Zurück zum Start oder wann ist eine Karriere eine Karriere?

Manchmal geht DWM erstaunliche Irrwege, um zu fundamentalen Erkenntnissen zu gelangen. Um Jahre, eigentlich Jahrzehnte später genau dort zu landen, wo sie schon mal war. Der Spruch „wenn es des Richtige gewesen wäre, kommt man an dieser Wegkreuzung wieder vorbei“ (oder zumindest so ähnlich, DWM ist furchtbar schlecht im Zitieren, wenigstens hat sie keinen Doktortitel, der ihr dafür aberkannt werden könnte) bewahrheitet sich für sie auf alle Fälle. Wobei sie sich schon die Frage stellt, wie viele Erkenntnisse sie in ihrem begrenzten Leben noch unterbringen kann, wenn sie so lange dafür braucht.

Gegen Ende des Studiums hatte DWM angefangen, als Werkstudentin in der Softwareentwicklung zu arbeiten. Nachdem sie ihren Abschluss gemacht hatte, wurde sie fix in diesem Unternehmen angestellt, berufliches Leben perfekt auf Schiene gebracht. Dachte sie jedenfalls. Denn zwischen Sponsion und Anstellungsvertrag hatte sie noch genau eine Woche Freiheit zu genießen, was sie auf Teneriffa zu tun gedachte. Und dann passierte es. Die erste von vielen Bauchentscheidungen. DWM lernte den späteren DWD kennen, und verließ seinetwegen ihre geliebte Studienstadt. In der neuen Stadt fand sie Arbeit in der Projektleitung von Softwareprojekten und redete sich ein stellte fest, dass das ohnhin viel cooler sei. Die Dinge nahmen ihren Lauf, mit DWDs tatkräftiger Hilfe schaffte es DWM trotz zweier Kinder beruflich einigermaßen am Ball zu bleiben bis dann das verlockende Angebot kam: eine eigene Abteilung – zwar in einem Fachgebiet, das DWM sich erst aneignen müsste, aber sie lernt ja gern Neues. Der werte Leser kann sich jetzt die Frage stellen, ob das Fachgebiet DWM auch zusagen würde und genau das hätte sie damals auch tun sollen. Hättiwari. Aber zu groß waren die Verlockungen. Welche Verlockungen eigentlich? Dienstreisen erster Klasse statt zweiter Klasse? Den Großteil ihrer Arbeitszeit in tagelangen Meetings zu verbringen, deren Quintessenz man in einer Stunde hätte unterbringen können? Abends vom Vorstand gemeinsam mit anderen wichtigen Leuten zum Essen eingeladen zu werden, während sie viel lieber ihre Kinder geknuddelt hätte? Wie dem treue Leser der ersten Stunde vielleicht noch erinnerlich ist, war es irgendwann vorbei mit den Abteilungsleiterprivilegien und es blieb nur mehr das Fachgebiet übrig, begleitet von der Schmach der Degradierung. DWM fuhr ihren beruflichen Elan auf ein erforderliches Mindestmaß herunter und lastete sich stattdessen mit privaten Projekten aus: Bloggen, eBook, Trennung, Alleinerziehertum.

Bis es irgendwann wieder Zeit für eine Bauchentscheidung wurde: im internen Stellenmarkt wurde eine halbe IT-Stelle ausgeschrieben. DWMs Bewerbung wurde abgelehnt mit der Begründung, sie sei unverzichtbar in ihrer derzeitigen Position. Wie das? Ganz offensichtlich hatte sie sich dort immer noch über Gebühr verausgabt, sonst würde doch solches nicht behauptet werden. Während DWM nach Wochen immer noch versuchte, die ihr wohl angeborene (oder anerzogene? wer weiss das schon) Arbeitsmoral etwas erfolgreicher als beim letzten Mal zu bekämpfen, kommt ein Angebot vom Vorstand: Wenn sie noch interressiert sei, könne sie beides machen, ihre Kinder seien doch schon so groß… DWM kann nicht widerstehen, legt ihre letzten organisatorischen Reserven frei und stockt ihre Arbeitszeit auf 80%, auf von denen sie die Hälfte in der IT verbringen darf.

Um jetzt endlich auf das Thema zurückzukommen: Dort wird DWM versuchen, nach über 20 Jahren wieder Fuss zu fassen in der – richtig geraten! Softwareentwicklung. Die verbliebenen Reste an grauen Zellen werden aktiviert, mal schauen, wie viel nach Stilldemenz und exzessiven Feiern noch übrig ist.

Für die Feststellung, dass eine spannende Aufgabe wichtiger ist als Status, hat DWM Jahre ihres Lebens investiert. Und für die Erkenntnis, dass berufliche Entscheidungen von privaten tunlichst getrennt werden sollten, gar Jahrzehnte. Aber wie immer bleibt DWM der Trost: sie kann immerhin als schlechtes Vorbild für ihre Tochter dienen 🙂

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5 Gedanken zu „Zurück zum Start oder wann ist eine Karriere eine Karriere?

  1. Hallo DWM,
    ich bin mitten im Studium Mutter geworden, mein Sohn ist bald 9 Monate alt, und ich habe mein Studium nie mit dem erforderlichen Elan bzw Ehrgeiz verfolgt, der eig notwendig gewesen wäre. Nichtsdestotrotz möchte ich das Studium noch abschliessen, bevor ich dann hofftl eine Stelle finde, die mich erfüllt so wie dich die Softwareentwicklung 🙂
    Wie gehts dir heute mit der Entscheidung?
    Dein Blogeintrag speicher ich ab als Inspiration, als Antrieb, ich möchte das in ~20 Jahren auch von mir behaupten können, wenn mein Sohn längst erwachsen ist:)
    Grüße
    Jacqueline

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