Vom Delegieren der Freizeitbeschäftigung

Nun sind die Desperates ja viele Kilometer geflogen, um Boot zu fahren. Damit sind sie auch nicht allein, viele Menschen fliegen jedes Jahr viele Tausend Kilometer, um Boot zu fahren. Boot fahren muss also was ganz Tolles sein. Viele Menschen scheuen auch keine Kosten um Mühen, um die Berechtigung für diese Tätigkeit zu erlangen (zu denen zählt DWM nicht, trotz DWDs sanfter Intervention gibt sie sich mit ihrem Status als Hilfskraft zufrieden. Es kann nur einen Kapitän geben.) Trotzdem wurde ein Gerät erfunden, dass den Menschen diese Tätigkeit abnimmt. Nun ist dieser Autopilot ja eine feine Sache, wenn der Einhand-Skipper (ja, liebe Leser, da staunt ihr, was für seemännisches Vokabular sich die Landratte DWM schon angeeignet hat – dem Einhand-Segler wurde nicht etwa eine Hand abgehackt, schon gar nicht weil wir uns hier in einem moslemischen Land befinden, er ist vielmehr allein unterwegs und braucht daher seine zweite Hand für das Bier, das ihm sonst von der Crew angereicht wird J ) Segel setzen und derweil ein aus-dem-Ruder-laufen des Kahns vermeiden möchte. Die durchschnittliche Chartercrew allerdings besteht aus ca. acht Personen, von denen eigentlich immer einer die Zeit zum Steuern finden müsste, denn so umfangreich sind die Aufgaben an Bord nun auch wieder nicht (am Anfang der Beziehung hatte DWM sich zur Aussage verstiegen, Segeln sei langweilig). Nichtsdestotrotz erfreut sich der Autopilot allgemeiner Beliebtheit und als die Desperates beim Checkin das Nichtfunktionieren desselben festgestellt hatten, verschwand ein Angestellter für den nächsten halben Tag im Rumpf, um das Problem zu beheben. Leider konnte er während dieser Zeit jedoch nur feststellen, dass selbiger defekt sei und er einen Spezialisten von Raymarine aus Göcek hinzuziehen müsse. Diese Spezialisten sind sehr beschäftigt, weil die ganzen Chartercrews schließlich nicht selber steuern möchten, daher lief das Boot der Desperates in den letzten Tagen das ein oder andere Mal aus dem Ruder, denn bei einer nur vierköpfigen Crew findet natürlich nicht immer einer Zeit zum Bootfahren. Heute kommt nun endlich eine zweiköpfige Delegation von Raymarine an Bord, die nach mehrstündiger Bastelei ebenfalls feststellt: „Computer kaputt“, das Teil ausbaut und damit von dannen zieht. Während der verbleibenden zwei Tage wird das Boot wohl noch das eine oder andere Mal aus dem Ruder laufen.

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Und was machen wir dann da?

Und wieder mal ist es soweit. Anstatt sich den üblichen Osterbräuchen zu widmen, packt DWM die sieben (naja, oder vielleicht auch ein wenig mehr) Sachen der Desperates, um in den Urlaub zu fliegen. Jetzt kann der geneigte Leser einwenden, DWM jammere wieder mal auf hohem Niveau und damit hat er nicht mal so unrecht.

Die Brainstormingphase war klassisch abgelaufen. DWM, die gern auch ein wenig mehr von der Welt sehen möchte, als eine schaukelnde Nussschale vor einem zugegebenermaßen ansprechenden, aber mittlerweile eben gut bekannten Küstenabschnitt hatte verschiedene Vorschläge gemacht. Städtetrips, eine Reise nach England oder nach Andalusien, jeglicher Vorschlag wurde quittiert mit einem

„Und was machen wir dann da?“

DesperateWorkingDad hatte sich brav zurückgehalten, um sich vom Verdacht, er wolle den von ihm prinzipiell immer favorisierten Segelurlaub durchsetzen, von vornherein reinzuwaschen. Selbst die Variante der eierlegenden Wollmilchsau fand diesmal keinen Anklang und daran waren die jüngsten Ereignisse nicht unschuldig. Vor zwei Jahren hatten sich die Desperates auf Kreuzfahrt begeben, sodass DWM ihre Städte besichtigen, DWD sein Bootsfeeling genießen und die Kinder die Gesellschaft Gleichaltriger genießen können.

Im letzten Osterurlaub hatten die Desperates statt der schwimmenden Variante den Cluburlaub an Land gewählt. Die Eltern waren froh gewesen, dass auch der Nachwuchs nicht überzeugt war von dieser Bespaßungsform in der Ferienvollzugsanstalt. Am besten hatte den Desperates der Strand gefallen, und das hätte man auch billiger haben können.

Plötzlich steht erstmals der Vorschlag im Raum, das übliche Sommerdomizil „Segelboot in Fethiye“ auch zu Ostern aufzusuchen. Jetzt kann DWM kontern mit der Frage

„Und was machen wir da?“

Zum Baden ist es viel zu kalt, mit Wandern kann man die Kinder nicht mal in der dafür berühmten Heimat hinter dem Ofen hervorlocken und die Mühen des Fahrradtransportes per Flieger hat DWM schon vor dreizehn Jahren eingetauscht gegen die Mühen des Kindertransportes (auch wenn ihre halbwüchsigen Kinder sich mittlerweile einigermaßen selbstständig transportieren). Warum sollte sie ihren Haushalt unter erschwerten Bedingungen (KEINE Geschirrspülmaschine) auf See führen, wenn sie statt dessen ein bequemes Hotel beziehen kann? Warum sollte sie zum keine-Ahnung-wievielten-Mal in dieselbe Gegend fahren, wenn sie den Großteil der Welt noch nicht gesehen hat? DWD hat sogar Verständnis für die Argumente seiner Frau und schlägt ihr eine getrennte Reise mit einer Freundin vor. Leider verfügt DWM über nicht gerade viele Freundinnen, und die wenigen verfügen wiederum entweder nicht über Zeit oder Geld oder beides für solcherlei Problemchen. Außerdem breitet sich in DWM wieder mal die Endzeitwehmut aus: Die Anzahl der Familienurlaube ist mittlerweile schon absehbar, warum also den Kindern nicht den Gefallen tun (und dem alten Seebären DWD somit auch)? Obwohl DWM schon ein wenig erstaunt darüber ist, dass die Kinder so wenig Bedürfnis verspüren, etwas mehr von der Welt zu entdecken. Was ist aus den Kosmopoliten geworden, die sie heranziehen wollte? Sie essen bei McDonalds und freuen sich jedes Jahr auf das selbe Urlaubsziel. DWM beschließt sich  mitzufreuen. Sonne, Meer, schöne Landschaft, freundliche Menschen, gutes Essen, was will man mehr?

Auf eine Ostertradition wird dann doch noch bestanden. Trotz des Nahrungsmittelimportverbotes werden gefärbte Eier im Koffer verstaut. Falls diese am Zoll entdeckt werden, müssen die Desperates sie sofort alle aufessen, um die Entsorgungskosten zu sparen.

In diesem Sinne – Frohe Ostern!