das Unvermeidliche auch hier – Frohe Weihnachten

Einen Tag, nachdem es im Büro noch einmal richtig hoch herging, darf DWM sich in den Weihnachtsurlaub verabschieden, zumindest in ihrem Zweitberuf. In ihrem Hauptberuf als Familienmanagerin ist sie weiterhin gefordert. Der Familienrat hatte beschlossen, Weihnachten heuer erstmals bei den vier Autostunden entfernt wohnenden Großeltern zu verbringen und es obliegt wieder einmal DWM, für die Versorgung der Familie mit allem Nötigen und Unnötigen während dieser Zeit zu sorgen – verpackte Weihnachtsgeschenke für adäquate unter-dem-Baum-Stimmung inbegriffen:

Plötzlich Stundenausfälle erfordern zusätzliche Taxifahrten (der stündlicher Bustakt eignet sich nur für Notfälle) und heute ruft auch noch die Schule an, DWM solle ihren kranken Sohn abholen. Als sie den weinenden DSB ins Auto lädt, verfliegt ihre restliche Weihnachtsstimmung und er kann seine Mutter nur mit Müh und Not davon abhalten, sofort die Schule zu stürmen: Weil DSB es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette geschafft hatte, hatte der Kunstlehrer ihn zur Schnecke gemacht und den Schulfreunden verboten, dem Kranken beim Aufwischen seiner Krankheitsrückstände in der Klasse zu helfen.

DWM wird sich beim Packen hoffentlich beruhigen und freut sich auf eine besinnliche Zeit bei ihren Eltern – fernab von technischer Infrastruktur und verabschiedet sich deshalb wahrscheinlich für den Rest des Jahres.

Frohe Feiertage allen Weihnachtsfans und Gutes Ignorieren der Gegenfraktion – falls es die noch gibt….

p.s. Nachtrag zum Jahresrückblick: wegen plötzlich erkrankter Freundin durfte DWM doch noch einmal mit ihrer Tochter auf dem Christkindlmarkt sich im Regen die Beine in den Bauch stehen – ein „letztes Mal“ noch um ein Jahr verschoben!

Advertisements

Jahresrückblick

Um diese Jahreszeit kommt auch DWM nicht umhin, sentimental auf den Lauf der Zeit zu blicken.

2011 war das Jahr in dem DSG erwachsen wurde und die körperlichen Veränderungen sind nur ein kleiner Teil dieser Entwicklung. Mit der Firmung hatte sie im Kreis der Familie und Verwandten Abschied von der Kindheit gefeiert und der Zeitpunkt war offensichtlich (von DSG selbst kurzentschlossenerweise) gut gewählt.

Zu Neujahr hatte sie gemeinsam mit DSB die müde DWM zu einem Skiausflug genötigt (DWD hatte wieder einmal einen der ungünstigsten Termine für einen Dienst ausgefasst) und heute ist DWM froh, sich damals den Wünschen der Kinder gebeugt zu haben, denn es war der letzte in dieser Form. Den Rest des Winters verbrachte sie nach einem Unfall beim Eiskunstlauf mit fixierter Schulter und danach beteiligte sie sich nur noch unwillig an Familienausflügen. Auch ihre Krankenhausaufenthalte nach dem Unfall bewältigte sie erstmals allein, DWM zog nicht so wie sonst (man merkt, die ungestüme DSG ist Stammgast in der Unfallklinik) als Begleitperson ins Krankenhaus.

Heuer feiert sie Sylvester erstmals mit einer Freundin statt mit der Familie und wird diese daher auch nicht auf den traditionellen Neujahrs-Skiausflug begleiten.

Die Schule ist zum Selbstläufer geworden (DWM muss ihre ehrgeizige Tochter manchmal sogar vom Lernen abhalten), das Zimmer wird ohne Aufforderung aufgeräumt und manchmal sogar gesaugt.  Im Sommer hat DSG sich zum ersten Mal verliebt.

Ohne die gelegentlichen Pubertätsschübe würde DWM glauben, mit einer Erwachsenen zusammenzuleben. Folglich muss DWM alt werden.

Der Zutritt ins Teenie-Zimmer bleibt meistens verwehrt, über die seltenen Einladungen (Mama, kommst du?) oder auch „Mama, bleibst du?“ nachdem DWM zum Wäsche-Einsammeln (eine der wenigen Handgriffe, die DSG nicht selbst auf die Reihe kriegt. Wahrscheinlich liegt es an DWMs Inkonsequenz, die lieber selbst die Wäsche einsammelt, als einen Pubertätsschub wegen akuten Sockenmangels zu ertragen) doch das Allerheiligste betreten hat, freut DWM sich immer.

Außerdem freut DWM sich jetzt, so viel Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben, wo sie doch häufig auf dem Sprung war, einen viel zeitaufwändigeren Job anzunehmen. Daraus wird sie lernen, diese Entscheidung weiterhin erfolgreich zu vertagen, bis auch DSB diese Schwelle überschritten hat.

Um das Danach versucht sie sich jetzt so wenig Gedanken wie möglich zu machen. Erstmal Weihnachtsfrieden angesagt.

Ideologie am Frühstückstisch

Nun ist der Morgen schon an sich schon nicht DWMs bevorzugte Tageszeit und sie ist jedesmal wieder stolz, wenn sie den Routineaufbruch der Familie und ihren eigenen erfolgreich hinter sich gebracht hat. Die kleinste Mücke kann um diese Tageszeit die Dimension eines Elefanten erreichen.

DWD scheint eher für diese Tageszeit geschaffen zu sein, oder ist er einfach nur anpassungsfähiger, wäre er einer der wenigen Überlebenden beim Hereinbrechen einer plötzlichen Eiszeit? Jedenfalls stiefelt der Held der Familie jeden Morgen zum Bäcker, um seine Anvertrauten mit frischen Brötchen zu versorgen.

Als DWM sich im Schlafanzug auf ihren Platz am Frühstückstisch plumpsen läßt (sie hat nach dem Aufbruch ihrer Lieben noch genug Zeit, sich sozialverträglich zurechtzumachen), plappert DSG schon munter über die lang ersehnte Eröffnung des Holister-Shops, der ein Teil ihrer Freundinnen beigewohnt hat und wo ja soooooo viel los war und es lohne sich ja üüüüüberhaupt nicht mehr, vor Weihnachten da hinzugehen, man müsse sich anstellen um überhaupt hineinzukommen und…….

DWM lässt dieses Geplapper in morgendlicher Apathie an sich vorüberziehen, während sie in ihrem Kaffee rührt, DWD aber kann sich eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: „Das muss man erst mal schaffen.“ Nun hört sich dieser Satz so für sich gelesen erst mal ganz harmlos an, nicht wahr? Nur Eingeweihte können erahnen, was für ein erbitterter Kampf der Ideologien in dieser Familie geführt wurde und wird, der sich einem so kleinen unscheinbaren Satz verstecken kann. DSG hat ein Jahr lang ihr Taschengeld gespart und ihre heurige Herbstgarderobe auf ein absolutes Minimum reduziert (was DWM wiederum vor wäschetechnische Herausforderungen stellt), um in London ein paar Stücke bei Abercrombie & Fitch einkaufen zu können. DWD wiederum läßt keine Gelegenheit aus, um die Markenhörigkeit zu kritisieren. DWM versucht sich neutral zu verhalten, ihrer Tochter Toleranz entgegenzubringen obwohl sie (eifrige Leser kennen ihre Shopping-Gewohnheiten – sie kann sich ja nicht einmal zur Anschaffung markenloser Kleidungsstücke durchringen) die Meinung ihres Ehemannes durchaus nachvollziehen kann.

Um diese Tageszeit jedoch ist die Politikerin in DWM noch nicht im Dienst. Sie hört die Debatte förmlich schon heranziehen (gleich wird DSG ihrem Vater vorwerfen: „Das musst du gerade sagen“, weil er in einem anderen Leben mal einen BMW gefahren hat) und das Rühren gestaltet sich so schwungvoll, dass der Kaffe überzuschwappen droht. Alles andere als diplomatisch bittet sie DWD, um diese Tageszeit seine Meinungen für sich zu behalten.

Der weitere Verlauf des Frühstücks bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis für Menschen mit wenig Familienerfahrung: Der Einwand DWDs, er fühle sich gegängelt, war nicht der richtige Weg, um eine Deeskalation herbeizuführen.

Die gute Nachricht: trotzdem kamen alle pünktlich an ihrem morgendlichen Wirkungsort an.

Elternsprechtag – Nachbereitung

Der heikelste Teil des Elternsprechtages kommt jetzt: die Überbringung der diversen Botschaften an die Kinder. Diplomatie zählt nicht unbedingt zu DWMs Stärken und deshalb gibt es auch Tränchen nach der Bitte, die Französischlehrerin nicht mit dem selben Augenroller zu bedenken wie DWM. Die Bitte nach mehr Mitarbeit in Bio wird mit tellergroßen Augen aufgenommen: „Die hat mich verwechselt. Garantiert. Ich frag sie morgen.“ DWM spart sich beschwichtigende Worte und freut sich insgeheim, dass DSG das selber regeln möchte. Sie fühlt sich damit ausgelastet, die Bitten der Lehrer an DSB weiterzureichen. Wohl wissend, dass das nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt sein wird, denn DSB hört sich das mit ernster Miene an, gelobt Besserung und wird wahrscheinlich weitermachen wie bisher. Auf DWMs Nachfrage, warum er denn erst in letzter Zeit anfange mit seinen Sitznachbarn zu tratschen, ob er sich denn schon zu sicher fühle mit den Anforderungen in der neuen Schule meint er nur: „Das hat damit nichts zu tun. Am Anfang kannte ich die noch nicht, da hatten wir nicht zu viel zu reden, aber je besser ich die kennenlerne, desto mehr können wir reden.“ DWM beschließt, sich über seine gelungene soziale Integration in einer neuen Klasse zu freuen.

Einen Tag später berichtet DSG von ihrer Unterredung mit der Bio-Lehrerin: „Mama, die hat mich tatsächlich verwechselt und sie hat sich sogar entschuldigt. Ich habe die beste Mitarbeit der Klasse.“ DWM wird in Zukunft ein Foto ihrer Kinder zum Elternsprechtag mitnehmen.

Elternsprechtag (2)

Nach den gemischten Auskünften über das Verhalten von DSB stellt DWM sich jetzt bei den Lehrern von DSG an, hoffentlich nur zum Lob abholen, denn DSG ist eine Vorzugsschülerin und kommt mit fast allen Lehrern auch gut aus. In diesem Jahr hat sie nur neue Lehrer, DWM kennt noch keinen und sieht den Unterhaltungen daher trotzdem mit gemischten Gefühlen entgegen, denn nicht alle dieser Respektspersonen können mit aufgeweckten Schülern gut umgehen.

Der Englischlehrer ist ein netter Mensch, aber es scheint noch nicht bei ihm angekommen zu sein, dass er jetzt diese Klasse unterrichtet. Auf DWMs Nachfrage bezüglich des England-Austauschs bekommt sie nur die Antwort, er sei erst seit heuer an der Schule und wisse darüber nichts. Ansonsten ist er aber noch einer der nettesten und überhaupt der einzige, der mit sowas wie Selbstkritik aufwarten kann.  Als DWM von DSGs Prüfungsängsten berichtet, fragt der Lehrer, ob er selber etwas ändern könne, um die Situation zu verbessern. DWM ist so perplex, dass ihr nicht mal eine Antwort einfällt. Bei der Verabschiedung gibt er nochmal seinem Erstaunen über den Gesprächsverlauf Ausdruck, denn DSG sei die einzige Schülerin, die man vom Lernen abhalten müsse.

Die Französisch-Lehrerin kann mit dem Niveauunterschied in der Klasse weniger gut umgehen. Es käme ihr sogar vor, als rolle DSG manchmal mit den Augen. DWM kennt diese Reaktion ihrer Tochter gut, aber das wird sie dieser Meckerliese nicht auf die Nase binden. Außerdem sei DSG so kritisch und hinterfrage so viel. Auf DWMs Nachfrage, ob man die schnelleren Schüler nicht inzwischen anderweitig beschäftigen könne, reagiert die Lehrerin beinahe erbost. Naja, es gäbe schon Fördermaterialien , aber es handle sich ja nur um kurze Augenblicke, da müsse sie sich schon ein wenig gedulden. In unserem System haben die guten Schüler eben keinen Anspruch auf Förderung. Sie müssen sich in die Klasse setzen und ruhig verhalten und dürfen dabei nicht mal mit den Augen rollen. Glücklicherweise ist DWD gerade von der Arbeit hergehetzt, als DWM an die Reihe kam und ist nun mit seinem Charme in der Lage, die Situation zu retten, sonst hätte DWM sich vielleicht vergessen und der Lehrerin ihr wahres Gedankengut anvertraut und das hätte mit Sicherheit keine positiven Auswirkungen für DSG gehabt.

Die Deutschlehrerin hatte auf der Liste vermerkt, sie sei nur bis 17 Uhr anwesend, was in DWD gleich wieder leichten Unmut erzeugt. Was kann so wichtig sein, dass man die vor seiner Tür drängelnde Schar im Stich läßt? Als die Lehrerin im Mantel und mit geschulterter Tasche ihre Klasse verläßt, fragt DWM, nachdem sie sich vorgestellt hat, ganz höflich, ob sie einen Termin für die Sprechstunde vereinbaren soll (wohl wissend, dass die meisten Lehrer diese Stunde lieber anderweitig verbringen). Daraufhin kann die Lehrerin doch noch die paar Minuten erübrigen, um DWM zu versichern, dass DSG ohnehin so eine tolle Schülerin und alles in bester Ordnung sei. DWM kann einen Haken auf ihrer Liste machen.

Die Bestzeit dieser Besprechung wird eventuell noch von Physik unterboten. DWM wundert sich, warum der Wartebereich vor der Tür so gähnend leer ist und fragt in der Nebenschlange, ob denn überhaupt jemand drin sei. Vielleicht hat der Lehrer ja auch schon die Flucht ergriffen. Man vermutet, da sei schon jemand drin und DWM glaubt auch Stimmen zu vernehmen, also wartet sie artig – ein paar Sekunden, dann ist sie auch schon dran. Der Lehrer teilt nach einem „das können wir kurz machen“ den Notenstand mit und vermerkt positiv, DSG sei eine der wenigen Frauen, die sich für Physik wirklich interessierten. Nach gefühlten 10 Sekunden ist DWM wieder draußen und weiß nun, wieso vor seiner Tür sich keine Schlange bildet.

Die Biologie wartet mit der größten Überraschung auf: mehr Mitarbeit wäre gut. DWM ärgert sich, nicht vom DSG gebrieft worden zu sein und nimmt die Kritik zur Kenntnis, die inzwischen auf die ganze Klasse ausgeweitet wird, die nicht mitarbeitet. DWM ist wirklich erstaunt, denn DSG hört sich gerne reden und arbeitet sonst auch in Fächern mit, die ihr weniger liegen und die Naturwissenschaften sind doch – außer Englisch – ihre derzeitige Leidenschaft. Nun gut, sie wird die Botschaft weitergeben und verabschiedet sich von der der Lehrerin, die sichtlich ungeduldig ist, diese Veranstaltung zu verlassen. Da ist sie wahrlich nicht die Einzige.

Elternsprechtag (1)

Nein, nicht alle Jahre wieder, sondern sogar zwei Mal jährlich wieder und jetzt hat DWM es endlich hinter sich gebracht – für dieses Halbjahr. Das Schlimmste ist eigentlich das Anstellen. Und das für DWM, die trotz attraktiver Angebote niemals bei H&M einkaufen kann, weil sie spätestens an der Kassa ihre Errungenschaften auf einen Wühlkorb wirft und vor der Schlange die Flucht ergreift. Für ihre Kinder aber verbringt sie ohne Übertreibung Stunden damit, sich vor den Klassenzimmern die Füße in den Bauch zu stehen. Eigentlich möchte sie das Unvermeidliche ja lieber in den einzelnen Sprechstunden der Lehrer erledigen, aber selbige scheinen diese Machtdemonstrationen zu lieben und bitten darum, so es keine langwierigeren Probleme zu besprechen gäbe, lieber zum Elternsprechtag zu kommen. Oder sie verbringen ihre Freistunden lieber ohne nervende Erziehungsberechtigte.

Erstmals ist auch DSB am selben Gymnasium wie seine Schwester, was DWM vor die Aufgabe stellt, in dreieinhalb Stunden mehr als 10 Lehrer aufzusuchen. Sie beschließt, mit DSB anzufangen, weil sein Übertritt doch für alle Familienmitglieder eine aufregende Sache war und DWM schon gespannt auf die Berichte der Lehrer ist.

In Englisch hat er die beste Schulaufgabe der Klasse geschrieben und das ist schon mal ein angenehmer Einstieg. Trotzdem hat die Lehrerin nicht nur Positives zu berichten, denn DSB schwätzt mit seinen Sitznachbarn, musste sogar schon umgesetzt werden und hat dieses Prozedere wahrscheinlich noch mal vor sich. DWM stellt die angebrachte Zerknirschung zur Schau und bittet die Lehrerin, ihn wegen seiner ADS möglichst weit vorne zu lassen. Die Lehrerin tut erstaunt (obwohl DWD wegen dieser Diagnose bereits zu Schulanfang bei ihr war) und meint, sie könne nichts versprechen. Die 6 in Erdkunde (DSB hatte bei seiner allerersten Ex das Heft auf dem Tisch liegenlassen, sie hatte ihn beschuldigt zu schummeln und er wurde mit 6 beurteilt. DWM hatte ein wenig gebraucht, um seinen Frust zu mildern) werde sich im ersten Semester LEIDER noch auf die Note auswirken. DWM muss all ihre diplomatische Kunst aufwenden, um ihrem vertrockneten Gegenüber nicht zu sagen, dass es bessere Möglichkeiten gibt, Fünftklässler in den ersten Wochen am Gymnasium zu motivieren, als mit einer 6, weil sie vergessen haben, das Heft vom Tisch zu nehmen. Aber aus Erfahrung weiss sie, dass Kritik am Lehrer letztendlich immer an den Kindern ausgelassen wird. Nachdem sie das Zimmer dieser Vertreterin des Lehrkörpers verlassen hat, überlegt sie, DSB zur Heimbeschulung anzumelden und stellt sich bei seinem Klassenlehrer an.

Die Schlange vor dessen Tür besteht ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern, die sich nochmal durchs Haar fahren, den Mantel auszuziehen, um nicht verschwitzt anzutreten… DWM kennt den Mathe-Lehrer schon vom Elternabend, wo die Mütter alle möglichen Fragen gestellt haben, damit der süße Typ so lang wie möglich bleibt… Als DWM endlich dran ist, beginnt der Klassenvorstand erstmal übers Klettern zu reden. DSB wurde wegen seines sportlichen Talentes als einziger seiner Jahrgangsstufe aufgenommen, obwohl er nie zuvor geklettert ist. Und macht sich dort wohl ganz gut. DSB sei auch in der Schule immer gut gelaunt und fröhlich und auch sehr hilfsbereit. Nach der Audienz bei der vertrockneten Englischlehrerin geht das Lob runter wie steirisches Kernöl. DWM berichtet von den Problemen und erstaunt damit ihr sportliches Gegenüber. Bei ihm gäbe es keine derartigen Probleme und ER als Klassenvorstand entscheide über die Sitzordnung. DWM freut sich insgeheim, dass DSB wohl  nicht der einzige ist, der Probleme mit dieser Dame hat 🙂 Zum Schluss wird dann doch noch kurz über die vier in der Mathe-Schulaufgabe geredet, die aber wohl als nicht so dramatisch betrachtet wird. DWM zieht beruhigt von dannen.

Als die Deutsch-Lehrerin sich über die tolle Rechtschreibung freut, sieht DWM sich genötigt zu bemerken, dass DSBs Hausaufgaben durch ihre Qualitätskontrolle gehen,  nimmt das Lob über die Rechtschreibung aber gerne selber an. Die Lehrerin überrascht mit einem fröhlichen Lachen und DWM gibt auf Anfrage zu, auch bei den Aufsätzen die eine oder andere Anregung zu geben. Schließlich möchte sie keine falschen Erwartungen wecken kurz vor der ersten Schulaufgabe. Mit dieser verständnisvollen Lehrerin kann DWM auch die disziplinären Probleme ihres Sohnes gut besprechen. DSB falle es sehr schwer, seinen Bewegungsdrang zu kontrollieren. Gemeinsam stellen sie fest, dass die zeitlichen Anforderungen einfach zu hoch sind und die Kinder zu wenig Bewegungsmöglichkeit haben. Dann überrascht die Lehrerin DWM mit einem unkonventionellen Lösungsvorschlag: in dringenden Fällen könne DSB bitten, auf die Toilette gehen zu dürfen, sich am Gang ein wenig austoben und dann wiederkommen. DWM ist erstaunt über die große Bandbreite an Lehrern und verwirft den Gedanken an die Heimbeschulung wieder.

Weihnachtsfeier

Eines gleich vorweg – an den Nähten des Kleinen Schwarzen liegt es nicht, dass DWM die Weihnachtsfeier sofrüh verlässt. Auch wird sie diesmal kaum Gesprächsstoff für die montägliche Nach-Lästerei liefern können, weil nicht vielen Leuten aufgefallen sein wird, dass sie überhaupt da war. Es ist in vielerlei Hinsicht eine etwas andere Weihnachtsfeier und nur deshalb kann sie heute überhaupt davon berichten, denn üblicherweise verbringt sie den Tag danach schwer leidend im Bett.

Schon der anfängliche Glühweinempfang wird wegen Regenwetters – seit DWMs Erinnerungen die erste Weihnachtsfeier ohne Schnee –  nach drinnen verlegt, wo niemanden nach dem heißen Gebräu gelüstet und statt dessen gleich das Rennen um die besten Plätze eröffnet wird. Nachdem die Damen ihre Mäntel von den bloßen Schultern gleiten lassen, macht sich bei DWM Erleichterung breit – diesmal liegt sie mit dem kleinen Schwarzen voll im Trend. Es kann doch kein Zufall sein, dass es bei jeder Weihnachtsfeier einen vorherrschenden Kleidungsstil gibt – wird das verabredet und DWM hat es nur noch nicht mitgekriegt?

BigBoss‘ Rede ist so kurz wie nie und kein einziges „gewaltig“ kann DWM zählen, während es in den früheren Jahren zweimal in jedem Satz aufgetaucht ist. QuietBoss kommt gar nicht erst zu Wort. Das Essen schmeckt wenigstens wie jedes Jahr, aber weil DWM einmal mit den Rauchern vor das Haus geht und inzwischen die Hauptspeise serviert wird, muss sie ihr Steak leider als Carpaccio genießen – klein genug ist es ja.

Vor der Nachspeise eine weitere Neuerung: ein Kabarrettist versucht sich mit weihnachtskritischen Scherzen, zum Teil sogar recht erfolgreich. BigBoss hatte die Überraschung in seiner Rede angekündigt – vielleicht ein Trost, falls wir sonst nichts zu lachen haben? Als der Kleinkunstvertreter sich über die Damen lustig macht, die zur Vorbereitung zum Friseur gehen und für 180 € einen abgehobenen Klobesen auf dem Kopf tragen, fühlt DWM sich nur bezüglich des Preises nicht ertappt. Trotzdem ist die Darbietung eine willkommene Abwechslung, weil sie DWM für eine knappe Stunde von der Unterhaltungspflicht mit dem Tischnachbarn entbindet.

Noch vor dem Dessert erspäht sie einen freien Platz am Tisch ihrer ehemaligen Kollegen. Das Spiel an der Bar „wo steht ein wichtiger Typ, an den ich mich ranschmeißen kann“ ist bereits eröffnet und so ist der Platz des Leiters frei. DWM schnappt ihr Weinglas und setzt sich zu den Kollegen unterster Rangordnung. Sie freut sich, dieses Spiel heuer nicht mehr mitspielen zu müssen und genießt die Unterhaltung mit den Kollegen. Als das Dessert serviert wird, hat BigBoss bereits mit den Blondinen seiner Wahl das Karaoke-Mikrofon ergriffen (Am Vorstandstisch wird selbstverständlich als erstes gegessen). Nach einer dreiviertel Stunde verkündet ein Kollege, Gerüchten zufolge führe bereits der erste Bus. DWM hat so wenig Alkohol konsumert wie nie zuvor bei solchen Anlässen, denn nur die zwangslustige Positionierung im oben genannten Spiel (Annäherungsversuche verheirateter Familienväter inbegriffen) ist nüchtern schwer zu ertragen, für eine nette Unterhaltung muss DWM sich nicht dopen. Somit ist sie auch erstmals in der Lage, ihre Handtasche und ihren Mantel sofort zu finden und pünktlich im Bus zu sitzen.

Gemeinsam mit einem Kollegen, der in den letzten Jahren ebenfalls immer bis zum bitteren Ende fährt sie in die Stadt zurück. Dieses Jahr ist eben vieles anders. Dort freut sie sich über die große Auswahl an Taxis statt sich wie sonst mit anderen Nachtschwärmern um einen freien Wagen zu prügeln und steigt in das letzte in der Schlange, damit sie nicht im Regen bis ans Kopfende gehe muss. Der Fahrer weist sie ebenso unhöflich wie bestimmt darauf hin, dass dass sie das erste nehmen müsse und DWM steigt widerwillig aus. Was hat man davon, dass es diese Regel nicht gibt, wenn man dann nicht gefahren wird?

Wie immer kriegt es dann der ab, der nichts dafür kann, als DWM den Fahrer des ersten Taxis anschnauzt: „Sind Sie denn jetzt wenigstens für mich zuständig?“ Das wird DWMs erste Taxifahrt, auf der dem Fahrer kein einziges Wort entfleucht, vielleicht sollte sie diese Strategie öfters anwenden? Trotzdem wird die Fahrt auch nicht teurer als sonst, aber eigentlich trotzdem eine Verschwendung, denn DWM fühlt sich so nüchtern, dass sie auch noch fahren hätte können. Aber als brave Teilnehmerin des Straßenverkehrs weiss sie, dass die gefühte Fahrtauglichkeit oft nicht mit der tatsächlichen korreliert.

Um ein Uhr ist DWM bereits zu Hause, während sie sonst nach den Feierlichkeitken die Familie meist beim Frühstück angetroffen hatte. DWM freut sich auf einen gewonnen Sonntag mit der Familie, den sie eigentlich schon abgeschrieben hatte.