Jugendschutz

Jetzt muss DWM sich mal zu einem Thema auf eine Art und Weise äußern, die ihr nicht nur Zustimmung bringen wird. Eines deshalb vorweg: Ja, auch DWM hält Jugendschutz für wichtig. Aber wie so vieles auf der Welt passt er nicht für ihre Tochter. Was passt überhaupt für ihre Tochter? Die Vorschriften für den Einschulungstermin taten es nicht, aber hier war es mit einigem Auffwand immerhin möglich, selbige zu umgehen und DSG mittels IQ-Test und psychologischem Gutachten zur Zufriedenheit aller ein Jahr früher in die Schule gehen zu lassen. Aber mit IQ-Test und psychologischem Gutachten wird sie bei den Türstehern der Clubs wahrscheinlich nicht viel Erfolg haben.

DWM weiss, dass sie ihrer Tochter vertrauen kann. Sie hat sie allein um die halbe Welt fliegen lassen, ist mit ihr gemeinsam durch British Columbia gereist und hat sie als umsichtige Reispartnerin genossen. DSG meldet sich zuverlässig bei jeder Art von Zwischenfällen, die ein verspätetes Erscheinen zur Folge haben werden. In den Ferien schmeisst DSG den Haushalt und DWM genießt ein frisch gekochtes Essen, wenn sie von der Arbeit kommt. Als DWM im Vorfeld ihres Auslandssemesters per Skype von der kanadischen Gastmutter nach den Regeln befragt wurde, die für DSG zu hause gelten, war sie ein wenig ratlos. Mit DSG zusammenleben ist wie mit einer Erwachsenen zusammenleben.

Und selbst dem Thema Alkohol nähert sich DSG mit der ihr eigenen wissenschaftlichen Herangehensweise. Ja, DWM hat DSG schon im Alter von 14 Jahren Alkohol trinken lassen. Entwicklungstechnisch ist DSG weit über 14 und DWM steht auf dem Standpunkt, dass der Umgang mit Alkohol gelernt werden sollte, weil es nun mal die hierzulande gesellschaftlich anerkannte Droge ist  und außerdem auch noch wunderbare Geschmackserlebnisse bieten kann. DSG verfügt über einen sehr feinen,ausgeprägten Geschmackssinn und freut sich, wenn DWM sie an ihrem Wein riechen und nippen lässt. Sie interessiert sich für Traubensorten, Anbaugebiete und Ausbautechniken und möchte gern ein Weinseminar machen. Bier schmeckt ihr noch nicht, aber das hat auch DWM erst mit 19 zu schätzen begonnen. Nur die besorgte Frage „Mama, wie viel kann ich trinken, bevor ich betrunken bin?“ kann DWM nicht zufriedenstellend beantworten. Hier wird nur ein Selbsttest helfen, der hoffentlich zu Hause durchgeführt werden wird 🙂

Als jetzt der 15. Geburtstag nahte, warf das jede Menge Probleme auf. Denn für all ihre Freundinnen war es der 16, der die Tore der Clubs öffnet. Zwei weitere Freundinnen haben an diesem Wochenende Geburtstag, es sollte nach einer häuslichen Vorfeier in einen nahegelegenen Club gefahren werden. DWM wälzt Problemlösungsstrategien mit ihrer Tochter. Einen Ausweis fälschen? Sich den Ausweis einer älteren Freundin besorgen, die ihr einigermaßen ähnlich sieht? Schließlich die ultimative Eingebung: DWM und DSG werden gemeinsam die Security passieren, danach wird DWM sich unauffällig in den weitläufigen Räumlichkeiten aufhalten. Sie studiert die Einlassbedingungen im Internet: ab 16 Jahre mit Ausweis, abgewiesen werden Personen, die offensichtlich jung sind und keinen Ausweis dabei haben, sowie Personen, die in irgendeiner Weise nicht zur Gästeschicht passen. Das könnte allerdings der Knackpunkt für DWM werden, denn schon ihre über20jährigen AuPairs haben diesen Club ob seiner jungen Gästestruktur gemieden. Möglicherweise wird der Betreiber von seinem Hausrecht Gebrauch machen einer Frau den Einlass verwehren, die aussieht, als würde sie hier ihre Enkel suchen. DWM überlegen sowohl eine telefonische Vorab-Klärung des Problems als auch einen Probebesuch, als das Problem sich von selbst löst. Der Clubbesuch wird abgesagt, es gab eine Dreifach-Party im Haus der Desperates, DWM konnte sich auch vom verantwortungsvollen Umgang der Gäste mit Alkohol überzeugen, was ihr ganz lieb war, denn ein wenig mulmig war ihr ob der Verantwortung schon gewesen, da sie nicht wussten, ob die 15 Gäste ähnlich gut damit umgehen können, wie ihre Tochter. 

Eine Woche später stellt sich das Problem in abgeschwächter Form: in einem ländlichen, abgelegenen Lokal findet die Jahrgangstufenfeier der Schule statt und – DSG ist wieder mal zu jung. Diesmal kommen allerdings noch zwei Mädls mit, die erst im Laufe des Jahres 16 werden. Gerüchten zufolge gibt es in diesem Lokal einen Eingang über den Zaun für diese Zielgruppe und DWM kutschiert ein Auto voll aufgeregter Mädls zu diesem verbotenen Event. Sie versprechen um 24 Uhr den Nachtschwärmer in den Ort zu nehmen (nur Gäste über 16 dürfen länger als bis Mitternacht bleiben, deswegen gibt es um diese Zeit auch einen Bus, aber was ist mit denen, die gar nicht erst hier sein dürften? ist es dann ohnehin schon egal, wie lange sie bleiben?)

DWM fährt in ihr leeres Haus zurück und fühlt sich sonderbar. DSB im Trainingslager, DSG auf ihrer ersten Feier-Nacht abseits von privaten Parties, sie wird danach bei ihrer Freundin übernachten. Nach dem zweiten Krimi um 0.37 kommt schon die SMS : „Bin heil wieder zurück. Wir haben die ganze Zeit getanzt“.  DWM freut sich, denn es war kein „Lebenszeichen“ vereinbart gewesen (wie konnte sie das bloß vergessen?), und geht beruhigt zu Bett. Sie freut sich vor allem auch, dass ihre Tochter nicht erwischt wurde, weil sie dann sicherlich Probleme wegen Verletzung der Aufsichtspflicht bekommen hätte, obwohl DSG im Vorfeld gesagt hatte: „nein, Mama, du wusstest von nichts, ich hab dir doch gesagt ich schlaf bei der Freundin“.

DWM erwartet jetzt die virtuellen Tomaten, die es ob ihrer mangelnden Erziehungskompetenz zu diesem Post hageln wird 🙂

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Veränderungen oder die Nachteile der Geschwisterliebe

Jetzt ist es also wieder mal so weit. Endlich kann DWM wieder auf so hohem Niveau jammern, dass sie ihre digitale Umgebung daran teilhaben lassen kann. Wobei sie sich schon fragt, warum gerade ihr das zweimal passieren muss. Nein, die Rede ist hier nicht davon, warum sie zweimal von einer Nebenbeziehung überrascht wurde, DWM weiss ganz genau, dass sie diesen Umstand ihrer beinahe grenzenlosen Naivität zu verdanken hat. Diesmal handelt es sich um Umstände, für die DWM höchstens genetischer Natur verantwortlich ist. Wenn überhaupt.

Der aufmerksame Leser dieses Blogs wird schon bemerkt haben, dass DSB – noch mehr als der Rest der Desperates – ein besonderes Naheverhältnis zum Sport hegt. Sehr zum Wohlgefallen von DWM hat er diese Leidenschaft bisher aus Spaß an der Freud gepflegt, denn seit DSGs kurzer aber intensiver Skirennkarriere weiss sie, was es bedeutet, einen Sportler in der Familie zu haben:
– Urlaube werden auf Gletschertrainingslagern verbracht
– verbleibende finanzielle Ressourcen werden in Rennmaterial angelegt
– für mangelnde Pflege desselbigen hagelt es Rügen von den Trainern , daher: nach Absolvieren mehrerer Seminare werden die ohnehin kurzen Nächte vor den Rennen mit Wachs und Kantenschleifer verbracht
– falls sich trotzdem kein Erfolg einstellt, muss die ensprechende Laune abgewettert werden
– falls sich der Erfolg einstellt, muss man bis zur Siegerehrung bleiben und der Rest des Tages ist auch gelaufen.
– an den Wochenenden Tagwache um 5:30, Aufbruch ins Skigebiet, Startnummernausgabe, Warten, Streckenbesichtigung, Warten, Rennen, Zittern auf die Ergebnisse bei Temperaturen um minus 20 Grad
– Stammgast in der Unfallklinik

Glücklicherweise befand DSG nach ein paar Jahren dieses Leben selbst für zu eindimensional. Nach einer Phase der Planlosigkeit (was machen normale Familien an den Wochenden und im Urlaub?) stellte sich also ein mehr oder weniger harmonisches Familienleben ein.

Manche der oben angeführten Einschränkungen rührten daher, dass DSG damals noch zu jung war, um ohne elterliche Begleitung auf Reisen zu gehen. Das wenigstens wird diesmal anders sein. Womit DWM also endlich beim eigentlichen Thema angelangt wäre: Nachdem DSB bisher seine halsbrecherischen Manöver auf dem Snowboard (ich mache den Backflip nur in ganz frischem Powder, versprochen Mama! – DWM konnte sich auf youtoube vom Gegenteil überzeugen) just for fun vollführte, bat er vergangenen Winter darum, erstmals an einem Contest teilnehmen zu dürfen. DWM war skeptisch, sah sie doch wie immer einen Berg von potenziellen Problemen auf sich zukommen. Womit sie natürlich wieder einmal Recht behalten sollte. Unerwarteterweise ergriff DSG für ihren Bruder Partei (nicht bedenkend, dass auch sie von den Folgeproblemen betroffen sein würde): „Mama, das ist unfair! Mir hast du es damals auch ermöglicht.“ DWM, wie immer um höchstmögliche Gerechtigkeit bemüht, faehrt ihren Sohn also persönlich zum Snowpark und unterschreibt das Haftungsausschließungsformular.

Als DSB strahlend den hölzernen Pokal entgegennimmt, ist DWM in erster Linie froh, dass er aus eigener Kraft das Podest erklommen hat, statt im Warteraum der Unfallklinik herumzulungern. Als kurz darauf eine Einladung des bayerischen Snowboardverbandes zu einem Talentsichtungswochenende in der Mailbox landet, weiss DWM: sie hat wieder einmal recht behalten mit ihren Bedenken. Jetzt ist es aber zu spät, denn ihren Sohn nicht mitfahren zu lassen, würde die Probleme höchstens aufschieben oder vielleicht in anderer Form nach sich ziehen. Es kommt wie es kommen muss, DSB wird für talentiert befunden. Da er jedoch nicht so der schulische Überflieger ist, wird sich das mit einem normalen Besuch seiner jetzigen Schule nicht vereinbaren lassen. Ein Wechsel an das nahegelegene Ski- und Snowboardgymnasium wird angedacht. Jetzt sieht auch DSG die Geister, die sie rief: „Ich will nicht, dass DSB weggeht. Dann sind wir keine richtigen Geschwister mehr. Ich will kein Einzelkind sein!“ Weinend verlässt sie das gemeinsame Mittagsmahl. Die beiden hatten schon immer ein enges Verhältnis, das sich durch die Turbulenzen im letzten Jahr noch verstärkt hat. In drei Jahren macht DSG Abi, bald werden sie ihre eigenen Wege gehen. Aber eben bald und nicht jetzt. DWM ist unendlich traurig, sieht sie sich doch außerstande, dieses Problem zu lösen. Sie kann ihre Tochter gut verstehen, hat sie doch selbst genug Probleme mit der Abnabelung. Andererseits kann sie schlecht von ihrem Sohn verlangen, auf diese Chance seiner Schwester zuliebe zu verzichten. DWM, berühmt für schlechtes Gewissen für alle möglichen und unmöglichen Ursachen, findet die Schuld bei sich selbst: sie hat zu wenige Kinder bekommen! Wenn einer weggeht, bleibt kein Geschwisterkind mehr für DSG.

Vertrauen ist gut – was ist besser?

Eines gleich mal vorweg: obwohl DWM ja sehr geübt darin ist, sich die ausgefallensten Worst-Case-Szenarien auszudenken, versucht sie ihre Kinder damit möglichst nicht zu behelligen und da auch DWD im Allgemeinen davon nichts hören will, muss sie ihre Ängste mit sich selbst ausmachen.

Nun sind Auswärtsübernachtungen der Kinder bei diversen Freunden ja seit der Kindergartenzeit quasi an der Tagesordnung (da so gut wie niemals beide Kinder am selben Tag auswärts übernachten, springt dabei so gut wie nie eine sturmfreie Bude für DWM und ihren Mann raus, aber das ist eine andere Geschichte). Da selbige aber immer nur bei Eltern des Vertrauens stattfinden, hatte DWM auch niemals ein Problem damit. Außerdem wusste sie, dass vor allem die Tochter sich auswärts besser benahm als zu Hause. Manchmal haderte sie mit ihrem Schicksal, warum sie nicht auch in den Genuss eines höflichen, wohlerzogenen Mädchens komme, aber bei näherer Betrachtung war es DWM doch so rum lieber als umgekehrt. Sohmemann war ohnehin überall gleich pflegeleicht und wehrte sich höchstens, wenn umfangreichere Körperpflegeaktionen durchgeführt werden sollten und das kann man bei einer einzigen Auswärtsnacht ja getrost verschieben. DWM packte also ein Täschen mit erforderlichen Utensilien, versorgte den Sprößling nochmal mit den üblichen Ermahnungen und übergab ihn der Mutter des Freundes, in seltenen Fällen auch dem Vater.

Nicht selten traten solche Übernachtungen auch als Spontanaktionen auf, indem einfach ein nachmittäglicher Besuch mittels Anruf bei DWM ausgedehnt wurde, was meist eine Taxifahrt mit Zahnbürste und frischer Unterwäsche zur Folge hatte. So konnte DWM im Haus der Gastgeber immerhin noch feststellen, dass alles seine Ordnung hatte.

In der nächsten Stufe nächtigte DSG bei ihrer Freundin, deren Mutter DWM wenigstens noch persönlich kannte und der sie ihr Töchterchen auch für die London-Reise anvertraute. Trotzdem ruft DWM nicht bei jedem Anlassfall die Mutter an, ob denn auch wirklich heute DSG in ihrem Haushalt nächtige.

Heute schläft DSG bei einer Freundin, die DWM zwar vom Hörensagen und von Fotos, aber nicht persönlich kennt, ebensowenig wie die Mutter. Was tun? Hinfahren und sich persönlich vorstellen? Anrufen und sich vorstellen und dabei dezent feststellen, ob DSG denn heute wirklich dort nächtigt? Andererseits kennt DWD die Mutter, weil er auf seinen Chauffeurdiensten schon mal dort vorbeigekommen ist.

Was könnte DSG mit dieser Freiheit alles anstellen! Mama kontrolliert überhaupt nicht nach, wo sie schläft, wann sie zu Bett geht, wann sie überhaupt nach Hause kommt, mit wem sie zusammen ist, was sie dort treibt. Die einzige Abmachung bestand in einem „Ich ruf´ dich an!“, weil DSG weder wusste, wie lange sie dort bleiben wollte/konnte/sollte, noch was sie am Sonntag machen wollten/sollten.

Und jetzt sitzt DWM wieder einmal vor ihrem Facebook-Account und beschwört das Icon ihrer Tochter, es möge sich doch mit einem grünen Pünktchen schmücken, damit unauffällig Kontakt aufgenommen werden könne (Selbst DSB hatte sich schon über die sinnlosen „Ist-alles-in-Ordnung-Anrufe“ beschwert).

DWD, der Weltmeister des Loslassens, hatte sein Weib nur beschworen, keine Kontrollanrufe zu tätigen, sondern den Vertrauensvorschuss zu gewähren.

Aber wenn sie es sich so recht überlegt, war DSG gestern vor ihrem Aufbruch außerordentlich kooperativ gewesen: Sie war freiwillig einkaufen gegangen und hatte dem Bruder die vergessene Sonnencreme ins Schwimmbad hinterher gebracht. Das Packen der Nächtigungsutensilien war ruhig vonstatten gegangen, sie hatte die Mutter sogar um Rat gefragt und keinen Tobsuchtsanfall bekommen, als sie Tasche und Schlafsack nicht auf dem Fahrradgepäckträger unterbringen konnte.

War das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Geld und Anerkennung

Heute ist wieder einmal einer jener Tage, an denen DWM extrem froh darüber ist, dass ihre Kinder schon so groß sind. Und trotzdem macht es sie immer noch wütend. Diese Hilflosigkeit externen Gegebenheiten gegenüber.

DWM und DWD haben sich ja ihre Arbeits- und Betreuungspflichten aufgeteilt und meistens klappt das auch ganz gut. Wenn DWM in ihrem Brotberuf unabkömmlich ist, lässt DWD sich von seinem Praxispartner vertreten. Außer natürlich es ist dienstag, denn dienstags muss er die Praxis alleine schupfen und Murphy´s Law zufolge finden die meisten extern vorgegebenen Termine an einem Dienstag statt. Mittlerweile sind die Kinder groß genug, um den Nachmittag allein zu Hause ohne größere Schäden zu überstehen, zumindest hofft DWM das trotz manchmal halsbrecherisch erscheinender Manöver der Kinder. Seit DSB endgültig eingesehen hat, dass der Fussball und er niemals die besten Freunde sein werden, fällt mit dem dienstäglichen Fussballtraingschauffeurdienst ein Stressfaktor weg und DSGs dienstägliches Eiskunstlauftraining findet ohnehin nur im Winter statt. DSG kann den unvermeidlichen Dienstagsterminen also immer gelassener entgegenblicken.

Wenn sie aber selbst die Termine vorgibt, wählt sie gerne den Mittwoch, weil da DWD nur seine Privatpatienten behandelt und somit auch für Familienarbeit verplant werden kann. Hocherfreut stellt sie also vor dem Urlaub fest, dass am Mittwoch und Donnerstag nach dem Urlaub wirklich ALLE intern und extern Beteiligten Zeit für Installation und Schulung ihres Softwareprojektes haben. Schnell krallt sie sich den Termin, reserviert das Besprechungszimmer für die beiden Tage und ihren Mann für die Nachmittage. DSB schreibt am Freitag Schulaufgabe, da ist gemäß ihrem Heimprojekt „Sohn trotz ADS am Gymnasium“ doch elterliche Aufmerksamkeit angebracht.

Nach ihrem Urlaub muss DWM aber im Übergabegespräch mit ihrem Mann erfahren, dass sich leider wieder einmal nicht alle Beteiligten an ihre Pläne halten: DWDs Praxispartner hatte mehr oder weniger spontan beschlossen, in die Ukraine zu reisen, um dem einen oder anderen Fussballspiel beizuwohnen.

DWM ist sprachlos. Erst vor Ärger auf DWDs Praxispartner, dann, warum es verheimlichen, auch auf ihren Mann. Warum lässt er sich das gefallen? Warum stellt er ihn nicht zur Rede? Zieht er die Sprechstunde womöglich der häuslichen Nachhilfestunde vor? Diese und andere Unterstellungen gehen ihr durch den Kopf, aber DWM sorgt dafür, dass sie dort auch bleiben. Schließlich ist sie gut erholt und will den häuslichen Frieden nicht gleich wieder gefährden.

Jetzt könnte man einwenden, warum die in der Schule als Nachhilfelehrerin gefragte DSG sich nicht ihres Bruders annimmt? Eben deswegen. DSGs Dienste sind dort sehr gefragt, sie wird von den Eltern bei den Lehrern gelobt, ihr Engagement wird positiv im Zeugnis erwähnt, sie verdient bis zu 15 € die Stunde, die Note ihrer letzten Schülerin hat sich von 4 auf 2 verbessert. Die fraglichen Nachmittage waren auch bei DSG schon verplant gewesen – eben wegen der Schulaufgabe. Warum soll sie sich zu Hause mit ihrem Bruder herumschlagen, wenn sie auf dem freien Arbeitsmarkt für ihre Leistungen Geld und Anerkennung bekommt?

 

Mein Leben als Strohwitwe (1) – der fehlende Held des Morgens

Nun ist es ja nicht so, dass DWM ein ausgesprochener Morgenmensch wäre. Viel eher könnte man sie schon als Morgenmuffel bezeichnen. Nachdem sie ihren Sohn abgestillt hatte, versuchte sie es morgens um halb fünf (erst nach der Einschulung ist DesperateSchoolBoy zu dem Schluss gekommen, dass es zumindest an Wochentagen angenehm wäre, länger zu schlafen) so lange mit dem Totstellreflex, bis DWD sich um den Nachwuchs kümmerte. Und weil nix so fix ist wie ein Provisorium, wurde diese einmal bewährte Methode als allgemeine Alltagspraxis übernommen. Dazu muss man allerdings sagen, dass DWD sowohl genetisch als auch beruflich bedingt sich viel eher zum Morgenmensch eignet. DWM rappelt sich morgens erst mühselig aus den Federn hoch, wenn Kaffeeduft aus der Küche signalisiert, dass es sich auch wirklich lohnt. Frische Brötchen, Pausenbrote für die Kinder, alles wird von DWD bereitgestellt, während DWM sich seufzend auf ihren Platz fallen lässt.

Damit die Leserin nicht vor Neid erblassen muss, sei gesagt, dass dieser Service natürlich auch seinen Preis hat. Es kann schon mal passieren, dass DWD abends mitten im Satz einschläft, wenn DWM etwas mit ihm besprechen möchte. Nicht einmal DWM kann schließlich alles haben.

Wie so oft im Leben, wird einem der Luxus erst richtig bewusst, wenn man ihn nicht mehr hat und so könnte man jetzt unterstellen, DWD sei deshalb zu seiner Segelreise aufgebrochen, um zu Hause mit seinen Leistungen wieder richtig geschätzt zu werden.

Es wäre aber nicht DWM, wenn sie nicht mangelnde Morgenfrische durch Organisationstalent zumindest teilweise wettmachen könnte. Pausenbrote werden abends geschmiert (allfällige Qualitätsbeschwerden wird DWM abwettern müssen), ein schneller Espresso zum Frühstück muss reichen. Der schlimmste Morgen der Woche ist geschafft – es kann also nur noch aufwärts gehen!

 

Muttertagsfrühstück – das Warten hat sich gelohnt!

Knapp bevor DWM dem morgendlichen Koffeeinentzug erlegen wäre, darf sie doch noch die Küche betreten. Und: das Warten hat sich gelohnt!

Nachdem der erste Muffin verzehrt ist, fördert DWM in der Verpackung das wahre Geschenk zutage:

DSG verspricht, einmal mit ihrem Bruder zu lernen, und das ist kein billiges Geschenk, denn die Hochbegabte arbeitet in der Schule als Nachhilfelehrerin und verdient 15 € pro Stunde – ein Tarif, den DWM sich nicht leisten kann, deswegen lernt sie meistens selbst mit ihrem Sohn (ganz abgesehen von den geschwisterlichen Unflätigkeiten, deren Geräuschpegel DWM nicht in der Lage zu ertragen ist, sofern sie in der Nähe weilt).

Als DWM ein wenig wehmütig ob der Abwesenheit DWDs wird, hat DSB noch eine kreative Idee: Fahr doch mit, wir hängen die GoPro in den Flur, dann siehst du einen Film, wie´s uns zu Hause geht!

SLA-Verletzung oder wie man einen domestizierten Abenteurer bei Laune hält

DWM und DWD haben ein ServiceLevelAgreement. In seinen Grundzügen wurde es schon vor der Geburt des ersten Kindes abgeschlossen: beide wollen/sollen beides machen, soll heißen, beide kümmern sich sowohl ums Geldverdienen als auch um die Kinder.  Das bedeutet natürlich Reibungsverluste und Redundanzen, wahrscheinlich ist das klassische Modell das effizientere, aber sie wollten eben beide beides haben.

Verbunden durch Umzüge, Jobwechsel, unterschiedliche Betreuungsformen und Entwicklung der Kinder wurden die Details des SLA natürlich mehrfach modifiziert. Derzeit kümmert sich DWD in seiner Mittagspause um die Kinder bis DWM von der Arbeit kommt. Das klappt ganz gut, obwohl man einwenden könnte, dass sie mit 11 und 13 Jahren mittlerweile alt genug sind, um auf sich selbst aufzupassen. Das machen sie auch gern und gut, aber die Mutterglucke DWM ist der Meinung, dass ein wenig menschliche Wärme nach der Schule nicht schaden kann, mit der sie Freud und Leid ihres Schulalltages teilen können. Ganz zu schweigen von der Lern- und Hausaufgabenbetreuung für DesperateSchoolBoy, der seinen Pflichten nicht immer ganz so freiwillig nachgeht, bzw. manchmal eine etwas andere Auffassung davon hat als seine Eltern.

Nun ist es wie in jeder Beziehung auch bei den Desperates so, dass jeder mal etwas Luft für sich selbst braucht. Im Allgemeinen bedarf das so großer Abstimmungsarbeit, dass selbst ein Kinobesuch mit einer Freundin manchmal wochenlang vorher geplant werden muss. Von urlaubstechnischen Alleingängen ganz zu schweigen. Solche haben vorzugweise während der Ferienzeit zu erfolgen, wenn weder Lernbetreuung  noch Chauffeurdienste erforderlich sind.

Ganz manchmal allerdings hat DWD irgend eine ganz tolle, unwiderstehliche, unwiederbringliche Gelegenheit, die er unbedingt ergreifen muss. Vor ein paar Jahren war das ein mehrwöchiger Überstellungstörn,  während DWM nach einer Operation sich allein um die Kinder kümmern musste. Das Schönste an der SLA-Verletzung aber ist der Eskalationsmechanismus. So eine SLA-Verletzung muss natürlich geahndet werden und dabei geht nichts über einen Ehemann mit schlechtem Gewissen, denn seit damals hat DWM ein wunderschönes Mountainbike.

Nächste Woche ist es wieder so weit.  DWD bricht zu einer Segelregatta auf, wo er den Profis auf einer 52-Fuß-Yacht als Gast im Weg rumstehen darf. Eine einmalige Gelegenheit natürlich und DWM ist schon gespannt, was diesmal beim Eskalationsmechanismus für sie rausspringt 🙂