Projektarbeit (2) – von Diven und Führungswolken

Nun ist es ja nicht so, dass DWM frei von Fehlern wäre, auch wenn sie diese im Allgemeinen gern bei anderen sucht. Heute aber ist ihr wieder einer entfleucht, oder genau genommen sogar zwei, wenn man ganz streng sein möchte. Sie hat zwar wieder Berge versetzt, um einen Termin für den Workshop zustande zu bekommen, aber leider in der Einladung der internen Teilnehmer vergessen, den Ort dazuzuschreiben. Dazu muss man allerdings sagen, dass die Auswahl nicht sehr groß ist. Es gibt nur zwei Besprechungszimmer mit Beamer, wovon eines den Vorständen vorbehalten ist. In dem anderen ruft ITler jetzt an, um DWM – die dort gerade mit den Vorbereitungen beschäftigt ist – darauf hinzuweisen, dass in der Einladung kein Ort stand und er jetzt nicht wisse, wo er hingehen müsse. (Zur Info: dieser Besprechungsraum grenzt direkt an sein Büro). Außerdem merkt er an, dass er keine Agenda bekommen habe. DWM entschuldigt sich mit der gebotenen Zerknirschtheit und bittet ihn ins Besprechungszimmer. Da werden vom Empfang auch schon die Gäste gemeldet und ohne viel Vorgeplänkel stürzt man sich ins Geschehen.

Einer fehlt allerdings. ApplePolisher glänzt wieder mal durch Abwesenheit. Schon am Montag war er kommentarlos der Besprechung ferngeblieben, die DWM am vergangenen Donnerstag wegen seiner aus dem Ruder gelaufenen Abteilungsbesprechung verschoben hatte. Das  war aber gar nicht so schlecht, denn erstens gab es nur interne Teilnehmer, die DWMs Vorgesetzten uns seine Eigenheiten zur Genüge kannten und zweitens konnte DWM im Protokoll in der letzten Zeile einfach ein Todo für ihn einfügen 🙂

Die Gäste aber kennen die Gepflogenheiten hier im Haus noch nicht und wundern sich. DWM ruft ApplePolisher an und wundert sich, dass er überhaupt schon im Haus ist. Er habe noch keine Zeit, werde sich aber im Laufe des Tages melden. Auch gut. DWM wendet sich wieder dem Geschehen im Raum zu, das sich gerade um die Frage dreht, in welcher Technologie die Software geschrieben sei.

„Java-Programme möchte ich nicht in userem Netz haben“.

DWM blickt zur Decke und bittet den lieben Gott um Geduld.  Sie erinnert sich an die Szene mit der unpassenden Hardware. Jetzt ist es halt unpassende Software.  Aber dafür hat ApplePolisher sie in diesem Fall ja wohl zur Projektleiterin gemacht, weil sie bekannt ist als Meisterin der schwierigen Kommunikation. DWM wartet, bis IT-ler seine ganzen Bedenken und Beschwerden vorgebracht und wieder zur Mitarbeit bereit ist. Schneller als erwartet ist der technische Teil erledigt. IT-ler verabschiedet sich wieder in sein Büro, nachdem er DWMs Einladung zum gemeinsamen Brötchen-essen abgelehnt hat. „Ich esse mittags nie“. Auch gut. Bleibt mehr für sie.

ApplePolisher ist mittlerweile nicht nur unabkömmlich, sondern auch unauffindbar. Ein guter Grund, die Mittagspause vorzuverlegen, weil auch die Brötchen früher geliefert worden waren. Nach Essen und Smalltalk wird in DWMs Büro gleich mit der konkreten Arbeit begonnen, um die Zeit zu nützen. Die Gäste weisen noch mal auf ihre geplante Abfahrtszeit hin, nur für den Fall, dass ApplePolisher noch mit ihnen sprechen möchte.

DWM verspürt wenig Lust, ihren Vorgesetzen vor den Gästen in ein möglichst gutes Licht zu setzen und berichtet wahrheitsgemäß, es sei schwierig, sich konkrete Termine mit ApplePolisher auszumachen und noch schwieriger, diese auch einzuhalten.

So ziehen nach einem arbeitsreichen Tag die Workshopteilnehmer von dannen und DWM verfasst am nächsten Tag wieder ein Protokoll, nicht ohne ein Todo für ihren Vorgesetzten einzubauen 🙂

Advertisements

Projektarbeit (1) – Total egal

Woher kommt bloß dieses Gefühl? Bzw. Nicht-Gefühl? Bei DWMs letztem größeren Projekt wir sie noch ziemlich aufgeregt vor einem wichtigen Workshop. Heute aber musste sie sich schon sehr zwingen, um frühzeitig das Haus zuverlassen. Schließlich muss sie noch den Sitzungsraum mit Getränken versorgen, PC und Beamer hochfahren, die Fernbedienung für die Klimaanlage suchen, die Zustellung des Essens organisieren. DWM als gefürchtete Zu-früh-Kommerin hat das alles immer gerne vor dem Eintreffen der Gäste erledigt.

Auf der Fahrt ins Büro breitet sich dieses sonderbare Un-Gefühl immer weiter aus. Egal. Egal. Egal. Total egal. Das hat jetzt den großen Vorteil, dass die Last, die früher immer zumindest subjektiv empfunden auf DWMs Schultern geruht war, von ihr genommen ist. Gleichzeitig fehlt aber auch das positive Kribbeln, das mit solchen Projekten verbunden gewesen war. Wird alles klappen? Welche Probleme werden auftauchen? Werden wir rechtzeitig fertig werden? Wie sieht es mit den Kosten aus? Werden alle Projektmitarbeiter bis zum Schluss durchhalten oder gibt es wieder Ausfälle wegen Kündigung oder Krankenstand? Wie kooperativ werden sie sich verhalten, wurden überhaupt die richtigen ausgewählt? Fragen über Fragen, die DWM früher gerne gewälzt hatte.

Heute beschäftigt sie nur eine Frage: Wird sie rechtzeitig zum Elternsprechtag loskommen? Oder genauer gesagt zwei: Wird das Essen pünktlich geliefert werden?

Warum ist das so? Knabbert DWM immer noch an der Degradierung, obwohl sie sich doch damit arrangiert hat? Der Arbeitsinhalt ist doch derselbe, egal mit welchem Titel man ihn durchführt. Ist das die berühmte Midlife-Crisis? Oder die möglicherweise damit verbundene Sinnkrise? Was wird sich in der Welt wirklich verändern, wenn diese Software hier erfolgreich läuft? Oder ist es einfach nur langweilig, weil sie es schon so oft gemacht hat? Dann hätte auch ein Jobwechsel nichts genützt, denn nach dem Zauber des Neubeginns, wenn man alles und jeden kennt, ist es das selbe in Grün. Schon des öfteren hat DWM sich Gedanken über das Problem gemacht, den einmal erlernten Beruf ein Leben lang ausüben zu müssen, aber in ihrer Phase der Jobsuche hat man ihr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie – wenn überhaupt – nur Chancen innerhalb ihres bestehenden Jobprofils und Erfahrungswertes hat. Neuorientierung wird nicht so gerne gesehen.

Glücklicherweise kann DWM ihren Mangel an innerem Feuer ausgleichen durch ein Mehr an Erfahrung und Gelassenheit, eindeutig einer der wenigen – wenn nicht der einzige – Vorteil des älter werdens.

Unternehmerische Entscheidungen

Wenn BigBoss etwas haben möchte, dann möchte er das sofort. Und ApplePolisher als braver Untertan unterstützt ihn darin mit dem gebotenen Einsatz. So wurde der Firma aus dem montäglichen Workshop auch vermittelt, sie können schon mal zu arbeiten anfangen, auch wenn die Verträge noch nicht unterschrieben seien. DWM als kritischer Geist könnte hier Verzögerungen verursachen, gut dass sie mittlerweile so wenig zu sagen hat.

In ihrem Meeting am Mittwoch hat sie andere Anbieter und auch deren Kunden kennengelernt und somit beim mittäglichen Smalltalk Gelegenheit, mögliche Alternativen auch von der Kostenseite her abzuklopfen. Jetzt fühlt sie sich in der Zwickmühle. Soll sie versuchen, das Projekt in der jetzigen Form zu kippen? Soll sie BigBoss von der Alternative berichten? Der korrekte Dienstweg verlangt, zuerst mit ApplePolisher zu sprechen, aber wer sich an Im Zentrum des Geschehens (5) oder Wer sagt hier die Wahrheit?erinnern kann weiß, dass dieser die Informationen gern ein wenigt modifiziert, bevor er sie an BigBoss weitergibt. Die Macht des Faktischen nimmt DWM die Entscheidung ab. Morgens ist viel zu tun, und gleich danach Abteilungsbesprechung mit ApplePolisher. Die Tür zum Vorstandbüro steht wie meistens offen und ApplePolisher senkt die Stimme, als DWM das Thema anschneidet. Als erstes fragt er, ob sie den Vorständen bereits davon berichtet habe und scheint sehr erleichtert, als sie dies verneint. DWM ist ja eine brave Angestellte und würde niemals den Dienstweg umgehen. Brav hört ApplePolisher sich DWMs Bericht an, wirft aber ein, dass das Ding sicher viel zu unflexibel sei. Trotzdem wird er ein wenig nachdenklich, als er von den Kosten hört. Vor BigBoss als der große Einsparer dazustehen (was natürlich er und nicht DWM tun würde) wäre schon sexy. Aber DWM weiß, dass auf seinen Druck hin die Hardware bereits bestellt wurde, obwohl die Unterschrift des IT-Leiters auf dem Antrag gefehlt hat. Deswegen hält seine nachdenkliche Miene auch nur kurz an, bevor er sich wieder DWM zuwendet: „Du hast mir von diesem Meeting am Montag berichtet, ok?“

DWM muss sich sehr anstrengen, um ihre Kümmerermentalität abzustreifen. Was für Alternativen hat sie und vor allem, welche Vorteile bieten diese? Ihr Wissen zu BigBoss zu tragen, bedeutet, den offenen Kampf gegen ApplePolisher zu eröffnen. Darauf verspürt DWM wenig Lust, wo sie doch schon im verdeckten Kampf den kürzeren gezogen und ihre Position an ihn verloren hat. Diesmal hätte sie zwar die Waffe der Einsparung in der Hand, aber sie will gar nicht kämpfen, sie will nur das Beste für das Unternehmen! Schweren Herzens gesteht DWM sich ein, dass es darum aber nicht geht. Sie wird ihren unternehmerischen Instinkt unterdrücken und das Projekt nach ApplePolishers Vorstellungen machen müssen, wenn sie hier in Ruhe weiter arbeiten möchte.