Erkenntnisse der Social Tour (2) – Was früher wichtig war

Nun ist DWM ja an einem Punkt angelangt, an dem sie ihr Leben neu sortieren muss. Eigentlich muss sie das ja ständig, denn die rasend schnelle Entwicklung der Kinder fordert eine möglichst ebenso schnelle Anpassung des Lebensstils. Nun schreitet die Entwicklung aber nicht konstant, sondern in Schüben voran. Und so ein kindlicher oder pubertärer Schub erfordert dann eben einen Schub in DWMs Leben.

Nun hat DWM ihr erstes Kind mit knapp dreißig Jahren zwar nicht völlig unerwartet bekommen, aber so richtig vorbereitet war sie eben doch nicht auf dieses völlig veränderte Leben, soll heißen, es standen noch jede Menge wahnsinnig wichtige Dinge auf ihrer Todo-Liste, die sich mit Kindern, wie DWM völlig überrascht feststellen musste, nur schwer abhaken lassen. Jetzt, wo der Nachwuchs die Schwingen spreitzt, um in absehbarer Zeit flügge zu werden (naja, vielleicht sitzt DWM da zwar ein wenig früh in den Startlöchern  mit einem 11 jährigen Sohn, aber besser sich zu früh auf die nächste Lebensphase vorbereiten, als davon überrascht werden, nicht wahr?), ist es an Zeit für das große Aussortieren der Ziele und Wünsche von damals: Was ist immer noch wichtig, was kann jetzt schon erledigt werden, was bedarf einer so großen Vorbereitungszeit, dass DWM schon mal damit beginnen müsste?

Nun ist es ja gottlob nicht so, dass DWM ihre eigenen Interressen während der Zeit der Nachwuchspflege vollkommen vernachlässigt hätte, sie hat sie zum Teil eben modifiziert. Aus der großen Karriere ist eine kleine geworden, und selbst die ist mittlerweile ad acta gelegt, weil sie im Stapel „Nicht wichtig/Preis zu hoch“ gelandet ist. (Ob sie ohne Kinder auf einem anderen Stapel gelandet wäre, will DWM zumindest nicht ausschließen).

Aus den großen Bergbesteigungen sind die kleinen Mountainbiketouren geworden, weil man da auch bergab fahren kann und somit schneller wieder zu Hause ist. Diesen Wunsch möchte DWM aber (zumindest noch) nicht auf den Stapel „Nicht wichtig“ legen und ist wild entschlossen, alsbald (ein schön dehnbarer Begriff) mit den Trainingsvorbereitungen zu beginnen.

Das Windsurfen hatte sie schon vor den Kindern aufgegeben, weil sie DWD zuliebe Wien und das nahegelegene Surf-Mekka Podersdorf verlassen musste. Dafür hat sie seither wenig Gelegenheiten ausgelassen, diesen Umstand zu bejammern. Als Ersatz macht sie seit einiger Zeit wieder ein paar  Versuche an einem Salzburger See, aber nicht ohne bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Vergleich zu ihrem glorifizierten Podersdorf anzustellen.

Und jetzt ist es so weit. DWM weilt in Wien und könnte eigentlich schon lange auf dem Surfboard stehen. Statt dessen sitzt sie mit ihrer Freundin aus Kindertagen gemütlich beim Brunch und redet mit ihr über Gott und die Welt. Danach fährt sie zwar noch nach Podersdorf, um die Freundin zumindest ein paar Stunden arbeiten zu lassen, aber anstatt so dicht wie möglich an der Surf-Schule in einer hässlichen Pension zu übernachten, quält sie sich durch den abendlichen Berufsverkehr nach Wien zurück, um noch einen Abend mit ihrer Freundin zu verbringen. Das mag ja noch angehen, aber was sie am nächsten Tag macht, schlägt dem Fass den Boden aus und nimmt ihr jegliche Berechtigung, jemals wieder über ihre Entfernung von Podersdorf zu jammern. Nach einem weiteren gemütlichen Frühstück mit tiefgründigen Gesprächen zieht die Freundin sich ins Arbeitszimmer und DWM sich ins Gästezimmer zurück, um Blogposts zu schreiben! Nun kann man zu ihrer Entschulding vorbringen, dass sie immerhin Windbericht und Webcam konsultiert und beschlossen hat, dass sieben Windstärken für eine Wiedereinsteigerin mindestens eine zu viel sind, aber früher wäre sie auf gut Glück hingefahren, hätte sich an den Strand gesetzt in der Hoffnung, dass irgendwann der richtige Wind käme.

Daraus lernt DWM folgendes:

Gute Gespräche  mit Freundinnen sind wichtig, und wenn sie schon nicht in der Lage ist, diese an ihrem derzeitigen Wohnort zu führen, dann wird sie eben öfter nach Wien fahren als nur alle paar Jahre.

Schreiben ist wichtig und kann überall erledigt werden.

Sport ist auch wichtig, aber eben nicht mehr Prio eins. Und der geliebte Neusiedlersee wurde während der gestrigen Surfstunden vom glorifizierten, ständig vom perfekten Wind umwehten Gewässer zu der Schlammbrühe, an der der Wind zwar oft stark, aber genauso böig weht wie zu Hause. DWM nimmt Abschied von den Mythen ihrer Studentenzeit.

Was aber definitiv kein Mythos ist, sondern sich seit damals eher noch verbessert hat, ist die Wiener Beislszene – ein weiterer Grund, öfter nach Wien zu fahren!

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