Urlaub Tag 17 – zu alt (1)

Wie DWM vielleicht schon erwähnt hat, ist ein weibliches Leben ohne Shopping-Gen zwar prinzipiell möglich und auch recht sparsam, aber nicht immer einfach, speziell im Zusammenleben mit einer halbwüchsigen Tochter, der sie dieses Manko offensichtlich nicht vererbt hat. Als toleranter Mensch und immer um Gerechtigkeit bemüht, versucht DWM, das Urlaubsbudget nicht nur in Wakeboarding für DSB sondern auch in Bekleidung für DSG zu investieren. Trotz der Hitze versucht sie tapfer, ihre Tochter zu begleiten. Wenn DSG ihre Freude und Dankbarkeit ausdrückt, indem sie auf der Straße spontan nach DWMs Hand greift, ist diese glücklich, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Heute macht sie die erstaunliche Erfahrung, dass diese Shopping-Ausflüge seitens DSG nicht ausschließlich einseitig gewünscht sind. DSG findet in einer netten Boutique eine weiße Tunika, die ihre Mutter unbedingt kaufen sollte.

DSG: „Mama, du musst dir unbedingt auch mal was kaufen!“

DWM: „Je weniger ich für mich kaufe, desto mehr Geld bleibt für dich, ist das nicht viel besser?“

DSG: „Du bist aber langsam zu alt für deine Boardshorts!“

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Erziehungsversuche

Seien wir mal ehrlich, unsere Kinder haben es wirklich nicht immer leicht, uns zu konsumfreudigen Stützen der Wirtschaft zu erziehen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sie schon mal verzweifeln. DWM glaubt z.B. immer noch, mit einem Mountainbike überwinde man die Höhenmeter in beide Richtungen aus eigener Kraft, obwohl DSB ihr schon so oft vermittelt hat, dass für die Höhenmeter in die anstrengende Richtung die Seilbahn gedacht ist und man sich anschließend über künstliche Hindernisse möglichst halsbrecherisch ins Tal stürzt. Trotz geduldiger Erziehungsversuche spendiert DWM solche Events nur zu besonderen Gelegenheiten, z.B. als Zeugnisgeschenk.

Des weiteren glaubte DWM bis vor kurzem, man komme ohne Handtasche aus und stopfte ihre persönlichen Gegenstände einfach in die diversen Fächer ihres Laptop-Rucksackes. Nachdem DSG ihre Mutter endlich von der Notwendigkeit eines solchen Gegenstandes überzeugt hatte, weigerte sie sich immer noch, die Marke mit der schönen Schnalle zu kaufen. Auch hier war wieder einiges an Erziehungsarbeit nötig, bis DSG zweieinhalb davon und DWM immerhin eine halbe ihr Eigen nennen konnten.

Nun glaubt sie aber immer noch, Pullover werden wegen der niedriegen Temperaturen getragen und können auch bei H+M gekauft werden.

Weder mit dem tollen Online-Shop von Abercrombie & Fitch noch mit dem günstigen Wechselkurs des britischen Pfund oder den geringen Versandgebühren konnte DSG punkten. Obwohl in allen Standardwerken zur Erziehung geraten wird, man solle sich nicht provozieren lassen, entfuhr ihr ein „Du bist so blöd!“, bevor sie sich in ihrem Zimmer verbarrikadierte.

Die Reaktion von DWM hängt in solchen Fällen davon ab, wie der Arbeitstag gelaufen war und da sieht man wieder einmal, wie ungerecht das Leben ist, denn was kann ein DSG für einen schlechten Arbeitstag? Diesemal hatte DWM aber einen sehr erfolgreichen Arbeitstag hinter sich und trug ihren Rüffel mit Fassung. DSG hatte sich erstaunlich rasch daran erinnert, dass in der Standard-Erziehungsliteratur immer darauf hingewiesen wird, man solle Meinungsverschiedenheiten in der Sache strikt von der Person trennen und ein „Deine Meinung ist blöd“ niemals verwechseln mit „Du bist blöd“, sie kriecht aus ihrem Zimmer hervor und entschuldigt sich (Anmerkung der Redaktion: vielleicht hat sie sich aber auch nur daran erinnert, dass die Spendierfreudigkeit der DWM proportional zur Stimmung verläuft). Nach gegenseitigen Liebesbekundungen kann die Erziehungsarbeit wieder aufgenommen werden – Ausgang offen.