Was sich ändert, wenn sich nichts ändert (1)

Nun kommt DWM nicht umhin, sich wieder den Vorgängen in der realen Welt zu widmen (andererseits: was ist schon real? und was erleben wir nur in unserem Kopf? wo ist da die Grenze? aber ich finde, DWM sollte derart philosophische Gedanken den Profis überlassen), nachdem sie sich zwei Monate lang ihrem innersten Weltschmerz hingegeben hat. Aber auch während dieser zwei Monate war die reale Welt nicht angehalten, auch wenn die Vorgänge dort draußen nur sehr rudimentär zu DWM durchdringen konnten. Manche dieser Vorgänge waren und sind von einer Tragweite, dass selbst eine krisengebeutelte, an Liebeskummer leidende, von ihrem Noch-Ehemann psychisch gefolterte DWM sie wahrnehmen musste.

Wie immer werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Üblicherweise findet nach jeder Aufsichtsratssitzung eine Veranstaltung statt, in der die Mitarbeiter über die dort besprochenen Belange (zumindest jene, die es ins offizielle Protokoll geschafft haben) in Kenntnis gesetzt werden. Diese sogenannte Quartalsrunde findet nach der Kernarbeitszeit statt und die teilnehmenden Mitarbeiter haben sich tunlichst auszustechen, auf das dem Unternehmen auch keine wertvollen Arbeitsminuten durch schlichtes den-Vorständen-lauschen verloren gingen. DWM hat bisher versucht, die Teilnahme oder nicht-Teilnahme wohl zu dosieren. Als sie noch Abteilungsleiterin war, kam sie ohnehin in den fragwürdigen Genuss einer Vorab-Information, und obwohl von den Führungskräften erwartet wurde, dass sie sich trotzdem nochmal dort hinsetzten um den Lobhudeleien und Selbstbeweihräucherungen der Vorstände zu lauschen und ihren Untergebenen ein gutes Vorbild zu sein, die ihre Freizeit vielleicht lieber mit einem Bier oder einer Joggingrunde nach der Arbeit verbracht hätten, befand DWM, dass  ihre Mutterrolle am Abend Vorrang vor der Vorbildrolle habe. Nach ihrer Degradierung strebte die Motivation, entweder trotz Teilzeitvertrag sich auch den Nachmittag im Büro um die Ohren zu schlagen oder am Abend wieder hinzufahren ohnehin gegen Null.

Kurz vor DWMs „Urlaub des Grauens“ passierte etwas so Erstaunliches, dass es sich sogar durch den Nebel der Qualen einen Weg zu DWMs Bewusstsein bahnte: Eine Einladung zur Quartalsrunde flatterte in DWMs Inbox, prinzipiell nichts Außergewöhnliches, da es viermal im Jahr passierte, erstaunlich daran waren nur zwei Details:

1. die Aufsichtsratssitzung hatte noch gar nicht statt gefunden. Sollte das gemeine Fußvolk in diesem Quartal vor den Aufsichtsräten von den Vorgängen im Unternehmen informiert werden und wenn ja, warum? Bisher wurden die vorher geschriebenen Unterlagen so streng unter Verschluss gehalten, das BusyBody (der in seiner Funktion als Betriebsratsvorsitzender natürlich den Aufsichtsratssitzungen beiwohnen durfte) sogar den Teil vor DWM geheim halten wollte, den sie selbst geschrieben hatte 🙂

2. die Quartalsrunde sollte um 8:30 stattfinden, zur schönsten Kernarbeitszeit, in der die Arbeitsbienen eigentlich das Ergebnis erwirtschaften sollten, das dann in der nächsten Sitzung verkündet werden könne. Für DWM, die damals noch keine SingleParentMum war, sondern sich noch in der Metamorphose auf dem Weg dahin befand, war das definitiv noch keine Kernarbeitszeit, aber da sie ohnehin an Schlaflosigkeit litt, seit das Unaussprechliche passiert war, konnte sie auch mal eine halbe Stunde früher ins Büro fahren.

Abgesehen von dieser ungewöhnlichen Einladung war DWM noch etwas aufgefallen. Zuerst dachte sie, das Unaussprechliche habe ihre Wahrnehmung so sehr verwirrt, dass ihr ein plötzlicher Wechsel der Jahreszeiten gar nicht aufgefallen sei. Es war schon Winter, warum lief sie eigentlich noch im Top herum? Jedenfalls musste Winter sein, wenn man auf dem Flur den Wirtschaftsprüfern begegnet. Obwohl das in DWMs Gemütszustand nicht auszuschließen gewesen wäre, handelte es sich um keine Fata Morgana, denn an der Tür zum kleinen Besprechungszimmer, in das die trotz der Hitze in dunkle Dreiteiler gewandeten Herren immer wieder verschwanden, prangte ein Schild, dass dieser Raum derzeit von den Wirtschaftsprüfern genutzt werde. DWM warf noch mal einen Blick auf den Kalender und dann auf die Tür.

1. Es ist Sommer

2. Die Wirtschaftsprüfer sind im Haus

DWM versucht ihre Kontakte anzuzapfen, wird aber nur mit der Erklärung abgespeist, es handle sich um eine neue Konzernvorschrift. Da sie gerade mit dem Unaussprechlichen konfrontiert ist, verspürt sie wenig Energie, den wahren Hintergrund für die Anwesenheit der dunklen Herren herauszufinden. Offensichtlich war nicht einmal ChatterBox beunruhigt, die sonst doch immer das Gras wachsen hört.

An ihrem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub des Grauens findet DWM sich also pünktlich im schon wohlgefüllten großen Besprechungszimmer ein und nimmt Platz in der zweiten Reihe.

BigBoss kämpft ein wenig mit seiner Präsentation auf dem IPad, muss einen ITler zu Rate ziehen, bevor er mit ein wenig Verspätung die Katze aus dem Sack lässt:

„Wir präsentieren heute eine Bombenlösung für unser Haus, die viele Probleme lösen wird. Zum 28.2.2013 werden wir mit unserer Muttergesellschaft verschmolzen.“

Es folgt eine langatmige Erklärung, warum das die ultimative Bombenlösung ist, zu der es quasi gar keine Alternative gibt, weil sie einfach so genial ist, dass sie nur BigBoss hatte einfallen können. Im Übrigen werde BigBoss mit dem heutigen Tag aus dem Vorstand des Unternehmens ausscheiden, in den Aufsichtsrat wechseln und in Zukunft Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft  und ab 1.3.2013 der neu entstandenen gemeinsamen Gesellschaft sein. Welch ein Zufall.

Erstaunlich ist für DWM an dieser Verkündigung nur eine Kleinigkeit: Widerwillig hatte sie BigBoss in der Vergangenheit ein wenig dafür bewundert, wie er Dinge, von denen sie wusste, wie sehr sie ihn störten, mit einem Strahlen als die Bombenlösung präsentieren konnte, zum Beispiel als er SmallBoss als neuen Vorstandskollegen präsentierte, bei dem er anschließend zwei Jahre brauchte, bis er ihn endlich wieder losgeworden war. Diesmal aber strahlt das Strahlen etwas blasser als sonst.

„Für die Mitarbeiter wird sich nichts ändern, alles bleibt beim alten. Wir machen das nur wegen …..“ es folgt eine langatmige Erklärung über Kapitalverhältnisse, die DWM, obwohl doch einigermaßen mit der Materie vertraut, nicht ganz nachvollziehen kann und während der BigBoss sich mehrmals etwas verheddert.

Warum macht man eine Fusion, wenn sich nichts ändern soll? Unwillkürlich muss DWM an das Unaussprechliche denken, als DWD über seine potenzielle Abspaltung von der Familie den Kindern gegenüber erläuterte :“Für euch wird sich nichts ändern“. DWM schätzt den Wahrheitsgehalt der beiden Aussagen ähnlich hoch ein.

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DWM ist wieder da: was geht, was bleibt, was kommt

Eines gleich mal vorweg für alle lieben Leser hier, die Anteil genommen haben am Schicksal von DWM: Es gibt sie wieder.  Vielleicht nicht in der selben Form, durch die Prägungen der letzten Monate hat sie sich definitiv verändert, aber, wie sie glaubt: Nicht zum Schlechteren – auch wenn andere das möglicherweise anders sehen, aber das würde hier zu weit führen.  Damit ist DWM auch schon bei einer Ankündigung, die sie hoffentlich auch durchziehen wird: Sie wird sich an dieser Stelle nicht mehr über ihre privaten Probleme auslassen, zumindest nicht über die gravierenden. Natürlich werden auch in ihrem neuen Leben als Alleinerzieherin die einen oder anderen Problemchen auftauchen (wahrscheinlich mehr als in ihrem früheren Leben), über die sie sich auslassen kann. Das wirklich Private soll aber privat bleiben und falls DWM mal Zeit und Muße findet, möchte sie die textlichen Ausrutscher aus dem Urlaub gern  in einen passwortgeschützten Bereich verbannen. Da sie ja nichts wegschmeißen kann, mag sie sich auch davon ungern trennen, immerhin haben diese Ergüsse und vor allem der darauf folgende aufmunternde Zuspruch ihrer Leser sie in einer denkwürdigen  Zeit vielleicht davor bewahrt, endgültig den Verstand zu verlieren. Aber das gehört alles zu einem anderen Leben. Trotzdem nochmals Danke an dieser Stelle allen Lesern, den kommentierenden und den stillen!

Wovon sie sich auch (noch) nicht trennen mag, ist ihr Pseudonym. Da das allzu Private ja verbannt werden soll, verbleiben als Themenlieferanten immer noch die Klassiker, für die DWM diesen Blog gegründet hat. Und an der Arbeitsfront geht’s grad hoch her: DWMs Arbeitgeber steht mitten in einem Fusionsprojekt. Wäre ja erstaunlich, wenn es da nichts zu mosern gäbe für DWM. Sollten sich die Dinge so entwickeln, wie es in Fusionsprojekten halt so üblich ist (und damit wär schon das Thema für den nächsten Post angerissen, der DWM schon in den Fingern juckt, der aber aus weiter unten erwähnten Gründen noch nicht hier steht), dann kann aus DesperateWorkingMum ja immer noch DesperateJoblessMum werden. Aber erstmal ist hier Optimismus angesagt, eine von DWMs brandneuen Eigenschaften J

Was sich leider im Vergleich zur ursprünglichen DWM ändern wird, ist die Textfrequenz. In ihrem neuen Leben als Alleinerzieherin mit Umständen, die auf ein Modell „beide machen beides“ zugeschnitten worden sind, und die sie den Kindern zuliebe (noch) nicht verändern mag, ist sie froh, wenn sie Gelegenheit hat, regelmäßig Luft zu holen. Aber das ist auch gut so. DWM liebt hohes Tempo und in diesem speziellen Fall hindert es sie außerdem daran, zu viel nachzudenken. Jetzt gilt es, das Leben zu meistern. An dieser Stelle auch Danke an Christine Finke von Mama arbeitet, die DWM das Alleinerzieherinnenleben als positive Angelegenheit geschildert hat, auch wenn selbige das zu dem Zeitpunkt noch nicht recht glauben konnte. Heute aber weiß sie: Es ist ganz wunderbar, so laut Musik hören zu dürfen, wie man will, einzukaufen, was, wo und wann man will,… (der Rest der Aufzählung würde möglicherweise schon die Zensur des Privaten tangieren). Das soll jetzt nicht heißen, dass sie diese Lebensform freiwillig für sich wählen würde, aber wenn sie schon mal da ist, genießt DWM jetzt die angenehmen Seiten. Äh- DWM schweift ab: es wird wohl ein Mittelding werden zwischen den fast täglichen Posts des Frühjahrs und dem wochenlangen Schweigen der letzten Monate, wird sich hoffentlich irgendwo einpendeln wie so vieles in DWMs neuem Leben.

Außerdem dürfen wir nach jahrelangem zähen Ringen an der Haustierfront endlich ein neues Familienmitglied in diesem Blog begrüßen: DesperateTomCat wird sicher auch mal für die ein oder andere Anekdote herhalten müssen.

DWM hofft an dieser Stelle, dass es nicht wieder einen Monat dauert, aber: Nix is fix!

DesperateWorkingMum alias SingleParentMum

Da DWM nach ihrem kryptischen Abschiedspost ein paar besorgte Mails erhalten hat, fühlt sie sich verpflichtet, hier ein wenig für Transparenz zu sorgen. Ausserdem hat sie heute beschlossen, dass das Leben irgendwann weitergehen muss. Wann auch immer. Wie auch immer.

Die gute Nachricht: Alle Desperates sind gesund. Zumindest physisch. Doch DWMs Seele ist leider arg mitgenommen nach den Ereignissen der letzten Wochen und auch die der Kinder sind nicht mehr unversehrt.

DWD wird hiermit ein letztes Mal als solcher bezeichnet, denn nach dem Urlaub wird er aus dem Familiendomizil der Desperates ausziehen. Entweder in eine eigene Wohnung oder zu seiner jüngeren Freundin. Ja, jetzt ist der werte Leser im Bilde. Vielen Dank für die gedrückten Daumen, aber leider wird das Unvermeidliche seinen Lauf nehmen. Noch bezeichnet DWD seinen Auszug als vorläufig, aber die Chancen auf eine Beziehungsfortführung selbst als gering.

DWM möchte hier keinesfalls alle Schuld auf ihren Noch-Ehemann laden, auch wenn die Vesuchung besteht, sich hier in einem günstigen Lichte präsentieren zu wollen. Aber leider weiss sie um ihre Verfehlungen der letzten Jahre und das vergrößert nur den Schmerz.

Wie soll DWM weiter vorgehen? Über die Trivialitäten des Alltags hier zu bloggen fällt ihr schwer, in den letzten Wochen sind selbige ziemlich unbemerkt an ihr vorübergezogen. Die Kinder mussten sich weitgehend selbst versorgen (gottlob war schon Notenschluss und an der Schulfront war DWM nicht mehr gefordert), in der Arbeit war sie immerhin noch physisch anwesend. Dabei gäbe es gerade von dieser Front große Neuigkeiten zu berichten, DWMs Unternehmen steht unmittelbar vor einer Fusion, ihr Job  wird eines der ersten Opfer sein, sie wird sich neu orientieren (müssen). Nicht nur Alleinerzieher, sondern arbeitsloser Alleinerzieher.

A propos: soll sie ihren Blog umbenennen in SingleParentMum?

Fragen über Fragen, auf die sich irgendwann Antworten finden werden, auch wenn DWM es sich derzeit noch nicht vorstellen kann. Wie soll sie ihr Leben organisieren, das seit Geburt des ersten Kindes ausgerichtet war auf das Modell „beide machen beides“? Wie mit dem Schmerz leben lernen? Wie mit den Selbstvorwürfen umgehen, dazu beigetragen zu haben, die Kinder mit solch einer Hypothek ins Lebe zu schicken?

Eines liegt ihr noch am Herzen: Liebe Working- und andere Mums da draußen, macht nicht den selben Fehler wie DWM, vernachlässigt niemals die Beziehungsfront!

 

Abschied?

Nachdem DWM jetzt lange genug über Problemchen gejammert hatte, wurde sie heute mit einem ernsthaften Problem konfrontiert, so gravierend, dass sie noch nicht weiss, ob und wann sie (wieder) Kraft haben wird, hier zu mit Worten nachzudenken.

Der werte Leser kann ja ab und zu mal reinschauen!

DWM wird euch vermissen!

Firmensommerfest – die Entscheidungsfindung

Nun versucht DWM ja wohldosiert umzugehen mit der Teilnahme oder Absage an Firmenevents und da es derer in ihrem Unternehmen viele gibt, ist das nicht immer so einfach. Das Dachterassensommerfest war immer einer ihrer Favoriten und wurde daher wenn möglich auch besucht. Man geht an einem Freitag direkt nach der Arbeit hin – die einen früher, die anderen später – und steht daher nicht vor der weltbewegenden Frage: „was ziehe ich an?“. Genaugenommen steht man morgens vor der Arbeit davor, aber da DWM um diese Zeit noch nicht voll funktionsfähig ist, kann sie auch dieses Problem nicht in seiner ganzen Tragweite erfassen. Sie zieht sich büromäßig an und denkt im besten Fall noch an eine warme und/oder Regenjacke, da es zum Sommerfesttermin traditionellerweise schlechtes Wetter gibt.

Der nächste Vorteil des Sommerfestes besteht darin, dass man nicht übernachten muss. Zumindest ist es nicht vorgesehen, auch wenn es Gerüchten zufolge schon passiert sein soll.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Speisekarte dieser Veranstaltung: Schweinsbraten mit Kraut und Knödeln. DWM bleibt somit jeglicher Buffetwahnsinn erspart, dem sie sich auch nach jahrelangem Training nicht gewachsen fühlt. In ihren essgestörten Zeiten hat sie sich mit Salat und gedünstetem Gemüse begnügt, um dann zu Hause ein Glas Nutella zu verdrücken. Nachdem sie diese kulinarisch und auch sonst oft traurigen Jahre hinter sich gelassen hat, erliegt sie heute meist einem Buffet-Syndrom, zu dem ihre Eltern gesagt hätten: „Die Augen sind größer als der Magen.“ (Einer der idiotischen Sprüche, die sie bis an ihr Lebensende verfolgen werden). Um nicht alle Welt an ihrem buffettechnischen Unvermögen optisch teilhaben zu lassen in Form von Resten auf dem Teller, muss sie selbige vertilgen, auch wenn´s nicht mehr schmeckt. Schließlich kann man doch nicht das Buffet verlassen, ohne zumindest alle Hauptgericht zu probieren, wer weiß, was einem sonst entgangen wäre! Der Schweinsbraten auf dem Sommerfest wird zwar ebenfalls am Buffet dargereicht, aber da die erste Scheibe wahrscheinlich auch nicht anders schmeckt als die dritte, schafft DWM hier eine adäquate Portionierung.

Auch das Bier muss selbst gezapft werden und wenn man sich strategisch günstig – oder ungünstig, das hängt sehr vom persönlichen Standpunkt ab – auf der Bank positioniert, schafft man den Abend ohne Alkoholvergiftung. Da sich aber immer wieder nette Kollegen für die Versorgung finden, ist auch ein Pegel gewährleistet, der den Abend erträglich macht.

Ein weiterer Vorteil ist die geografische Lage. Das Auto steht fünf Stockwerke tiefer und wenn man sich strategisch günstig positioniert hat, kann man damit noch nach Hause fahren. Natürlich nur, wenn man so doof ist wie DWM manchmal und dann die angeheiterten Kollegen in nüchternem Zustand ertragen muss. Was sie diesmal nicht tun wird.

Anders als bei der Weihnachtsfeier, wo man auf Gedeih und Verderb dem Bus ausgeliefert ist, um in die Stadt zurückzukommen, steht einem hier die gesamte städtische Infrastruktur zur Verfügung:

a) Bushaltestelle, falls man es so früh schafft, dass der auch noch fährt.

b) Bushaltestelle, falls man so lange bleibt dass der schon wieder fährt

c) Taxistandplatz für den Fall, dass a und b negativ beantwortet wurden.

DWM macht also brav ihr Kreuzchen unter „Teilnahme ja“ und blickt gespannt dem Sommerfest und dem heurigen Skandal entgegen, in der Hoffnung, dass sie es nicht selbst sein wird.

Der, dessen Name nicht genannt werden darf – Lord Voldemort im Konzern

Nun ist es ja kein Geheimnis, dass DWM nicht unbedingt eine Meisterin der Diplomatie ist, im Gegenteil, ihr Hang zur offenen Kommunikation wird von manchen Kollegen durchaus geschätzt. Trotzdem hat sie in ihrem Arbeitsleben schon sehr viel an Zurückhaltung dazugelernt und heute geradezu wieder ein Meisterstück auf diesem Gebiet hingelegt und sich die Verwunderung über die Situation auf die abendliche Blogpflege aufgespart. Den heutigen Arbeitstag hat sie bei ihrer Konzernmutter verbracht und das ist an sich schon anstrengend genug. Frühmorgens besteigt sie mit NewComer gemeinsam den Zug, ApplePolisher als Gschaftlhuber  ist schon am Vortag angereist um unbemerkt von seinen Untergebenen bereits die wirklich wichtigen Dinge zu besprechen. (Übersetzung für den nicht des österreichischen mächtigen Leser: Der Geschaftler oder Gschaftlhuber ist ein Wichtigtuer und wer jetzt meint, das sei eigentlich BusyBodys Rolle, hat zwar nicht ganz unrecht, aber der Unterschied liegt darin: BusyBody wäre gerne wichtig und ApplePolisher ist durch die Verbindung des Gschaftlns mit erfolgreichem Applepolishen wirklich wichtig)

DWM sitzt also mit NewComer im Zug und wünscht sich ihr Netbook herbei, aber nein, sie ist zu gepflegter Konversation gezwungen. Im Besprechungszimmer in München erwartet sie die erste – und einzige – positive Überraschung des Tages: Die Kollegen der Muttergesellschaft hatten in einem Anfall von Mitleid für die frühaufgestandenen österreichischen Kollegen einen Teller mit duftenden Brötchen in die Mitte des Besprechungstisches platziert.

Trotz des andächten Kauens darf DWM sich nicht vom Wesentlichen ablenken lassen, denn hier geht es heute darum, möglichst viele der Konzernbegehrlichkeiten abzuwenden, oder wenigstens aufzuschieben (in der Hoffnung, sie damit auszusitzen) und da ist natürlich Kreativität gefragt. Bei manchen Themen steht die Frage im Raum, warum das denn so sei und wer das denn so entschieden habe, und da hat DWM gewisse Probleme, sie dort unbeantwortet stehen zu lassen, denn eigentlich ist es so schwer gar nicht: SmallBoss hat diese Dinge in seiner -zugegebenermaßen kurzen – Amtszeit eingeführt, bevor er von BigBoss gewaltsam entfernt wurde. Schon in internen Besprechungen war DWM aufgefallen, dass der Name SmallBoss nicht mehr ausgesprochen wird, aber hier ist es offensichtlich: minutenlang wird um den heißen Brei herumgeredet, von wegen ….historisch gewachsen…..blablabla und DWM muss all ihre Anpassungsfähigkeit zusammenraffen, um nicht einfach herauszuplatzen wie ein kleines Kind, das seine Mama auf der Straße lautstark auf einen auffälligen Menschen hinweist: „Der SmallBoss hat das so entschieden!“ Offensichtlich hat man im Konzern beschlossen (aus Gründen, die DWM mit ihrer begrenzten Auffassungsgabe nicht nachvollziehen kann), dass es SmallBoss und seine Amtszeit nie gegeben hat.

Soziale Kälte im Hochsommer

Heute kommt DWM mal nicht umhin, sich furchtbar aufzuregen. Und da ist diesmal leider auch keine Pointe dabei. Nun lebt sie ja an einem Ort, der für Rentner aus dem ganzen Bundesgebiet eine magische Anziehungskraft auszuüben scheint, so einer Art Klein-Florida und ist daher allerhand gewöhnt. Das mag jetzt so klingen, als hätte DWM etwas gegen alte Menschen, aber leider musste sie die Erfahrung machen, dass derer sich viele nicht an ihre Kindheit erinnern können, geschweige denn an eigene Erziehungserfahrungen.

In ihrer Wohnung wurde von der hochschwangeren DWM verlangt, den Kinderwagen durchs Treppenhaus in den Abstellraum zu tragen, denn vor der Haustür wurde er nicht geduldet. Als dabei ein Stück Laub sich von den Reifen löste, wurde eine Hausversammlung einberufen, die neu eingezogene Familie verunstalte das bisher TipTop gehaltene Anwesen. Nach wenigen Monaten waren die Desperates wieder ausgezogen.

Jetzt wohnen sie in einem Haus mit Garten und hätten sie noch einen Kinderwagen, könnten sie ihn hinstellen, wo sie wollten. Dafür sind die Kinder jetzt selbst mobil geworden und freuen sich, unabhängig vom Taxi Mama ihre Freunde mit der Bahn besuchen zu können. Dort hat DesperateSchoolBoy ein Erlebnis der besonderen Art: Um auch am Zielort mobil zu sein, nimmt er sein Fahrrad mit ihn die Bahn, was aber beim Ein- und Aussteigen etwas hinderlich sein kann. Zumindest war in seiner offiziellen Version der Geschichte das umgefallene Fahrrad der Grund, warum er den Ausstieg an seiner Haltestelle nicht geschafft hat. Letztendlich ist es auch egal, ob der HansGuckInDieLuft (neuerdings ADS genannt) seine Haltestelle einfach verschlafen hat, oder nicht. Nach Murphy´s Law kommt ein Unglück aber selten allein, und als DSB sein Handy zückt, um der Mutter das Missgeschick zu beichten, hält er nur ein nutzloses Stück mit leerem Akku in der Hand.

Ähnliches hatte DWM schon vermutet, als sie ihren Sohn zu erreichen versuchte, nachdem die Estimated Time of Arrival verstrichen war. Danach wurde DSBs Freund angerufen, der nur beauskunften konnte, DSB sei rechtzeitig für den Zug losgefahren.

Was tun? DWM vermutet, durch Trödlereien habe DSB vielleicht trotzdem den Zug verpasst und schickt DWD, den Wochenend-Taxifahrer Nummer eins los, um einen eventuell dort wartenden Sohn aufzuklauben.

Kaum ist DWD on the road, radelt auch schon ein ziemlich aufgelöster DSB in die Einfahrt. Nach seinen beiden Missgeschicken – Haltestelle verpasst & Akku leer – hat er die älteren Damen im Zug gebeten, ob er von ihrem Handy seine Mama anrufen darf. Die nächste Haltestelle ist ziemlich weit entfernt, mit dem Fahrrad braucht er ewig und sie mache sich bestimmt Sorgen. (Worst-Case-DWM hat ihre Familienmitglieder diesbezüglich gut erzogen, nicht wahr 🙂 )

Zu hören bekam er gereiztes Gezeter, dass er ganz sicher nicht von ihrem Handy telefonieren dürfe. Der Schaffner schlug vor, bis zur übernächsten Station mitzufahren, dort führe dann gleich der Zug in die Gegenrichtung, mit dem er dann seine Station erreichen könne.

Erwartet DWM zu viel von ihren Mitmenschen? Niemals würde sie einem Kind in einer solchen Situation ein Telefonat von ihrem Handy verweigern (auch nicht mit Roaming-Kosten)! Zwar ist es kein sehr christlicher Gedanke, aber sollten die alten Schnepfen mal Hilfe brauchen, möge ihnen keiner helfen!