Erkenntnisse der Social Tour (3) – von der Loyalität

Nun ist der Vorteil der Kommunikation ja doch die Einbringung verschiedener Sichtweisen zu einem Thema und davon kann DWM auf ihrer Social Tour ganz besonders profitieren. Ihre Freundinnen stecken in komplett unterschiedlichen Lebenssituationen und so werden auch Themen beleuchtet, die sonst selten zur Sprache kommen.

Gestern verbrachte DWM einen Weiberabend mit ihrer ältesten Freundin. Selbige leitet einen Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern und kann manchmal Erstaunliches berichten, diesmal zum Thema Loyalität, nicht nur dem Arbeitgeber gegenüber. Kürzlich hatte sie eine langjährige Mitarbeiterin zur Abteilungsleiterin befördert. Diese hatte in dem Betrieb bereits die Lehre absolviert und sich mit der damaligen Juniorchefin so weit angefreundet, dass sie gemeinsam auf Urlaub fuhren und sie zur Hochzeit eingeladen war. Nach der Beförderung machten der Dame offensichtlich die Belastungen zu schaffen und die Freundin versuchte zu beschwichtigen, bald komme ein zusätzlicher Mitarbeiter, dann würde es wieder besser werden. Die frischgebackene Abteilungsleiterin zog es aber vor, sich in den Krankenstand zu verabschieden und ließ ihre Mutter mit der Botschaft, sie habe Fieber, in der Firma anrufen. Mittlerweile befindet sie sich seit sechs Wochen im Krankenstand und hat sich nicht einmal gemeldet. Obwohl es bei solchen Geschichten ja meistens zwei Versionen gibt, ist DWM erstaunt über das Ausmaß an Illoyalität.

Sie nimmt diesen Bericht zum Anlass, um die eigene Einstellung zur Loyalität zu überdenken. Im Vorfeld zum Urlaub war sie wieder einmal versucht gewesen, es mit selbiger zu übertreiben. Schon seit Wochen hatte ihren Urlaub eingetragen und auch genehmigt bekommen, als plötzlich diverse Mailkopien in ihre Inbox flatterten. Ihr Vorgesetzter ApplePolisher hatte einen Termin bei der Softwarefirma für Mittwoch fixiert. Da es der Ersatztermin für seine Nicht-Anwesenheit beim Workshop war und DWM die Mail nur in Kopie bekommen hatte, war sie unsicher, ob ihre Anwesenheit erforderlich wäre. Wollte ApplePolisher alleine fahren? Oder hatte er nur vergessen, dass sie in dieser Woche Urlaub hatte? Das wäre nichts Neues, denn üblicherweise verschimmeln die Urlaubsanträge in seiner Inbox, bis man sie mehrmals urgiert. ApplePolisher ist berühmt für seine Desorgansiation. In DWMs Hirn beginnt bereits das Logistikzentrum zu arbeiten. Je nach Routenwahl liegt die Softwarefirma sogar auf dem Weg in die Steiermark, wo sie am Mittwoch zwecks Kindereinsammelns eintreffen wollte. Prinzipiell sind Dienstfahrten mit dem Privatwagen zwar strengstens verboten, aber vielleicht könnte sie ja eine Ausnahme erwirken. Leider ist der Tag vor dem langen Wochenende ein sicherer Staugarant und DWM hat wenig Lust, sich am dem Tag mit dem Rest der Welt um ein kleines Stück Autobahn zu streiten. Die Reise mit der Bahn wäre noch langwieriger. Was tun?

Erst mal versucht DWM es mit der Vogel-Strauß-Politik und ignoriert die Mail, eine von ApplePolisher oft erfolgreich angewandte Strategie. NewComer allerdings weiht sie ein, um ihn darauf vorzubereiten, dass die Reise eventuell ihn treffen könnte. DWM ist eben ein Ausbund an Loyalität in alle Richtungen. An ihrem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub taucht ApplePolisher wieder mal im Büro auf und DWM spricht ihn beiläufig auf den Termin an.

„Was, echt? Wann ist denn der, ich hab die Mail irgendwie nicht mehr.“

ApplePolisher verschlampt nicht nur Urlaubsanträge, sondern auch Terminvereinbarungen mit Geschäftspartnern. DWM beschließt endgültig, dass sie nicht verpflichtet ist, ihrem desorganisierten Vorgesetzten beizustehen.

„Nächsten Mittwoch. Aber da bin ich im Urlaub!“  Kein Wenn und Aber. Basta.

ApplePolisher versucht auch gar nicht, DWM zu etwas Gegenteiligem zu überreden, sondern wendet sich mit einem verlegenen Lächeln an NewComer: „Hast du schon deinen Dienstreiseantrag gestellt?“

NewComer ist not amused darüber, mit ApplePolisher diese Reise anzutreten, aber trotz aller mütterlichen Gefühle dem jungen Kollegen gegenüber kann DWM darauf jetzt keine Rücksicht nehmen. Obwohl sie kleinen klassischen Urlaub gebucht hat, wird sie ihre Social Tour wie geplant durchführen.

Und nach dieser Geschichte von ihrer Freundin ist DWM überzeugt: Sie ist auf dem richtigen Weg und muss sich weiter entloyalisieren!

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Meetings einst und jetzt

DWM hat auf der gestrigen Dienstreise neues gelernt und festgestellt, dass sie manches, aber nicht alles aus ihrem alten Business-Leben verlernt hat.

Neu dazugelernt:

  • Es gibt ein Leben, nachdem man um 5.00 morgens aufgestanden ist

Leider verlernt:

  • Sich in die Nähe der Getränke zu setzen
  • Sich strategisch günstig zum Ausgang zu setzen, um die Pause ein wenig früher zu beginnen und dafür ein wenig später zu beenden
  • Sich weit genug vom Lautsprecher wegzusetzen

Nicht verlernt, bzw. perfektioniert

  • Weghören bei irrelevanten Vortragsbestandteilen (perfektioniert durch Kindererziehung und Gemeinschaftsbüro mit ChatterBox) und produktive Nutzung der Zeit (z.B. Vorbereitung des Blogposts)
  • Strategisch günstige Position beim Mittagsbuffet erreichen
  • Optimales Heranpirschen an die richtigen Ansprechpartner in der Mittagspause, um die wichtigsten Punkte off-Topic klären zu können und somit
  • Aufhören wenn´s am Schönsten ist – sprich vorzeitiger Aufbruch spätestens in der letzten Pause (da strategisches Positionieren für unaufälligen Ad-Hoc-Aufbrauch leider verlernt – siehe oben)

Interessantes Detail am Rande:

Eine respektable Frauenquote im Meeting wird erreicht, indem sich zwar viel mehr Männer anmelden, die Frauen aber zuverlässiger erscheinen.

Projektarbeit oder „Weil ich es sage“

DWM gibt es nur ungern zu, aber manchmal würde sie auch im Beruf gern Befehle mit derselben Autorität und vor allem Begründung ausgeben wie zu Hause: „Weil ich es sage!“

Nun ist das heutzutage wohl selbst bei lt. Organigramm unterstellten Mitarbeitern schon kein anerkannter Führungsstil mehr und im Projektmanagament ohnehin unmöglich. Hier muss man Menschen zur Mitarbeit bewegen, deren Vorgesetzter man nicht ist.

DWM steht um 7:45 bibbernd mit NewComer am Bahnhof und hat gerade erfolglos versucht, ApplePolisher zu erreichen, der doch unbedingt die Karten besorgen wollte. Falls er das nicht getan hat, wäre jetzt doch ein passender Zeitpunkt, es selbst zu tun. Schon von weitem sieht sie ITlers Gesicht auftauchen, das sich selbst aus der Masse der griesgrämigen Montag-Morgen-Gesichter noch abhebt. (An dieser Stelle muss DWM etwas klar stellen: in der Berichterstattung könnte der falsche Eindruck entstehen, dass DWM diesen Kollegen nicht besonders schätzt, aber das Gegenteil ist der Fall! Nach einer ausgeprägten Stormingphase ist sie als eine der wenigen Angestellten des Unternehmens zu seinem weichen Kern durchgedrungen und seither hat er ihr auf sehr hilfsbereite Weise schon oft aus einer technischen Patsche geholfen, er gratuliert ihr zum Geburtstag, bringt ihr selbstgebackene Kekse mit und hat sie bei ihrem Auszug aus dem IT-Büro mit Blumen und Torte überrascht. Dafür nimmt sie es ihm nicht übel, dass er unter Stress dazu neigt, diesen auf nicht angenehme Weise an die Kollegen weiterzureichen. EXKURS ENDE)

„Ich war knapp davor, gar nicht mitzufahren!“ verkündet ITler, als er zu dem kleinen Grüppchen gestoßen ist. DWM wägt die Vor- und Nachteile der potenziellen Antwortmöglichkeiten ab.

„Dann geh halt wieder!“ würde ihr vielleicht vordergründig einen anstrengeden Tag ersparen, aber letztendlich nicht zu einem erfolgreichen Projektabschluss beitragen. Schlecht.

„Ooooch, was ist denn passiert?“ würde ITler vielleicht an dieser Stelle erwarten, DWM sieht sich aber nicht in der Lage, am Montag Morgen vor dem Frühstück auf dem zugigen Bahnhof die akustischen Konsequenzen zu ertragen. Auch schlecht.

Sie entscheidet sich daher für:

„Hab ich was falsch gemacht? Wenn ja, entschuldige ich mich gleich dafür.“

Ja, DWM gibt es zu, es hätte vielleicht passendere Antworten gegeben, aber Diplomatie zählt nicht unbedingt zu DWMs Stärken. Aber wenigstens braucht sie jetzt nicht über potenzielle eigene Verfehlungen nachgrübeln – Die Frage wurde verneint – und der Rest bleibt ihr erspart.

Kurz vor Abfahrt des Zuges taucht tatsächlich auch noch ApplePolisher mit den Fahrkarten auf. Auf der Fahrt haben alle noch reichlich Gelegenheit, ihre Mails zu checken, denn ein Gespräch will in dieser Konstellation eher nicht gedeihen. Nach einiger Zeit wechselt ITler auf seinem IPad von den Mails zu den Spielen, was DWM mit Erleichterung aufnimmt, denn wenn er sein Büro-Tagwerk schon beendet hat, steigert es vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass er dann dem Workshop seine Aufmerksamkeit schenkt. Ein Trugschluss, wie sie feststellen wird.

Die Geschäftspartner hatten – nicht ohne die üblichen technischen Probleme, bei denen ITler bereitwillig seine Hilfeleistung zur Beseitigung angeboten hatte – ihre Präsentation begonnen. DWM und Newcomer lauschen aufmerksam den Ausführungen. Links von ihr tippt ITler auf sein IPad ein. Rechts von ihr wischt ApplePolisher auf seinem IPhone herum. Die Vortragenden scheinen unschlüssig über die weitere Vorgangsweise zu sein. Sollen sie warten, bis die Gäste Zeit und Muße zum Zuhören finden oder einfach weiter machen? Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem DWM sich sowas wie mütterliche Autorität wünscht: „WENN IHR JETZT NICHT SOFORT EUER SPIELZEUG WEGLEGT, DANN…“ ok DWM gibt es zu, das DANN bereitet auch zu Hause Probleme, deshalb greift sie ja so selten wie möglich dazu, aber irgendwas findet sich schon, von Medienentzug bis Taschengeld-Kürzung.  Aber hier? Entzug der Spielzeuge und Wieder-Aushändigung im Zug? DWM gesteht sich ein, dass das vor den Geschäftspartnern noch peinlicher wäre und hofft auf Selbstheilung des Problems. Selbige tritt zumindest partiell ein, als der Vortragende auf die technischen Voraussetzung der einzuführenden Software zu sprechen kommt.  Nach einer effektvollen Pause blickt ITler von seinem IPad auf und verkündet.

„Das passt bei uns überhaupt nicht hinein.“ Ohne weitere Ausführungen, zum Beispiel über Alternativen, dehnt sich die Pause immer weiter aus. Was soll das jetzt heißen? Aufstehen, nach Hause gehen und BigBoss sagen, die von ihm gewünschte Software passe nicht in die Landschaft?

Aber ITler wäre nicht ITler, wenn er sich nicht doch noch zu einer konstruktiven Mitarbeit herablassen könnte, nachdem er seine Diva ausreichend vorgeführt hat. Friede, Freude, Eierkuchen bis zum nächsten Workshop, der in den Räumlichkeiten von DWMs Firma stattfinden und somit wenigstens das Reiseproblem nicht aufwerfen wird.

Dienstreisen einst und heute

Ach, wie hat DWM die Dienstreisen früher geliebt. Wohl wissend, dass Au-Pair und DWD sich liebevoll um die Kinder kümmern, konnte sie diese Auszeiten von der Familie richtig genießen. Der Kindergarten lag in Geh-Entfernung zum Haus (somit war auch die Autofahr-Verweigerung des Au-Pairs kein Problem) und nach Dienstschluß des Au-Pairs war DWD immer zu Hause. Die Termine wurden möglichst auf mehrere Tage verteilt, damit DWD sich abends mit alten Freunden treffen und die Nächtigung im Hotel genießen konnte.

Nach DWMs Firmenwechsel sind die Dienstreisen selten geworden, und das ist auch gut so. Bedingt durch den Umzug und Schulwechsel der Kinder fallen bei Schlechtwetter Chauffeurdienste an, da es keine geeignete Busverbindung gibt. DWD hat sich selbstständig gemacht und somit nicht mehr so viel Zeit. Die Kinder sind auf dem Gymnasium, was speziell für DSB im ersten Jahr und mit seinem Handicap zusätzlichen Lernaufwand zu Hause bedeutet.

Dienstreise anno dazumal:

Vormittags: Bahnfahrt in die Hauptstadt, tagsüber Termine

Abends: Weggehen mit Freunden aus der Studienzeit

Morgens: ausschlafen, Frühstück im Hotel, Fitness-Studio oder Laufen am Fluß

Vormittags: Termine

Nachmittags: Bahnfahrt in die Heimat

Abends: von DWD am Bahnhof abgeholt, gemeinsamer Willkommensdrink in der Stadt

Dienstreise heute:

05:30 Autofahrt in die Stadt

6:00 Bahnfahrt in die Hauptstadt

10:00 – 17:00 Meeting

18:00 – 21:30 Bahnfahrt in die Heimat (abendliches Get together wird geschwänzt, weil DWM am nächsten Tag zu Hause unabkömmlich ist und sonst den Nachtzug nehmen müsste)

21:30 – 22:00 Autofahrt nach Hause

23:00 Zubettgehen ohne Romantikfaktor (DWD schläft bereits in dieser anstrengenden Woche mit Doppelbelastung)

Und das in der nächsten Woche gleich zwei mal!