Nachbetrachtungen zum Urlaub oder wie man einen Fahrtenkatamaran zum Kentern bringt

Leider kommt DWM auch Tage nach dem Urlaub nicht umhin, Blogpostvergangenheitsbewältigung zu betreiben und daran ist auch der Kapitän, obwohl mittlerweile zwangsläufig wieder zum DesperateWorkingDad mutiert, nicht ganz unschuldig.

Der letzte Urlaubstag beginnt eigentlich ganz harmlos. Um halb sechs Uhr morgens wird DWM von einem dumpfen Knall, gefolgt von Trampeln an Deck (sprich genau über ihrem Kopf) aus dem Schlaf gerissen. „Piraten“ war DWMs erster Gedanke, aber selbst als amtierende Sicherheitsverantwortliche an Bord wird ihr der geringe Wahrscheinlichkeitsgehalt dieser Befürchtung rasch bewusst. (Es war auch nur der heute abreisende Jüngling, der sich von DSG verabschieden wollte). Gerade als DWM überlegt, ob sich neuerliches Einschlafen wohl noch lohnt, ertönt lautes Geschrei vom Steg. Des Jünglings Vater zeigt sich mäßig erfreut über die Verzögerung der Abreise und macht diesen Gefühlen Luft. Nachdem die Crew erfolgreich abgereist ist und DSG sich wieder in ihrer Kajüte verzogen hat, ist es bereits zu hell, um nochmals einzuschlafen. DWM und DWD beschließen abzulegen und ein romantisches Frühstück auf See statt der Wassercampingatmosphäre im Hafen zu genießen. In einer windstillen Bucht werden die Motoren ausgemacht, nacheinander krabbeln die verschlafenen Crewmitglieder an Deck und frühstücken.

DSB dreht seine letzten Runden mit dem Außenborder und DWM, ihr werdet es nie erraten, packt ihr Theraband aus und absolviert die vom Physiotherapeuten aufgetragenen Übungen. Besser am letzten Tag, als gar nicht. Als ein sanftes Lüftchen sich erhebt, beschließt die Crew, den Golf von Fethiye zu durchqueren, um eine mit Restaurant ausgestattete Bucht aufzusuchen.

Beim Aufbruch nach dem Essen ahnen die Desperates noch nichts von den bevorstehenden Aufregungen, denn bis zur engen Ausfahrt ist diese Bucht sehr geschützt. Einzig die katastrophenvorausschauende DWM erahnt das schmale Band der bewegten Kimm am Horizont. Je näher sie der Ausfahrt kommen, desto stärker wird der Wind, aber lt. Kapitän ist das nur der Düseneffekt und Welle baut sich in der Bucht ohnehin nicht auf. Am Ende der Ausfahrt zeigt das Windlog bereits 30 Knoten und die winderfahrene DWM (immerhin hat sie sich in einem früheren Leben mal als überpowerte Windsurferin von einem Rettungsboot holen lassen) befürchtet ein weiteres Steigen. Wobei nicht der starke Wind der Anlass für die Befürchtungen darstellt, sondern die Art und Weise, wie der Kapitän damit umzugehen pflegt.

DWM fühlt sich beim Segeln für die Sicherheit an Bord verantwortlich, wenn aus ihrem domestizierten Ehemann wieder der Abenteurer durchzubrechen droht, das heißt, sie muss realitätsnahe Schreckensszenarien von unwahrscheinlichen unterscheiden und dann auch noch eine erfolgreiche Meuterei anzetteln.

Wie immer, wenn das Windlog die 20-Knoten-Marke übersteigt, absolvieren DWM und DWD ihre Diskussion inklusive Subtext, die sie genausogut von einem Band abspielen könnten:

„Meinst du nicht, wir sollten mal reffen?“ (Warum kann er eigenlich nicht mal von selbst an unsere Sicherheit denken?)

„So viel Wind ist das gar nicht!“ (Mann, ist das mühselig mit einer so ängstlichen Frau, die hat ja sogar vorm Fliegen Angst)

„Da vorne kommt aber noch mehr!“ (Das müsste er doch eigentlich auch sehen)

„Das sieht nur von weitem so aus.“ (Jedes Schaumkrönchen wird gleich wieder überinterpretiert)

„Sieh mal, es geht schon auf 30!“ (Wehe, das Log geht jetzt kurz runter, wenn er draufschaut)

„Hinter dem Kap wird es wieder weniger“ (Die will mir aber auch jeden Spaß verderben)

Je nach Gemütslage der restlichen Crew gelingt es DWD, eine Meuterei anzuzetteln und den Kapitän zum Reduzieren der Segelfläche zu bewegen. Diesmal aber ist die Situation eine schwierige, denn während der Einrumpfer bei mittlerer Windstärke durch seine Schräglage dem Segler bereits maximales Abenteuerfeeling vermittelt, steht am Katamaran die Bierdose unverändert an seinem Platz. Somit wiegt die Crew sich in falscher Sicherheit, während DWM wieder mal als Einzige die Gefahr durchschaut. Sie klammert sich ans Steuerrad und konzentriert sich auf den Kurs, während das Windlog sich der 40 (naja, vielleicht waren es auch nur 36, aber ab 6 wird ja aufgerundet, nicht war) nähert (mittlerweile wurde die Segelfläche reduziert). Trotzdem erreichen sie den sicheren Hafen und als sie wieder in der Heimat sind, passiert das Erstaunliche: DWD recherchiert im Internet, wieviel Segelfläche man auf dem Katamaran bei welcher Windstärke setzen sollte und kommt zur Erkenntnis: Je nach Kurs sollte bei 15 bis 18 Knoten gerefft werden! Wieder mal typisch – der Prophet im eigenen Land gilt nix und DWM klopft sich selbst auf die Schulter. Wenn es sonst schon keiner macht.

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Wie verhält man sich korrekt?

Nun ist es ja nicht so, dass DesperateSchoolGirl in Fethiye nur die Landschaft so toll findet. Oder am Bootfahren einen Narren gefressen hätte (Was DWD durchaus freuen würde, aber selbst er schätzt die Lage realistisch ein). Nein, während im letzten Sommer die Aussicht auf drei Wochen Segeltörn mit den uncoolen Eltern noch Anlass für DSGs Verzweiflung geboten hatte, kommt seit den Herbstferien nur mehr ein Urlaubsziel in Frage. Was kann einen solchen Sinneswandel in einer mittlerweile Dreizehnjährigen bewirken? Richtig. Und genau deswegen sitzt DWM jetzt des Nächtens im Salon am Netbook und pflegt ihren Blog, anstatt den Schlafmangel der letzten Nacht zu kompensieren. Obwohl DWM ja sonst immer gerne alle Möglichkeiten im Voraus in Erwägung zieht, hat diese Fähigkeit diesmal versagt. In der Hoffnung, mit dem eigenen Elternrumpf sich zu etwas mehr Privatsphäre zu verhelfen, hatte sie DWD den Katamaran schmackhaft gemacht. Nicht bedenkend, dass der Kinderrumpf ebensoviel Privatsphäre bietet J Und jetzt hockt sie im Salon und langweilt ihre Leser, nur weil sie sich nicht rechtzeitig auf diese Situation vorbereitet hat. Als der Jüngling an der Salontür geklopft hatte, wollte er nur schnell seine Jacke trocknen, die auf dem Weg vom Restaurant zum Hafen doch arg unter dem Regen gelitten hatte. (Er wohnt zwei Boote weiter, der Weg wäre auch mit der nassen Jacke durchaus noch bewältigbar gewesen). Das war vor zwei Stunden. Ab und zu übertönt Stimmengemurmel den Heizlüfter – das ist doch ein gutes Zeichen, oder? Wie soll DWM sich verhalten? Den Jüngling rausschmeißen? In die Kabine platzen mit der Nachricht, DesperateSchoolGirl müsse jetzt schlafen? Schlafen gehen, die „Kinder“ sich selbst überlassen und das Beste hoffen? Warten bis der Vater des Jünglings mit der Machete kommt und dem Vorwurf, DSG habe seinen Sohn verführt (zur Info für Blog-Insider: der Vater ist identisch mit Herrn Pi aus dem Sommerurlaubsblogpost)?

 DWM hat mal von einem Etiketteführer gehört, der Hilfestellungen gibt für Situationen, in denen man z.B. unerwarteterweise beim Frühstück auf ein derartiges neues Familienmitglied stößt. So weit ist es zwar (hoffentlich) noch nicht, aber beim nächsten Mal will sie schließlich besser vorbereitet sein!

Urlaub Tag 2 – Schiffserkundung und Kochalarm

Nun haben die Desperates ihr Urlaubsbrainstorming wieder einmal so lange hingezogen, dass ihr schwimmendes Domizil schon vermietet war – was prinzipiell auch gut so ist, denn schließlich muss es die Unkosten verdienen. Netterweise stellt die Charterfirma dafür ein anderes Boot zur Verfügung und wenn es nach DWM geht, darf dieses immer gern ein wenig größer sein. Schon während des letzten Urlaubs hat sie einen Katamaran auf dem Steg ausgemacht. Diese schwimmenden Häuser kosten normalerweise fast das Doppelte und jetzt wittert DWM ihre Chance, mal richtig Platz fürs selbe Geld zu haben. Ein eigener Rumpf für die Kinder und vier Nasszellen, ein Netz zum (verbotenerweise) Hüpfen, damit keine Untersportung aufkommt, wenn es schon zu kalt zum Schwimmen ist. DWD war erst nicht so begeistert, denn der Schraken ist wurde vor 12 Jahren gebaut, aber über solche Kleinigkeiten sieht DWM großzügig hinweg. Noch.

Die Erkundung löst auch große Freude bei allen Beteiligten aus. DesperateSchoolGirl richtet sich in ihrer Suite ein und verteilt ihre Schminkutensilien im eigenen Bad in der eigenen Nasszelle. Auf DesperateSchoolBoy wartet jedoch die schönste Überraschung. Der Außenborder des Dingis wartet mit ganzen ACHT Pferdestärken auf – das Doppelte des eigenen Dingis. DWM freut sich am meisten über den großzügigen hellen Salon, denn vor allem in der kühleren Jahreszeit verursacht der Aufenthalt im Inneren des Einrumpfers einen Hauch von Bunkergefühl. Der Salon des Katamarans jedoch ist lichtdurchflutet und bietet Panoramablick aufs Meer. Hier wird DWM sich ihrer schriftstellerischen Kreativität hingeben, sollte das angekündigte schlechte Wetter wirklich kommen. Ein besonders nettes Detail auf dem Katamaran ist das Fluchtfenster in der vorderen Nasszelle, durch das man bei Durchkenterung das Schiff verlassen kann. Aber selbst die sonst ständig an alle potenziellen Unglücke denkende DWM freut sich unterwegs immer wieder über das Aquarium am Klo.

Bevor man sich aber auf die Fahrt begeben kann, muss erst der Checkout bewältigt werden und das ist diesmal nicht so einfach. Der Schraken hat schon einige Seemeilen auf dem Buckel, und just als die Desperates auslaufen wollen, verabschiedet sich der Autopilot. Für die nächsten Stunden verschwindet ein Angestellter der Charterbasis im Rumpf und bastelt vor sich hin. Leider ohne Erfolg. DWM hat ihre Boardshorts (die sie immer noch trägt, obwohl sie lt. Ihrer Tochter längst zu alt dafür ist) hervorgekramt und hat es nicht so eilig mit Auslaufen, denn im Fahrtwind ist´s ohnehin wieder nichts mit Beine-bräunen. Als DesperateSchoolBoy seine erste Nudelportion des Tages urgiert, entdeckt DWM das frauenfreundlichste Feature des Bootes: den Kochalarm. Kaum hat sie Flamme des Gasherdes entzündet, ertönt ein ohrenbetäubender Lärm. Ja, DWM kann sich dieser Meinung durchaus anschließen – im Urlaub sollte keinesfalls gekocht werden 🙂

Urlaub Tag 19: Kizil Ada

Heute steht endlich ein Highlight an: ein Abendessen auf der Leuchtturm-Insel Kizil Ada. Für DSB eine seltene Gelegenheit, standesgemäß mit dem Motorboot zu reisen (die langsame Fortbewegung unter Segeln ist nicht wirklich sein Ding), denn der Transfer von Fethyie zur Insel ist im Restaurantpreis inbegriffen.

Urlaub Tag 18 – zu alt (2)

Zur Abwechslung und weil es dort außer Gemüse nichts zu kaufen gibt, verbringen wir heute wieder einmal einen Tag in unsere geliebten Karacaören-Bucht. Für DSB heißt das: endlich wieder wakeboarden! DWM hat ihre Wehwehchen ausgeheilt und beschließt: heute will sie das auch versuchen! Den ersten Dämpfer bekommt sie vom sonst so netten Juniorchef des Restaurants und Watersport-Motorbootfahrer Can, der DSBs sportliches Talent bisher in den höchsten Tönen gelobt hat.

DWM: „Can I try it today?“

Can: (blickt DWM an, als hätte sie ihn gebeten, die ganze Segeljacht hinter seinem Motorboot herzuziehen) „You want to try it?“

DWM (ist an diesem Tag wild entschlossen, sich nicht verunsichern zu lassen): „Yes! You don´t think, I can do it?“

Can: (blickt immer noch so skeptisch, als müsse er seiner Urgroßmutter das Wakeboarden beibringen) „If you have talent, you can do it“

DWM klettert ins Motorboot und bewundert ihren Sohn gebührend, der bereits mit einer Hand fährt und die ersten Sprünge in der Hecksee wagt. Plötzlich bekommt sie eine Schwimmweste zugeworfen. Jetzt ist sie an der Reihe.

Can: „You have 6 try.“

DWM nimmt Can übel, dass er es ihr wohl von vornherein nicht zutraut. Nach dem sechsten Versuch ist Wasser in alle Körperöffnungen gedrungen und den Muskelkater in den Unterarmen beginnt sie jetzt schon zu spüren. Da sie beim letzten Versuch wenigstens beinahe aus dem Wasser gekommen wäre, versteigt Can sich zu der kühnen Behauptung: „If you have some training, you can do it.“

Na bitte! Woher sollte DSB sonst sein Talent haben?

Urlaub Tag 17 – zu alt (1)

Wie DWM vielleicht schon erwähnt hat, ist ein weibliches Leben ohne Shopping-Gen zwar prinzipiell möglich und auch recht sparsam, aber nicht immer einfach, speziell im Zusammenleben mit einer halbwüchsigen Tochter, der sie dieses Manko offensichtlich nicht vererbt hat. Als toleranter Mensch und immer um Gerechtigkeit bemüht, versucht DWM, das Urlaubsbudget nicht nur in Wakeboarding für DSB sondern auch in Bekleidung für DSG zu investieren. Trotz der Hitze versucht sie tapfer, ihre Tochter zu begleiten. Wenn DSG ihre Freude und Dankbarkeit ausdrückt, indem sie auf der Straße spontan nach DWMs Hand greift, ist diese glücklich, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Heute macht sie die erstaunliche Erfahrung, dass diese Shopping-Ausflüge seitens DSG nicht ausschließlich einseitig gewünscht sind. DSG findet in einer netten Boutique eine weiße Tunika, die ihre Mutter unbedingt kaufen sollte.

DSG: „Mama, du musst dir unbedingt auch mal was kaufen!“

DWM: „Je weniger ich für mich kaufe, desto mehr Geld bleibt für dich, ist das nicht viel besser?“

DSG: „Du bist aber langsam zu alt für deine Boardshorts!“

Urlaub Tag 15 – Neuland

Irgendwann wird es langweilig, im Golf von Fethyie im Kreis zu fahren und wir befahren ein zweites Mal in diesem Urlaub Neuland – diesmal in die andere Richtung, Richtung Marmaris. Waren früher Fahrzeiten von über zwei Stunden problematisch für die Laune der Crew, so war es diesmal ausdrücklicher Wunsch von DSG, mal etwas anderes zu sehen und mal etwas länger auf See zu sein. Wie sich die Zeiten doch ändern.

Nach fünf Stunden erreichen wir Ekincik und es lohnt sich tatsächlich. Mit viel Liebe zum Detail wurde hier ein Restaurant-Steg zu einer kleinen Marina gepimpt.

Erst wird stilvoll angelegt:

danach die Marina erkundet:

 

selbst das WC betritt man hier stilvoll

allerdings nicht, ohne das Schuhwerk zu wechseln: