. DWM bereitet sich diesmal akribisch darauf vor. Um finanzielle Überraschungen wie beim letzten Mal von vornherein auszuschließen, druckt sie sich den letzten Lohnzettel aus und nimmt ihn zu ihren Unterlagen.

Am Gesprächstag lässt DWM den Blazer im Auto hängen. Mittlerweile trägt sie Business nur mehr bei externen Terminen und sie will ja kein Aufsehen erregen bei den Kollegen. Um halb zwölf verkündet sie, diesmal ein wenig länger auf Mittag zu bleiben und verschwindet in die Tiefgarage. Blazer übergezogen, Erscheinung im Rückspiegel überprüft (nicht sehr sinnvoll bei der Beleuchtung im 3.UG). Während sie sich in ihrem Auto nach oben schraubt, trifft sie plötzlich eine Erkenntnis: sie hat ihren Terminkalender auf dem Schreibtisch liegen gelassen. Aufgeschlagen natürlich am heutigen Tag. An dem um die Mittagszeit ein Eintrag mit dem Firmennamen prangt, zu der sie gerade unterwegs ist. Da es sich um ein Konkurrenzunternehmen handelt, bräuchte ein – absichtlich oder unabsichtlich – stöbernder Kollege nur eins und eins
zusammenzählen. Was tun? Draußen im verbotenerweise halten, nach oben laufen,
Kalender holen? Da versucht DWM so unauffällig wie möglich zu agieren und dann kommt sie auf dem Weg zur Mittagspause wieder zurück, weil sie ihren Terminkalender
vergessen hat? So gut sie mit Newcomer auch auskommt, aber ihre
Fluchtaktivitäten möchte sie ihrem direkten Gegenüber doch nicht auf die Nase
binden. Außerdem würde das ihren Zeitplan durcheinanderbringen. Also das beste
hoffen und weiterfahren. Wer sollte denn schon etwas auf ihrem Schreibtisch
suchen, wo doch ohnehin jeder weiß, dass das bei der dort herrschenden Ordnung
ein völlig sinnloses Unterfangen ist.

Viel zu früh kommt DWM vor dem Gebäude an und stellt fest, dass sie doch nach einer Parkmöglichkeit hätte fragen sollen. Aber auch jetzt hilft nur die Flucht nach vorn, nach zwei Runden stellt sie ihren Kleinwagen auf ein Plätzchen, das privat sein mag oder auch nicht und schlendert betont langsam zum Eingang. Immer noch zu früh. Nach einer halben Umrundung des Gebäudes beschließt DWM, dass ein paar Minuten zu früh vertretbar sind und betritt ihr hoffentlich zukünftiges Bürogebäude. Im Treppenhaus wird sie von zahlreichen Jeansträgen freundlich gegrüßt. Bald würde sie auch
dazugehören! Die Assistentin schein erfreut über ihr frühes Erscheinen, die
Herren seien schon da, sie könne gleich durchgehen.

Schön, dass sich nicht nur Chef sondern auch ChefChef am Gespräch beteiligt, freut sich DWM. Das macht doch gleich einen professionelleren Eindruck als beim letzten Mal. Das übliche Geplänkel wird kurz gehalten, schnell wird es fachlich und DWM glaubt, doch einigermaßen punkten zu können, als Chef sie mit einem stechenden Blick aus seinen blauen Augen (unter anderen Umständen hätte man diese durchaus bewundern können) fragt: „Und wie sieht es mit Ihrer zeitlichen Verfügbarkeit aus?“ Immerhin scheint er Ahnung davon zu haben, wie aufwändig die Familienarbeit sich auch mit vergleichsweise großen Kindern gestaltet und hat sie trotzdem eingeladen.
„Wie viel arbeiten Sie denn jetzt?“ DWM gesteht ihren 50% -Vertrag und
versichert – wie sie hofft – glaubhaft, dass sie zur Zeit auf alle Fälle 80%
erübrigen könne.

„Und wie wollen Sie die aufteilen?“ Der will es aber ganz genau wissen. DWM versichert ihm, bis auf einen Tag in der Woche einigermaßen flexibel zu sein, da sie ja wisse, dass man sich bei Projektarbeit nicht auf nur Vormittagstermine beschränken könne, weil das die Terminfindung zu sehr behindere. Die Antwort scheint ihren Gesprächspartner einigermaßen zu befriedigen, sodass DWM einen weiteren Vorstoß wagt. Aber auf die Frage, ob Papierkram zum Teil auch zu Hause erledigt werden könne, reagiert er genauso ungehalten wie seine Vorgänger. Nein, Telearbeit sei nicht üblich und man habe auch nicht vor, das einzuführen. Dass DWM einräumt, es ginge ihr in erster Linie um die Möglichkeit, bei eventuellen Krankheitsfällen keine
Pflegefreistellung in Anspruch nehmen zu müssen, scheint ihn wieder zu
besänftigen. Natürlich komme es in seinem IT-lastigen Bereich immer wieder mal
vor, dass jemand eine kurze Wartungsarbeit von zu Hause aus erledigen müsse,
die ließen sich schon Möglichkeiten finden.

Nachdem diese Fronten geklärt sind, kann man sich wieder der Fachdiskussion widmen. ChefChef verlässt unsere traute Gesprächsrunde, während DWM sich freut, mit ihren Kenntnissen punkten zu können.  Ganz zum Schluss stellt Chef
dann doch noch die obligatorische Frage nach dem Gehalt. DWMs Vorstellungen
kommentiert er mit „Na da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Verhandlung
mit unserem Personalchef. Das ist ein ganz harter Verhandler, was mir selber
oft leid tut, wenn ich nicht die Leute bekomme, die ich haben möchte.“

Wie soll DWM das jetzt interpretieren? War das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht? Steht ihr jetzt schon die nächste Runde mit dem Personalchef zu, obwohl sie nur 80% arbeiten möchte? Und ist es jetzt schon abzusehen, dass dort Endstation sein wird, nur weil DWM zumindest ebenso viel verdienen möchte wie jetzt?

 

 

 

DWM gibt (noch) nicht auf! (1)

DWM ist ja durchaus lernfähig und da sie nun weiß, was sie von „offen gehaltenen“ Stellenangeboten vor allem in finanzieller Hinsicht zu erwarten hat, beschränkt sie sich jetzt auf die konkreteren, in der Hoffnung, dass Akademiker auch als solche bezahlt werden, wenn ein derartiger Abschluss explizit verlangt wird.

Das ist mittlerweile keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit, denn Newcomer, der sie an ihrer derzeitigen Arbeitsfront unterstützt, durfte seine ersten sechs Monate mit einem Praktikantenvertrag (und selbstverständlich auch entsprechendem Gehalt) arbeiten und wurde die nächsten sechs Monate mit der originellen Idee einer „Einschulungsphase“ finanziell benachteiligt, bevor er endlich einen seiner Ausbildung und Tätigkeit adäquaten Vertrag erhielt. Aufgrund seines Lebenslaufes (er hat sein Studium für einige Zeit unterbrochen, um seine krebskranke Mutter zu pflegen und sich um seine jüngere Schwester zu kümmern – auch Männer werden offensichtlich benachteiligt, wenn sie sich um familiäre Belange kümmern, wie es sonst eigentlich den Frauen zusteht, sie sieht man mal den Stellenwert von sozialem Engagement in der Wirtschaft) hat er ebensowenig Alternativen wie DWM.

Ende des Exkurses über weitere Desperates an dieser Front, wenden wir uns wieder DWMs formidabler Lernfähigkeit in Sachen Bewerbungsmanagement zu:

Da es selbstverständlich keine Teilzeit-Angebote für Akademiker gibt, DWM aber trotzdem (noch) nicht bereit ist aufzugeben, bewirbt sie sich auf ein Angebot, das auf ihre Berufserfahrung zu passen scheint wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Hier könnte sie all ihre Fähigkeiten einbringen. Mit ihrem umfangreichen Erfahrungsschatz wird sie die fehlenden 20% Arbeitszeit locker wettmachen. Davon muss sie jetzt nur noch den potenziellen Arbeitgeber überzeugen, wenn, ja wenn sie überhaupt in die engere Wahl kommt. Und die Familie, denn natürlich müssen bei einer Aufstockung der Arbeitszeit von 50% auf 80% die SLAs neu verhandelt werden.

Wie wird DWM sich an ihren Fronten schlagen? Wird sie den Kontrollfreak in sich so weit unterdrücken können, dass sie selbst an die 80%-Lösung glaubt? Oder werden die Visionen von häuslichem Chaos, absackenden Schulleistungen bei den Kindern, Untersportung bei sich selber und emontionaler Verwahrlosung des DWD sie daran hindern, an die Verwirklichung zu glauben, geschweige denn sie der Familie und dem Arbeitgeber schmackhaft zu machen?

 

endlich ein Teilzeitjob in Sicht (3)

…..es freut mich, Ihnen mitzuteilen, dass Sie die Stelle erhalten haben….

DWM muss mit aller Macht den Reflex unterdrücken, sofort zu kündigen. Aber nein, DWM ist vernünftig und wartet mit dieser Genugtuung, bis sie einen Vertrag unterschrieben hat. Obwohl es ihr wahrlich nicht leicht fällt! Von wegen, in ihrem Alter kann man die Branche nicht mehr wechseln, diese Personalvermittlerin hatte ja sowas von keine Ahnung!

Sofern Sie diesen Freitagabend Zeit haben, würde ich Sie einladen an unserer Firmenfeier teilzunehmen.

Mit dem größten Vergnügen! Welch ein Einstand in einem Unternehmen, man lernt die neuen Kollegen gleich so richtig kennen! DWM enscheidet die schwierige Stylingfrage wie immer pragmatisch. Ein Glamour-Top unter den schwarzen Anzug, dann ist sie für alle Eventualitäten gerüstet. Auf der Feier trifft sie sogar einen ehemaligen Kollegen, je mehr sie von den köstlichen Cocktails probiert hat, desto besser wird ihr gefühltes Englisch und als sie sich um fünf Uhr morgens von DWD abholen lässt, freut sie sich unbändig auf den neuen Job. Am Montag ist sie immer noch so euphorisiert, dass sie ohne Vertragsunterzeichnung kündigen will, jetzt kann ja wohl wirklich nichts mehr schiefgehen, aber es fehlt ihr der Ansprechpartner – ApplePolisher ist krank. Am montag Abend liegt dann auch der neue Vertrag in ihrer Mailbox. Leider muss da ein Fehler unterlaufen sein und zwar in dem Abschnitt mit dem Gehalt. DWM ruft den neuen Chef an, um das Missverständnis zu klären. Seine eilig hingekritzelte Notiz beim ersten Gespräch war ihr Gehalt für den 50%-Vertrag, wurde aber als 100%-Gehalt interpretiert.

DWM erbittet sich Bedenkzeit und kann dabei in die Abgründe ihrer Seele blicken. Immer war sie überzeugt davon, Geld sei ihr nicht so wichtig (sofern sie überhaupt welches verdient natürlich), allein die Aufgabe zählt. Wie wird sie sich entscheiden  bei der Aussicht, eine tolle Aufgabe in einem tollen Unternehmen für das halbe Geld zu erledigen?

endlich ein Teilzeitjob in Sicht (2)

….. darf ich Ihnen mitteilen, dass sie in die engere Wahl gekommen sind…..

Yeah! Wusste ich´s doch! Diesmal lässt DWM voller Elan und Zuversicht ihren Wagen auf den Firmenparkplatz rollen. Am zweiten Gespräch beteiligt sich außer dem Vorgesetzten auch noch ein weiterer Mitarbeiter der Abteilung. Als das Gespräch auf den Umgang mit schwierigen Kollegen kommt, meint dieser mit einem Augenzwinkern „Sie haben doch Kinder, da sind Sie an solche Situationen eh gewöhnt.“ JA! Endlich werden die besonderen Qualifikationen einer Mutter auch mal gewürdigt! Wieder wird das Gespräch in Abwesenheit eines Personalverantwortlichen geführt und wieder fehlen die entsprechenden Fragen – was DWM aber wieder als Vorteil empfindet. Die heikelste aller Fragen schneidet der künftige Vorgesetzte diesmal selbst an, fasst sich dabei aber kurz: er habe mit der Personalabteilung gesprochen, Gehalt passt auch.

Abschließend wird sie durch das ganze Unternehmen geführt und dem einen oder anderen Mitarbeiter vorgestellt. Wieder ist DWM ganz hin und weg von dem tollen neuen Gebäude, den freundlichen Menschen, der netten Atmosphäre, dem guten Kaffee. Noch zuversichtlicher als beim ersten mal verlässt sie das Firmengelände.