Projektarbeit oder „Weil ich es sage“

DWM gibt es nur ungern zu, aber manchmal würde sie auch im Beruf gern Befehle mit derselben Autorität und vor allem Begründung ausgeben wie zu Hause: „Weil ich es sage!“

Nun ist das heutzutage wohl selbst bei lt. Organigramm unterstellten Mitarbeitern schon kein anerkannter Führungsstil mehr und im Projektmanagament ohnehin unmöglich. Hier muss man Menschen zur Mitarbeit bewegen, deren Vorgesetzter man nicht ist.

DWM steht um 7:45 bibbernd mit NewComer am Bahnhof und hat gerade erfolglos versucht, ApplePolisher zu erreichen, der doch unbedingt die Karten besorgen wollte. Falls er das nicht getan hat, wäre jetzt doch ein passender Zeitpunkt, es selbst zu tun. Schon von weitem sieht sie ITlers Gesicht auftauchen, das sich selbst aus der Masse der griesgrämigen Montag-Morgen-Gesichter noch abhebt. (An dieser Stelle muss DWM etwas klar stellen: in der Berichterstattung könnte der falsche Eindruck entstehen, dass DWM diesen Kollegen nicht besonders schätzt, aber das Gegenteil ist der Fall! Nach einer ausgeprägten Stormingphase ist sie als eine der wenigen Angestellten des Unternehmens zu seinem weichen Kern durchgedrungen und seither hat er ihr auf sehr hilfsbereite Weise schon oft aus einer technischen Patsche geholfen, er gratuliert ihr zum Geburtstag, bringt ihr selbstgebackene Kekse mit und hat sie bei ihrem Auszug aus dem IT-Büro mit Blumen und Torte überrascht. Dafür nimmt sie es ihm nicht übel, dass er unter Stress dazu neigt, diesen auf nicht angenehme Weise an die Kollegen weiterzureichen. EXKURS ENDE)

„Ich war knapp davor, gar nicht mitzufahren!“ verkündet ITler, als er zu dem kleinen Grüppchen gestoßen ist. DWM wägt die Vor- und Nachteile der potenziellen Antwortmöglichkeiten ab.

„Dann geh halt wieder!“ würde ihr vielleicht vordergründig einen anstrengeden Tag ersparen, aber letztendlich nicht zu einem erfolgreichen Projektabschluss beitragen. Schlecht.

„Ooooch, was ist denn passiert?“ würde ITler vielleicht an dieser Stelle erwarten, DWM sieht sich aber nicht in der Lage, am Montag Morgen vor dem Frühstück auf dem zugigen Bahnhof die akustischen Konsequenzen zu ertragen. Auch schlecht.

Sie entscheidet sich daher für:

„Hab ich was falsch gemacht? Wenn ja, entschuldige ich mich gleich dafür.“

Ja, DWM gibt es zu, es hätte vielleicht passendere Antworten gegeben, aber Diplomatie zählt nicht unbedingt zu DWMs Stärken. Aber wenigstens braucht sie jetzt nicht über potenzielle eigene Verfehlungen nachgrübeln – Die Frage wurde verneint – und der Rest bleibt ihr erspart.

Kurz vor Abfahrt des Zuges taucht tatsächlich auch noch ApplePolisher mit den Fahrkarten auf. Auf der Fahrt haben alle noch reichlich Gelegenheit, ihre Mails zu checken, denn ein Gespräch will in dieser Konstellation eher nicht gedeihen. Nach einiger Zeit wechselt ITler auf seinem IPad von den Mails zu den Spielen, was DWM mit Erleichterung aufnimmt, denn wenn er sein Büro-Tagwerk schon beendet hat, steigert es vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass er dann dem Workshop seine Aufmerksamkeit schenkt. Ein Trugschluss, wie sie feststellen wird.

Die Geschäftspartner hatten – nicht ohne die üblichen technischen Probleme, bei denen ITler bereitwillig seine Hilfeleistung zur Beseitigung angeboten hatte – ihre Präsentation begonnen. DWM und Newcomer lauschen aufmerksam den Ausführungen. Links von ihr tippt ITler auf sein IPad ein. Rechts von ihr wischt ApplePolisher auf seinem IPhone herum. Die Vortragenden scheinen unschlüssig über die weitere Vorgangsweise zu sein. Sollen sie warten, bis die Gäste Zeit und Muße zum Zuhören finden oder einfach weiter machen? Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem DWM sich sowas wie mütterliche Autorität wünscht: „WENN IHR JETZT NICHT SOFORT EUER SPIELZEUG WEGLEGT, DANN…“ ok DWM gibt es zu, das DANN bereitet auch zu Hause Probleme, deshalb greift sie ja so selten wie möglich dazu, aber irgendwas findet sich schon, von Medienentzug bis Taschengeld-Kürzung.  Aber hier? Entzug der Spielzeuge und Wieder-Aushändigung im Zug? DWM gesteht sich ein, dass das vor den Geschäftspartnern noch peinlicher wäre und hofft auf Selbstheilung des Problems. Selbige tritt zumindest partiell ein, als der Vortragende auf die technischen Voraussetzung der einzuführenden Software zu sprechen kommt.  Nach einer effektvollen Pause blickt ITler von seinem IPad auf und verkündet.

„Das passt bei uns überhaupt nicht hinein.“ Ohne weitere Ausführungen, zum Beispiel über Alternativen, dehnt sich die Pause immer weiter aus. Was soll das jetzt heißen? Aufstehen, nach Hause gehen und BigBoss sagen, die von ihm gewünschte Software passe nicht in die Landschaft?

Aber ITler wäre nicht ITler, wenn er sich nicht doch noch zu einer konstruktiven Mitarbeit herablassen könnte, nachdem er seine Diva ausreichend vorgeführt hat. Friede, Freude, Eierkuchen bis zum nächsten Workshop, der in den Räumlichkeiten von DWMs Firma stattfinden und somit wenigstens das Reiseproblem nicht aufwerfen wird.

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Projektleitung im Kindergarten / Altersgemischte Gruppe ab 30

Nun darf DWM endlich wieder mal ein Softwareimplementierungsprojekt leiten. Obwohl sie in den letzten Jahren fast nur Popelkram gemacht hat, beherrscht sie ihr Handwerk (hoffentlich) noch. Oberstes Gebot: alle wichtigen Leute so früh wie möglich ins Boot holen. Da es sich um Software handelt, ist es durchaus naheliegend, auch einen Kollegen aus der IT zeitnah miteinzubeziehen. DWM hat schon erlebt (natürlich nicht bei ihren eigenen Projekten), dass die sonst auf zickig machen und sagen: davon weiß ich offiziell gar nichts, dafür mache ich auch nichts. Frühzeitig betreibt sie also schon Beziehungspflege in der IT. Die ersten Probleme ergeben sich schon bei der Terminvereinbarung für den ersten Workshop. Da es sich um ein Projekt für BigBoss handelt, sollte es am besten schon gestern fertig werden. Zu den von der Anbieterfirma vorgeschlagenen Terminen ist der zuständige ITler nicht verfügbar und in der Woche darauf auf Urlaub. ApplePolishers Reaktion: „Dann machen wir es halt ohne IT“. ApplePolisher als kreativer Bastler legt manchmal gerne selbst Hand an die  Installationen und bringt damit den offiziell dafür Zuständigen noch mehr gegen sich auf. Wenn DWM ihr Projekt erfolgreich über die Bühne bringen will, muss sie jetzt wieder alle in der Erziehungsarbeit erworbenen Softskills einsetzen und die beiden Streithähne zur konstruktiven Zusammenarbeit bewegen. Sie bekniet die Softwarefirma um Alternativtermine und bekommt tatsächlich einen zustande, an dem alle können – Hürde Nummer eins gemeistert.

Nächstes Problem: wie gelangen vier Personen dort hin, von denen zwei sich nicht ausstehen können? ITler hatte im Vorfeld schon klar gestellt, dass er sich keinesfalls als Chauffeur des Poolwagens zur Verfügung stellen werde. DWM hat in der Reservierungsdatenbank festgestellt, dass selbiger an diesem Tag ohnehin schon vergeben ist und sucht passende Bahnverbindungen heraus. Sie ruft ITler an um zu fragen, ob die Uhrzeiten für ihn passend seien (seine Bedingung war, abends pünktlich zum Yoga zu kommen).

ITler: „Es wäre aber günstiger mit dem Leihwagen zu fahren, als vier Bahnkarten zu kaufen.“

DWM: „Du wolltest doch nicht fahren, außerdem darf nur die Führungskraft über einen Leihwagen entscheiden“ (Die Einhaltung der Konzerntravelpolicy vereinfacht die Reiseplanung nicht unbedingt)

ITler: „Ich wär schon gefahren.“

DWM (fühlt sich langsam an häusliche Szenen erinnert): „Na gut, dann frage ich halt meinen Chef.“

ApplePolisher entscheidet sich für die Bahnfahrt und bietet an, die Karten zu besorgen, da er ohnehin seine Bahncard verlängern müsse.

ApplePolisher: „Dann kaufe ich drei Fahrkarten“.

DWM: „Nein, vier, der ITler fährt auch mit“.

ApplePolisher: „Für den besorge ich sie aber nicht.“

DWM: „Dann kaufst du also drei und ich eine?“

ApplePolisher wird wohl die Sinnlosigkeit seines Verhaltens bewusst: „Na gut, ich kaufe vier.“

DWM ruft ITler an und verkündet die Entscheidung. ApplePolisher erscheint nochmal im Büro: „Weißt du, wer den Poolwagen hat? Wenn es regnet, mag ich nicht mit der Bahn fahren.“ Nach einer inoffiziellen Regelung wird der Poolwagen nicht nach der Regel „first come first served“ vergeben, sondern nach Wichtigkeit des Antragstellers. Es könnte also durchaus sein, dass ApplePolisher die Reservierung noch overrulen kann.

DWM: „Nein, keine Ahnung. Soll ich nachschauen?“

ApplePolisher: „Nein. Können wir vielleicht kurzfristig entscheiden, wie wir fahren? Wenn ich es weiß, rufe ich dich an und du sagst es dem ITler.“

Das kann ja ein heiteres Projekt werden, mit zwei Teilnehmern, die nicht miteinander reden, sondern nur über DWM als Vermittler kommunizieren.