Der Stress mit der Entspannung

DWM hat es ja nun wirklich nicht leicht mit sich selbst. Da hat sie nach langer beruflicher Anspannung mit verbundenem Freizeitentzug und daher chronischer Untersportung endlich mal wieder einen halben Tag frei. Das setzt sie jetzt unter den Druck, in diesen paar Stunden das absolute Maximum an Erholung rausholen zu müssen.

Nun hat DWM gegenüber anderen Müttern wenigstens den Vorteil, dass sie den vorwurfsvollen Rufen des unerledigten Haushalts gegenüber ziemlich taub ist (und zusätzlich noch einen Ehemann mit Verständnis dafür, dass eine erholte DWM höher einzustufen ist als gebügelte Wäsche, ein wohlgefüllter Kühlschrank oder ein geputztes Haus). Einzig und allein was die Ernährung der Kinder angeht, plagt sie ein schlechtes Gewissen, welches sie an freien Freitagvormittagen zum Kochen nötigt, weil die armen Kleinen ohnehin wochentags in der Schule und wochenends des öfteren auswärts essen müssen. Heute gibt es eine zusätzliche Einschränkung: DWD hatte gebeten, ob sie mittags in die Praxis kommen könne, um ein paar Fotos zu machen. Also vorher kochen und das Essen aufwärmen? Oder nachher kochen und die Kinder warten lassen? Fragen über Fragen, aber damit noch nicht genug!

Die Rahmenbedingungen für die Pflichterholung sind heute gut und schlecht zugleich. Es hat die ganze Nacht geschneit, perfekt für eine kleine Skitour oder ein paar Schwünge mit dem Snowboard. Aber auch da spricht wieder was dagegen: Schon die dienstäglichen Schneefälle hatten DWM eine Beinahe-Kollision auf dem Arbeitsweg beschert, der kleine Flitzer scheidet für den Weg ins Skigebiet also aus. DesperateWorkingDad braucht die vierradgetriebene Familienkutsche aber heute selbst, weil er die Kinder der Fahrgemeinschaft mit in die Stadt nehmen muss, die nicht in den Flitzer passen. DWM müsste also vor einem eventuellen eigenen Aufbruch alle Kinder in die Schule fahren oder nachher in die Stadt fahren, um die Autos zu tauschen. Aber selbst der Weg in die Stadt verursacht ihr schon psychischen Stress, so früh am Morgen ist schlecht geräumt. Der Weg ins Skigebiet und vor allem das steile Stück zurück ist manchmal selbst mit dem schweren Vierrädler eine Herausforderung und würde einen eventuellen Erholungswert schon wieder zunichte machen. Wenn sie auch noch einkaufen, kochen und fotografieren muss, lohnt es sich ohnehin kaum. Außerdem müsste sie die kostbaren Morgenstunden endlich mal wieder zum Schreiben nützen, abends ist sie meistens zu kaputt dafür.

Der von so viel künstlichen Problemen vielleicht schon genervte Leser ahnt es schon: DWM ist nicht wirklich zu helfen. Wahrscheinlich wird sie sich vor lauter Alternativen und Fürs und Widers für gar nichts entscheiden können und den Vormittag vor dem Fernseher verbringen. Damit es zu diesem erholungstechnischen Supergau nicht kommt, schlüpft DWM in den Schneeanzug und schaufelt die Einfahrt frei. Egal wie sie sich entscheiden wird, das muss sowieso gemacht werden. Diese Tätigkeit schaufelt wohl gleich ein wenig von ihrem Hirn frei und stoppt die zahlreichen Überlegungen und Alternativen, die dort herumschwirren. Nach getaner Arbeit tauscht sie die Schneeschaufel gegen ihr Board und geht die paar Schritte zum Rodelhügel, auf dem sich nachmittags die Kinder tummeln. Heute vormittag hat sie ihn aber ganz für sich allein, jungfräulich verschneit. Mit kindlicher Begeisterung stapft sie durch den Schnee bergauf (perfektes Ausdauertraining!) und kurvt zwischen den schwer ersichtlichen Maulwurfshügeln bergab (perfektes Backcountry-Training!). Es ist zwar nur ein mickriger Hügel verglichen mit dem Skigebiet, aber DWM hat aus den folgenden zwei Stunden das Maximum an Spaß und Erholung herausgeholt.

1:0 für DWM an der Erholungsfront!

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Ganze Männer machen halbe halbe…

…. war vor einigen Jahren der Titel einer Kampagne in Österreich, die die Männer zur Mithilfe im Haushalt animieren sollte. Über den Erfolg derselben weiss ich nicht Bescheid, ich begnüge mich wie immer mit meiner Stichprobengröße von n = 1 und freue mich, dass DWD meine Auffassung von Teilen teilt. Zumindest in guten Zeiten.

Wie das bei alten Ehepaaren manchmal der Fall ist, haben wir so unsere Kommunikationsrituale entwickelt. Eines davon bedient die leidige Haushaltsfrage. Wenn ich wegen potenzieller Überbewertung von Arbeitsfront, Schulfront und Erziehungsfront die Beziehungsfront vernachlässigt habe und mein Kommunikationsverhalten nicht mehr den Ansprüchen von DWD genügt, versteht er es mit einem „Du machst viel weniger im Haushalt als ich“ mich aus der Reserve zu locken und eine möglicherweise lange überfällige Diskussion in Gang zu setzen. Gar nicht auszudenken, was aus unserer Beziehung würde, wenn wir (endlich) eine Haushaltshilfe hätten 🙂