Zurück zum Start oder wann ist eine Karriere eine Karriere?

Manchmal geht DWM erstaunliche Irrwege, um zu fundamentalen Erkenntnissen zu gelangen. Um Jahre, eigentlich Jahrzehnte später genau dort zu landen, wo sie schon mal war. Der Spruch „wenn es des Richtige gewesen wäre, kommt man an dieser Wegkreuzung wieder vorbei“ (oder zumindest so ähnlich, DWM ist furchtbar schlecht im Zitieren, wenigstens hat sie keinen Doktortitel, der ihr dafür aberkannt werden könnte) bewahrheitet sich für sie auf alle Fälle. Wobei sie sich schon die Frage stellt, wie viele Erkenntnisse sie in ihrem begrenzten Leben noch unterbringen kann, wenn sie so lange dafür braucht.

Gegen Ende des Studiums hatte DWM angefangen, als Werkstudentin in der Softwareentwicklung zu arbeiten. Nachdem sie ihren Abschluss gemacht hatte, wurde sie fix in diesem Unternehmen angestellt, berufliches Leben perfekt auf Schiene gebracht. Dachte sie jedenfalls. Denn zwischen Sponsion und Anstellungsvertrag hatte sie noch genau eine Woche Freiheit zu genießen, was sie auf Teneriffa zu tun gedachte. Und dann passierte es. Die erste von vielen Bauchentscheidungen. DWM lernte den späteren DWD kennen, und verließ seinetwegen ihre geliebte Studienstadt. In der neuen Stadt fand sie Arbeit in der Projektleitung von Softwareprojekten und redete sich ein stellte fest, dass das ohnhin viel cooler sei. Die Dinge nahmen ihren Lauf, mit DWDs tatkräftiger Hilfe schaffte es DWM trotz zweier Kinder beruflich einigermaßen am Ball zu bleiben bis dann das verlockende Angebot kam: eine eigene Abteilung – zwar in einem Fachgebiet, das DWM sich erst aneignen müsste, aber sie lernt ja gern Neues. Der werte Leser kann sich jetzt die Frage stellen, ob das Fachgebiet DWM auch zusagen würde und genau das hätte sie damals auch tun sollen. Hättiwari. Aber zu groß waren die Verlockungen. Welche Verlockungen eigentlich? Dienstreisen erster Klasse statt zweiter Klasse? Den Großteil ihrer Arbeitszeit in tagelangen Meetings zu verbringen, deren Quintessenz man in einer Stunde hätte unterbringen können? Abends vom Vorstand gemeinsam mit anderen wichtigen Leuten zum Essen eingeladen zu werden, während sie viel lieber ihre Kinder geknuddelt hätte? Wie dem treue Leser der ersten Stunde vielleicht noch erinnerlich ist, war es irgendwann vorbei mit den Abteilungsleiterprivilegien und es blieb nur mehr das Fachgebiet übrig, begleitet von der Schmach der Degradierung. DWM fuhr ihren beruflichen Elan auf ein erforderliches Mindestmaß herunter und lastete sich stattdessen mit privaten Projekten aus: Bloggen, eBook, Trennung, Alleinerziehertum.

Bis es irgendwann wieder Zeit für eine Bauchentscheidung wurde: im internen Stellenmarkt wurde eine halbe IT-Stelle ausgeschrieben. DWMs Bewerbung wurde abgelehnt mit der Begründung, sie sei unverzichtbar in ihrer derzeitigen Position. Wie das? Ganz offensichtlich hatte sie sich dort immer noch über Gebühr verausgabt, sonst würde doch solches nicht behauptet werden. Während DWM nach Wochen immer noch versuchte, die ihr wohl angeborene (oder anerzogene? wer weiss das schon) Arbeitsmoral etwas erfolgreicher als beim letzten Mal zu bekämpfen, kommt ein Angebot vom Vorstand: Wenn sie noch interressiert sei, könne sie beides machen, ihre Kinder seien doch schon so groß… DWM kann nicht widerstehen, legt ihre letzten organisatorischen Reserven frei und stockt ihre Arbeitszeit auf 80%, auf von denen sie die Hälfte in der IT verbringen darf.

Um jetzt endlich auf das Thema zurückzukommen: Dort wird DWM versuchen, nach über 20 Jahren wieder Fuss zu fassen in der – richtig geraten! Softwareentwicklung. Die verbliebenen Reste an grauen Zellen werden aktiviert, mal schauen, wie viel nach Stilldemenz und exzessiven Feiern noch übrig ist.

Für die Feststellung, dass eine spannende Aufgabe wichtiger ist als Status, hat DWM Jahre ihres Lebens investiert. Und für die Erkenntnis, dass berufliche Entscheidungen von privaten tunlichst getrennt werden sollten, gar Jahrzehnte. Aber wie immer bleibt DWM der Trost: sie kann immerhin als schlechtes Vorbild für ihre Tochter dienen 🙂

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Im Zentrum des Geschehens

Nachdem BigBoss die Alleinherrschaft übernommen hatte, spekulierten DWM und NewComer über ihre berufliche Zukunft in diesem Unternehmen. Ihr Aufgabengebiet war die große Leidenschaft von SmallBoss gewesen, mit ihm hatten sie – Differenzen hin oder her – ihren Sponsor verloren. Was würde jetzt mit ihnen passieren? Würden sie in die völlige Bedeutungslosigkeit versinken, ein von den meisten Mitarbeitern und den Chefs sowieso unbemerktes Dasein in ihrem Büro fristen und Zahlen produzieren, die nur einmal im Jahr von den Wirtschaftsprüfern von Interesse waren, vielleicht noch einmal im Quartal von den Aufsichtsräten? Würden sie ob dieser Bedeutungslosigkeiten auf eine PE reduziert werden, wenn BigBoss bei der Durchsicht der Gehaltslisten auffällt, dass dort sogar zwei Leute hocken?

Wie so oft kommt es anders als man denkt. DWM und Newcomer stehen plötzlich im Zentrum des Geschehens, mehr als ihnen lieb ist.

DWM bereitet gerade ihren geordneten Aufbruch vor, als BigBoss´ Name auf dem Telefondisplay erscheint, begleitet von penetrantem Klingeln. Arglos nimmt sie das Gespräch entgegen, vielleicht möchte er sie ja auf einen kurzen Kaffee einladen, wie in alten Zeiten. Das ist seine bevorzugte Verhörmethode – Mitarbeiter zum Kaffee bitten um sie über Geschehnisse hinter den Kulissen auszuhorchen.

Heute wird DWM sich ihren Kaffee anderswo beschaffen müssen, denn der Hall in BigBoss‘ Stimme verrät ihr, dass sie auf Lautsprecher geschaltet ist und jetzt live an einem Meeting teilnimmt. DWM als eingefleischte Pessimistin ahnt, dass das nichts Gutes zu bedeuten hat.

„Gell, wenn wir das TGAZ (TollsteGeschäftAllerZeiten, DWM hatte gerüchteweise schon davon gehört, dass dieses Geschäft die Ergebniszahlen von 2012 auf wundersame Weise nach oben befördern soll) machen, wirkt sich das auf eure Zahlen eh nicht sehr aus, denn wir machen X und das wird durch Y fast wieder aufgehoben und dann passt doch alles, oder?“

DWM ist erstmal sprachlos, keine gute Voraussetzung im Duell mit BigBoss. Wie soll sie von einem Geschäft, das sie nur ansatzweise kennt, die genauen Auswirkungen auf die Zahlen voraussagen können? Ihrem Naturell und ihrer beruflichen Funktion nach schlägt sie sich auf die vorsichtige Seite. Sie versucht die möglichen Auswirkungen, die das Geschäft maximal auf die Zahlen haben könnte, zu beschreiben, betont aber, es nicht genau zu wissen und sich erst schlau machen zu müssen.

„Das kann nicht sein, ich rede mal mit den Wirtschaftsprüfern.“

DWM ist nur vorläufig entlastet. Sie befragt die Juristin, liest sich im Internet schlau, befragt Bekannte im Konzern und erkundigt sich im Rechnungswesen, wie das Geschäft denn in den Systemen abgebildet werden solle. Geballtes Nichtwissen. Dafür sickert durch, dass die Verträge wohl schon unterschrieben seien.

Jetzt könnte man meinen, DWM hat doch einen Vorgesetzten, der für knifflige Entscheidungen die Verantwortung trage aber das wäre wohl nur in einer idealen Arbeitswelt so. In DWMs Arbeitswelt heimst ApplePolisher die Lorbeeren für gelungene Projekte ein, zeichnet sich sonst aber außer durch perfektes Networking nur durch fachliche Ahnungslosigkeit aus. DWM kann BigBoss bei seinem nächsten Anruf wohl kaum empfehlen, den Dienstweg einzuhalten und sich an ApplePolisher zu wenden. NewComer weilt noch bei seinen Schwiegereltern in den USA und futtert sich eine neue Hosengröße an – DWM ist also allein auf weiter Flur. Wie wird sie sich dort behaupten?

 

Weihnachtsfeier

Eines gleich vorweg – an den Nähten des Kleinen Schwarzen liegt es nicht, dass DWM die Weihnachtsfeier sofrüh verlässt. Auch wird sie diesmal kaum Gesprächsstoff für die montägliche Nach-Lästerei liefern können, weil nicht vielen Leuten aufgefallen sein wird, dass sie überhaupt da war. Es ist in vielerlei Hinsicht eine etwas andere Weihnachtsfeier und nur deshalb kann sie heute überhaupt davon berichten, denn üblicherweise verbringt sie den Tag danach schwer leidend im Bett.

Schon der anfängliche Glühweinempfang wird wegen Regenwetters – seit DWMs Erinnerungen die erste Weihnachtsfeier ohne Schnee –  nach drinnen verlegt, wo niemanden nach dem heißen Gebräu gelüstet und statt dessen gleich das Rennen um die besten Plätze eröffnet wird. Nachdem die Damen ihre Mäntel von den bloßen Schultern gleiten lassen, macht sich bei DWM Erleichterung breit – diesmal liegt sie mit dem kleinen Schwarzen voll im Trend. Es kann doch kein Zufall sein, dass es bei jeder Weihnachtsfeier einen vorherrschenden Kleidungsstil gibt – wird das verabredet und DWM hat es nur noch nicht mitgekriegt?

BigBoss‘ Rede ist so kurz wie nie und kein einziges „gewaltig“ kann DWM zählen, während es in den früheren Jahren zweimal in jedem Satz aufgetaucht ist. QuietBoss kommt gar nicht erst zu Wort. Das Essen schmeckt wenigstens wie jedes Jahr, aber weil DWM einmal mit den Rauchern vor das Haus geht und inzwischen die Hauptspeise serviert wird, muss sie ihr Steak leider als Carpaccio genießen – klein genug ist es ja.

Vor der Nachspeise eine weitere Neuerung: ein Kabarrettist versucht sich mit weihnachtskritischen Scherzen, zum Teil sogar recht erfolgreich. BigBoss hatte die Überraschung in seiner Rede angekündigt – vielleicht ein Trost, falls wir sonst nichts zu lachen haben? Als der Kleinkunstvertreter sich über die Damen lustig macht, die zur Vorbereitung zum Friseur gehen und für 180 € einen abgehobenen Klobesen auf dem Kopf tragen, fühlt DWM sich nur bezüglich des Preises nicht ertappt. Trotzdem ist die Darbietung eine willkommene Abwechslung, weil sie DWM für eine knappe Stunde von der Unterhaltungspflicht mit dem Tischnachbarn entbindet.

Noch vor dem Dessert erspäht sie einen freien Platz am Tisch ihrer ehemaligen Kollegen. Das Spiel an der Bar „wo steht ein wichtiger Typ, an den ich mich ranschmeißen kann“ ist bereits eröffnet und so ist der Platz des Leiters frei. DWM schnappt ihr Weinglas und setzt sich zu den Kollegen unterster Rangordnung. Sie freut sich, dieses Spiel heuer nicht mehr mitspielen zu müssen und genießt die Unterhaltung mit den Kollegen. Als das Dessert serviert wird, hat BigBoss bereits mit den Blondinen seiner Wahl das Karaoke-Mikrofon ergriffen (Am Vorstandstisch wird selbstverständlich als erstes gegessen). Nach einer dreiviertel Stunde verkündet ein Kollege, Gerüchten zufolge führe bereits der erste Bus. DWM hat so wenig Alkohol konsumert wie nie zuvor bei solchen Anlässen, denn nur die zwangslustige Positionierung im oben genannten Spiel (Annäherungsversuche verheirateter Familienväter inbegriffen) ist nüchtern schwer zu ertragen, für eine nette Unterhaltung muss DWM sich nicht dopen. Somit ist sie auch erstmals in der Lage, ihre Handtasche und ihren Mantel sofort zu finden und pünktlich im Bus zu sitzen.

Gemeinsam mit einem Kollegen, der in den letzten Jahren ebenfalls immer bis zum bitteren Ende fährt sie in die Stadt zurück. Dieses Jahr ist eben vieles anders. Dort freut sie sich über die große Auswahl an Taxis statt sich wie sonst mit anderen Nachtschwärmern um einen freien Wagen zu prügeln und steigt in das letzte in der Schlange, damit sie nicht im Regen bis ans Kopfende gehe muss. Der Fahrer weist sie ebenso unhöflich wie bestimmt darauf hin, dass dass sie das erste nehmen müsse und DWM steigt widerwillig aus. Was hat man davon, dass es diese Regel nicht gibt, wenn man dann nicht gefahren wird?

Wie immer kriegt es dann der ab, der nichts dafür kann, als DWM den Fahrer des ersten Taxis anschnauzt: „Sind Sie denn jetzt wenigstens für mich zuständig?“ Das wird DWMs erste Taxifahrt, auf der dem Fahrer kein einziges Wort entfleucht, vielleicht sollte sie diese Strategie öfters anwenden? Trotzdem wird die Fahrt auch nicht teurer als sonst, aber eigentlich trotzdem eine Verschwendung, denn DWM fühlt sich so nüchtern, dass sie auch noch fahren hätte können. Aber als brave Teilnehmerin des Straßenverkehrs weiss sie, dass die gefühte Fahrtauglichkeit oft nicht mit der tatsächlichen korreliert.

Um ein Uhr ist DWM bereits zu Hause, während sie sonst nach den Feierlichkeitken die Familie meist beim Frühstück angetroffen hatte. DWM freut sich auf einen gewonnen Sonntag mit der Familie, den sie eigentlich schon abgeschrieben hatte.

Gute Vorsätze im Dezember

…müssen wir Ihnen leider mitteilen……blablabla.

Nicht dass es eine große Überraschung gewesen wäre, aber DWM ist trotzdem enttäuscht. Noch dazu schriftlich ohne Angabe von Gründen, nicht mal fadenscheinigen. DWM unterdrückt den Impuls, den Personalchef anzurufen und die Hintergründe der Entscheidung zu erfragen. Nach dem Blick auf den Kollektivvertrag hatte sie ohnehin kein gutes Gefühl mehr gehabt und das hatte sich jetzt eben bestätigt. Hätte sie ihre Forderungen doch etwas tiefer ansiedeln sollen, vor allem angesichts der Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld? Es heißt doch immer: „Wer wenig verlangt, kriegt auch wenig“. Aber wer viel verlangt kriegt offensichtlich gar nichts!

Neujahr ist nicht mehr allzu fern und DWM beschließt, die guten Vorsätze heuer mal vorzuziehen. Sie wird in Zukunft weder Zeit noch Energie in die nervenaufreibende Jobsuche verwenden. Statt dessen wird sie mit einem umfangreichen „Freu-dich-an dem-was-du-hast-Programm“ an ihrer Befindlichkeit arbeiten. Zum täglichen Erfreuen bieten sich folgende Punkte an.

– zwei (meistens jedenfalls) gesunde Kinder

– ein liebevoller Ehemann

– ein Job, der einigermaßen gut bezahlt ist und in dem sie keinen direkten Unanehmlichkeiten, wie z.B. Mobbing ausgesetzt ist.

– genügend Freizeit, um die letzten Jahre mit ihren Kindern genießen zu können

Die eierlegende Wollmilchsau auf dem Arbeitsmarkt ist ihr nicht begegnet, statt dessen schlug ihr geballte Unflexibilität (?) entgegen.

Um ihre novembergraue Befindlichkeit, die im Dezember eigentlich schon verflogen sein sollte, zu verbessern, wird DWM sich außerdem endlich wieder in einem Fitnessstudio anmelden. Und hoffentlich nicht nur anmelden (aber vielleicht schneit es ja inzwischen und DWM kann statt dessen Outdoor-Aktivitäten nachgehen und dann wäre es ja schade ums Geld, nicht wahr?).

Und in der vielen freien Zeit, die DWM nicht mehr mit der Jobsuche, dem Schreiben von Bewerbungen, der Vorbereitung auf Gespräche, dem Grübeln  über die Vor- und Nachteile (letzterem vor allem!) verbringt, wird sie das tun, was sie immer schon tun wollte. Sie wird endlich beginnen, ihr Buch zu schreiben. Gleich morgen. Heute ist’s ja schon ein wenig spät, nicht?

Veränderungen

Immer wenn vehement behauptet wird, es werde sich nichts ändern, passiert meistens genau das Gegenteil. So war es auch bei den Fusionen, die DWM bereits erlebt hat. Noch nie hat DWM aber die Umstrukturierungen so schnell eintreten sehen. Bisher stand sie Veränderungen immer positiv gegenüber, selbst als sie sich mitten in den Fusionswirren in den Mutterschutz verabschiedet hatte.

Nachdem sie jedoch ein Jahr nach dem Auftritt von SmallBoss um eine Hierarchiestufe tiefer gerutscht war, ist ihr Veränderungsoptimismus etwas gedämpft. Aber immer noch vorhanden, deswegen lugt sie jetzt an ihrem Monitor vorbei gespannt in Richtung ApplePolisher, der seine Untertanen gerade um Aufmerksamkeit gebeten hat. Die ersten Veränderungen werden in erster Linie räumlicher Natur sein. Das trifft sich gut, denn DWM räumt immer nur anläßlich eines Umzugs ihren Schreibtisch auf und die Papierstapel wachsen schon bedenklich in die Höhe. Doch das war noch gar nicht die gute Nachricht. BusyBody und Dottoressa werden ins Vorzimmer von QuietBoss ziehen und wenn ChatterBox aus dem Krankenstand zurückkommt (ja, ChatterBox ist wegen BurnOut seit Monaten krankgeschrieben, deswegen wurde als Vertretung eine Studentin eingestellt, die mittlerweile Dottoressa ist und einen fixen Anstellungsvertrag in der Tasche hat), wird sie sich zu ihnen gesellen und zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben – die sie ja jetzt mit Dottoressa teilt –  ein wenig Assistentin für QuietBoss spielen. Die ehemalige Assistentin von SmallBoss wird in eine andere Abteilung wechseln. Da das Vorzimmer mit drei Personen schon gut gefüllt ist, ziehen DWM und NewComer in den angrenzenden Schulungsraum. Um die Abteilungszusammengehörigkeit nicht zu sehr zu stören, soll eine Tür durchgebrochen werden. Freude und Erstaunen halten sich bei DWM die Waage. Endlich ein eigenes Büro! Aber warum sollen sie zu zweit in einer Halle residieren, während drei Personen sich im Vorzimmer drängeln? Noch während DWM mit einem unmerklichen Lächeln an NewComer ihren stillen Überlegungen nachhängt, macht BusyBody seinem Ärger lautstark Luft. Wer solle denn die Assistenztätigkeiten erledigen wenn ChatterBox – deren Rückkehr für Anfang Februar angekündigt ist – nicht da ist? Das sei schließlich drei Monate im Jahr der Fall. Er werde das auf keinen Fall machen und von einer Frau Doktor könne man auch nicht erwarten, dass sie Kaffee serviere. Dottoressa hat damit aber überhaupt keine Probleme, schließlich hat sie ihr Studium als Servicekraft verdient. Keinesfalls möchte sie aber um sieben Uhr morgens zu arbeiten beginnen, mit allem anderen könne sie leben. ApplePolisher versucht die Wogen zu glätten, die Assistenzarbeiten werden sich in Grenzen halten, QuietBoss werde bei weitem nicht so viele Kontakte pflegen wie sein Vorgänger. DWM ist nicht erstaunt, dass BigBoss seinem Kollegen keine eigene Assistenz zugesteht, während in seinem Vorzimmer zwei hübsche Damen residieren. ApplePolisher verkündet noch, dass er zu DWM und NewComer in den Schulungsraum ziehen wird. Naja, ein Schreibtisch mehr oder weniger wird dort nicht sonderlich auffallen und er selbst ist ohnehin immer in Networking-Missionen unterwegs. Der Schulungsraum werde allerdings nicht umgebaut oder verkleinert, fügt er noch hinzu und das heizt doch noch DWMs neuen Veränderungspessimismus an. Es scheint sich also nur um eine Übergangslösung zu handeln. DWM rechnet ohnehin damit, dass die aus ihr uns NewComer bestehende Gruppe wieder verkleinert wird, denn BigBoss hat ihr schon vor den Veränderungen dargelegt, dass man ein Unternehmen mit Hausverstand zu führen hat und nicht nach Zahlen (Anmerkung: die von DWM und NewComer produziert werden).

Wahrscheinlich wird sie genausowenig dazu befragt werden wie ChatterBox, die von ihrem neuen Aufgabengebiet auch noch nichts ahnt. Wie gut, dass DWM noch ihre Bewerbung laufen hat, von der sie hoffentlich bald hören wird.

Abschied

Heute hat SmallBoss seinen letzten Tag in unserer Firma und DWM ist erstaunt, wie schnell Menschen ihre Meinung ändern können. Wie viele Ressentiments hatte es gegeben vor zwei Jahren, als SmallBoss den plötzlich verstorbenen OldBoss beerbt hatte. Noch größer waren eigentlich nur die Ängste gewesen, wie es denn jetzt unter dem neuen Vorstand werden würde.

Zwei Tage später ist das Unternehmen schockgefrostet nach der Nachricht, SmallBoss werde mit Ende November aus dem Vorstand ausscheiden. Die Assistentin läuft seit Tagen mit verheulten Augen rum und auch sonst ist schon die eine oder andere Träne geflossen. Plötzlich ist er der tollste Chef von allen und dafür musste er noch nicht mal sterben.  Brot und Spiele wirkt auch noch nach tausenden von Jahren, die Feste, die SmallBoss für sein Ressort ausgerichtet hat, waren seinen Sympathiewerten sicherlich zuträglich. Ein Mitarbeiter hatte sogar angeregt, das SmallBoss-Ressort solle geschlossen der Weihnachtsfeier fernbleiben.

Auch DWM hat die konstruktive Zusammenarbeit durchaus geschätzt. Aber sie hat auch ihre Degradierung nicht vergessen und beides hat sie SmallBoss bei der persönlichen Verabschiedung auch gesagt.

Warum stimmt die Situation sie irgendwie traurig? Lässt sie sich nur von der allgemeinen Traurigkeit anstecken? Oder liegt es daran, dass die Situation ihr die Machtspiele verdeutlicht, in denen nicht Einsatz und Leistung, sondern politische Entscheidungen zählen? DWM befindet, für Karriere – auch in kleinerem Rahmen – offensichtlich ungeeignet zu sein und das nicht nur wegen ihrer familiären Verpflichtungen.

DWM gibt noch nicht auf (3)

…laden wir Sie zu einem Gespräch in unserer Personalabteilung ein. Zwecks Terminvereinbarung…..

DWM geht fast an die Decke vor Freude, als sie den Brief liest. Sie vereinbart einen Termin mit des Assistentin des gefürchteten Verhandlers und widmet sich dem umfangreichen Fragebogen, der der Einladung beiliegt. Etwas angestaubt vielleicht in Zeiten wie diesen, aber dafür suchen sie ja jemanden für die IT-Organisation, nicht wahr? Ebenfalls beigelegt ist ein Ausdruck aus Google Maps, auf dem der Standort der Personalabteilung markiert ist und das findet DWM schon mal sehr zuvorkommend.

Dieser Standort befindet sich in repräsentativer Citygegend, deswegen parkt DWM gleich in der Garage, bevor sie sich zum Gespräch begibt. Dann muss sie ein wenig warten, bevor sie vom harten Verhandler empfangen wird. Den sie sich definitiv anders vorgestellt hat. Nicht nur, dass er wohl um einiges jünger ist als DWM (langsam sollte sie sich offensichtlich mal daran gewöhnen). Er wirkt eher ruhig, statt dem stahlblauen harten Blick beim letzten Gespräch schaut DWM jetzt in sanfte braune Augen. Auch gut. Das Vorgeplänkel wird wieder kurz gehalten, der Verhandler will wissen, was für DWM im Projektmanagement denn wichtig sei. DWM ist erstaunt, dass auch in dieser Runde Fachliches besprochen wird und gibt ihre Meinung zum Besten. Zur Sicherheit fragt sie nochmal nach, ob denn ihrem Wunsch nach einem 80%-Vertrag entsprochen werden könne, der Herr Abteilungsleiter wollte diesbezüglich noch mal in sich gehen. Man kann.

Erstaunt nimmt DWM zur Kenntnis, dass einer der beiden ausgeschriebenen Jobs (natürlich der, den sie lieber gehabt hätte) nun doch intern vergeben worden war. Nach kurzem innerlichen Bedauern konzentriert sich DWM wieder auf das Gespräch. Es gibt  immerhin noch den anderen zu vergeben. Nach einem kurzen Blick auf den Lebenlauf, den er vor sich auf dem Besprechungstisch liegen hat, will der Verhandler jetzt wissen, wie das denn gewesen sei mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei ihrem Wiedereinstieg. Jetzt ist DWM erst recht erstaunt, denn das ist fast 10 Jahre her. Während sie bereitwillig Auskunft gibt und geduldig auch die Zwischenfragen zum schier unerschöpflichen Thema „Au-Pair Ja oder Nein“ beantwortet, schöpft sie den Verdacht, der Verhandler benötige diese Informationen für private Zwecke. Sicherheitshalber betont DWM noch einmal, dass eine qualifizierte Arbeit der Mutter nur mit tatkräftiger Mithilfe des Vaters zu schaffen sei. Ob er diesen Satz zu Hause auch so wiedergeben wird? 🙂

Spät aber doch kommt er auf das heikleThema zu sprechen. Wieder zückt DWM ihren Gehaltszettel. Im Vorfeld hatte sie sich schon überlegt, ob und wie viel Gehaltsverzicht für sie vorstellbar wäre. Nach Rücksprache mit DWD – schließlich fließt DWMs Gehalt in den Familienetas – kann sie sich einen Verzicht auf den jährlichen Bonus vorstellen. Auf den besteht ohnehin kein rechtlicher Anspruch, auch wenn er bisher in jedem Jahr, wenn auch in unterschiedlicher Höhe, bezahlt wurde.

Die Reaktion ihres Gegenübers versetzt DWM abermals in Erstaunen. Er bemerkt zwar ebenfalls, das sei eher hoch angesiedelt, aber er habe leider keinen Einfluss auf den Entscheidungsprozess, das müsse der Abteilungsleiter machen, für ihn müsse Gerechtigkeit innerhalb seines Bereiches herrschen bla bla bla. Da haben wir es wieder mal. Keiner möchte über Geld reden, keiner möchte die Verantwortung für eine möglicherweise unpopuläre Entscheidung tragen.

Zum Schluss darf DWM noch einen Blick in den Kollektivvertrag werfen und sich damit gleich ein realistisches Bild ihrer Chancen machen. Wie wird der letztendliche Entscheider – wer immer das sein mag – entscheiden? Verdient DWM tatsächlich so viel, dass es bei einem Wechsel unmöglich ist, das Niveau zu halten? Wie wird sich die Tatsache auswirken, dass in der potenziellen Abteilung nur Frauen arbeiten? Gerüchten zufolge verdienen die viel weniger als Männer und DWM (die bisher nur unter Männern gearbeitet hat) müsste an die dortige Struktur angepasst werden….

Mit gemischen Gefühlen verlässt DWM das Personalbüro und harrt der Dinge, die in den nächsten vierzehn Tagen eintreten werden oder auch nicht.