Firmenskiausflug – der Wanderpokal

hab ganz was interessantes gehört – magst du diese woche mal essen gehen?

DWM liest diese Mail ihres einzigen Vertrauten im Unternehmen mit Vergnügen. Endlich mal wieder neue Gerüchte! Normalerweise erfährt sie diese als letzte – wenn überhaupt, aber wenn sie von Intimus kommen, kann sie mal ganz vorn dabei sein. DWM ist ja nicht neugierig – außer wenn es interessant ist. Da sie für ihre Diskretion berühmt ist, vertraut Intimus ihr auch gerne mal was an.

essen gerne – was gibts denn neues?

DWM versucht schon mal die grobe Kategorie herauszufinden – dienstliches oder Klatsch und Tratsch?

kann ich dir nur persönlich sagen

DWM lässt es dabei bewenden und vertieft sich in ihre Arbeit, bis sie erneut unterbrochen wird

„Magst du auch einen Kaffee?“

Diese Einladung kann DWM so gut wie niemals ausschlagen, schon gar nicht von Dottoressa. Mit den grauen Tabs begeben sich die beiden in die kleine Küche. Während der Espresso in die Tasse tröpfelt, eröffnet Dottoressa plötzlich das neueste Gerücht.

„Es wird erzählt, ApplePolisher und ich hätten auf dem Skiausflug herumgeschmust.“

DWM ist nicht wirklich erstaunt nach dieser Eröffnung. Da sie Dottoressa zweimal zu Bett gebracht hat, hält sie es zwar für unwahrscheinlich, dass da was dran ist. Außerdem hätte ApplePolisher tausend Gelegenheiten, selbiges diskreter zu erledigen, wenn er das wirklich wollte, als beim Skiausflug, wo die halbe Firma zuguckt. Offensichtlich hatte eine angeheiterte Dottoressa nicht wirklich genug Gesprächsstoff für den Club der frustrierten Frauen geboten, sodass sie etwas dazuerfinden mussten.

ApplePolisher findet das gar nicht lustig und möchte mit der Tradition brechen, nach der derlei Gerüchte entweder ignoriert oder bestätigt werden – schließlich haben sich auch schon einige Paare innerhalb der Firma gefunden. Er möchte die Urheberin der Verleumdungen ausfindig machen und zur Rede stellen.

DWM war auch schon mal Zielscheibe von derlei Gerede – schließlich versteht sie sich gut mit Intimus und das nicht nur auf Ausflügen, sie geht auch manchmal mit ihm Mittagessen, statt sich mit Leuten ihres Geschlechts oder zumindest ihrer Abteilung zusammenzutun. DWM ist ja nicht schadenfroh, aber sie kann es sich nicht verbeißen, ihrem Vorgesetzten zu sagen: „Jetzt hast du eben den Wanderpokal!“

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Firmenskiausflug – Nachbetrachtungen der Parallelwelt

Eines sei gleich mal vorweg gesagt: DWM war es (diesmal) nicht, die sich blamiert hat. Sie ist weder durch unpassendes Outfit noch durch übermäßigen Alkoholkonsum und schon gar nicht durch unzureichend abgewehrte Flirtversuche aufgefallen. Viel schlimmer, sie ist gar nicht aufgefallen (Damit ist sie diesmal immerhin in bester Gesellschaft, denn NewBoss ist nach dem Abendessen heimgefahren und BigBoss vor dem Dessert auf Nimmerwiedersehen verschwunden – auch Vorstände werden offensichtlich alt). Dafür wirft diesmal der Schein einer Aufgefallenen ein Licht auf DWM – welcher Art dieses Licht ist, muss jeder selbst beurteilen.

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal wieder Kollegen, die dem Aufenthalt in der Schirmbar nicht ganz gewachsen sind. Meistens jene, die sich nicht nach sondern bereits statt des Skilaufens dahin begeben und somit auch auf ein gemütliches Mittagsmahl auf einer Hütte verzichtet haben. Manche schaffen es danach nicht mehr zum Abendessen und müssen daher an diesem Tag mit den flüssigen Kalorien vorlieb nehmen. Vor zwei Jahren versuchten zwei hübsche Damen das Problem zu lösen, indem sie auf das lästige Umziehen verzichten und in voller Montur ins Restaurant stiefeln. Als der Hotelbesitzer sie höflich darauf hinweist, der Zutritt sei in den Skistiefeln nicht gestattet (da haben wir wieder die Vorteile der Snowboarder: die weichen Boots sind viel unauffälliger), beschimpfen sie den leger gekleideten Herren in völliger Unkenntnis seiner Position. Im Jahr darauf wurde ein anderes Skigebiet gewählt.

Heuer ist genug Gras über die Geschichte gewachsen, sodass wir wieder den Vorteil genießen können, jeweils nur wenige Schritte zwischen Après-Bar, Restaurant und Disco zurücklegen zu müssen.

Dummerweise hat auch Dottoressa bei ihrem ersten Skiausflug auf die Sportausrüstung verzichtet, sie wollte sich tagsüber zum Lernen für die montägliche Prüfung zurückziehen und erst am Abend zu den Feiernden stoßen. Als DWM um 17 Uhr in der Schirmbar eintrifft, hat Dottoressa schon einen ziemlichen Vorsprung – offensichtlich hat sie das Lernen frühzeitig beendet. Beim Abendessen plaudert DWM gerade entspannt mit ihren Tischnachbarn, als ein Kollege sie plötzlich bittet mitzukommen. Dottoressa benehme sich daneben. Er sei zwar stark genug, um die zierliche Dame auf ihr Zimmer zu tragen, wolle das aber trotzdem vermeiden.

Als DWM die Szene an der Bar betritt, erfasst sie eine wohlbekannte Situation. Am lautesten geifern jene Damen, die nächtelang mit Mineralwasser an der Bar ausharren, damit sie ihr eigenes langweiliges Leben aufpeppen können mit der Entrüstung über angeheiterte Kolleginnen (Ja, DWM gibt es zu, sie war selbst schon Zielscheibe dieses Geredes gewesen, aber sie steht dazu. Lieber Spaß haben, als sich über den Spaß der anderen aufregen). Die zweite Fraktion aber überrascht selbst DWM, die doch glaubte, diesbezüglich schon vieles gesehen und erlebt zu haben. Jene Damen, die vor zwei Jahren noch den Wettbewerb um die betrunkenste Kollegin mit Abstand hätten für sich entscheiden können, mokierten sich mindestens so laut wie die Mineralwasser-Fraktion.

Mit einiger Überredungskunst (wieder einmal ein grandioser Einsatzbereich der in der Kinderaufzucht erworbenen Softskills) begleitet sie Dottoressa aufs gemeinsame Zimmer.

Der Frühstücksauftritt ist für DWM seit jeher einer der unangenehmsten Tagesordnungspunkte beim Skiausflug. Spätestens hier muss man Rechenschaft ablegen über den Verlauf des Vortages und vor allem -abends. Wer ist mit wem Ski gelaufen, wieviele Schnäpse wurden auf welcher Hütte getrunken, wie lange war man an der Schirmbar, wer hat die dortige Rechnung beglichen, wer ist überhaupt nicht mehr zum Abendessen erschienen, wer ist nach dem Essen noch in die Disco, wer gleich ins Bett, was war mit der Rechnung an der Bar? Wer hat mit wem getanzt und vor allem wie eng? Der einzige Nachteil des Einzelzimmers war, dass sie auch noch alleine auf der Frühstücksbühne auftreten musste und hoffen, einen Platz an einem erträglichen Tisch ergattern zu können. Heuer aber hat sie eine Aufgabe zu erfüllen. Gemeinsam schreitet sie mit Dottoressa hoch erhobenen Hauptes durch das Restaurant und beobachtet aus den Augenwinkeln die Damen, die sich mit den Ellenbogen gegenseitig möglichst so anstoßen, dass es auch gesehen wird, zur Not auch mehrmals. Geschickt ergattert sie die letzten beiden Plätze an einem Tisch mit Callcenter-Mitarbeitern. Das neidvolle Gegeifere ist eher das Revier der arrivierten Kreise, die jungen Leute sind daran erfrischend uninteressiert. Vielleicht wundern sie sich, dass DWM hier Platz nimmt, vielleicht auch nicht.

Nach dem Frühstück macht DWM sich mit Dottoressa gemeinsam auf den Heimweg und im Auto verleiht die Kollegin ihrem Erstaunen über die Arbeitswelt Ausdruck. Bis zu ihrem Doktorat im Herbst hat sie ihren Lebensunterhalt mit Gastronomie-Jobs verdient und die Parallelwelt des Büro-Universums war ihr völlig fremd, obwohl sie schon dreißig ist. DWM bewegt sich schon lange in diesem Universum und freut sich umso mehr, spät aber doch eine Seelenverwandte dort gefunden zu haben. Ganz besonders in den Abteilungsleitermeetings hatte sie ohnehin immer das unangenehme Gefühl: „Ich bin keine von ihnen.“ Jetzt weiß sie, dass sie zumindest nicht die einzige ihrer Art ist (wenn auch nicht fortpflanzungsfähig, da es sich um zwei Weibchen handelt). Der gestrige Abend war nur ein Ausdruck dieser Verschiedenartigkeit, die sich in vielen Arbeitssituationen zeigt, wie die beiden Frauen auf der Fahrt reichlich Gelegenheit haben, festzustellen.

Dottoressa ist noch jung – jedenfalls im Vergleich zu DWM – und will sich nicht damit abfinden, als Angehörige einer fremden Spezies in einer Welt zu arbeiten, die nicht die ihre ist. Sie beschließt, sich selbstständig zu machen. Und DWM freut sich, bis dahin eine verwandte Seele im Nebenzimmer zu wissen.

Firmenskiausflug – wer ist hier der Schnellste?

Am großen Tag bricht DWM mit ihrem kleinen Flitzer ins Skigebiet auf, nachdem sie noch mit den Kindern gefrühstückt hat. DWD ist bereits zur Arbeit verschwunden. Früher wäre das ein Grund zur Absage gewesen, aber DWM will ja nicht als übertriebene Mutterglucke dastehen, die ihre Heranwachsenden nicht mal ein wenig allein lassen kann. Durch die Frühstücksverpflichtung spart sie sich wenigstens die Busfahrt mit den Kollegen. Auf morgendliches Zwangslustigsein mit Bier aus dem Bordkühlschrank kann sie gerne verzichten. So ganz allein im Auto hat DWM Gelegenheit sich jede Menge weitere Sorgen zu machen: mit wem Skifahren? Die Grüppchen, die zum Lift aufbrechen, wirken zwar für Außenstehende zufällig und völlig spontan gebildet, in mehreren Jahren hat DWM aber gelernt, dass es genau das nicht ist.

Kurz war sie im Vorfeld versucht gewesen, sich per Mail schon vorab selbst in eine Gruppe einzuladen, aber das war dann doch unter ihrer Würde gewesen. Gefragte Persönlichkeiten werden schließlich gefragt.

So ist es dann auch. Während die Damen noch in der Sonne an ihrem Prosecco nippen und überlegen, in welchen Skiverleih sie dann gehen sollen, schultert BigBoss bereits seine Ski und fordert DWM zum Mitkommen auf. Sie weiß zwar, dass dieser auch gerne auf der Piste das Tempo vorgibt und überlegt noch zu kneifen. Da aber auch NewBoss, der Chauffeur und zwei andere sich gerade zur Gruppe gesellen, weiß DWM, dass sie zumindest das Tempo wird mithalten können. Nun muss sie sich nur noch über das Gerede der Damen Sorgen machen, weil sie als einzige Frau bei den beiden Vorständen mitfährt. Andererseits wird sie dort smalltalkmäßig besser gerüstet sein als in einer Damenrunde. Also tritt DWM die Flucht nach vorne zur Seilbahn auf.

Bald stellt sie amüsiert fest, dass die Hackordnung der Arbeit auch auf der Piste gilt. BigBoss startet als Erster und hält irgendwann, um auf den Rest der Truppe zu warten. Sofort dreht er sich um, ob auch noch alle hinter ihm herkurven, nicht dass ihn etwa einer am Rand überholt hätte. Aber selbst die beiden besten Skifahrer des Grüppchens wissen, was sie ihrem Boss schuldig sind und starten ein wenig nach ihm.

Firmenskiausflug – die Vorbereitungen

DWM neigt ja nun manchmal dazu, sich den einen oder anderen überflüssigen Gedanken zu machen. Nach ihrer Degradierung hatte sie ihr soziales Firmenleben auf das absolute Minimum der Weihnachtsfeier beschränkt, aber heuer hat sie in einem Anfall von Spontanität (ja, sie weiß, sie sollte die Spontanität jenen überlassen, die darin etwas mehr Übung haben) auf der Anmeldung zum Firmenskiwochenende das Kreuzchen in der Spalte „JA“ gemacht. Das liegt nun schon einige Wochen zurück und je näher der Termin rückt, deste emsiger arbeitet DWM an einer Strategie, wie sie denn aus dieser Nummer wieder rauskommt. Beim herbstlichen Betriebsausflug mit Canyoning hatte sie am Vortag mit spontanen Rückenschmerzen abgesagt, diese Ausrede ist also schon verbraucht. Aber können Rückenschmerzen nicht auch chronisch sein? Nein, diesmal wird DWM sich durchkämpfen.

Die erste Hürde stellt schon mal die Zimmereinteilung dar. Bisher hatte es DWM mit unterschiedlichen Strategien immer geschafft, ein Einzelzimmer zu ergattern. Das war auch gut so, denn diese Aufgabe stellt DWM vor unlösbare Probleme. In ihrer Abteilung war sie immer die einzige Frau und ihre wenigen Vertrauten waren ebenfalls männlich und da wäre ein gemeinsames Zimmer möglicherweise fehlinterpretiert worden. Diesmal aber ist die Situation eine völlig andere. Seit dem Auftritt von Dottoressa arbeitet in der Abteilung nicht nur eine Frau, sondern auch noch eine einigermaßen Seelenverwandte, die sich bereit erklärt, mit DWM das Zimmer zu teilen.

Als nächstes muss DWM sich für ein Sportgerät entscheiden. Das erscheint auf den ersten Augenblick einfacher, als es ist. Es gibt Skifahrer, Snowboarder, Rodler und Hüttensitzer, bei dieser Auswahl wird doch selbst für Anspruchsvolle was dabei sein? Bisher hat DWM sich immer den Skifahrern angeschlossen, aber seit sie vor zwei Jahren dem Snowboard-Virus verfallen ist, hat sie ihre Bretter nicht mehr benützt. Wird sie mit den Skifahrern überhaupt noch mithalten können? Auf dem Board aber fühlt sie sich erstens noch nicht sicher genug (erst recht nach ihrem Sturz in den Faschingsferien), da könnte selbst ein einziges Bier schon die nötige Konzentretation rauben. Die anderen Boarder sind nur jugendliche Callcenter-Mitarbeiter, denen sie sich ungern anschließen möchte, und für die „reifere“ Skifahrergruppe ist sie mit dem Board zu langsam. Die Rodelgruppe scheidet aus demselben Grund aus wie jene, die schon morgens dem Après-Ski frönt – zu unsportlich. Also doch Skilaufen und somit hat DWM etwas, worüber sie sich bis zum Ausflug Sorgen machen kann.

Das nächste Problem ist endlich mal ein weibliches, das selbst DWM trifft, und dann wegen mangelnder Übung gleich mit voller Wucht: was anziehen? In diesem Fall muss sie richtig gekleidet sein auf der Piste, beim offiziellen Abendessen, in der Disco und beim Frühstück. Um für jede Gelegenheit optimal gerüstet zu sein, packt DWM lieber ein paar mehr Teile in den Trolley. Als sie DWDs Belustigung bemerkt, entrüstet sich DWM: „Das ist schließlich ein Wellness-Hotel, vielleicht muss ich auch in die Sauna gehen!“

DWDs Belustigung steigert sich noch: „Und was willst du da anziehen 🙂 ?“

OK, 1:0 für DWD