Meetings einst und jetzt

DWM hat auf der gestrigen Dienstreise neues gelernt und festgestellt, dass sie manches, aber nicht alles aus ihrem alten Business-Leben verlernt hat.

Neu dazugelernt:

  • Es gibt ein Leben, nachdem man um 5.00 morgens aufgestanden ist

Leider verlernt:

  • Sich in die Nähe der Getränke zu setzen
  • Sich strategisch günstig zum Ausgang zu setzen, um die Pause ein wenig früher zu beginnen und dafür ein wenig später zu beenden
  • Sich weit genug vom Lautsprecher wegzusetzen

Nicht verlernt, bzw. perfektioniert

  • Weghören bei irrelevanten Vortragsbestandteilen (perfektioniert durch Kindererziehung und Gemeinschaftsbüro mit ChatterBox) und produktive Nutzung der Zeit (z.B. Vorbereitung des Blogposts)
  • Strategisch günstige Position beim Mittagsbuffet erreichen
  • Optimales Heranpirschen an die richtigen Ansprechpartner in der Mittagspause, um die wichtigsten Punkte off-Topic klären zu können und somit
  • Aufhören wenn´s am Schönsten ist – sprich vorzeitiger Aufbruch spätestens in der letzten Pause (da strategisches Positionieren für unaufälligen Ad-Hoc-Aufbrauch leider verlernt – siehe oben)

Interessantes Detail am Rande:

Eine respektable Frauenquote im Meeting wird erreicht, indem sich zwar viel mehr Männer anmelden, die Frauen aber zuverlässiger erscheinen.

Advertisements

Projektarbeit oder „Weil ich es sage“

DWM gibt es nur ungern zu, aber manchmal würde sie auch im Beruf gern Befehle mit derselben Autorität und vor allem Begründung ausgeben wie zu Hause: „Weil ich es sage!“

Nun ist das heutzutage wohl selbst bei lt. Organigramm unterstellten Mitarbeitern schon kein anerkannter Führungsstil mehr und im Projektmanagament ohnehin unmöglich. Hier muss man Menschen zur Mitarbeit bewegen, deren Vorgesetzter man nicht ist.

DWM steht um 7:45 bibbernd mit NewComer am Bahnhof und hat gerade erfolglos versucht, ApplePolisher zu erreichen, der doch unbedingt die Karten besorgen wollte. Falls er das nicht getan hat, wäre jetzt doch ein passender Zeitpunkt, es selbst zu tun. Schon von weitem sieht sie ITlers Gesicht auftauchen, das sich selbst aus der Masse der griesgrämigen Montag-Morgen-Gesichter noch abhebt. (An dieser Stelle muss DWM etwas klar stellen: in der Berichterstattung könnte der falsche Eindruck entstehen, dass DWM diesen Kollegen nicht besonders schätzt, aber das Gegenteil ist der Fall! Nach einer ausgeprägten Stormingphase ist sie als eine der wenigen Angestellten des Unternehmens zu seinem weichen Kern durchgedrungen und seither hat er ihr auf sehr hilfsbereite Weise schon oft aus einer technischen Patsche geholfen, er gratuliert ihr zum Geburtstag, bringt ihr selbstgebackene Kekse mit und hat sie bei ihrem Auszug aus dem IT-Büro mit Blumen und Torte überrascht. Dafür nimmt sie es ihm nicht übel, dass er unter Stress dazu neigt, diesen auf nicht angenehme Weise an die Kollegen weiterzureichen. EXKURS ENDE)

„Ich war knapp davor, gar nicht mitzufahren!“ verkündet ITler, als er zu dem kleinen Grüppchen gestoßen ist. DWM wägt die Vor- und Nachteile der potenziellen Antwortmöglichkeiten ab.

„Dann geh halt wieder!“ würde ihr vielleicht vordergründig einen anstrengeden Tag ersparen, aber letztendlich nicht zu einem erfolgreichen Projektabschluss beitragen. Schlecht.

„Ooooch, was ist denn passiert?“ würde ITler vielleicht an dieser Stelle erwarten, DWM sieht sich aber nicht in der Lage, am Montag Morgen vor dem Frühstück auf dem zugigen Bahnhof die akustischen Konsequenzen zu ertragen. Auch schlecht.

Sie entscheidet sich daher für:

„Hab ich was falsch gemacht? Wenn ja, entschuldige ich mich gleich dafür.“

Ja, DWM gibt es zu, es hätte vielleicht passendere Antworten gegeben, aber Diplomatie zählt nicht unbedingt zu DWMs Stärken. Aber wenigstens braucht sie jetzt nicht über potenzielle eigene Verfehlungen nachgrübeln – Die Frage wurde verneint – und der Rest bleibt ihr erspart.

Kurz vor Abfahrt des Zuges taucht tatsächlich auch noch ApplePolisher mit den Fahrkarten auf. Auf der Fahrt haben alle noch reichlich Gelegenheit, ihre Mails zu checken, denn ein Gespräch will in dieser Konstellation eher nicht gedeihen. Nach einiger Zeit wechselt ITler auf seinem IPad von den Mails zu den Spielen, was DWM mit Erleichterung aufnimmt, denn wenn er sein Büro-Tagwerk schon beendet hat, steigert es vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass er dann dem Workshop seine Aufmerksamkeit schenkt. Ein Trugschluss, wie sie feststellen wird.

Die Geschäftspartner hatten – nicht ohne die üblichen technischen Probleme, bei denen ITler bereitwillig seine Hilfeleistung zur Beseitigung angeboten hatte – ihre Präsentation begonnen. DWM und Newcomer lauschen aufmerksam den Ausführungen. Links von ihr tippt ITler auf sein IPad ein. Rechts von ihr wischt ApplePolisher auf seinem IPhone herum. Die Vortragenden scheinen unschlüssig über die weitere Vorgangsweise zu sein. Sollen sie warten, bis die Gäste Zeit und Muße zum Zuhören finden oder einfach weiter machen? Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem DWM sich sowas wie mütterliche Autorität wünscht: „WENN IHR JETZT NICHT SOFORT EUER SPIELZEUG WEGLEGT, DANN…“ ok DWM gibt es zu, das DANN bereitet auch zu Hause Probleme, deshalb greift sie ja so selten wie möglich dazu, aber irgendwas findet sich schon, von Medienentzug bis Taschengeld-Kürzung.  Aber hier? Entzug der Spielzeuge und Wieder-Aushändigung im Zug? DWM gesteht sich ein, dass das vor den Geschäftspartnern noch peinlicher wäre und hofft auf Selbstheilung des Problems. Selbige tritt zumindest partiell ein, als der Vortragende auf die technischen Voraussetzung der einzuführenden Software zu sprechen kommt.  Nach einer effektvollen Pause blickt ITler von seinem IPad auf und verkündet.

„Das passt bei uns überhaupt nicht hinein.“ Ohne weitere Ausführungen, zum Beispiel über Alternativen, dehnt sich die Pause immer weiter aus. Was soll das jetzt heißen? Aufstehen, nach Hause gehen und BigBoss sagen, die von ihm gewünschte Software passe nicht in die Landschaft?

Aber ITler wäre nicht ITler, wenn er sich nicht doch noch zu einer konstruktiven Mitarbeit herablassen könnte, nachdem er seine Diva ausreichend vorgeführt hat. Friede, Freude, Eierkuchen bis zum nächsten Workshop, der in den Räumlichkeiten von DWMs Firma stattfinden und somit wenigstens das Reiseproblem nicht aufwerfen wird.

Meetingitis für Fortgeschrittene

Wieder einmal hat DWM Gelegenheit, ihre Verhaltensstudien von Führungskräften und Wannabes fortzusetzen, diesmal eine Etage höher. DWM und Newcomer sollen dürfen ihr Arbeitsgebiet dem Gesamtvorstand präsentieren. ApplePolisher als offiziell Verantwortlicher für das Fachgebiet wird ebenso anwesend sein wie zwei Mitarbeiter aus dem Rechnungswesen.

Wie immer, wenn ein wichtiges Meeting angesetzt wird, hat die Terminfindung leeiiiider einen Freitag nachmittag ergeben. DWM überlegt laut, ob sie erst mittags ins  Büro kommt, damit sie wenigstens noch ein paar freie Stunden am Vormittag hat, als sie NewComers Sorgenfalten im Gesicht bemerkt. Schon seit Tagen bereitet er sich mittels Produktion von Folien auf den Termin vor, während DWM selbstbewusst verkündet hatte, sie werde ihren Teil aus dem Stegreif vortragen. DWMs mütterliche Gefühle gegenüber dem jüngeren Kollegen gewinnen die Oberhand, sie fährt am Freitagvormittag schon ins Büro, um dem aufgeregten Jüngling das Händchen zu halten oder wenigstens auch ein paar Folien zu produzieren.

Um 13 Uhr – DWM hat streberhaft wie immer frühzeitig die technische Infrastruktur im Besprechungszimmer vorbereitet – betritt BigBoss pünktlich das Geschehen. Das deutet schon mal auf großes Interesse hin. Während NewComer seinen Vortrag souverän herunterspult, wird er von BigBoss immer wieder unterbrochen: Mittels „Schon klar.“ oder „Verstehe schon“ versucht er den Fortgang zu beschleunigen, einmal will er die Erläuterung von theoretischem Hintergrund unterbinden durch ein „Können wir uns darauf beschränken, was bei uns vorkommt?“ DWM versucht dem ihr gegenübersitzenden NewComer unauffällig zu raten, seinen Vortrag zu straffen, auch wenn er ein solides Grundwissen für unentbehrlich hält, aber ihr Minenspiel ist nicht ausgeprägt genug für solch komplexe Kommunikationsaufgaben. Erst als BigBoss auf sein IPhone einzutippen beginnt, üerspringt NewComer ein paar Folien.

DWM hat in ihrem langen  Berufsleben bereits lernen dürfen, vorstandstauglich zu kommunizieren und hält ihren Beitrag entsprechend knapp. Diskussion entsteht, auch BigBoss widmet sich wieder dem Geschehen im Raum. Als sie um 14:45 (das Meeting war bis 16 Uhr angesetzt) wieder an ihren Kollegen übergeben will, stapelt BigBoss neben ihr plötzlich seine Unterlagen und verlässt nach einem „Vielen Dank, das war wirklich gut!“ plötzlich das Besprechungszimmer.

NewComer scheint noch etwas unschlüssig zu sein, er weiss noch nicht, dass eine Besprechung automatisch beendet ist, wenn BigBoss selbige endgültig verlassen hat (während temporären Ausscheidens zwecks Telefonierens darf das Meeting fortgesetzt werden).

DWM freut sich weil

– sie mit ihrem Vortrag die Aufmerksamkeitsspanne des Vorstands nicht überfordert hat

– sie ihren Vortrag zwischen NewComers platziert hat statt danach (davor wäre auch blöd gewesen, für den Fall, dass BigBoss später kommt oder erst noch seine Mails lesen/beantworte muss)

– sie früher heimkommt, als geplant

Bevor die Versammlung endgültig aufgelöst wird, steuert aber auch noch NewBoss, der StrohSteuermann, in dessen Ressort DWMs Aufgabengebiet eigentlich fällt, eine Wortspende bei: „Eins muss ich schon noch sagen, die Formatierung war nicht bei allen Folien CD-konform!“

Wie schön, dass immer so auf das Wesentliche geachtet wird (nur zur Info: DWMs Aufgabenberech liegt NICHT im Marketing)!

Schwerer Fall von Meetingitis

Seit DWM festgestellt hat, dass sie für eine Karriere im herkömmlichen Sinne nicht wirklich prädestiniert ist, kann sie wenigstens mit einem innerlichen Schmunzeln den Unterhaltungswert gewisser Situationen genießen. Der Kontakt mit den Direktberichtenden in ihrem Arbeitsumfeld, die den Status im Gegensatz zu ihr selbst immer noch innehaben, bietet dazu reichlich Gelegenheit.

Nachdem DWM einmal knapp am Burnout vorbeigeschrappt war, hatte sie einen freien Vormittag für sich eingeführt. Der hatte sich durchaus bewährt, wurde aber in der letzten Zeit aufgrund der kreativen Anforderungen von BigBoss nicht immer eingehalten.  Ab und an kann DWM auf diese Burnoutprophylaxe schon verzichten, und wenn wirklich spannende und wichtige Dinge zu erledigen sind, hadert DWM auch nicht mit ihrem Nicht-NEIN-Sagen-können-Syndrom.

Letzten Freitag wurden die kostbaren Stunden allerdings auf besondere Weise verschleudert. Das einzig Positive an der Sache: in der Arbeit vergeudete Stunden schlagen sich seit DWMs Degradierung trotzdem auf dem Zeitkonto nieder und DWM wird in Ferien eine wunderbare Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Noch zu ihren Zeiten als Direktberichtende durfte DWM in trauter Runde mit Vorständen und Abteilungsleitern einmal dem ausufernden Vortrag des IT-Leiters über das Thema BusinessContinuityManagement lauschen.  Im Laufe des letzten Jahres hatte sie mit ihm gemeinsam Interviews mit allen Abteilungsleitern zu diesem Thema geführt. Sie fühlt sich im Bereich BCM also einigermaßen sattelfest. Nun soll dieses Jahr der BCM-Prozess von der internen Revision geprüft werden. Der IT-Leiter ist ein ganz wichtiger und bei der Terminfindung (schon vor vielen Wochen) hatte er leider nur einen Freitag Vormittag erübrigen können. Die eifrige DWM hatte auf ihre Freizeit verzichtet (respektive selbige verschoben) , in der Hoffnung, damit gleich einen großen Teil der Prüfung erledigen zu können.

Als sie dann im Besprechungszimmer auf die Leinwand starrt, traut sie ihren müden Augen nicht – der ITler schickte sich an, dieselbe Präsentation wie vor zwei Jahren herunterzuspulen, obwohl ALLE Anwesenden diese bereits gehört hatten. Danach zeigt er noch die Arbeitsergebnisse von den Interviews des letzten Jahres. Diese sind zwar für die Revisionisten neu, DWM fühlt sich aber ziemlich entbehrlich. Um sich selbst am Einschlafen zu hindern, steuert sie ab und zu eine Wortspende bei. Um 11.30 befinden die anwesenden Herren, ziemlich hungrig zu sein und die Veranstaltung zwecks Mittagspause zu unterbrechen.

Das Ende eines Meetings kündigt sich meistens an, wenn weitere Besprechungstermine vereinbart werden, so auch diesmal. Der IT-ler möchte BCM abwechselnd beiden Vorständen präsentieren. Selbst dem Revisionisten war heute wohl zu langweilig, denn er merkt an, ob man diese Präsentation nicht in einem Aufwaschen vor dem Gesamtvorstand machen könne, was der IT-ler aber erbost zurückweist.

Wenigstens weiß DWM jetzt, warum sie beim IT-ler so schwer einen Termin bekommt!