Jahresrückblick

Um diese Jahreszeit kommt auch DWM nicht umhin, sentimental auf den Lauf der Zeit zu blicken.

2011 war das Jahr in dem DSG erwachsen wurde und die körperlichen Veränderungen sind nur ein kleiner Teil dieser Entwicklung. Mit der Firmung hatte sie im Kreis der Familie und Verwandten Abschied von der Kindheit gefeiert und der Zeitpunkt war offensichtlich (von DSG selbst kurzentschlossenerweise) gut gewählt.

Zu Neujahr hatte sie gemeinsam mit DSB die müde DWM zu einem Skiausflug genötigt (DWD hatte wieder einmal einen der ungünstigsten Termine für einen Dienst ausgefasst) und heute ist DWM froh, sich damals den Wünschen der Kinder gebeugt zu haben, denn es war der letzte in dieser Form. Den Rest des Winters verbrachte sie nach einem Unfall beim Eiskunstlauf mit fixierter Schulter und danach beteiligte sie sich nur noch unwillig an Familienausflügen. Auch ihre Krankenhausaufenthalte nach dem Unfall bewältigte sie erstmals allein, DWM zog nicht so wie sonst (man merkt, die ungestüme DSG ist Stammgast in der Unfallklinik) als Begleitperson ins Krankenhaus.

Heuer feiert sie Sylvester erstmals mit einer Freundin statt mit der Familie und wird diese daher auch nicht auf den traditionellen Neujahrs-Skiausflug begleiten.

Die Schule ist zum Selbstläufer geworden (DWM muss ihre ehrgeizige Tochter manchmal sogar vom Lernen abhalten), das Zimmer wird ohne Aufforderung aufgeräumt und manchmal sogar gesaugt.  Im Sommer hat DSG sich zum ersten Mal verliebt.

Ohne die gelegentlichen Pubertätsschübe würde DWM glauben, mit einer Erwachsenen zusammenzuleben. Folglich muss DWM alt werden.

Der Zutritt ins Teenie-Zimmer bleibt meistens verwehrt, über die seltenen Einladungen (Mama, kommst du?) oder auch „Mama, bleibst du?“ nachdem DWM zum Wäsche-Einsammeln (eine der wenigen Handgriffe, die DSG nicht selbst auf die Reihe kriegt. Wahrscheinlich liegt es an DWMs Inkonsequenz, die lieber selbst die Wäsche einsammelt, als einen Pubertätsschub wegen akuten Sockenmangels zu ertragen) doch das Allerheiligste betreten hat, freut DWM sich immer.

Außerdem freut DWM sich jetzt, so viel Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben, wo sie doch häufig auf dem Sprung war, einen viel zeitaufwändigeren Job anzunehmen. Daraus wird sie lernen, diese Entscheidung weiterhin erfolgreich zu vertagen, bis auch DSB diese Schwelle überschritten hat.

Um das Danach versucht sie sich jetzt so wenig Gedanken wie möglich zu machen. Erstmal Weihnachtsfrieden angesagt.

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Kleiner Abschied (2)

DSB hat heute seinen ersten Tag am Gymnasium. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch darf DWM dieses Erlebnis nicht unmittelbar mit ihm teilen. Für den Fall, dass er es sich
noch anders überlegt, macht sie sich rechtzeitig bürofein, um ihn zu begleiten
und danach gleich weiter zur Arbeit zu fahren. Den Kollegen hat sie
sicherheitshalber auch angekündigt, dass sie heute später kommen wird. Da DSB
weniger wankelmütig ist als seine Mutter, bleibt er jedoch bei seinem
Entschluss und DWM stellt somit einen Beginnzeiten-Rekord im Büro auf.

Ein weiterer Schritt auf dem langen Weg der kleinen Abschiede ist getan. Bald muss DWM sich überlegen, was sie mit dem Rest ihres Lebens, der bekanntlich immer heute
beginnt, anfangen will. Die Kinder werden nicht mehr lange als Rechtfertigung
für ihr berufliches Vor-sich-hindümpeln, in dem sie sich nach Degradierung und
(bisher) erfolgloser Alternativensuche eingerichtet hat, dienen können.

Aber wie immer plant DWM ein wenig weit voraus. Der erste Tag ist ja wohl noch der
einfachste am Gymi und jetzt gilt es, dem Sohnemann trotz ADS zu einem guten
Start zu verhelfen und danach werden ihre pädagogischen Fähigkeiten zur
Unterstützung auch noch gefragt sein, denn DWM möchte das Thema Schule wenn
möglich ohne Outsourcing, sprich externe Nachhilfe über die Bühne bringen.

Glück gehabt, die Entscheidung darf vertagt werden.

 

 

Urlaub Tag 7 – „Warum fragst du mich dann überhaupt?“ oder endlich beginnt die Storming-Phase im Teambildungsprozess der Crew

Unsere Vorräte neigen sich dem Ende zu, und langsam überkommt uns Sehnsucht nach unserem Heimathafen – oder vielleicht auch nur nach der gemütlichen Hafenkneipe, den luxuriösen, gekühlten Waschräumen und dem Internet? Egal, wir beschließen, dass die Buchten dort auch ganz schön sind und machen uns auf den Rückweg. Wie jedes Jahr wollen wir einen traditionellen Landfall in Griechenland machen, dieses Jahr sogar mit Mittagessen, weil die Kombüse heuer mit DWM definitiv unterbesetzt ist. Dummerweise hat DWM in ihrer Planungswut die ganze Crew von den Plänen informiert. Kurz vor Kastelhorizon wird das neu erworbene türkische Bettlaken gegen die griechische Gastflagge getauscht.

 

Je weiter wir ins Hafenbecken vordringen, desto mehr frischt der Wind auf. Hm, sollte das nicht umgekehrt sein? Aus Erfahrung wissen wir, dass der Anker hier schlecht hält, außer uns ist auch nur eine andere Yacht da, die sich zwischen zwei Fährbooten versteckt hat.

Als der Captain und DWM beschließen, dass diese Umstände kein gemütliches Mahl zulassen und wir lieber weiterfahren, bricht die erste Meuterei des Tages in der Crew aus. DSG hatte sich auf ein griechisches Mittagessen eingestellt und nimmt die Umplanung nur äußerst unwillig hin. Apropos Umplanung: Bis in die nächste Restaurantversorgte sichere Ankerbucht brauchen wir mit Festmachen eine Stunde, sollen wir das wagen oder soll DWM auf See ein Resteessen zaubern? Ein zweites Mal an diesem Tag macht sie den Fehler, die Crew in ihre Überlegungen einzuweihen, denn als der Captain beschließt, dass ihm dieser Umweg von 2-3 Stunden zu unserem Tagesziel zu viel sei, steigert sich die Meuterei zu einem wütenden „Warum fragst du mich denn überhaupt, wenn ihr sowieso macht, was ihr wollt?“ Der Captain widmet sich seinen seefahrerischen Aufgaben, (z. B. erneutes Umflaggen)

 

DWM verschwindet in der Kombüse. Nach dem Essen sind erstmal alle besänftigt, wir wagen es sogar, ein Stück unter Segeln zu fahren (und verraten der Crew nicht, dass wir dafür auch einen Umweg fahren müssen.) In der heutigen Bucht wird ausgiebig gebadet, nachdem DWM das Landleinenmanöver heute zum ersten mal wieder persönlich ausgeführt hat. Leider ist sie schon wieder gehandicapt, diesmal gleich doppelt. Heute morgen hat sie eine kaputte rechte Kontaktlinse aus dem Behälter gefischt und festgestellt, dass sie nur linke eingepackt hat (bei einem Unterschied von 2 Dioptrien nicht unerheblich). Außerdem hat sie sich wie jedes Jahr ihr Ohr verkühlt und darf den Kopf nicht unter Wasser tauchen. Ausgerüstet mit optischer Sonnenbrille und Neoprenstirnband (natürlich kann DSG dieses Badeoutfit nicht unkommentiert lassen, aber DWM gewöhnt sich langsam daran dass sie peinlich ist) schwimmt sie mit der Landleine zum nächstbesten Felsen und muss die Anlandung sehr gefühlvoll machen, weil sie nicht wie sonst vorher unter Wasser nach Seeigeln gucken kann.

 DSB meldet schon wieder großen Hunger, und bevor DWM ein weiteres Mal in der Kombüse verschwindet, macht sie den dritten (aber leider nicht letzten) entscheidenden Fehler des Tages: sie fragt DSG, ob sie denn auch schon Hunger habe, denn als diese verneint und DWM trotzdem zu kochen beginnt, ertönt ein weiteres wütendes „WARUM FRAGST DU MICH DENN ÜBERHAUPT?“ DWM flüchtet wieder in die Kombüse, der Captain bringt sicherheitshalber eine zweite Landleine aus. Nachdem die kulinarische Höchstleistung von Nudeln, und einer mit frischen Tomaten und Schinken gepimpten Fertigsauce vollbracht ist, bittet DWM mit den Tellern in der Hand, den Tisch rasch freizumachen, damit sie selbige dort abstellen kann. DSG räumt die Hälfte der Sachen ab und verkündet, den Rest müsse der Bruder machen. DWM mit den Tellern in der Hand wird wütend über so viel geschwisterliche Gerechtigkeit. Außerdem liest DSB gerade, ein Ereignis mit Seltenheitswert, das DWM nicht stören möchte, Gerechtigkeit hin oder her. Leider gelingt es ihr nicht, den Ärger zu unterdrücken (schon vorher musste sie sich von DSG vorwerfen lassen, wie unchillig sie trotz Urlaub sei und vielleicht ist da ja auch was Wahres dran) und ihr entfleucht etwas von „fauler Nudel“, was sich leider nicht auf das Abendessen beziehen ließ. Das war zuviel, denn jetzt kommt das, was DWM schon die ganze Zeit befürchtet hatte: DSG ließ endlich ihre Litanei vom Stapel, was für ein doofer Urlaub das doch sei und sie wollte ja sowieso nicht mitkommen. Auf Nudeln habe sie außerdem keinen Bock. Und verschwindet mit lautem Türenknall in ihrer Kajüte. DWM ist erstmal froh, heuer erstmals keine Gäste an Bord zu haben, und das nicht nur, weil DSG ihr eigenes Reich für effektvolle Abgänge und einsame Stunden hat. Dann geht sie in sich. In der Tat wird es immer schwieriger, eine Urlaubsgestaltung zu finden, die allen Spaß macht. Wenn nicht sogar unmöglich. Im letzten Urlaub haben wir den Kindern  zuliebe Cluburlaub gemacht. DWD hat sehr gelitten und DWM ein wenig (vor allem unter dem Urlaubsspeck, der bei Selbstverpflegung eher ausgeschlossen ist). Der Bootsurlaub war in erster Linie als Auslauf für den domestizierten Abenteurer DWD gedacht (dann darf er endlich Captain sein), aber DSB und DWM haben auch Spaß daran. Für DSG ist es definitiv zu einsam, zu heiß und zu langweilig. In den letzten Jahren ließ sie sich mit einem Koffer voller Bücher noch gut besänftigen, zweimal hatten wir auch eine Freundin dabei, aber es hat sich nicht wirklich bewährt, dem Captain diese zusätzliche Verantwortung aufzubürden. Heuer merkt man erstmals, wie erwachsen sie wird und dazu gehört auch, die Wege der Eltern in Frage zu stellen und eigene zu finden. Das beginnt schon mal damit, dass sie im Vorfeld maulte: „Warum müssen wir immer auf Urlaub fahren? Können wir nicht auch mal zu Hause bleiben?“ Leider ist DSG zu jung, um diesen eigenen Wege auch allein beschreiten zu können und bis dahin wird das Thema Urlaub ein Schwieriges im Hause der Desperates bleiben.

 Ist es nicht schön, wenn man solche Probleme hat und auf so hohem Niveau jammern kann?

Kompliment für die Mutterglucke – Nachtrag zum Wochenende auf der Burg

DSB: „Mama, weißt du, was ich ganz toll fand auf der Burg?“

DWM: „Was denn, Schatz?“

DSB: „Dass du mich nicht immer gesucht hast und nicht gefragt hast, wo ich hingehe, wenn ich mit meinem Freund in der Burg unterwegs war. Das fand ich ganz toll!“

1:0 für DWM an der Abnabelungsfront!

Kleiner Abschied

Heute war es wieder einmal so weit, DWM gönnt sich den zweiten Gleitzeit-Tag in diesem Jahr. Nachdem der erste mit DesperateSchoolBoy verbrachte Ferientag so ein toller Erfolg war, musste es diesmal doppelt so toll werden, schließlich hat auch DesperateSchoolGirl jetzt Ferien.

Nach einem ausgedehnten Frühstück und langem hin und her entschließt sich DSG doch noch, das Tennis-Sommertraining zu versuchen. Fürs Fahrrad ist es mittlerweile zu spät, Mama Taxi muss ran. Am Tennisplatz steht sie sich erstmal die Füße in den Bauch, weil sie auf den verspäteten Trainer warten will, um zu fragen, wie lange das Training denn dauert. Nach einer Viertelstunde fährt sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Taxis werden schließlich bei Bedarf gerufen. Dort eröffnet DSB, dass er zwar DWM zuliebe zu einer kleinen Wanderung bereit wäre, aber eigentlich würde er lieber seinen Freund besuchen.

DWM erinnert sich an die Wanderzwänge in ihrer Kindheit, entlässt DSB aus seinen Nöten und besteigt ihr Fahrrad. Nach zehn Minuten erfreut sie sich so richtig der neuen Freiheit und biegt ins Gelände ab, als das Handy klingelt. Training ist ausgefallen, DSG möchte nach Hause. Die Taxilenkerin beendet ihre kurze Pause, steigt zu Hause aus dem Trikkot in die Dienstkleidung, um in die Stadt zu fahren. Wenn DSB mitkommt, können sie dort wenigstens gleich zu mittag essen. Inzwischen ist aber eine Freundin aufgetaucht, DSB möchte lieber zu Hause bleiben. Auch gut, wird das Essen eben mitgebracht, auch wenn dieser Transport gegen das erste Alfa-Gesetz verstößt. Die für die Freundin mitgebrachte Portion wird für das Abendessen aufbewahrt, denn selbige ist mittlerweile ins Schwimmbad verschwunden. Immerhin für das Mittagessen hat sich die Familie um den Tisch versammelt.

Danach möchte DWM die Kinder zu einem Ausflug an den See überreden (Wandern wurde mittlerweile aus dem Ferienangebot komplett gestrichen). Mittlerweile ist aber DSBs älterer Freund zu Besuch bekommen (See beinahe so uncool wie wandern) und DSG möchte lieber chillen. DWM ringt ganz fürchterlich mit ihrem Mutterglucken-Ego. Was tun? Zu Hause bleiben, warten bis sich jemand am Trampolin verletzt und das Gummibären-Depot bewachen? Oder alleine zum See fahren?

Mit einem schlechten Gewissen so groß wie ein Mühlstein auf dem Herzen entschließt DWM sich für letzteres. Heute findet der Sommer statt, und sie hat frei – da besteht quasi Genusszwang! Das komische Gefühl so ganz allein im Auto – nein, nicht auf dem Weg zum Arbeiten oder Einkaufen – wird mit lauter Musik übertüncht. Oder zumindest versucht. Was wohl inzwischen schon alles passiert ist zu Hause? Vielleicht hat das Schicksal nur auf diese kleine Selbstsüchtigkeit gewartet, um unerbittlich zuzuschlagen? DWM ruft ihre Phantasie zur Ordnung. Die Mutter von DSBs Freund ist schließlich zu Hause. Statt der Panik macht sich jetzt leichte Wehmut breit. Das war noch was vor zwei Wochen, als sie diese Strecke mit DSB gefahren ist und jetzt ist sie schon ganz alleine…..UND ICH DENKE JETZT NICHT „WIE SCHNELL DIE KINDER DOCH GROSS WERDEN“ SONDERN GENIESSE MEINEN FREIEN TAG – HALBTAG – STUNDEN.

Am See angekommen rechtfertigt DWM ihren Ausflug, indem sie den Spind aufräumt und eine Runde schwimmt, bevor sie wieder nach Hause fährt. In der Sonne liegen kann sie schließlich auch im eigenen Garten.