Woran ich merke, dass ich alt werde

Ich merke, dass ich alt werde, wenn zu Hause plötzlich einer von den Fillern liegt, die DesperateWorkingDad sonst seinen betagten Patientinnen in die Falten spritzt.

Bis vor kurzem konnte ich mich einigermaßen damit belügendavon überzeugen, dass ich mich seit Jahrzehnten quasi nicht verändert habe, der Alterungsprozess mich also irgendwie vergessen haben muss. Dafür ist es natürlich erforderlich, den Blick in den Spiegel so kurz wie möglich zu halten, dabei keine Kontaktlinsen zu tragen und/oder nicht zu viel Licht anzumachen. Dann geht das schon. Sollte mich der Alterungsprozess wider Erwarten doch irgendwann ereilen, würde ich ihn selbstverständlich mit Würde ertragen und jedes Fältchen mit Freuden begrüßen, weil es von meiner umfangreichen Lebenserfahrung erzählt. So bekommt frau es doch von manchen Schauspielerinnen oder sonstigen in-der-Öffentlichkeit-stehenden Damen vorgekaut und was die schaffen, wird wohl auch für DWM bewältigbar sein.

Als ich den Filler entdeckte (wer findet den ersten Regiefehler in meinem Gedankenkonstrukt? Richtig! Woher weiß ich überhaupt, wofür das ist und wie das aussieht? Habe ich mich vielleicht in einem früheren Leben schon mal damit beschäftigt?), begann ich meine Strategie zu überdenken und blickte bei grellem Tageslicht mit eingesetzten Kontaktlinsen in den Spiegel. Offensichtlich hatte ich den Zeitpunkt verpasst, an dem der Alterungsprozess seinen Irrtum bemerkt und sein Werk an mir begonnen hatte. Das eine oder andere Fältchen ließ sich nicht mehr leugnen.

Was war jetzt die adäquate Reaktion dem DWD gegenüber? Einerseits zählt es zu den ureigensten Aufgaben unserer Ehemänner, uns ständig und unter allen Umständen (ja, auch den anderen!) anbetungswürdig zu finden. Wir alle kennen doch die korrekte Antwort auf die Frage: „Schaatz, findest zu mich zu dick?“ DWD ist in diesem Fall aber in einer schlimmen Zwickmühle, denn sollte ich einmal zu Plan B greifen und der Alterungsprozess ein Eingreifen erforderlich machen, wäre er der richtige Ansprechpartner dafür.

Ich entscheide mich für die Flucht nach vorne und spreche DWD auf eventuellen Reparaturbedarf an. Das Thema nimmt mich so gefangen, dass ich sein leichtes Schmunzeln übersehe, mit dem er mein Antlitz ins Licht hält und durch die Lesebrille begutachtet (Ja, auch DWD ist nicht verschont worden!).

DWD entscheidet sich gegen seine Rolle als Ehemann: „Naja, es ist natürlich besser, möglichst früh anzufangen, damit sich die Falten gar nicht erst eingraben können.“

Diese Diagnose zaubert mir gleich noch ein paar mehr davon ins Gesicht, bis DWD plötzlich herausplatzt: „Weißt du, woran du WIRKLICH merkst, dass du alt wirst? Wenn ich für eine Patientin einen Filler an die Privatadresse bestelle und du dich dafür zu interessieren beginnst!“

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