Geld und Anerkennung

Heute ist wieder einmal einer jener Tage, an denen DWM extrem froh darüber ist, dass ihre Kinder schon so groß sind. Und trotzdem macht es sie immer noch wütend. Diese Hilflosigkeit externen Gegebenheiten gegenüber.

DWM und DWD haben sich ja ihre Arbeits- und Betreuungspflichten aufgeteilt und meistens klappt das auch ganz gut. Wenn DWM in ihrem Brotberuf unabkömmlich ist, lässt DWD sich von seinem Praxispartner vertreten. Außer natürlich es ist dienstag, denn dienstags muss er die Praxis alleine schupfen und Murphy´s Law zufolge finden die meisten extern vorgegebenen Termine an einem Dienstag statt. Mittlerweile sind die Kinder groß genug, um den Nachmittag allein zu Hause ohne größere Schäden zu überstehen, zumindest hofft DWM das trotz manchmal halsbrecherisch erscheinender Manöver der Kinder. Seit DSB endgültig eingesehen hat, dass der Fussball und er niemals die besten Freunde sein werden, fällt mit dem dienstäglichen Fussballtraingschauffeurdienst ein Stressfaktor weg und DSGs dienstägliches Eiskunstlauftraining findet ohnehin nur im Winter statt. DSG kann den unvermeidlichen Dienstagsterminen also immer gelassener entgegenblicken.

Wenn sie aber selbst die Termine vorgibt, wählt sie gerne den Mittwoch, weil da DWD nur seine Privatpatienten behandelt und somit auch für Familienarbeit verplant werden kann. Hocherfreut stellt sie also vor dem Urlaub fest, dass am Mittwoch und Donnerstag nach dem Urlaub wirklich ALLE intern und extern Beteiligten Zeit für Installation und Schulung ihres Softwareprojektes haben. Schnell krallt sie sich den Termin, reserviert das Besprechungszimmer für die beiden Tage und ihren Mann für die Nachmittage. DSB schreibt am Freitag Schulaufgabe, da ist gemäß ihrem Heimprojekt „Sohn trotz ADS am Gymnasium“ doch elterliche Aufmerksamkeit angebracht.

Nach ihrem Urlaub muss DWM aber im Übergabegespräch mit ihrem Mann erfahren, dass sich leider wieder einmal nicht alle Beteiligten an ihre Pläne halten: DWDs Praxispartner hatte mehr oder weniger spontan beschlossen, in die Ukraine zu reisen, um dem einen oder anderen Fussballspiel beizuwohnen.

DWM ist sprachlos. Erst vor Ärger auf DWDs Praxispartner, dann, warum es verheimlichen, auch auf ihren Mann. Warum lässt er sich das gefallen? Warum stellt er ihn nicht zur Rede? Zieht er die Sprechstunde womöglich der häuslichen Nachhilfestunde vor? Diese und andere Unterstellungen gehen ihr durch den Kopf, aber DWM sorgt dafür, dass sie dort auch bleiben. Schließlich ist sie gut erholt und will den häuslichen Frieden nicht gleich wieder gefährden.

Jetzt könnte man einwenden, warum die in der Schule als Nachhilfelehrerin gefragte DSG sich nicht ihres Bruders annimmt? Eben deswegen. DSGs Dienste sind dort sehr gefragt, sie wird von den Eltern bei den Lehrern gelobt, ihr Engagement wird positiv im Zeugnis erwähnt, sie verdient bis zu 15 € die Stunde, die Note ihrer letzten Schülerin hat sich von 4 auf 2 verbessert. Die fraglichen Nachmittage waren auch bei DSG schon verplant gewesen – eben wegen der Schulaufgabe. Warum soll sie sich zu Hause mit ihrem Bruder herumschlagen, wenn sie auf dem freien Arbeitsmarkt für ihre Leistungen Geld und Anerkennung bekommt?

 

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Meetings einst und jetzt

DWM hat auf der gestrigen Dienstreise neues gelernt und festgestellt, dass sie manches, aber nicht alles aus ihrem alten Business-Leben verlernt hat.

Neu dazugelernt:

  • Es gibt ein Leben, nachdem man um 5.00 morgens aufgestanden ist

Leider verlernt:

  • Sich in die Nähe der Getränke zu setzen
  • Sich strategisch günstig zum Ausgang zu setzen, um die Pause ein wenig früher zu beginnen und dafür ein wenig später zu beenden
  • Sich weit genug vom Lautsprecher wegzusetzen

Nicht verlernt, bzw. perfektioniert

  • Weghören bei irrelevanten Vortragsbestandteilen (perfektioniert durch Kindererziehung und Gemeinschaftsbüro mit ChatterBox) und produktive Nutzung der Zeit (z.B. Vorbereitung des Blogposts)
  • Strategisch günstige Position beim Mittagsbuffet erreichen
  • Optimales Heranpirschen an die richtigen Ansprechpartner in der Mittagspause, um die wichtigsten Punkte off-Topic klären zu können und somit
  • Aufhören wenn´s am Schönsten ist – sprich vorzeitiger Aufbruch spätestens in der letzten Pause (da strategisches Positionieren für unaufälligen Ad-Hoc-Aufbrauch leider verlernt – siehe oben)

Interessantes Detail am Rande:

Eine respektable Frauenquote im Meeting wird erreicht, indem sich zwar viel mehr Männer anmelden, die Frauen aber zuverlässiger erscheinen.

Projektarbeit oder „Weil ich es sage“

DWM gibt es nur ungern zu, aber manchmal würde sie auch im Beruf gern Befehle mit derselben Autorität und vor allem Begründung ausgeben wie zu Hause: „Weil ich es sage!“

Nun ist das heutzutage wohl selbst bei lt. Organigramm unterstellten Mitarbeitern schon kein anerkannter Führungsstil mehr und im Projektmanagament ohnehin unmöglich. Hier muss man Menschen zur Mitarbeit bewegen, deren Vorgesetzter man nicht ist.

DWM steht um 7:45 bibbernd mit NewComer am Bahnhof und hat gerade erfolglos versucht, ApplePolisher zu erreichen, der doch unbedingt die Karten besorgen wollte. Falls er das nicht getan hat, wäre jetzt doch ein passender Zeitpunkt, es selbst zu tun. Schon von weitem sieht sie ITlers Gesicht auftauchen, das sich selbst aus der Masse der griesgrämigen Montag-Morgen-Gesichter noch abhebt. (An dieser Stelle muss DWM etwas klar stellen: in der Berichterstattung könnte der falsche Eindruck entstehen, dass DWM diesen Kollegen nicht besonders schätzt, aber das Gegenteil ist der Fall! Nach einer ausgeprägten Stormingphase ist sie als eine der wenigen Angestellten des Unternehmens zu seinem weichen Kern durchgedrungen und seither hat er ihr auf sehr hilfsbereite Weise schon oft aus einer technischen Patsche geholfen, er gratuliert ihr zum Geburtstag, bringt ihr selbstgebackene Kekse mit und hat sie bei ihrem Auszug aus dem IT-Büro mit Blumen und Torte überrascht. Dafür nimmt sie es ihm nicht übel, dass er unter Stress dazu neigt, diesen auf nicht angenehme Weise an die Kollegen weiterzureichen. EXKURS ENDE)

„Ich war knapp davor, gar nicht mitzufahren!“ verkündet ITler, als er zu dem kleinen Grüppchen gestoßen ist. DWM wägt die Vor- und Nachteile der potenziellen Antwortmöglichkeiten ab.

„Dann geh halt wieder!“ würde ihr vielleicht vordergründig einen anstrengeden Tag ersparen, aber letztendlich nicht zu einem erfolgreichen Projektabschluss beitragen. Schlecht.

„Ooooch, was ist denn passiert?“ würde ITler vielleicht an dieser Stelle erwarten, DWM sieht sich aber nicht in der Lage, am Montag Morgen vor dem Frühstück auf dem zugigen Bahnhof die akustischen Konsequenzen zu ertragen. Auch schlecht.

Sie entscheidet sich daher für:

„Hab ich was falsch gemacht? Wenn ja, entschuldige ich mich gleich dafür.“

Ja, DWM gibt es zu, es hätte vielleicht passendere Antworten gegeben, aber Diplomatie zählt nicht unbedingt zu DWMs Stärken. Aber wenigstens braucht sie jetzt nicht über potenzielle eigene Verfehlungen nachgrübeln – Die Frage wurde verneint – und der Rest bleibt ihr erspart.

Kurz vor Abfahrt des Zuges taucht tatsächlich auch noch ApplePolisher mit den Fahrkarten auf. Auf der Fahrt haben alle noch reichlich Gelegenheit, ihre Mails zu checken, denn ein Gespräch will in dieser Konstellation eher nicht gedeihen. Nach einiger Zeit wechselt ITler auf seinem IPad von den Mails zu den Spielen, was DWM mit Erleichterung aufnimmt, denn wenn er sein Büro-Tagwerk schon beendet hat, steigert es vielleicht die Wahrscheinlichkeit, dass er dann dem Workshop seine Aufmerksamkeit schenkt. Ein Trugschluss, wie sie feststellen wird.

Die Geschäftspartner hatten – nicht ohne die üblichen technischen Probleme, bei denen ITler bereitwillig seine Hilfeleistung zur Beseitigung angeboten hatte – ihre Präsentation begonnen. DWM und Newcomer lauschen aufmerksam den Ausführungen. Links von ihr tippt ITler auf sein IPad ein. Rechts von ihr wischt ApplePolisher auf seinem IPhone herum. Die Vortragenden scheinen unschlüssig über die weitere Vorgangsweise zu sein. Sollen sie warten, bis die Gäste Zeit und Muße zum Zuhören finden oder einfach weiter machen? Jetzt ist der Augenblick gekommen, in dem DWM sich sowas wie mütterliche Autorität wünscht: „WENN IHR JETZT NICHT SOFORT EUER SPIELZEUG WEGLEGT, DANN…“ ok DWM gibt es zu, das DANN bereitet auch zu Hause Probleme, deshalb greift sie ja so selten wie möglich dazu, aber irgendwas findet sich schon, von Medienentzug bis Taschengeld-Kürzung.  Aber hier? Entzug der Spielzeuge und Wieder-Aushändigung im Zug? DWM gesteht sich ein, dass das vor den Geschäftspartnern noch peinlicher wäre und hofft auf Selbstheilung des Problems. Selbige tritt zumindest partiell ein, als der Vortragende auf die technischen Voraussetzung der einzuführenden Software zu sprechen kommt.  Nach einer effektvollen Pause blickt ITler von seinem IPad auf und verkündet.

„Das passt bei uns überhaupt nicht hinein.“ Ohne weitere Ausführungen, zum Beispiel über Alternativen, dehnt sich die Pause immer weiter aus. Was soll das jetzt heißen? Aufstehen, nach Hause gehen und BigBoss sagen, die von ihm gewünschte Software passe nicht in die Landschaft?

Aber ITler wäre nicht ITler, wenn er sich nicht doch noch zu einer konstruktiven Mitarbeit herablassen könnte, nachdem er seine Diva ausreichend vorgeführt hat. Friede, Freude, Eierkuchen bis zum nächsten Workshop, der in den Räumlichkeiten von DWMs Firma stattfinden und somit wenigstens das Reiseproblem nicht aufwerfen wird.

Projektleitung im Kindergarten / Altersgemischte Gruppe ab 30

Nun darf DWM endlich wieder mal ein Softwareimplementierungsprojekt leiten. Obwohl sie in den letzten Jahren fast nur Popelkram gemacht hat, beherrscht sie ihr Handwerk (hoffentlich) noch. Oberstes Gebot: alle wichtigen Leute so früh wie möglich ins Boot holen. Da es sich um Software handelt, ist es durchaus naheliegend, auch einen Kollegen aus der IT zeitnah miteinzubeziehen. DWM hat schon erlebt (natürlich nicht bei ihren eigenen Projekten), dass die sonst auf zickig machen und sagen: davon weiß ich offiziell gar nichts, dafür mache ich auch nichts. Frühzeitig betreibt sie also schon Beziehungspflege in der IT. Die ersten Probleme ergeben sich schon bei der Terminvereinbarung für den ersten Workshop. Da es sich um ein Projekt für BigBoss handelt, sollte es am besten schon gestern fertig werden. Zu den von der Anbieterfirma vorgeschlagenen Terminen ist der zuständige ITler nicht verfügbar und in der Woche darauf auf Urlaub. ApplePolishers Reaktion: „Dann machen wir es halt ohne IT“. ApplePolisher als kreativer Bastler legt manchmal gerne selbst Hand an die  Installationen und bringt damit den offiziell dafür Zuständigen noch mehr gegen sich auf. Wenn DWM ihr Projekt erfolgreich über die Bühne bringen will, muss sie jetzt wieder alle in der Erziehungsarbeit erworbenen Softskills einsetzen und die beiden Streithähne zur konstruktiven Zusammenarbeit bewegen. Sie bekniet die Softwarefirma um Alternativtermine und bekommt tatsächlich einen zustande, an dem alle können – Hürde Nummer eins gemeistert.

Nächstes Problem: wie gelangen vier Personen dort hin, von denen zwei sich nicht ausstehen können? ITler hatte im Vorfeld schon klar gestellt, dass er sich keinesfalls als Chauffeur des Poolwagens zur Verfügung stellen werde. DWM hat in der Reservierungsdatenbank festgestellt, dass selbiger an diesem Tag ohnehin schon vergeben ist und sucht passende Bahnverbindungen heraus. Sie ruft ITler an um zu fragen, ob die Uhrzeiten für ihn passend seien (seine Bedingung war, abends pünktlich zum Yoga zu kommen).

ITler: „Es wäre aber günstiger mit dem Leihwagen zu fahren, als vier Bahnkarten zu kaufen.“

DWM: „Du wolltest doch nicht fahren, außerdem darf nur die Führungskraft über einen Leihwagen entscheiden“ (Die Einhaltung der Konzerntravelpolicy vereinfacht die Reiseplanung nicht unbedingt)

ITler: „Ich wär schon gefahren.“

DWM (fühlt sich langsam an häusliche Szenen erinnert): „Na gut, dann frage ich halt meinen Chef.“

ApplePolisher entscheidet sich für die Bahnfahrt und bietet an, die Karten zu besorgen, da er ohnehin seine Bahncard verlängern müsse.

ApplePolisher: „Dann kaufe ich drei Fahrkarten“.

DWM: „Nein, vier, der ITler fährt auch mit“.

ApplePolisher: „Für den besorge ich sie aber nicht.“

DWM: „Dann kaufst du also drei und ich eine?“

ApplePolisher wird wohl die Sinnlosigkeit seines Verhaltens bewusst: „Na gut, ich kaufe vier.“

DWM ruft ITler an und verkündet die Entscheidung. ApplePolisher erscheint nochmal im Büro: „Weißt du, wer den Poolwagen hat? Wenn es regnet, mag ich nicht mit der Bahn fahren.“ Nach einer inoffiziellen Regelung wird der Poolwagen nicht nach der Regel „first come first served“ vergeben, sondern nach Wichtigkeit des Antragstellers. Es könnte also durchaus sein, dass ApplePolisher die Reservierung noch overrulen kann.

DWM: „Nein, keine Ahnung. Soll ich nachschauen?“

ApplePolisher: „Nein. Können wir vielleicht kurzfristig entscheiden, wie wir fahren? Wenn ich es weiß, rufe ich dich an und du sagst es dem ITler.“

Das kann ja ein heiteres Projekt werden, mit zwei Teilnehmern, die nicht miteinander reden, sondern nur über DWM als Vermittler kommunizieren.

Dienstreisen einst und heute

Ach, wie hat DWM die Dienstreisen früher geliebt. Wohl wissend, dass Au-Pair und DWD sich liebevoll um die Kinder kümmern, konnte sie diese Auszeiten von der Familie richtig genießen. Der Kindergarten lag in Geh-Entfernung zum Haus (somit war auch die Autofahr-Verweigerung des Au-Pairs kein Problem) und nach Dienstschluß des Au-Pairs war DWD immer zu Hause. Die Termine wurden möglichst auf mehrere Tage verteilt, damit DWD sich abends mit alten Freunden treffen und die Nächtigung im Hotel genießen konnte.

Nach DWMs Firmenwechsel sind die Dienstreisen selten geworden, und das ist auch gut so. Bedingt durch den Umzug und Schulwechsel der Kinder fallen bei Schlechtwetter Chauffeurdienste an, da es keine geeignete Busverbindung gibt. DWD hat sich selbstständig gemacht und somit nicht mehr so viel Zeit. Die Kinder sind auf dem Gymnasium, was speziell für DSB im ersten Jahr und mit seinem Handicap zusätzlichen Lernaufwand zu Hause bedeutet.

Dienstreise anno dazumal:

Vormittags: Bahnfahrt in die Hauptstadt, tagsüber Termine

Abends: Weggehen mit Freunden aus der Studienzeit

Morgens: ausschlafen, Frühstück im Hotel, Fitness-Studio oder Laufen am Fluß

Vormittags: Termine

Nachmittags: Bahnfahrt in die Heimat

Abends: von DWD am Bahnhof abgeholt, gemeinsamer Willkommensdrink in der Stadt

Dienstreise heute:

05:30 Autofahrt in die Stadt

6:00 Bahnfahrt in die Hauptstadt

10:00 – 17:00 Meeting

18:00 – 21:30 Bahnfahrt in die Heimat (abendliches Get together wird geschwänzt, weil DWM am nächsten Tag zu Hause unabkömmlich ist und sonst den Nachtzug nehmen müsste)

21:30 – 22:00 Autofahrt nach Hause

23:00 Zubettgehen ohne Romantikfaktor (DWD schläft bereits in dieser anstrengenden Woche mit Doppelbelastung)

Und das in der nächsten Woche gleich zwei mal!

Meetingitis für Fortgeschrittene

Wieder einmal hat DWM Gelegenheit, ihre Verhaltensstudien von Führungskräften und Wannabes fortzusetzen, diesmal eine Etage höher. DWM und Newcomer sollen dürfen ihr Arbeitsgebiet dem Gesamtvorstand präsentieren. ApplePolisher als offiziell Verantwortlicher für das Fachgebiet wird ebenso anwesend sein wie zwei Mitarbeiter aus dem Rechnungswesen.

Wie immer, wenn ein wichtiges Meeting angesetzt wird, hat die Terminfindung leeiiiider einen Freitag nachmittag ergeben. DWM überlegt laut, ob sie erst mittags ins  Büro kommt, damit sie wenigstens noch ein paar freie Stunden am Vormittag hat, als sie NewComers Sorgenfalten im Gesicht bemerkt. Schon seit Tagen bereitet er sich mittels Produktion von Folien auf den Termin vor, während DWM selbstbewusst verkündet hatte, sie werde ihren Teil aus dem Stegreif vortragen. DWMs mütterliche Gefühle gegenüber dem jüngeren Kollegen gewinnen die Oberhand, sie fährt am Freitagvormittag schon ins Büro, um dem aufgeregten Jüngling das Händchen zu halten oder wenigstens auch ein paar Folien zu produzieren.

Um 13 Uhr – DWM hat streberhaft wie immer frühzeitig die technische Infrastruktur im Besprechungszimmer vorbereitet – betritt BigBoss pünktlich das Geschehen. Das deutet schon mal auf großes Interesse hin. Während NewComer seinen Vortrag souverän herunterspult, wird er von BigBoss immer wieder unterbrochen: Mittels „Schon klar.“ oder „Verstehe schon“ versucht er den Fortgang zu beschleunigen, einmal will er die Erläuterung von theoretischem Hintergrund unterbinden durch ein „Können wir uns darauf beschränken, was bei uns vorkommt?“ DWM versucht dem ihr gegenübersitzenden NewComer unauffällig zu raten, seinen Vortrag zu straffen, auch wenn er ein solides Grundwissen für unentbehrlich hält, aber ihr Minenspiel ist nicht ausgeprägt genug für solch komplexe Kommunikationsaufgaben. Erst als BigBoss auf sein IPhone einzutippen beginnt, üerspringt NewComer ein paar Folien.

DWM hat in ihrem langen  Berufsleben bereits lernen dürfen, vorstandstauglich zu kommunizieren und hält ihren Beitrag entsprechend knapp. Diskussion entsteht, auch BigBoss widmet sich wieder dem Geschehen im Raum. Als sie um 14:45 (das Meeting war bis 16 Uhr angesetzt) wieder an ihren Kollegen übergeben will, stapelt BigBoss neben ihr plötzlich seine Unterlagen und verlässt nach einem „Vielen Dank, das war wirklich gut!“ plötzlich das Besprechungszimmer.

NewComer scheint noch etwas unschlüssig zu sein, er weiss noch nicht, dass eine Besprechung automatisch beendet ist, wenn BigBoss selbige endgültig verlassen hat (während temporären Ausscheidens zwecks Telefonierens darf das Meeting fortgesetzt werden).

DWM freut sich weil

– sie mit ihrem Vortrag die Aufmerksamkeitsspanne des Vorstands nicht überfordert hat

– sie ihren Vortrag zwischen NewComers platziert hat statt danach (davor wäre auch blöd gewesen, für den Fall, dass BigBoss später kommt oder erst noch seine Mails lesen/beantworte muss)

– sie früher heimkommt, als geplant

Bevor die Versammlung endgültig aufgelöst wird, steuert aber auch noch NewBoss, der StrohSteuermann, in dessen Ressort DWMs Aufgabengebiet eigentlich fällt, eine Wortspende bei: „Eins muss ich schon noch sagen, die Formatierung war nicht bei allen Folien CD-konform!“

Wie schön, dass immer so auf das Wesentliche geachtet wird (nur zur Info: DWMs Aufgabenberech liegt NICHT im Marketing)!

Im Zweifelsfall gegen den Abwesenden

Da hatte DWM sich zu früh gefreut. Diese Ferienwoche war reserviert gewesen für eine erholsame und auch kommunikative Zeit mit ihren Kindern und einer befreundeten chilenischen Familie (Der Bericht von dieser Woche an der Erholungsfront folgt nach Abreise der Gäste).

Heute durschneidet plötzlich penetrantes Telefongeklingel die gewohnte Geräuschkulisse aus lockerem Geplapper in Englisch, Spanisch und Deutsch während des gemeinsamen Frühstücks.

Ein Blick aufs Display lässt DWMs Kopf – seit gestern leider durch eine leichte Gehirnerschütterung lädiert – gleich noch ein wenig mehr brummen. Bevor sie lang überlegen kann, wie sehr sie sich verpflichtet fühlen muss, auch im Urlaub erreichbar zu sein (ad Mittelmaßmama: wie du siehst, muss DWM noch viel lernen, bevor sie ein echter Mamanager werden kann!), nimmt sie ApplePolishers Anruf an.

„Äh, entschuldige die Störung“

DWM lässt den Standardsatz für häusliche Anrufe unkommentiert.

„Wo finde ich denn die Strategie für 2012?“

??? DWM beginnt sich zu fragen, ob der gestrige Sturz vielleicht schlimmer als angenommen verlaufen war, oder ob es doch an den anderen liegt. Wahrheitsgetreu berichtet sie, dass sie NewBoss zwecks Terminvereinbarung zur Strategieerstellung angesprochen habe mit dem Ergebnis, er komme irgendwann auf sie zu, wenn er Zeit habe. DWM fühlte sich nicht verpflichtet, ihren übernächsten Vorgesetzten nochmals darauf hinzuweisen. Strategie ist immer noch Vorstandssache und immerhin hatte sie es „proaktiv“ versucht, war aber vertröstet worden. Seit SmallBoss‘ plötzlichem Abgang scheint offensichtlich etwas Unklarheit darüber eingetreten zu sein, was Vorstandssache ist und was nicht, vor allem in der Unterscheidung zwischen Vorstandssache und Strohmannssache. Vielleicht ist das Strategiepapier heuer gar nicht mehr so wichtig?

ApplePolisher windet sich förmlich am Telefon und gewährt DWM Einblicke in seine missliche Lage. Er müsse jetzt in Anwesenheit von BigBoss dieses Versäumnis von NewBoss öffentlich machen (und damit vor allem sein eigenes, denn er hätte sich als Führungskraft dieses Bereiches auch schon mal um die Todos desselbigen kümmern können. Mittlerweile ist 2012 schon so weit fortgeschritten, dass es sich kaum noch lohnt, ein Strategiepapier dafür zu erstellen).

DWM berichtet die bisherigen Fortschritte mit dem Hinweis, dass es mit entsprechendem Input durchaus möglich sei, das Papier heute fertigzustellen.

„Äh, oder ich sag, es ist zwar fertig, aber irgendwo abgespeichert, wo wir jetzt keinen Zugriff haben.“

„OK, also im Zweifelsfall gegen den Abwesenden.“

DWM ist keine Freundin beschönigender Darstellung und möchte sein Ansinnen auch in aller Härte aussprechen.

„Du machst das schon“ unterbricht sie ApplePolishers Gewinsel, wie schwierig das alles sei. Sie hat schließlich Urlaub. Hatte.