Vom Social ohne Media

Nächste Woche hat DWM Urlaub und da wird sie erstmals seit zehn Jahren wieder etwas probieren, was damals schon nicht funktioniert hat: sie wird Urlaub im eigenen Lande machen. Nun ist das ja in Österreich nichts Ungewöhnliches, andere kommen von weit her gereist. Aber beim letzten Versuch vor 10 Jahren waren die Desperates nach zwei Wochen weichgeregnet und sind schnell noch last minute nach Mallorca geflogen (wo es dann auch geregnet hat). Diesmal aber spielt das Wetter eine untergeordnete Rolle, denn DWM wird sich um ihre sozialen Kontakte kümmern. Ja, solche hat sie auch, nicht nur im Netz, aber die sind erstens schon sehr alt (was eher für die Kontakte spricht) und zweitens sehr weit weg (was das Halten derselbigen schwierig macht), deshalb sind auch nur die besten übrig geblieben. In ihrem derzeitigen Wohnort hat sie sich Kontakte aus dem Kinderumfeld geschaffen, die sehr nett sind, aber es war irgendwie niemand dabei, dem sie ihre intimsten Geheimnisse anvertrauen würde, so wie ihren alten Freunden. Dafür vertraut sie diese jetzt der Allgemeinheit im Internet an 🙂

Nun ist es also so weit: DWM wird sich in der kommenden Woche dem Verteilen und Wiedereinsameln der Kinder, der Beziehungspflege mit DWD, der Freundschaftspflege und den Elternbesuchen widmen. Dafür wird sie eine ganze Woche offline verbringen und danach am Schweregrad der Entzugserscheinungen ihren Suchtstatus ablesen können.

Bleibt ihr gewogen, liebe Leser, DWM vermisst euch jetzt schon!

Ihren Fremdblog hat sie für diese Woche natürlich auch schon bedient mit dem Thema Der Hunger, der Essensplan und ich

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Was man in der Fremde lernt….

Nun ist DWM ja seit Samstag eine Semistrohmutter. Eine temporär vom Ehemann getrennte Frau ist eine Strohwitwe, also ist eine temporär von den Kindern getrennte Mama eine Strohmutter. Wenn aber nur die Häfte der Kinder außer Haus weilt, ist sie somit eine Semistrohmutter.

Gestern abend ringt die Semistrohmutter mit sich, ob sie eine SMS an die in London weilende Tochter loslassen soll. Da sie bei Freundinnen diese „Melde-dich-sofort-wenn-du-angekommen-bist“ Verpflichtung immer etwas befremdlich fand, wollte selbst keinesfalls in dieses Muster verfallen.

Auch am Morgen kann Semistrohmutter sich soweit beherrschen, dass sie nicht noch vor dem Frühstück im Internet guckt, ob vielleicht eine EasyJet-Maschine auf dem Weg nach London abgestürzt sei. Aber gegen Abend wird sie doch etwas unruhig. So eine SMS wär ja doch nicht zu viel verlangt, oder? Der Semistrohvater versucht seine Frau zu beruhigen mit „Keine Nachrichten sind gute Nachrichten“.

Vor dem Schlafengehen guckt die Semistrohmutter nochmal kurz in ihren Facebook-Account und siehe da: Seit acht Stunden schlummert dort völlig ungelesen der Reisebericht der Tochter. Rabenmutter! Hätte sie sich ja denken können, dass DSG zu sparsam ist für eine Roaming-SMS und WLAN gibts in der Unterkunft for free.

Was sie da liest, bringt Semistrohmutter zum Schmunzeln. Wie sie im Vorfeld schon vermutet hatte, ist die Organisation nicht die Stärke der mitreisenden Mutter (und schon gar nicht der Kinder). Ha, Tochter, das haste jetzt davon, hättest du mal deine Mutter mitgenommen! Jedenfalls hat nach allgemeiner Planlosigkeit wohl DSG den Zug gesucht, aber der Umsteigevorgang wurde nicht bewältigt, sodass der Rest der Strecke mit dem Taxi zurückgelegt wurde.

Semistrohmutter will ja nicht schadenfroh sein, aber was sie dann liest, bringt sie vielleicht doch in die Nähe eines solchen Gefühls: Die Freundin beschwerte sich, weil sie verdurste und der Schwester der Freundin war das Taxi nicht genehm.

Semistrohmutter erinnert sich an Reisen mit der Familie, während der die Kinder missmutig hinter den alles organisierenden Eltern hertrotten und sich beschweren, wenn die gewohnte Frequenz an Nahrungsaufnahme nicht eingehalten werden kann oder die Beschaffenheit derselben nicht ihren Vorstellungen entspricht.

Ob DSG aus dieser Erfahrung lernt, und das Ganze vielleicht auch noch im Langzeitgedächtnis bis August speichert?

Passive Flugangst

DWM kann es nicht fassen. Jetzt ist es passiert. Beziehungsweise wird es am Wochenende passieren. DSG fährt nach London. Das allein wär ja nicht so schlimm, aber sie fährt ALLEINE! Naja, nicht gerade alleine, aber ohne DWM! Nun reist sie ja öfters zu den Großeltern in die Steiermark, übernachtet bei einer Freundin, auch am Gardasee war sie mit einer befreundeten Familie schon (da durfte DWM sie wenigstens noch hinfahren). Aber London! Letzten Herbst war davon die Rede gewesen und eines Tages wird DWM bei der Rückkehr von der Arbeit empfangen von einer sehr aufgeregten Tochter:

DSG: „Mama, Mama, die haben jetzt den Flug gebucht und es gibt nur noch einen freien Platz und ich habe im Internet schon alles richtig eingegeben du musst nur noch deine Kreditkartennummer eingeben.“

DWM: kann erst mal nicht so richtig folgen

DSG hält DWM ihr Handy entgegen: „Da ist die Mama von meiner Freundin dran, die kann dir sagen, dass das alles in Ordnung ist.“

DWM, immer noch perplex erfährt von der Mutter, dass diese tatsächlich mit ihren beiden Töchtern nach Londen fährt und die beiden gewillt sind, DSG mitzunehmen. Zur Flugbuchung könne sie allerdings keine konkreten Auskünfte geben, darum kümmere sich die Tochter.

DWM wird also wieder weitergereicht, ist allerdings langsam etwas in Eile, weil sie DSB zum Klettertraining bringen muss. Der Freundin kann sie mühsam die Flugdaten aus der Nase ziehen (ist die Standardantwort „keine Ahnung“ eigentlich ein bayerisches Spezifikum oder gibt es die bei euch auch? DWD nennt DSG und ihre Freundinnen mittlerweile die „Generation keine Ahnung“), bevor sie beschließt, dass das schon alles seine Ordnung haben wird und die Kreditkarte zückt. Die Zeit läuft, DSG wird schon alles richtig eingegeben haben, also wird auf „buchen“ gedrückt und DSB schnell zum Klettern gefahren.

Ein halbes Jahr später ist es jetzt tätsächlich so weit. DWM hadert natürlich mit der Tatsache, dass die Freundinnenmutter mitfahren darf und sie selbst nicht.

„Das ist halt so eine Mama, die überall dabeisein will, sogar beim Geburtstag musste meine Freundin sie rauschschmeißen.“

DWM überlegt, ob es jetzt besser ist, eine Mama zu sein, die überall dabeisein will, und dafür mit der Tochter nach London darf, oder eine Mama zu sein, die man nicht rauschschmeißen muss. Aber da DSG erst 13 ist, darf sie ohnehin nicht alleine fliegen.

Apropos fliegen: passive Flugangst – soll heißen, wenn man Angehörige im Flugzeug weiß – ist auch ganz schlimm. Aber DWM wird definitiv keine Mama werden, die man sofort anrufen muss, wenn man irgendwo angekommen ist. Nein. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten

DWM bloggt fremd

Nun ist es ja kein Geheimnis, dass DWM sich ein zweites Pseudonym zugelegt hat. Obwohl sie lange mit dieser Entscheidung gerungen hat, nicht dass sie plötzlich in eine Identitätskrise gerät vor lauter Pseudonymen. Einerseits hatte sie überlegt, das eBook Essen frisst Seele auf unter ihrem richtigen Namen herauszubringen, aber da sprach doch einiges dagegen. Dann hatte sie vorgehabt, die beiden Pseudonyme zu trennen. Schließlich vollbringt DWM ausschließlich (wenn auch unterschätzte) Bestleistungen an allen Fronten, während Lena Nimmersatt an der Diätfront so viele Jahre lang kläglich versagt, was bedeutete denn so eine Alter Ego für DWMs Image?

DWD aber hat seine Frau überredet, der DesperateWorkingMum auch Schwächen zu verpassen und somit die (wenn auch bescheidene) Popularität ihres Blogs zu Werbezwecken zu nutzen. Somit haben DesperateWorkingMum und Lena Nimmersatt sich gegenseitig in ihre Blogroll aufgenommen. Eigentlich hätte es dabei auch bleiben sollen, aber Lena Nimmesatt hat tatsächlich Feedback auf ihr Buch bekommen, in dem sie gefragt wurde, wie es ihr denn heute ergehe mit dem Essen im Allgemeinen und bestimmten Situationen im Besonderen. Und so hat sie beschlossen, zumindest sporadisch auf dem Blog http://essenfrisstseeleauf.wordpress.com/ über ihre heutige Befindlichkeit zu schreiben.

Letzte Woche hat sie das schon erledigt mit einem ihrer Klassiker Die Waage und ich, diese Woche folgt  Die Schokolade, die Entspannung und ich.

Falls sich jemand von den Lesern ebenfalls an der Diätfront abmüht, kann er ja reinlesen. Und weil selbst die an Bloggorrhoe erkrankte DWM nicht zwei Posts an einem Tag schafft, herrscht an den anderen Fronten inzwischen Waffenstillstand.

Die Ironie des Lehrers

Vielleicht kann sich der eine oder andere Lehrer noch an Herrn BinZuTollZumUnterrichten vom Elternsprechtag erinnern.  Da man durchaus unterschiedlicher Auffassung darüber sein kann, welche pädagogischen Methoden in der fünften Klasse angebracht sind, war zwischen DWM und dem Lehrer natürlich keine Einigung zu erwarten und DWM ließ die Sache nach einem Hinweis beim Klassenvorstand auf sich beruhen.

Am Rückgabetag der Kurzarbeit findet DWM ihren Sohn weinend zu Hause vor. Das liegt nicht nur an der Note, denn eine solche hat er auch in anderen Fächern schon kassiert, was er zerknirscht, aber mit Fassung zur Kenntnis nimmt. Mangels Ehrgeiz sind ihm die Noten ohnehin nicht so wichtig, was nicht immer nur von Nachteil ist. Warum also beweint DSB jetzt seine Arbeit?

„Mama, er hat meine Arbeit vor der Klasse hochgehalten und gesagt, der DSB hat einen Sattel gemalt. Und dann haben alle gelacht.“

Anmerkung: Aufgabe war die Skizzierung eines Zahns gewesen.

„Und er schafft es nicht einmal, seinen Namen auf die richtige Seite zu schreiben. Und zwei Mädchen hat er auch ausgelacht, die haben erst auf der zweiten Seite zu schreiben begonnen.“

Nun gibt es bei den Vorkommnissen in der Schule ja meist zwei Versionen, und die abwesenden Eltern müssen sich meist einen Reim auf die Version des Kindes machen, weil sie schlecht den Lehrer zu jeder Begebenheit befragen können, sonst wäre das Aufsuchen der Sprechstunde ja ein Fulltimejob. Diesmal kann DSB aber mit Beweisen aufwarten. Er zückt seine Bioarbeit und präsentiert den von ihm gemalten Zahn. In der Tat, die Zeichnung ist kein Vorbild naturwissenschaftlicher Abbildungskunst, das muss DWM zugeben. Daneben prangt der Kommentar des Lehrers: „Ist das ein Sattel?“

Ha! Endlich hat DWM einen schriftlichen Beweis. Nur kurz überlegt sie, ob sie den Dienstweg einhalten und zuerst mit Herrn BinZuTollZumUnterrichten sprechen soll. Nein, die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens hat sie bereits am Elternsprechtag eingesehen. Sie bittet um einen Termin beim Direktor.

DSG ist als Topleister zwar beliebt bei Herrn BinZuTollZumUnterrichten, aber sie befürchtet nach der Sippenhaftung (vielleicht sollte sie sicherheitshalber den Mädchennamen der Mutter annehmen, um nicht mit ihrem Bruder in Verbindung gebracht zu werden?) ebenfalls Repressionen und versucht ihre Mutter  von deren Vorhaben abzubringen. DWM hat sich aber schon in der eigenen Schulzeit nicht von solchen Befürchtungen abbringen lassen. Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Sohnes („Der hasst mich sowieso, da ist das auch schon egal“) nimmt sie ihren Termin beim Direktor wahr.

Der Herr Direktor ist ein freundlicher Mann mit einem offenen Ohr für die Anliegen der Eltern. DWM geht zwar nicht von großartigen Veränderungen aus (umso mehr, da sie weiß, dass Herr BinZuTollZumUnterrichten in den Pausen gern mit dem Direktor abhängt), aber sie möchte den Direktor wissen lassen, was in seiner Schule so passiert. Dieser schließt sich DWMs Meinung absolut an: auch die Schüler hätten Respekt verdient und wenn das Geschehene sich tatsächlich so abgespielt habe, dann sei das nicht in Ordnung und er sei froh, von DWM darüber informiert worden zu sein. Er bittet DWM, mit BinZuTollZumUnterrichten persönlich über den Vorfall zu sprechen und wenn sie das Gefühl habe, von selbigem nicht ernst genommen zu werden, werde er ein Dreiergespräch einberufen, eventuell auch mit DSB.

Mit solcherart gestärktem Rücken schlägt DWM nochmals beim Bio-Lehrer auf. Wie schon beim Elternsprechtag bestreitet  der eloquente Herr erst einmal die von DWM vorgebrachte Version.  Die Schüler seien nun mal brutal zueinander, gerade in der fünften Klasse.

Nachdem DWM ihm noch eine Chance gegeben hat, seinen Fehler zuzugeben, schreitet sie zur Tat: sie zückt die Kurzarbeit und deutet auf seinen Kommentar:

„Wenn der Auftrag gewesen wäre, einen Sattel zu zeichnen, dann könnte man hier genauso gut darunter schreiben ‚ist das ein Zahn‘, denn zeigen Sie mir mal das Pferd, das da dazwischen passt. Ganz abgesehen davon halte ich diesen süffisanten Kommentar für eine fragwürdige pädagogische Maßnahme. Nur einen von sechs Punkten dafür zu vergeben reicht völlig aus.“

Erstmals fühlt Herr BinZuTollZumUnterrichten sich etwas in die Enge getrieben und schaltet in seiner großspurigen Art etwas zurück.

„Naja, da habe ich es mit Ironie versucht……“

DWM dafür schaltet jetzt einen Gang höher. Jetzt nur kein Terrain verlieren.

„Ironie ist etwas, was die Leute gerne sehen. Im Kino und im Theater geben sie dafür Geld aus, damit sie über andere lachen können. Halten Sie das für die geeignete Unterrichtsform, noch dazu in der fünften Klasse?“

„Naja, es sind halt nicht alle gleich sensibel….“

DWM verleiht ihrem Standpunkt nochmal Nachdruck und Herr BinZuTollZumUnterrichten lenkt ein und verspricht, die Sache mit DSB zu klären. Er habe es nicht bös gemeint.

DWM: „Aber sagen Sie möglichst nicht vor der Klasse, es tue Ihnen leid, dass er geweint hat.“

Dieser Herr braucht offensichtlich eine genaue Anleitung dafür, was man sagen kann und was nicht.

DWM hofft, ihrem Sohn nicht allzu sehr geschadet zu haben und zieht von dannen. Jetzt kann der geneigte Leser zwar einwenden, DWM habe etwas überreagiert und hat damit vielleicht gar nicht mal so unrecht. Aber wenn sie etwas nicht ausstehen kann, dann ist es Respektlosigkeit. In dieser Schule wird von den Schülern viel Respekt verlangt und das ist einer der Gründe, warum beide Kinder dort zur Schule gehen (obwohl sie in einem anderen Staat liegt). Sie müssen aufstehen, um zu grüßen, wenn ein Lehrer den Raum betritt und ähnlich altmodische Dinge. Aber DWM findet, dass auch ein Schüler Recht auf Respekt hat und ist bereit, dafür zu kämpfen.

Oder echauffiert sich DWM nur deshalb so, weil sie ihren Sohn selbst in Bio unterrichtet hat und die Vier als persönliche Niederlage empfindet?

 

Alte Leidenschaft

Kennt ihr das auch? Es gibt Dinge, die man früher WAHNSINNIG gern getan hat, die man aus Familiengründen/Zeitgründen/sonstigen Gründen auf Eis gelegt hat und von denen man überzeugt war, dass man sie wieder machen würde, sobald diese Hinderungsgründe beseitigt sind. Anfangs vermisst man sie ganz doll, die Jahre ziehn ins Land, ab und zu wird man erinnert, dass es diese alten Leidenschaften ja auch noch gab, man erneuert vielleicht das Versprechen an sich selbst, es wieder zu tun, holt sich den einen oder anderen Prospekt ins Haus, aber immer spricht etwas dagegen oder kommt etwas dazwischen. Wieder ziehen Jahre ins Land und inzwischen ist man sich vielleicht gar nicht mehr so sicher, ob man das überhaupt noch will. Doch ganz tief drinnen grummelt es. Da ja schon so viele Jahre ins Land gezogen sind, ist der eine oder andere Hinderungsgrund vielleicht gar nicht mehr vorhanden, aber man hat es immer noch nicht gemacht. Warum eigentlich? Falls dafür bestimmte Fertigkeiten erforderlich sind, geht man jetzt davon aus, dass man es wahrscheinlich gar nicht mehr machen kann. Oder man hat vielleicht nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen dafür. Oder beginnt man vielleicht langsam Ausreden zu suchen, um es gar nicht machen zu müssen? Oder ist es vielleicht wirklich nicht mehr so wichtig?

Genug der Theorie und des Wörtchens „man“, das DWM eigentlich gar nicht mag. Schließlich geht es hier um sie und um ihre alte Leidenschaft. Während der letzten beiden Studienjahre hatte sie es etwas langsamer angehen lassen und der Leidenschaft des Windsurfens gefrönt. Zwischen Sponsion und Festanstellung hatte sie eine Woche Zeit, die sie spontan mit einer Woche Surfurlaub auf Teneriffa verbringen wollte. Dort saß sie jeden Tag am Strand und wartete auf Wind (ein altes Surferleiden) und lernte stattdessen DWD kennen, der ebenfalls auf Wind wartete. Paradoxerweise hatte sie wegen ihm dann die Surferei aufgegeben, erst zog sie in eine andere Stadt, dann kamen die Kinder und dann die Ausreden. Zwischendurch gab es immer wieder ein paar zögerliche Versuche, vor ein paar Jahren hat DWM sich sogar wieder Material zugelegt, aber immer sprach irgend etwas dagegen.

So richtig bewusst ist ihr das aber erst während DWDs Segelreise geworden. Warum kann er seine Leidenschaften über Jahre konservieren und dann bei einer passenden Gelegenheit wieder auspacken? Er lässt sich weder von scheinbaren Zwängen (DWM war durchaus in der Lage, die Familie eine Woche allein zu schmeißen), noch vom „ach, ich kann das eigentlich gar nicht mehr“ (Gerüchten nach zu urteilen hat er an Bord nicht immer alles richtig gemacht) oder von den körperlichen Strapazen (anders als DWM stemmt er aber im Keller sehr konsequent seine Hanteln) abhalten.

DWD wäre aber nicht DWD, wenn er die Ausreden seiner Frau so einfach gelten lassen würde. Er kennt sie in manchen Dingen besser als sie sich selbst. Und so hat er für das Wochenende seiner Rückkehr netterweise Wind bestellt (der auch eingetroffen ist) und schönes Wetter. Das Wasser im nahegelegenen See ist zwar noch kalt, aber ein bisschen verwegen soll man sich schließlich auch vorkommen. DWD hilft ihr beim Aufriggen des Segels und als DWM sich endlich aufs Wasser wagt, kreuzt er mit seinem Segelboot immer in ihrer Nähe auf und ab, allzeit bereit, sie aus etwaiger Seenot zu befreien.

Am nächsten Tag ist DWM schwer muskelverkatert (vielleicht doch etwas mehr Training?) und erkältet (die fehlgeschlagenen Halsenversuche haben leider eine Notwasserung erforderlich gemacht), aber glücklich. Durch das in-die-Sonne-Blinzeln hat sie jetzt sicher noch ein paar Falten mehr, aber noch hat DWD seine Spritze nicht gezückt.

 

Kaffeeklatsch

Nun zählt die Aufnahme von koffeinhaltigen Getränken ja zu einem wesentlichen Ritual im Arbeitsleben. Eintreffenden Gästen wird als Erstes Kaffee angeboten und mit den Fragen zur genaueren Beschaffenheit desselben kann schon mal ein Teil des Smalltalk erledigt werden. Da das Zusehen beim Kaffeetrinken nicht so gefährlich ist wie das Passiv-Rauchen, wird dieses Ritual sich auch wesentlich länger halten können. In unserem Callcenter im vierten Stock wird die Koffeinaufnahme stattdessen in Form von RedBull (nein, ich möchte hier keine Reklame machen, obwohl der Lizenzinhaber Österreicher ist, aber unter den Coolseinwollenden sind die wesentlich günstigeren EnergyDrinks absolut verpönt) erledigt und man trifft sich am Automaten statt an der Kaffeemaschine. Das hat schon mal den wesentlichen Vorteil, dass der Drink direkt aus der Dose zu sich genommen wird und kein Geschirr erfordert. Mittlere Bürodramen à la „wer hat meine Kaffeetasse geklaut“ scheiden schon mal aus. In Zeiten des unaufhaltsamen Siegeszuges des Kaffeetabs nimmt der Büroklau allerdings völlig neue Dimensionen an. Weil die Kunst der wohldosierten Verknappung zu den effizientesten Marketingstrategien zählt, kann man nicht so einfach in einen Laden gehen und diese Kaffeetabs kaufen. Nein, dazu muss man Mitglied sein und/oder die Teile mit Versandkosten im Internet bestellen. Somit bilden sich im Büro Bestellgemeinschaften für die Tabs.

Im ersten Koffeeinrausch hat sich beinahe jede Abteilung so einen Kaffeekapselaussauger hinstellen lassen, denn die werden bei ausreichendem Kapselkonsum gratis zur Verfügung gestellt. Als der Konsum unter die erforderliche Mindestabnahmemenge fiel, wurden die Maschinen gnadenlos wieder abgeholt. Somit waren die Mitarbeiter gezwungen, Kaffeegemeinschaften zu bilden. Wie im richtigen Leben braucht auch eine Kaffeekapselgemeinschaft einen Führer, der sich zutraut und auch bereit erklärt, die Bestellung der Tabs zur Zufriedenheit aller zu organisieren. Da Dottoressa während ihres Studiums in der Gastronomie gearbeitet hat, war sie prädestiniert für diese Aufgabe. Außerdem fand sich kein anderer und sie – da neu eingetreten und mit den Büroritualen nicht vertraut –  ist nicht schnell genug einen Schritt zurückgetreten. Ihre erste Bestellung erledigte sie mit viel Elan und musste beim Austeilen der Kaffeetabs feststellen: Undank ist der Welten Lohn. Beim Ausfassen der Karton vernimmt man Gemaule: „Das sind die falschen, ich hab´ aber die anderen bestellt!“ Wieder einmal fühlt DWM sich an häusliche Szenen erinnert. Da sie – obwohl durchaus Kaffeegenießerin – ohnehin mutmaßt, dass die Tabs sich nur durch die Farben ihrer glänzenden Hüllen unterscheiden, bietet sie bereitwillig ihre beiden offensichtlich begehrten Kartons voller silbrigschimmernder Kapseln zum Tausch gegen grüne an. Und bewahrt damit Dottoresse vor einem Wutanfall.

Noch schlimmer aber als die falschen Tabs sind gar keine Tabs und das kann DWM durchaus nachvollziehen. Wie die meisten hortet sie ihre kostbaren Koffeinspender in ihrer Schreibtisch-Schublade, allerdings unverschlossen und bietet auch jedermann an, sich bei akutem Koffeinmangel daran zu bedienen, man werde sich schon irgendwie revanchieren. Außer dem für DWM üblichen Chaos befindet sich ohnehin nichts in dieser Schublade, sie ist es also keinesfalls wert, verschlossen zu werden. So findet sie auch manchmal einen Fünf-Euro-Schein in ihrer Kaffeeschachtel, denn so ein offenes

Nun ist BusyBody ist in dieser Abteilung dafür verantwortlich, dass jeder mit den relevanten Informationen versorgt wird. Man könnte meinen, dass ChatterBox dafür prädestiniert wäre, aber nein, die erfüllt den Raum nur mit globalen Schallwellen, die nicht immer an jemand bestimmten gerichtet sein müssen. BusyBody geht viel zielgerichteter vor – ist ja auch ein Mann – und deshalb lanciert er schon mal gern das eine oder andere Gerücht. Nach einem langen Wochenende wird DWM immer zuverlässig von NewComer mit den aktuellen Gerüchten versorgt:

BusyBody hat ApplePolisher erzählt, dass Chatterbox gesagt hat, Dottoressa habe ihr
Kaffeetabs aus dem Schreibtisch geklaut.

Hat´s auch jeder verstanden? Nein? DWM auch nicht und deshalb kann sie auch die allgemeine Aufregung nicht nachvollziehen.

BusyBody regt sich auf, weil Chatterbox ihre Kollegen verdächtigt.

Dottoressa regt sich auf, weil sie verdächtigt wird.

Chatterbox regt sich auf weil entweder

a) ihr falsche Worte in den Mund gelegt werden oder

b) ihr Kaffeetabs geklaut werden.

Aber erstens ist nicht sicher, dass überhaupt was geklaut wurde und zweitens auch nicht bewiesen, dass Chatterbox jemanden verdächtigt hat und drittens, wer hat schon persönlich  mitgehört, was BusyBody wirklich gesagt hat?

DWM wühlt in ihrer Schreibtischschublade nach einem Kaffeetab, um den Tag in der Kaffeeküche zu beginnen. Falls sie überhaupt noch welche hat.