Heimkehrerkrise oder wenn Männer versuchen nett zu sein….

…dann kann schon mal das Gegenteil rauskommen. Bisher hatte DWM durchaus den Eindruck gehabt, mit einem einigermaßen sensiblen Exemplar verheiratet zu sein, aber vielleicht hat dieser Seite in ihm ja der Aufenthalt unter den rauen Seebären nicht gut getan.

Die Heimkehrerkrise, wenn die Welten aufeinanderprallen, kennen die beiden schon vom letzten Mal und weil sie klug sind, machen sie diesmal nicht den gleichen Fehler und gehen, wie soll ich sagen, vorsichtig miteinander um. Dafür machen sie immer immer neue Fehler, denn diesmal versucht DWD, besonders nett zu seiner Frau zu sein. Er studiert intensiv ihr Antlitz und…. nein, macht ihr kein Kompliment, sondern das Angebot einen Filler zu spritzen!

AAAAARRRRGGGHHH! Ist ihm nach der Abwesenheit erst aufgefallen, wie alt seine Frau ist? Oder hatte er dort womöglich diverse Vergleichsmöglichkeiten? Oder ist DWM in diesen Tagen so gealtert? Vielleicht sollte sie doch nicht mehr so hemmungslos feiern?

Der Leser der ersten Stunde wird sich vielleicht daran erinnern, als das Filler-Thema bei den Desperates zum ersten Mal hochgekommen ist:

http://wp.me/p1EGB5-k

Damals hatte DWM das noch für einen Scherz gehalten, aber offensichtlich ist DWD bei diesem Thema nicht zu Scherzen aufgelegt……

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Personal A*tritt gegen das Spaßprinzip

Nun versucht DWM ja – wie wahrscheinlich die meisten Menschen – so weit wie möglich nach dem Spaßprinzip zu leben. Da man von diesem Prinzip ohnehin große Abstriche machen muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, möchte sie es aber wenigstens in ihrer Freizeit ein wenig zum Zug kommen zu lassen. Eigentlich gehört die Sportfront ja gar nicht zur Freizeit, denn Bewegung ist erstens ein Instinkt so wie Essen und zweitens die Grundlage, um gesund genug für den Kampf an den anderen Fronten zu bleiben. Trotzdem kann DWM ihrem Bewegungsdrang nur nachgeben, wenn er auch Spaß macht. Für ein Stündchen Radfahren, Skitouren oder Wandern nimmt DWM organisationstechnische Meisterleistungen Kauf, packt morgens den Krempel ins Auto, zieht sich in der Tiefgarage um, um direkt nach der Arbeit ihre Untersportung beseitigen zu können. Leider ist das erstens etwas zeitaufwändig und zweitens von äußeren Bedingungen abhängig, was DWM immer wieder dazu veranlasst hat, sich in einem Fitnesstudio einzuschreiben. Anfangs läuft das auch immer ganz gut, DWM ist ganz begeistert, endlich „ihr“ Studio gefunden zu haben und trainiert auch brav ihren Mitgliedsbeitrag ab. Aber mit der Zeit findet sie immer mehr Haare in der Fitness-Suppe, die ihr bald so vergällt ist, dass sie knapp nach Ende der Kündigungsfrist das Handtuch wirft. Bei ihrem bisher letzten Versuch war es ihr nicht gestattet, die Spinningräder außerhalb der Kurse (bei einem Spinning-Kurs die Woche!!!!) zu benützen, was nach einem wütenden Mailverkehr mit dem Direktor DWMs Austritt zur Folge hatte. (Für den sie bei Bedarf sicher auch einen anderen Grund gefunden hätte). Vom gesparten Jahresbeitrag stellt sie sich ein Spinningrad in den Keller, das sie sicher auch schon drei oder vier mal benutzt hat. Von DWD bekommt sie ein paar Hanteln geschenkt (Nein, für DWM ist das nicht so schlimm, wie ein Bügeleisen geschenkt zu bekommen!), denn der ist ein Konsequenzbolzen und trainiert schon seit Jahren im Keller (mit anhaltendem Erfolg, wie DWM immer wieder gerne feststellt :-)). So gern DWM sonst ihrem Bewegungsdrang nachgibt, aber damit hat sie ein echtes Problem. Zu Hause ist immer irgendetwas anderes wichtiger, und wenn sie sich doch aufrafft, den Trainingsraum zu betreten, bleibt sie nach dem Aufwärmen bei fetziger Musik auf dem Spinningrad sitzen – Ausdauertraining ist selbst indoor um so viel angenehmer als die x-te Wiederholung einer todlangweiligen Übung.

Leider kommt DWM langsam in ein Alter, in dem ein Leben nach dem Spaßprinzip offensichtlich immer schwieriger wird, denn schön langsam vergällen ihr die Rückenschmerzen selbst die Freude an den Spaß-Sportarten. Lustlos surft sie im Internet die Fitness-Studios durch, bis sie zu dem erlösenden Schluss kommt:

„Ich brauche einen Personal Trainer!“

Wie schön, dass DWD immer mit einer alternativen Lösung parat ist:

„Du brauchst bloß einen Personal A*Tritt!“

Jahresrückblick

Um diese Jahreszeit kommt auch DWM nicht umhin, sentimental auf den Lauf der Zeit zu blicken.

2011 war das Jahr in dem DSG erwachsen wurde und die körperlichen Veränderungen sind nur ein kleiner Teil dieser Entwicklung. Mit der Firmung hatte sie im Kreis der Familie und Verwandten Abschied von der Kindheit gefeiert und der Zeitpunkt war offensichtlich (von DSG selbst kurzentschlossenerweise) gut gewählt.

Zu Neujahr hatte sie gemeinsam mit DSB die müde DWM zu einem Skiausflug genötigt (DWD hatte wieder einmal einen der ungünstigsten Termine für einen Dienst ausgefasst) und heute ist DWM froh, sich damals den Wünschen der Kinder gebeugt zu haben, denn es war der letzte in dieser Form. Den Rest des Winters verbrachte sie nach einem Unfall beim Eiskunstlauf mit fixierter Schulter und danach beteiligte sie sich nur noch unwillig an Familienausflügen. Auch ihre Krankenhausaufenthalte nach dem Unfall bewältigte sie erstmals allein, DWM zog nicht so wie sonst (man merkt, die ungestüme DSG ist Stammgast in der Unfallklinik) als Begleitperson ins Krankenhaus.

Heuer feiert sie Sylvester erstmals mit einer Freundin statt mit der Familie und wird diese daher auch nicht auf den traditionellen Neujahrs-Skiausflug begleiten.

Die Schule ist zum Selbstläufer geworden (DWM muss ihre ehrgeizige Tochter manchmal sogar vom Lernen abhalten), das Zimmer wird ohne Aufforderung aufgeräumt und manchmal sogar gesaugt.  Im Sommer hat DSG sich zum ersten Mal verliebt.

Ohne die gelegentlichen Pubertätsschübe würde DWM glauben, mit einer Erwachsenen zusammenzuleben. Folglich muss DWM alt werden.

Der Zutritt ins Teenie-Zimmer bleibt meistens verwehrt, über die seltenen Einladungen (Mama, kommst du?) oder auch „Mama, bleibst du?“ nachdem DWM zum Wäsche-Einsammeln (eine der wenigen Handgriffe, die DSG nicht selbst auf die Reihe kriegt. Wahrscheinlich liegt es an DWMs Inkonsequenz, die lieber selbst die Wäsche einsammelt, als einen Pubertätsschub wegen akuten Sockenmangels zu ertragen) doch das Allerheiligste betreten hat, freut DWM sich immer.

Außerdem freut DWM sich jetzt, so viel Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben, wo sie doch häufig auf dem Sprung war, einen viel zeitaufwändigeren Job anzunehmen. Daraus wird sie lernen, diese Entscheidung weiterhin erfolgreich zu vertagen, bis auch DSB diese Schwelle überschritten hat.

Um das Danach versucht sie sich jetzt so wenig Gedanken wie möglich zu machen. Erstmal Weihnachtsfrieden angesagt.

Urlaub Tag 18 – zu alt (2)

Zur Abwechslung und weil es dort außer Gemüse nichts zu kaufen gibt, verbringen wir heute wieder einmal einen Tag in unsere geliebten Karacaören-Bucht. Für DSB heißt das: endlich wieder wakeboarden! DWM hat ihre Wehwehchen ausgeheilt und beschließt: heute will sie das auch versuchen! Den ersten Dämpfer bekommt sie vom sonst so netten Juniorchef des Restaurants und Watersport-Motorbootfahrer Can, der DSBs sportliches Talent bisher in den höchsten Tönen gelobt hat.

DWM: „Can I try it today?“

Can: (blickt DWM an, als hätte sie ihn gebeten, die ganze Segeljacht hinter seinem Motorboot herzuziehen) „You want to try it?“

DWM (ist an diesem Tag wild entschlossen, sich nicht verunsichern zu lassen): „Yes! You don´t think, I can do it?“

Can: (blickt immer noch so skeptisch, als müsse er seiner Urgroßmutter das Wakeboarden beibringen) „If you have talent, you can do it“

DWM klettert ins Motorboot und bewundert ihren Sohn gebührend, der bereits mit einer Hand fährt und die ersten Sprünge in der Hecksee wagt. Plötzlich bekommt sie eine Schwimmweste zugeworfen. Jetzt ist sie an der Reihe.

Can: „You have 6 try.“

DWM nimmt Can übel, dass er es ihr wohl von vornherein nicht zutraut. Nach dem sechsten Versuch ist Wasser in alle Körperöffnungen gedrungen und den Muskelkater in den Unterarmen beginnt sie jetzt schon zu spüren. Da sie beim letzten Versuch wenigstens beinahe aus dem Wasser gekommen wäre, versteigt Can sich zu der kühnen Behauptung: „If you have some training, you can do it.“

Na bitte! Woher sollte DSB sonst sein Talent haben?

Urlaub Tag 17 – zu alt (1)

Wie DWM vielleicht schon erwähnt hat, ist ein weibliches Leben ohne Shopping-Gen zwar prinzipiell möglich und auch recht sparsam, aber nicht immer einfach, speziell im Zusammenleben mit einer halbwüchsigen Tochter, der sie dieses Manko offensichtlich nicht vererbt hat. Als toleranter Mensch und immer um Gerechtigkeit bemüht, versucht DWM, das Urlaubsbudget nicht nur in Wakeboarding für DSB sondern auch in Bekleidung für DSG zu investieren. Trotz der Hitze versucht sie tapfer, ihre Tochter zu begleiten. Wenn DSG ihre Freude und Dankbarkeit ausdrückt, indem sie auf der Straße spontan nach DWMs Hand greift, ist diese glücklich, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Heute macht sie die erstaunliche Erfahrung, dass diese Shopping-Ausflüge seitens DSG nicht ausschließlich einseitig gewünscht sind. DSG findet in einer netten Boutique eine weiße Tunika, die ihre Mutter unbedingt kaufen sollte.

DSG: „Mama, du musst dir unbedingt auch mal was kaufen!“

DWM: „Je weniger ich für mich kaufe, desto mehr Geld bleibt für dich, ist das nicht viel besser?“

DSG: „Du bist aber langsam zu alt für deine Boardshorts!“

Woran ich merke, dass ich alt werde

Ich merke, dass ich alt werde, wenn zu Hause plötzlich einer von den Fillern liegt, die DesperateWorkingDad sonst seinen betagten Patientinnen in die Falten spritzt.

Bis vor kurzem konnte ich mich einigermaßen damit belügendavon überzeugen, dass ich mich seit Jahrzehnten quasi nicht verändert habe, der Alterungsprozess mich also irgendwie vergessen haben muss. Dafür ist es natürlich erforderlich, den Blick in den Spiegel so kurz wie möglich zu halten, dabei keine Kontaktlinsen zu tragen und/oder nicht zu viel Licht anzumachen. Dann geht das schon. Sollte mich der Alterungsprozess wider Erwarten doch irgendwann ereilen, würde ich ihn selbstverständlich mit Würde ertragen und jedes Fältchen mit Freuden begrüßen, weil es von meiner umfangreichen Lebenserfahrung erzählt. So bekommt frau es doch von manchen Schauspielerinnen oder sonstigen in-der-Öffentlichkeit-stehenden Damen vorgekaut und was die schaffen, wird wohl auch für DWM bewältigbar sein.

Als ich den Filler entdeckte (wer findet den ersten Regiefehler in meinem Gedankenkonstrukt? Richtig! Woher weiß ich überhaupt, wofür das ist und wie das aussieht? Habe ich mich vielleicht in einem früheren Leben schon mal damit beschäftigt?), begann ich meine Strategie zu überdenken und blickte bei grellem Tageslicht mit eingesetzten Kontaktlinsen in den Spiegel. Offensichtlich hatte ich den Zeitpunkt verpasst, an dem der Alterungsprozess seinen Irrtum bemerkt und sein Werk an mir begonnen hatte. Das eine oder andere Fältchen ließ sich nicht mehr leugnen.

Was war jetzt die adäquate Reaktion dem DWD gegenüber? Einerseits zählt es zu den ureigensten Aufgaben unserer Ehemänner, uns ständig und unter allen Umständen (ja, auch den anderen!) anbetungswürdig zu finden. Wir alle kennen doch die korrekte Antwort auf die Frage: „Schaatz, findest zu mich zu dick?“ DWD ist in diesem Fall aber in einer schlimmen Zwickmühle, denn sollte ich einmal zu Plan B greifen und der Alterungsprozess ein Eingreifen erforderlich machen, wäre er der richtige Ansprechpartner dafür.

Ich entscheide mich für die Flucht nach vorne und spreche DWD auf eventuellen Reparaturbedarf an. Das Thema nimmt mich so gefangen, dass ich sein leichtes Schmunzeln übersehe, mit dem er mein Antlitz ins Licht hält und durch die Lesebrille begutachtet (Ja, auch DWD ist nicht verschont worden!).

DWD entscheidet sich gegen seine Rolle als Ehemann: „Naja, es ist natürlich besser, möglichst früh anzufangen, damit sich die Falten gar nicht erst eingraben können.“

Diese Diagnose zaubert mir gleich noch ein paar mehr davon ins Gesicht, bis DWD plötzlich herausplatzt: „Weißt du, woran du WIRKLICH merkst, dass du alt wirst? Wenn ich für eine Patientin einen Filler an die Privatadresse bestelle und du dich dafür zu interessieren beginnst!“