Turk Hava Yollari oder warum DWM unter Flugangst leidet

Eines gleich mal vorweg: DWM möchte hier auf keinen Fall eine Fluglinie zu Unrecht verunglimpfen, vielmehr handelt es sich um die total subjektiven Erlebnisse einer hysterischen Reisenden.

Angefangen hatte es an diesem Tag schon auf dem Weg zum Flughafen und dafür kann selbst Turk Hava Yollari nichts. Jedenfalls wurde wegen eines Bombenalarms die Flughafenautobahn gesperrt und DWM war mit ihrer damals einjährigen Tochter somit etwas spät dran, das Nervenkostüm also bereits leicht angespannt. Auf dem Flughafen stellt sich aber heraus, dass jegliche Eile völlig unbegründet ist, denn der Flieger nach Istanbul hat einen Reifenschaden. DWM überlegt, wie viele Sorgen sie sich machen soll. Ob das ordentlich repariert wird? Oder tauschen die den Reifen aus? Lange genug dauern tut es jedenfalls.

Irgendwann kann DWM mit ihrer Tochter eingezwängt zwischen Jahrespackungen Pampers doch noch Richtung türkische Hauptstadt starten, verpasst dort aber knapp den Anschluss nach Antalya. Somit verbringt sie mit einem lebhaften Kleinkind einen ungemütlichen Tag auf dem Flughafen, bis die beiden die Abendmaschine besteigen. Der wirklich ungemütliche Teil des Tages steht ihr allerdings noch bevor. Das Flugzeug wird von heftigen Turbulenzen durchgeschüttelt, vor dem Fenster (warum will sie bloß immer einen Fensterplatz haben?) sieht DWM, wie die Tragflächen sich verbiegen. Sie klammert sich an ihre Tochter und betet.

Nach einer gefühlten Ewigkeit landen sie in Antalya, wo der Ehemann und Vater sie mit Blümchen erwartet (warum das so ist, wird DWM ihrem neuen eBook erzählen). DWM ist nach diesem Tag allerdings nicht in romantischer Stimmung und kontert mit dem Satz, der die Doppelhaushälftenidylle der nächsten Jahre einleiten wird: „Wenn du mir sowas nochmal zumutest, lass ich mich scheiden!“

Was das ganze mit Turkish Airlines zu tun hat? Außer dem Reifenschaden eigentlich gar nichts, aber irgendwie wird DWM ihre prägenden Erinnerungen an ihren bisher einzigen Turkish-Flug nicht los.

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Urlaub Tag 1 – Reisetag

Nun ist DWM ja immer gerne stolz auf ihre logischen Leistungen, aber was die Fortbewegung angeht, wird sie von aller guten Logik verlassen. Da pendelt sie täglich auf Landstraße und Autobahn zur Arbeit, ersteres gesäumt von Kreuzen, ohne auch nur einen Gedanken an die Gefährlichkeit ihres Tuns zu verschwenden, aber wenn sie ein Flugzeug besteigen soll, malt sie sich schon tagelang vorher Schreckensszenarien aus. Das steigert sich bis zum Abflug ins Unermessliche, begleitet von einer Laune, die dem Familienfrieden nicht unbedingt förderlich ist. Der lautstarke Ehestreit auf dem Flughafen war letztes Jahr in erster Linie den Kindern peinlich. Aber DWM stellt sich brav ihren Ängsten und hofft, irgendwann mal wieder ohne Schreckensszenarien vor ihrem inneren Auge ein Flugzeug zu besteigen (Vielleicht sollte sie aufhören, des nächtens auf ntv Flugzeugkatastrophendokus zu gucken).

Diesmal war der Höhepunkt schon einen Tag vor dem Abflug erreicht, als DWM angesichts der gähnenden Leere im Kühlschrank die Familie bei der Rückkehr am Hungertuch nagen sah und einen kleineren Krisenanfall vom Stapel ließ. Wohlgemerkt kleineren, denn DWM ist wirklich auf einem guten Weg, ihre Flugangst in den Griff zu kriegen. DesperateSchoolBoy, bereits bestens mit den Reiseritualen der Familie vertraut, fragt: „Bist du nervös, Mami?“

Diesmal darf DWM sich gleich doppelt so viel fürchten, denn sie muss in Istanbul umsteigen, und Start und Landung sind am Schlimmsten. Aber als sie sich am Abflughafen für Domestic Flights in Istanbul fast ausschließlich von Türken umgeben sieht, gewinnt eine kleine Prise Optimismus wieder die Oberhand. Zumindest einen Anschlag radikaler Islamisten könne man hier so gut wie ausschließen, denn die werden doch nicht ihre eigenen Leute töten?

In der Tat landet DWM wohlbehalten in Dalaman (wie die ganzen früheren Male auch), aber diesmal nicht am neuen International Airport, sondern am Nationalen Flughafen, der ursprünglich der Vorgänger pompösen, für die Touristen errichteten Gebäudes war. Als die Desperates an einem der beiden Kofferbänder dem Quitschen lauschen, werden sie von einem offiziell aussenden Türken mit Papieren in der Hand angesprochen:

„Where do you come from?“

Tja, was soll man auf diese Frage antworten? Ursprünglich stammt DWM aus einem Dorf in der Steiermark, aber das wird ihn wenig interessieren, wahrscheinlich genauso wenig, wie ihr derzeitiger Wohnort. Will er ihren Abflug- oder Umsteigeflughafen wissen? Während DWM also noch an einer potenziellen Antwort bastelt, blafft DWD den Fragesteller bereits an:

„Why do you want to know that?“

Der freundliche Türke scheint an Deutsche gewöhnt zu sein und lässt sich davon nicht beeindrucken. Er zeigt auf die ersten vier Namen auf seiner Liste, die mit Leuchtstift markiert sind. Tatsächlich, da stehen die Namen der Desperates untereinander, sogar alle richtig geschrieben. Geduldig erklärt er, dass das Gepäck der Desperates nicht hier, sondern am International Airport ausgegeben würde. Das bringt DWD gleich noch mehr auf die Palme.

„We have to walk all the way????“

„No, not walk, you take the bus.” Beruhigt ihn der Türke.

DWD scheint nicht überzeugt zu sein von dieser Idee, aber das hilft ihm wenig, der Uniformierte begleitet die Desperates zum Bus, in dem bereits weitere Ausländer warten.

Offensichtlich werden alle nicht-türkisch-aussehenden Menschen, die um das Kofferband herumstehen, angesprochen. Im Flughafenbus ruckeln die Desperates zum International Airport, wo ihr Gepäck schon seine Runden dreht. Wenigstens sparen sie sich das bange Warten auf die einzelnen Teile.

Der gefährlichste Teil der Reise ist wahrscheinlich die Taxi-Fahrt, denn der oberste der übereinandergestapelten Koffer stößt genau an die Köpfe der ohne Kopfstützen im Fond sitzenden Passagiere. Dafür gibt es aber diesmal immerhin schon Sicherheitsgurte.