Erkenntnisse der Social Tour (3) – von der Loyalität

Nun ist der Vorteil der Kommunikation ja doch die Einbringung verschiedener Sichtweisen zu einem Thema und davon kann DWM auf ihrer Social Tour ganz besonders profitieren. Ihre Freundinnen stecken in komplett unterschiedlichen Lebenssituationen und so werden auch Themen beleuchtet, die sonst selten zur Sprache kommen.

Gestern verbrachte DWM einen Weiberabend mit ihrer ältesten Freundin. Selbige leitet einen Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern und kann manchmal Erstaunliches berichten, diesmal zum Thema Loyalität, nicht nur dem Arbeitgeber gegenüber. Kürzlich hatte sie eine langjährige Mitarbeiterin zur Abteilungsleiterin befördert. Diese hatte in dem Betrieb bereits die Lehre absolviert und sich mit der damaligen Juniorchefin so weit angefreundet, dass sie gemeinsam auf Urlaub fuhren und sie zur Hochzeit eingeladen war. Nach der Beförderung machten der Dame offensichtlich die Belastungen zu schaffen und die Freundin versuchte zu beschwichtigen, bald komme ein zusätzlicher Mitarbeiter, dann würde es wieder besser werden. Die frischgebackene Abteilungsleiterin zog es aber vor, sich in den Krankenstand zu verabschieden und ließ ihre Mutter mit der Botschaft, sie habe Fieber, in der Firma anrufen. Mittlerweile befindet sie sich seit sechs Wochen im Krankenstand und hat sich nicht einmal gemeldet. Obwohl es bei solchen Geschichten ja meistens zwei Versionen gibt, ist DWM erstaunt über das Ausmaß an Illoyalität.

Sie nimmt diesen Bericht zum Anlass, um die eigene Einstellung zur Loyalität zu überdenken. Im Vorfeld zum Urlaub war sie wieder einmal versucht gewesen, es mit selbiger zu übertreiben. Schon seit Wochen hatte ihren Urlaub eingetragen und auch genehmigt bekommen, als plötzlich diverse Mailkopien in ihre Inbox flatterten. Ihr Vorgesetzter ApplePolisher hatte einen Termin bei der Softwarefirma für Mittwoch fixiert. Da es der Ersatztermin für seine Nicht-Anwesenheit beim Workshop war und DWM die Mail nur in Kopie bekommen hatte, war sie unsicher, ob ihre Anwesenheit erforderlich wäre. Wollte ApplePolisher alleine fahren? Oder hatte er nur vergessen, dass sie in dieser Woche Urlaub hatte? Das wäre nichts Neues, denn üblicherweise verschimmeln die Urlaubsanträge in seiner Inbox, bis man sie mehrmals urgiert. ApplePolisher ist berühmt für seine Desorgansiation. In DWMs Hirn beginnt bereits das Logistikzentrum zu arbeiten. Je nach Routenwahl liegt die Softwarefirma sogar auf dem Weg in die Steiermark, wo sie am Mittwoch zwecks Kindereinsammelns eintreffen wollte. Prinzipiell sind Dienstfahrten mit dem Privatwagen zwar strengstens verboten, aber vielleicht könnte sie ja eine Ausnahme erwirken. Leider ist der Tag vor dem langen Wochenende ein sicherer Staugarant und DWM hat wenig Lust, sich am dem Tag mit dem Rest der Welt um ein kleines Stück Autobahn zu streiten. Die Reise mit der Bahn wäre noch langwieriger. Was tun?

Erst mal versucht DWM es mit der Vogel-Strauß-Politik und ignoriert die Mail, eine von ApplePolisher oft erfolgreich angewandte Strategie. NewComer allerdings weiht sie ein, um ihn darauf vorzubereiten, dass die Reise eventuell ihn treffen könnte. DWM ist eben ein Ausbund an Loyalität in alle Richtungen. An ihrem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub taucht ApplePolisher wieder mal im Büro auf und DWM spricht ihn beiläufig auf den Termin an.

„Was, echt? Wann ist denn der, ich hab die Mail irgendwie nicht mehr.“

ApplePolisher verschlampt nicht nur Urlaubsanträge, sondern auch Terminvereinbarungen mit Geschäftspartnern. DWM beschließt endgültig, dass sie nicht verpflichtet ist, ihrem desorganisierten Vorgesetzten beizustehen.

„Nächsten Mittwoch. Aber da bin ich im Urlaub!“  Kein Wenn und Aber. Basta.

ApplePolisher versucht auch gar nicht, DWM zu etwas Gegenteiligem zu überreden, sondern wendet sich mit einem verlegenen Lächeln an NewComer: „Hast du schon deinen Dienstreiseantrag gestellt?“

NewComer ist not amused darüber, mit ApplePolisher diese Reise anzutreten, aber trotz aller mütterlichen Gefühle dem jungen Kollegen gegenüber kann DWM darauf jetzt keine Rücksicht nehmen. Obwohl sie kleinen klassischen Urlaub gebucht hat, wird sie ihre Social Tour wie geplant durchführen.

Und nach dieser Geschichte von ihrer Freundin ist DWM überzeugt: Sie ist auf dem richtigen Weg und muss sich weiter entloyalisieren!

Erkenntnisse der Social Tour (2) – Was früher wichtig war

Nun ist DWM ja an einem Punkt angelangt, an dem sie ihr Leben neu sortieren muss. Eigentlich muss sie das ja ständig, denn die rasend schnelle Entwicklung der Kinder fordert eine möglichst ebenso schnelle Anpassung des Lebensstils. Nun schreitet die Entwicklung aber nicht konstant, sondern in Schüben voran. Und so ein kindlicher oder pubertärer Schub erfordert dann eben einen Schub in DWMs Leben.

Nun hat DWM ihr erstes Kind mit knapp dreißig Jahren zwar nicht völlig unerwartet bekommen, aber so richtig vorbereitet war sie eben doch nicht auf dieses völlig veränderte Leben, soll heißen, es standen noch jede Menge wahnsinnig wichtige Dinge auf ihrer Todo-Liste, die sich mit Kindern, wie DWM völlig überrascht feststellen musste, nur schwer abhaken lassen. Jetzt, wo der Nachwuchs die Schwingen spreitzt, um in absehbarer Zeit flügge zu werden (naja, vielleicht sitzt DWM da zwar ein wenig früh in den Startlöchern  mit einem 11 jährigen Sohn, aber besser sich zu früh auf die nächste Lebensphase vorbereiten, als davon überrascht werden, nicht wahr?), ist es an Zeit für das große Aussortieren der Ziele und Wünsche von damals: Was ist immer noch wichtig, was kann jetzt schon erledigt werden, was bedarf einer so großen Vorbereitungszeit, dass DWM schon mal damit beginnen müsste?

Nun ist es ja gottlob nicht so, dass DWM ihre eigenen Interressen während der Zeit der Nachwuchspflege vollkommen vernachlässigt hätte, sie hat sie zum Teil eben modifiziert. Aus der großen Karriere ist eine kleine geworden, und selbst die ist mittlerweile ad acta gelegt, weil sie im Stapel „Nicht wichtig/Preis zu hoch“ gelandet ist. (Ob sie ohne Kinder auf einem anderen Stapel gelandet wäre, will DWM zumindest nicht ausschließen).

Aus den großen Bergbesteigungen sind die kleinen Mountainbiketouren geworden, weil man da auch bergab fahren kann und somit schneller wieder zu Hause ist. Diesen Wunsch möchte DWM aber (zumindest noch) nicht auf den Stapel „Nicht wichtig“ legen und ist wild entschlossen, alsbald (ein schön dehnbarer Begriff) mit den Trainingsvorbereitungen zu beginnen.

Das Windsurfen hatte sie schon vor den Kindern aufgegeben, weil sie DWD zuliebe Wien und das nahegelegene Surf-Mekka Podersdorf verlassen musste. Dafür hat sie seither wenig Gelegenheiten ausgelassen, diesen Umstand zu bejammern. Als Ersatz macht sie seit einiger Zeit wieder ein paar  Versuche an einem Salzburger See, aber nicht ohne bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Vergleich zu ihrem glorifizierten Podersdorf anzustellen.

Und jetzt ist es so weit. DWM weilt in Wien und könnte eigentlich schon lange auf dem Surfboard stehen. Statt dessen sitzt sie mit ihrer Freundin aus Kindertagen gemütlich beim Brunch und redet mit ihr über Gott und die Welt. Danach fährt sie zwar noch nach Podersdorf, um die Freundin zumindest ein paar Stunden arbeiten zu lassen, aber anstatt so dicht wie möglich an der Surf-Schule in einer hässlichen Pension zu übernachten, quält sie sich durch den abendlichen Berufsverkehr nach Wien zurück, um noch einen Abend mit ihrer Freundin zu verbringen. Das mag ja noch angehen, aber was sie am nächsten Tag macht, schlägt dem Fass den Boden aus und nimmt ihr jegliche Berechtigung, jemals wieder über ihre Entfernung von Podersdorf zu jammern. Nach einem weiteren gemütlichen Frühstück mit tiefgründigen Gesprächen zieht die Freundin sich ins Arbeitszimmer und DWM sich ins Gästezimmer zurück, um Blogposts zu schreiben! Nun kann man zu ihrer Entschulding vorbringen, dass sie immerhin Windbericht und Webcam konsultiert und beschlossen hat, dass sieben Windstärken für eine Wiedereinsteigerin mindestens eine zu viel sind, aber früher wäre sie auf gut Glück hingefahren, hätte sich an den Strand gesetzt in der Hoffnung, dass irgendwann der richtige Wind käme.

Daraus lernt DWM folgendes:

Gute Gespräche  mit Freundinnen sind wichtig, und wenn sie schon nicht in der Lage ist, diese an ihrem derzeitigen Wohnort zu führen, dann wird sie eben öfter nach Wien fahren als nur alle paar Jahre.

Schreiben ist wichtig und kann überall erledigt werden.

Sport ist auch wichtig, aber eben nicht mehr Prio eins. Und der geliebte Neusiedlersee wurde während der gestrigen Surfstunden vom glorifizierten, ständig vom perfekten Wind umwehten Gewässer zu der Schlammbrühe, an der der Wind zwar oft stark, aber genauso böig weht wie zu Hause. DWM nimmt Abschied von den Mythen ihrer Studentenzeit.

Was aber definitiv kein Mythos ist, sondern sich seit damals eher noch verbessert hat, ist die Wiener Beislszene – ein weiterer Grund, öfter nach Wien zu fahren!

Erkenntnisse der Social Tour (1) – Von der Schönheit der Sehnsucht

Nun standen ja schon im Vorfeld zum ersten freien Wochenende seit langem für das DesperateCouple einige Gestaltungsvorschläge im Raum und wie das beim Brainstorming oft so ist, waren auch einige wenig praktikable dabei. Nicht, dass DWM so unschöne Gefühle gerne zugeben möchte, aber die Segelwoche ihres Gatten hatte sie ganz schön unter Zugzwang gebracht, auch etwas ganz Tolles unternehmen zu müssen. Von der Reise nach Venedig bis zur Besteigung des Großvenedigers (die Namensgleichheit ist in diesem Fall eher zufällig) war die Rede gewesen, aber lange Reisezeiten bzw. mangelnder Trainingszustand sprachen dagegen. Somit tut das DesperateCouple etwas Naheliegendes, was aber keinesfalls so unspektakulär ist, wie es klingt: Sie halten auf dem Weg nach Wien, der nächsten Station von DWMs Social Tour.

Nun ist die Wachau ja immerhin Weltkulturerbe und das nicht ganz zu Unrecht. Wo einst Richard Löwenherz gefangen gehalte wurde, das österreichische Volk seiner zukünftgen Kaiserin Sisi vom Donauufer aus zujubelte, DWM vor über 20 Jahren einen heftigen Flirt mit einem Amerikaner begann und DWD vor 17,5 Jahren auf ihrem ersten gemeinsamen Ausflug DWMs Kopf über die Kloschüssel hielt, auf solch geschichtsträchtigem Boden wollen DWD und DWM ihre Beziehung zelebrieren. Auch wenn sie sich zu dieser Jahreszeit vom touristisch überlaufenen Dürrnstein fernhalten (vor 17,5 Jahren waren sie im Winter hier gewesen und hatten dem lokalen Wein zwecks innerer Erwärmung vielleicht mehr zugesprochen, als DWM gutgetan hat), finden sie eine romantische Unterkunft im weniger bekannten Spitz. Und nicht nur das. Sie finden auch Spaß am gemeinsamen Sport, genießen schmackhaftes Essen und guten Wein und DWM stellt das Erstaunliche fest: Man kann sich nach so langer Zeit wieder verlieben. Und das sogar in den eigenen Mann. Nicht, dass sie sich jemals entliebt hätte, aber vielleicht kennt der eine oder andere Leser dieses Nebeneinander-Herfunktionieren, das sich im gut eingespielten Alltag des gemeinsamen Familienprojektes einschleicht. Vielleicht ist das Lebensmodell „beide machen beides“ dafür auch anfälliger als die traditionelle Rollenverteilung, weil ein großer Teil der abendlichen Gesprächszeit für Übergabeprotokolle und Kinderproblemgespräche draufgeht. Zwischenzeitich hatte DWM auch vermutet, es handle sich um eine alltagsbedingte Abnützungserscheinung, die jeder langjährigen Beziehung irgendwann blüht. Um so mehr freut sie sich hier in Spitz über Gefühlsaufwallungen, die sie sich selbst gar nicht mehr zugetraut hätte, schon gar nicht dem eigenen Ehemann gegenüber. Es gibt offenbar ein Leben nach den Kindern!

Sonntag mittag muss DWMs neues Objekt der Begierde diesen romantischen Ort der Begegnung leider schon wieder verlassen, weil seine Patienten ihn erwarten. DWM könnte jetzt sofort nach Wien zu ihrer nächsten Station weiterfahren, aber sie entschließt sich noch zu einer kleinen, einsamen Wanderung mit Donaublick. Sie möchte sich noch ein weng in dem Gefühl der Sehnsucht suhlen, das sich schon beim Abschied in ihr ausgebreitet hat und sie seither von innen wärmt. DWM kommt sich ein wenig vor wie ein Teenie.

Vom Social ohne Media

Nächste Woche hat DWM Urlaub und da wird sie erstmals seit zehn Jahren wieder etwas probieren, was damals schon nicht funktioniert hat: sie wird Urlaub im eigenen Lande machen. Nun ist das ja in Österreich nichts Ungewöhnliches, andere kommen von weit her gereist. Aber beim letzten Versuch vor 10 Jahren waren die Desperates nach zwei Wochen weichgeregnet und sind schnell noch last minute nach Mallorca geflogen (wo es dann auch geregnet hat). Diesmal aber spielt das Wetter eine untergeordnete Rolle, denn DWM wird sich um ihre sozialen Kontakte kümmern. Ja, solche hat sie auch, nicht nur im Netz, aber die sind erstens schon sehr alt (was eher für die Kontakte spricht) und zweitens sehr weit weg (was das Halten derselbigen schwierig macht), deshalb sind auch nur die besten übrig geblieben. In ihrem derzeitigen Wohnort hat sie sich Kontakte aus dem Kinderumfeld geschaffen, die sehr nett sind, aber es war irgendwie niemand dabei, dem sie ihre intimsten Geheimnisse anvertrauen würde, so wie ihren alten Freunden. Dafür vertraut sie diese jetzt der Allgemeinheit im Internet an 🙂

Nun ist es also so weit: DWM wird sich in der kommenden Woche dem Verteilen und Wiedereinsameln der Kinder, der Beziehungspflege mit DWD, der Freundschaftspflege und den Elternbesuchen widmen. Dafür wird sie eine ganze Woche offline verbringen und danach am Schweregrad der Entzugserscheinungen ihren Suchtstatus ablesen können.

Bleibt ihr gewogen, liebe Leser, DWM vermisst euch jetzt schon!

Ihren Fremdblog hat sie für diese Woche natürlich auch schon bedient mit dem Thema Der Hunger, der Essensplan und ich

Turk Hava Yollari oder warum DWM unter Flugangst leidet

Eines gleich mal vorweg: DWM möchte hier auf keinen Fall eine Fluglinie zu Unrecht verunglimpfen, vielmehr handelt es sich um die total subjektiven Erlebnisse einer hysterischen Reisenden.

Angefangen hatte es an diesem Tag schon auf dem Weg zum Flughafen und dafür kann selbst Turk Hava Yollari nichts. Jedenfalls wurde wegen eines Bombenalarms die Flughafenautobahn gesperrt und DWM war mit ihrer damals einjährigen Tochter somit etwas spät dran, das Nervenkostüm also bereits leicht angespannt. Auf dem Flughafen stellt sich aber heraus, dass jegliche Eile völlig unbegründet ist, denn der Flieger nach Istanbul hat einen Reifenschaden. DWM überlegt, wie viele Sorgen sie sich machen soll. Ob das ordentlich repariert wird? Oder tauschen die den Reifen aus? Lange genug dauern tut es jedenfalls.

Irgendwann kann DWM mit ihrer Tochter eingezwängt zwischen Jahrespackungen Pampers doch noch Richtung türkische Hauptstadt starten, verpasst dort aber knapp den Anschluss nach Antalya. Somit verbringt sie mit einem lebhaften Kleinkind einen ungemütlichen Tag auf dem Flughafen, bis die beiden die Abendmaschine besteigen. Der wirklich ungemütliche Teil des Tages steht ihr allerdings noch bevor. Das Flugzeug wird von heftigen Turbulenzen durchgeschüttelt, vor dem Fenster (warum will sie bloß immer einen Fensterplatz haben?) sieht DWM, wie die Tragflächen sich verbiegen. Sie klammert sich an ihre Tochter und betet.

Nach einer gefühlten Ewigkeit landen sie in Antalya, wo der Ehemann und Vater sie mit Blümchen erwartet (warum das so ist, wird DWM ihrem neuen eBook erzählen). DWM ist nach diesem Tag allerdings nicht in romantischer Stimmung und kontert mit dem Satz, der die Doppelhaushälftenidylle der nächsten Jahre einleiten wird: „Wenn du mir sowas nochmal zumutest, lass ich mich scheiden!“

Was das ganze mit Turkish Airlines zu tun hat? Außer dem Reifenschaden eigentlich gar nichts, aber irgendwie wird DWM ihre prägenden Erinnerungen an ihren bisher einzigen Turkish-Flug nicht los.

Urlaubsplanung bei den Desperates

Heute darf DWM wieder einmal das Liebste ihrer Luxusproblemchen bedienen, die Urlaubsplanung. Das ist eine so komplexe Angelegenheit, dass sie sich jedesmal wieder wundert, wenn sie es auf Reisen schaffen. Das ganze beginnt mit der Frage

  • sollen wir überhaupt fahren?

die aber eine rein rhetorische ist, denn obwohl die Kinder schon den Wunsch geäußert haben „Können wir nicht auch mal zu Hause bleiben wie andere Leute“, ist ein Tapetenwechsel in den Ferien dringend erforderlich, schon um den domestizierten Abenteurer DWD bei Laune zu halten.

Nachdem das geklärt ist, kann man sich also der Frage zuwenden

  • wohin sollen wir fahren?

Diese Frage ist seit dem Auftauchen des Jünglings am selben Bootssteg in der Türkei eine rein rhetorische, denn waren bisher die Fronten klar an der Geschlechterlinie verlaufen, ist DesperateSchoolGirl plötzlich zu den segelaffinen Männern übergelaufen. Damit steht es eins zu drei, DWM hat ihre Verbündete an den Jüngling verloren.

Somit muss also nur mehr die Frage geklärt werden

  • wann sollen wir fahren?

Diese Aufgabe ist auch nicht leicht zu lösen, denn DWD muss sich mit seinem Praxispartner einigen, DWM muss sich mit NewComer und ApplePolisher einigen, in Bayern müssen Ferien sein, das Boot muss frei sein und seit des Jünglings Auftauchen müssen als zusätzlichen Komplexitätsgrad auch noch Ferien in NRW sein.

Wenn das alles erledigt ist, kann man sich der Frage

  • wie sollen wir dahin kommen?

zuwenden. Ginge es nach DWM, würde man das auf dem Landweg oder zumindest mit der Fähre tun, aber nein, jedesmal wieder muss sie in den Flieger steigen. Bis die Desperates alle Fragen geklärt haben, geht es an der Flugbuchungsfront auch schon etwas härter zu und man muss nehmen, was man kriegen kann. Für den diesjährigen Sommerurlaub bedeutet das Turk Hava Yollari und für DWM ist das genauso schlimm wie es klingt. Und warum das so ist, erfahrt ihr morgen.

Woran DWM merkt, dass sie wirklich alt wird oder besteht doch noch Hoffnung für ihr inneres Kind?

Ja, DWM hat es tatsächlich geschafft, mit dem alten Fahrrad zu ihrer Tour aufzubrechen. Und auch daran gedacht, das Handy einzustecken, denn seit sie – wie gestern erwähnt – ihre handwerklichen Ambitionen gegen den Ehering eingetauscht hat – ja, ich höre euch in Entsetzen ausbrechen, aber DWM ist nun mal so furchtbar faul beschäftigt – ruft sie bei einer Panne einfach den technischen Service DWD, der sie dann abholt. Dazu muss man aber sagen dass DWM seit geraumer Zeit keine richtige Tour mehr gefahren ist sondern nur einstündige Ausfahrten am Abend. Heute aber hat sie ein konkretes Ziel, sie wird eine Runde fahren, die einige Jahre wegen diverser Arbeiten nach Lawinen- und Murenabgängen gesperrt war und mal gucken, ob die wieder offen ist. Sicherheitshalber trägt sie auch ihre Pulsuhr, so untrainiert nach dem langen Winter (In Wirklichkeit trägt sie die nur, um auf der ebenen Anfahrt nicht unter ihren Zielpuls zu kommen).

Schon auf der ersten Steigung stellt sich heraus: das ist irgendwie nicht mehr so wie früher. Komisch, obwohl sie doch mindestens zwei mal in diesem Winter auf ihrem Spinningrad gefahren ist, scheint die Kondition eher suboptimal zu sein. Dabei hat sie mindestens einmal die Woche die Tourenski oder das Snowboard den Berg hochgetschleppt. DWM kann die Augen nicht mehr verschließen vor dem Offensichtlichen. Sie wird alt und kann nicht mehr aus dem Stand und ohne Training Touren fahren. Am besten, sie schaltet die Pulsuhr gleich aus, um nicht ständig auf den unerfreulichen Umstand hingewiesen zu werden

Die Steigung zieht ich elendiglich lange hin und jetzt kommt der Zeitpunkt, an dem DWM merkt, dass sie WIRKLICH alt wird: Früher wäre es absolut ausgeschlossen gewesen, abzusteigen und zu schieben. DWM hat gebissen, den Puls jenseits der 200 getrieben und die Übelkeit hinuntergeschluckt. Selbst während der Schwangerschaft hat sie sich den Berg hochgequält, bis ihr die Clubkollegin gedroht hat, die Luft aus den Reifen zu lassen, wenn sie nicht sofort absteigt. Dazu muss man sagen, dass das Schieben in diesen Steigungen nicht nur die komfortablere, sondern meist auch schnellere Fortbewegung darstellt, aber das lag absolut unter DWMs Würde. Unvorstellbar, wenn jemand sie dabei gesehen hätte!

Und jetzt?  Die wenigen knackigen Mountainbiker, die DWM begegnen, wecken allenfalls noch mütterliche Gefühle in ihr und so löst sie mit Schwung ihren Schuh aus dem Clickpedal um das Fahrrad zu schieben. Dabei kann sie auch viel besser die grandiose Landschaft genießen (ein angehnehmer Aspekt des Altwerdens, wie DWM feststellt. Früher hätte sie auch in einer Halle biken können, die Kulisse war eher sekundär).

Mit dieser Mischung aus Schieben, langsamen Fahren und andächtiger Landschaftsbetrachtung zieht sich die Tour länger hin als gedacht und DWM ist froh, sich für das Mittagessen abgemeldet zu haben. Als sie nach schier endloser Zeit den Pass erreicht, breitet sich ein großes Schneefeld vor ihr aus. Jetzt wäre es das Vernünftigste, umzukehren und den gleichen Weg zurückzufahren, der nur von kleinen Schneeresten am Wegrand gesäumt war. Das wäre ein kleiner Umweg im Vergleich zur ursprünglichen Variante, aber DWM hat keinerlei Ahnung von der Ausdehnung der weißen Pracht vor ihr. Was, wenn die ganze Abfahrt verschneit ist? Nun bricht der kindliche Trotzkopf in DWM durch: sie hatte sich vorgenommen, die Tour als Runde zu fahren und genau das wird sie auch tun! Das ist sicher nur ein kleines Schneefeld und außerdem sieht man da Fußspuren und mit etwas Fantasie auch eine Fahrradspur daneben, da ist schon einer gegangen, der hätte das sicher nicht getan, wenn das so unsinnig wäre, nicht wahr?

DWM stapft durch den Firn, in den sie mal mehr, mal weniger einsinkt, zum Wasser, das von außen durch die Schuhe dringt, gesellt sich der von oben eindringende Schnee. Das Fahrrad neben ihr wirkt ziemlich deplaciert, sie wühnscht sich ihre Tourenski oder wenigstens das Snowboard herbei. An Umkehren verschwendet sie trotzdem keinen Gedanken. Schon bald beginnt eisige Kälte von den Füßen Richtung Beine zu ziehen, aber Kneippen ist doch sehr gesund, nicht wahr? Ach wie schön könnte sie im Tal jetzt den Sommer genießen, für heute waren 30 Grad prognostiziert! Nach einer halben Stunde unbequemen Abstiegs muss DWM sich eingestehen: das war keine gute Idee, aber jetzt umkehren und durch den tiefen Schnee mit dem Fahrrad wieder hinauf? Nein, immerhin hat sie sich durchgesetzt gegen sich selber und die Tour nach ihren Routenwünschen weitergeführt – wenn auch nicht ganz nach ihren Vorstellungen. Als sie in der Ferne die ersten Almhütten auftauchen sieht, traut sie ihren Augen nicht: mitten durch den Schnee wurde eine Schneise gepflügt! DWM jubelt innerlich über die Segnungen der Zivilisation und staunt über die Höhe der Schneewände, die sich manchmal bis zu zwei Meter links und rechts der gepflügten Straße erheben. Ganz vorsichtig rutscht sie auf der aufgeweichten dünnen Schneeschicht dahin und stellt fest: Radfahren ist wie Radfahren, man verlernt es nicht, auch wenn sie fünfzehn Jahre nicht im Schnee gefahen ist!

(Anmerkung der Redaktion: Da DWM sich immer noch nicht für ein Smartphone entscheiden konnte,überlässt sie die Illustrierung dieses Ausflugs der Fantasie des Lesers und kann leider nicht mit Fotos dienen).

Die dunkle Seite der Arbeitsteilung oder DWM kann man es nicht wirklich recht machen

Endlich, endlich, ein freier Freitag für DWM nach dieser anstrengenden Arbeitswoche. Und was das Beste daran ist: ausnahmsweise mal mit gutem Wetter! DWM versucht – mit Erfolg! – ihr schlechtes Hausfrauengewissen zu besiegen und teilt der Familie mit, dass sie heute trotz freien Tages NICHT kochen wird. DSB isst ohnehin in der Schule, weil er nachsitzen muss und für drei Personen lohnt sich das doch gar nicht. DWM wird statt dessen ihre Untersportung bekämpfen und sich auf ihr Mountainbike schwingen. Voller Vorfreude sucht sie ihre Klamotten zusammen, als die Familie das Haus verlassen hat. Das dauert eindeutig zu lange, der Schrank mit den Sportsachen müsste mal umgeräumt werden von Winter- auf Sommerbetrieb. Aber sicher nicht heute! Als DWM ihr Fahrrad aus dem Schuppen holt, sinkt das Vorderrad verdächtig tief ein. Hm, mit so wenig Luft im Reifen loszufahren ist eigentlich keine gute Idee. Wo war nochmal die Luftpumpe? Erstmals überlegt DWM, ob die Arbeitsteilung im Hause der Desperates eine so gute Idee ist. DWD als Fuhrparkverantwortlicher kümmert sich um alles was Räder hat. Das geht so weit, dass er ihr manchmal das Auto in und aus der Garage fährt (diesen Service hat sie sich allerdings hart erarbeitet durch die Zerstörung mehrerer Außenspiegel) und betankt (diesen Service hat sie sich ebenfalls hart erarbeitet, indem sie kurz vor Erreichen der Reserve immer einen drigenden Grund für Autotausch gefunden hat). Jetzt hat DWM sich geoutet: Sie hat es nicht wirklich mit der Emanzipation. Dafür würde sie auch niemals von DWD erwarten, sich um die Wäsche zu kümmern (ausgenommen das Annähen von Knöpfen, was als chirurgische Tätigkeit gilt und somit unter DWDs Fachgebiet fällt).

Jetzt allerdings hantiert sie erfolglos mit der Fahrradpumpe, um ein wenig Luft in den Reifen zu quetschen und verflucht ihre Faulheit Arbeitsteilung. Wann hat das eigentlich angefangen? Als Single war DWM in der Lage gewesen, auf einer Tour den Schlauch zu wechseln, ohne die Clubkollegen zu lange warten zu lassen. Auf ihrem ersten (und einzigen) Mountainbike-marathon nach den Kindern hat sie DWD allerdings mitgenommen, weil die Annahme von Fremdhilfe im Rennen verboten ist und im Falle eines Mitfahrers ja nur die Räder getauscht werden müssen. Offensichtlich hat sie ihren Ehering gegen handwerkliche Ambitionen eingetauscht. Mit einem lauten Zischen löst sich jetzt der Schlauch von der Fahrradpumpe, ohne dass der Reifendruck sich merklich verbessert hätte. So leicht lässt DWM sich aber nicht entmutigen. Gemeinsam mit der defekten Pumpe bringt sie ihr Fahrrad zurück in den Schuppen und – tauscht es gegen ihr altes. Das war zwar für DSG ein wenig umgebaut worden, aber die erste Tour im Jahr wird sich ohnehin nicht durch besonderen Anspruch auszeichnen, das alte Mountainbike wird also völlig ausreichen. (und warum es das tut, erfahrt ihr morgen!)

Nachbetrachtungen zum Urlaub oder wie man einen Fahrtenkatamaran zum Kentern bringt

Leider kommt DWM auch Tage nach dem Urlaub nicht umhin, Blogpostvergangenheitsbewältigung zu betreiben und daran ist auch der Kapitän, obwohl mittlerweile zwangsläufig wieder zum DesperateWorkingDad mutiert, nicht ganz unschuldig.

Der letzte Urlaubstag beginnt eigentlich ganz harmlos. Um halb sechs Uhr morgens wird DWM von einem dumpfen Knall, gefolgt von Trampeln an Deck (sprich genau über ihrem Kopf) aus dem Schlaf gerissen. „Piraten“ war DWMs erster Gedanke, aber selbst als amtierende Sicherheitsverantwortliche an Bord wird ihr der geringe Wahrscheinlichkeitsgehalt dieser Befürchtung rasch bewusst. (Es war auch nur der heute abreisende Jüngling, der sich von DSG verabschieden wollte). Gerade als DWM überlegt, ob sich neuerliches Einschlafen wohl noch lohnt, ertönt lautes Geschrei vom Steg. Des Jünglings Vater zeigt sich mäßig erfreut über die Verzögerung der Abreise und macht diesen Gefühlen Luft. Nachdem die Crew erfolgreich abgereist ist und DSG sich wieder in ihrer Kajüte verzogen hat, ist es bereits zu hell, um nochmals einzuschlafen. DWM und DWD beschließen abzulegen und ein romantisches Frühstück auf See statt der Wassercampingatmosphäre im Hafen zu genießen. In einer windstillen Bucht werden die Motoren ausgemacht, nacheinander krabbeln die verschlafenen Crewmitglieder an Deck und frühstücken.

DSB dreht seine letzten Runden mit dem Außenborder und DWM, ihr werdet es nie erraten, packt ihr Theraband aus und absolviert die vom Physiotherapeuten aufgetragenen Übungen. Besser am letzten Tag, als gar nicht. Als ein sanftes Lüftchen sich erhebt, beschließt die Crew, den Golf von Fethiye zu durchqueren, um eine mit Restaurant ausgestattete Bucht aufzusuchen.

Beim Aufbruch nach dem Essen ahnen die Desperates noch nichts von den bevorstehenden Aufregungen, denn bis zur engen Ausfahrt ist diese Bucht sehr geschützt. Einzig die katastrophenvorausschauende DWM erahnt das schmale Band der bewegten Kimm am Horizont. Je näher sie der Ausfahrt kommen, desto stärker wird der Wind, aber lt. Kapitän ist das nur der Düseneffekt und Welle baut sich in der Bucht ohnehin nicht auf. Am Ende der Ausfahrt zeigt das Windlog bereits 30 Knoten und die winderfahrene DWM (immerhin hat sie sich in einem früheren Leben mal als überpowerte Windsurferin von einem Rettungsboot holen lassen) befürchtet ein weiteres Steigen. Wobei nicht der starke Wind der Anlass für die Befürchtungen darstellt, sondern die Art und Weise, wie der Kapitän damit umzugehen pflegt.

DWM fühlt sich beim Segeln für die Sicherheit an Bord verantwortlich, wenn aus ihrem domestizierten Ehemann wieder der Abenteurer durchzubrechen droht, das heißt, sie muss realitätsnahe Schreckensszenarien von unwahrscheinlichen unterscheiden und dann auch noch eine erfolgreiche Meuterei anzetteln.

Wie immer, wenn das Windlog die 20-Knoten-Marke übersteigt, absolvieren DWM und DWD ihre Diskussion inklusive Subtext, die sie genausogut von einem Band abspielen könnten:

„Meinst du nicht, wir sollten mal reffen?“ (Warum kann er eigenlich nicht mal von selbst an unsere Sicherheit denken?)

„So viel Wind ist das gar nicht!“ (Mann, ist das mühselig mit einer so ängstlichen Frau, die hat ja sogar vorm Fliegen Angst)

„Da vorne kommt aber noch mehr!“ (Das müsste er doch eigentlich auch sehen)

„Das sieht nur von weitem so aus.“ (Jedes Schaumkrönchen wird gleich wieder überinterpretiert)

„Sieh mal, es geht schon auf 30!“ (Wehe, das Log geht jetzt kurz runter, wenn er draufschaut)

„Hinter dem Kap wird es wieder weniger“ (Die will mir aber auch jeden Spaß verderben)

Je nach Gemütslage der restlichen Crew gelingt es DWD, eine Meuterei anzuzetteln und den Kapitän zum Reduzieren der Segelfläche zu bewegen. Diesmal aber ist die Situation eine schwierige, denn während der Einrumpfer bei mittlerer Windstärke durch seine Schräglage dem Segler bereits maximales Abenteuerfeeling vermittelt, steht am Katamaran die Bierdose unverändert an seinem Platz. Somit wiegt die Crew sich in falscher Sicherheit, während DWM wieder mal als Einzige die Gefahr durchschaut. Sie klammert sich ans Steuerrad und konzentriert sich auf den Kurs, während das Windlog sich der 40 (naja, vielleicht waren es auch nur 36, aber ab 6 wird ja aufgerundet, nicht war) nähert (mittlerweile wurde die Segelfläche reduziert). Trotzdem erreichen sie den sicheren Hafen und als sie wieder in der Heimat sind, passiert das Erstaunliche: DWD recherchiert im Internet, wieviel Segelfläche man auf dem Katamaran bei welcher Windstärke setzen sollte und kommt zur Erkenntnis: Je nach Kurs sollte bei 15 bis 18 Knoten gerefft werden! Wieder mal typisch – der Prophet im eigenen Land gilt nix und DWM klopft sich selbst auf die Schulter. Wenn es sonst schon keiner macht.

Das Wandern ist der Desperates Frust

Nun ist es ja nicht so, dass DWM keine Erfahrung damit hätte. Im Gegenteil, zu Hause wurde das Wandern als gemeinsame Familienbeschäftigung schon vor über einem Jahr eingestellt. Deswegen hatten DWM und DWD vor, den Ausflug zum nach Ölüdeniz in trauter Zweisamkeit zu unternehmen. Um schnellstmöglichst wieder zurück zu sein, aber als sie die Kinder von ihren Plänen informieren, passiert das erstaunliche. Sie wollen mitkommen. Der Jüngling ist an diesem Tag als Crewmitglied seines Vaters unabkömmlich, er muss das Schiff für die Ruhezeit klar machen. Warten wäre für DSG natürlich zu unsouverän gewesen, deswegen schließt sie sich ihren Eltern an. DSB wiederum schließt sich der Mehrheit an. Die Mutterglucke DWM freut sich über den unerwarteten Familienausflug. In ihrem grenzenlosen Optimismus hofft sie, dass DSGs neuer Gemütszustand sie so sanftmütig mache, dass selbst die Unbequemlichkeiten des Wanderns gutgelaunt hingenommen werden. Leider verhält sich der Gemütszustand umgekehrt proportional zur Entfernung dessen, der ihn hervorgerufen hat, aber das wird sich erst später herausstellen.

Um die Kinder möglichst kurz allein zu lassen, haben die Desperates ein Auto gemietet. Das ist auch für den Ausflug in der neuen Konstellation von Vorteil, denn üblicherweise ist das Wanderfrustpotenzial schon auf dem Weg zur Dolmus-Haltestelle aufgebraucht. So aber werden sie komfortabel erstmal durch die Geisterstadt Kayaköü gekarrt, wo ein kurzer Fotostop gewährt wird:

Dank DWMs erfolgreicher Recherchen wird in Öludeniz der Einstieg des Wanderweges auf den Babadag sofort gefunden. Nein, DWM will nicht den 2000 Meter hohen Berg besteigen (wollen natürlich schon, aber derartige Exkursionen sind nur in einem anderen Leben möglich), sondern nur auf einen kleinen, lächerliche 400 m hohen Vorgipfel, um ein paar hübsche Fotos von Ölüdeniz zu schießen – und wenigstens ein bisschen Bewegung zu machen. Kurz nach dem Abmarsch fragt DSB an, ob man eine Pause machen könne. DWD findet diese Frage sei eine Zumutung vom sportlichsten Familienmitglied. DWM, wie immer um Ausgleich und Vereinbarung von vier prinzipiell unvereinbaren Interessen bemüht, versucht zu vermitteln. DSB trinkt ein wenig, DWM schießt schon mal ein paar Fotos, dann setzt sich der Troß wieder in Bewegung. Der Weg wird zunehmend unbequemer, die Markierungen spärlicher und die stachelige Vegetation behindert die Fortbewegung. Erst recht für DSG, deren von Hotpants freigelegte Beine mehr und mehr zerkratzt werden. Die Anzahl der Schritte zwischen den Pausen wird immer weniger, bald wird eine neue Strategie verhandelt.

a) Die Kinder gehen zum Strand zurück, die Eltern noch ein wenig weiter, man trifft sich am Strand.

DSG: Manno, ich will nicht alleine gehen

DWM: malt sich auch, was den beiden alles passieren könnte

DWD: will einfach nur in Ruhe weitergehen, mit oder ohne Kinder

b) Die Kinder warten an der kleinen Aussichtsplattform mit dem Proviantrucksack, während die Eltern noch ein wenig weitergehen und dann umkehren

DSG: Manno, ich will nicht alleine warten

DWM: malt sich aus, wie den Kindern das Warten zu blöd wird, sie alleine weitergehen, den Weg verfehlen,…..

DWD: will einfach in Ruhe weitergehen, mit oder ohne Kinder.

c) der Troß setzt sich wieder vollzählig in Bewegung, untermalt von anschwellender Schimpflautstärke.

Das Geröll unter den Schuhen wird immer lockerer, DSG rutscht aus und zieht sich zusätzlich zu den Kratzern an den Beinen noch Schürfwunden an den Händen zu. Das ist wenigstens ein eindeutiges Signal zum Umkehren und alle haben aus dem Ausflug was gelernt.

DSB (der zu Hause doch ab und zu zu einem kleinen Spaziergang zu überreden ist): Wandern im Süden ist sch*.

DSG: (die sich nicht nur von der stacheligen Flora sondern auch von der Fauna in Form von recht ansehnlichen Spinne gestört fühlte): Wandern ist überhaupt sch*

DWM: sollten ihre Kinder jemals wieder den Wunsch äußern, sie zu einem Wanderausflug zu begleiten, wird sie diesen (schweren Herzens) abschlagen