endlich ein Teilzeitjob in Sicht (2)

….. darf ich Ihnen mitteilen, dass sie in die engere Wahl gekommen sind…..

Yeah! Wusste ich´s doch! Diesmal lässt DWM voller Elan und Zuversicht ihren Wagen auf den Firmenparkplatz rollen. Am zweiten Gespräch beteiligt sich außer dem Vorgesetzten auch noch ein weiterer Mitarbeiter der Abteilung. Als das Gespräch auf den Umgang mit schwierigen Kollegen kommt, meint dieser mit einem Augenzwinkern „Sie haben doch Kinder, da sind Sie an solche Situationen eh gewöhnt.“ JA! Endlich werden die besonderen Qualifikationen einer Mutter auch mal gewürdigt! Wieder wird das Gespräch in Abwesenheit eines Personalverantwortlichen geführt und wieder fehlen die entsprechenden Fragen – was DWM aber wieder als Vorteil empfindet. Die heikelste aller Fragen schneidet der künftige Vorgesetzte diesmal selbst an, fasst sich dabei aber kurz: er habe mit der Personalabteilung gesprochen, Gehalt passt auch.

Abschließend wird sie durch das ganze Unternehmen geführt und dem einen oder anderen Mitarbeiter vorgestellt. Wieder ist DWM ganz hin und weg von dem tollen neuen Gebäude, den freundlichen Menschen, der netten Atmosphäre, dem guten Kaffee. Noch zuversichtlicher als beim ersten mal verlässt sie das Firmengelände.

endlich ein Teilzeitjob in Sicht (1)

Ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit gibt DWM jetzt auf. Sich auf einen Job zu bewerben, der nicht explizit in Teilzeit ausgeschrieben ist, verschiebt den Frust nur nach hinten. Das ist auch der Grund, warum sich an der Bewerbungsfront so lange nichts tut, denn qualifizierte Teilzeit-Jobs sind nicht rar, sondern schlichtweg nicht vorhanden. Voller Begeisterung findet sie ein 30-Stunden-Angebot in einem Jobportal, das zwar zugegebenermaßen etwas offen gehalten ist, aber das kann ja alles mögliche heißen! Diesmal muss sie in den Unterlagen nicht mal ihren derzeitigen Teilzeitstatus verschweigen. Eine Woche später sitzt sie bereits ihrem potenziellen neuen Chef gegenüber. In angenehmer Atmosphäre wird über die Aufgaben gesprochen. Ein wenig erstaunt ist DWM schon, dass die sonst üblichen Fragen personaltechnischer Art bisher nicht gestellt wurden. Warum wollen Sie sich verändern? Warum glauben Sie, dass gerade Sie für diesen Job geeignet sind? Was sind ihre Schwächen? Was machen Sie, wenn die Kinder krank sind?

Der Gesprächspartner scheint etwas in Eile zu sein, er verspricht sich zu melden, falls DWM in die nächste Runde kommt. Schon im Aufstehen befindet DWM, dass sie offensichtlich selbst die heikle Frage nach dem Verdienst anschneiden muss. Fast erleichtert wirkt ihr Gegenüber, als er sich ihre Gehaltsvorstellungen schnell auf eine Ecke ihrer Unterlagen kritzelt. Frohen Mutes durchquert DWM die pompöse Glashalle ihrer zukünftigen Wirkungsstätte, wo sie von einer zauberhaft lächelnden Rezeptionistin verabschiedet wird, bevor sie über den großzügigen Parkplatz zu ihrem Auto schreitet. Es gibt sie also doch, die tollen Teilzeitjobs, jetzt muss sie ihn nur noch kriegen.

Flexibilität – nein danke!

Endlich ist es wieder einmal so weit! DWM darf in einem Bewerbungsgespräch glänzen. Die Position klingt interessant, auch wenn es kein großer Aufstieg zu sein scheint. So wie sich die Bewerber oft in ein besseres Licht setzen, haben die potenziellen Arbeitgeber es wohl mit diesem Posten in der Ausschreibung gemacht. Trotzdem wäre es ein Schritt in die richtige Richtung und außerdem geht es ja auch darum, der Degradierungs-Schmach und dem Büro-Wahnsinn in der derzeitigen Arbeitsstelle zu entfliehen. DWM liebäugelt also durchaus mit der Stelle und bekommt auch gutes Feedback am Ende des Gesprächs – bis sie auch ihre letzte Karte ausspielen muss. Und das ist nicht ihre Trumpf-Karte.

„In meiner derzeitigen Stelle kann ich teilweise von zu Hause aus arbeiten – wäre das hier auch möglich? Ich bin manchmal auf ein wenig Flexibilität angewiesen.“ Das ist noch eine ziemlich Untertreibung der derzeitigen Lage, aber DWM muss schließlich mit äußerster Vorsicht verhandeln.

Der links von DWM sitzende Prokurist bekommt trotzdem tellergroße Augen. „Nein, sowas macht bei uns niemand und das wollen wir auch gar nicht, das ist arbeitsrechtlich ganz schwierig, und überhaupt.“ Mit immer noch schreckgeweiteten Augen studiert er die vor ihm liegenden Bewerbungsunterlagen. „WIE alt sind ihre Kinder?“  „10 und 12.“ Pieps.

„Na, da brauchen sie die Mama schon noch.“ Immerhin scheint er mehr Ahnung davon zu haben, als sein Vorgänger vor ein paar Wochen. Das ändert aber nichts am Ergebnis. DWM bittet um Bedenkzeit, teilt aber am nächsten Tag bereits ihre Absage mit. Die Arbeitswelt ist wohl nicht für sie geschaffen und sie wird bis zur Rente ausharren müssen mit ApplePolisher, BusyBody und ChatterBox, weil sie den einzigen flexiblen Job im Umkreis von 100 km bewachen.

Kleiner Abschied (2)

DSB hat heute seinen ersten Tag am Gymnasium. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch darf DWM dieses Erlebnis nicht unmittelbar mit ihm teilen. Für den Fall, dass er es sich
noch anders überlegt, macht sie sich rechtzeitig bürofein, um ihn zu begleiten
und danach gleich weiter zur Arbeit zu fahren. Den Kollegen hat sie
sicherheitshalber auch angekündigt, dass sie heute später kommen wird. Da DSB
weniger wankelmütig ist als seine Mutter, bleibt er jedoch bei seinem
Entschluss und DWM stellt somit einen Beginnzeiten-Rekord im Büro auf.

Ein weiterer Schritt auf dem langen Weg der kleinen Abschiede ist getan. Bald muss DWM sich überlegen, was sie mit dem Rest ihres Lebens, der bekanntlich immer heute
beginnt, anfangen will. Die Kinder werden nicht mehr lange als Rechtfertigung
für ihr berufliches Vor-sich-hindümpeln, in dem sie sich nach Degradierung und
(bisher) erfolgloser Alternativensuche eingerichtet hat, dienen können.

Aber wie immer plant DWM ein wenig weit voraus. Der erste Tag ist ja wohl noch der
einfachste am Gymi und jetzt gilt es, dem Sohnemann trotz ADS zu einem guten
Start zu verhelfen und danach werden ihre pädagogischen Fähigkeiten zur
Unterstützung auch noch gefragt sein, denn DWM möchte das Thema Schule wenn
möglich ohne Outsourcing, sprich externe Nachhilfe über die Bühne bringen.

Glück gehabt, die Entscheidung darf vertagt werden.

 

 

Das Geheimnis der Motivation

Die Arbeitswelt hat DWM wieder, was für ein Glück. Erstmals seit Jahren trifft sie nicht auf einen schier unüberwindlichen Berg an Liegengebliebenem , nein, sie wird von Newcomer sanft eingeführt ins „Was bisher geschah….“. Auch von den Softfacts gibt es nur Positives zu berichten, BusyBody ist wohl zur Räson gebracht worden und verhält sich zahm wie nie, geradezu paradiesische Arbeitsumstände also. Nachdem sie die wichtigsten Mails gelesen und sich auf den morgigen Workshop vorbereitet hat, beginnt DWM ihre besonderen Quellen nach Neuigkeiten zu durchforsten. Was liest sie da? Ihre Degradierung ist jetzt auch auf Konzernebene nachgezogen worden. Im letzten Jahr wurde ihre Einstufung im „Global Job Model“ noch gemeinsam mit der Personalleiterin besprochen, wie es halt bei Leitern üblich ist. Das gemeine Fußvolk erfährt – wenn überhaupt – gerade mal, dass es eine solche Einstufung gibt, um die Positionen konzernweit und international vergleichbar zu machen. Auf Gehalt und interne Rangordnung hat es auch keinerlei Einfluß. Warum fühlt DWM trotzdem ihre Motivation plötzlich schwinden wie Schnee in der Frühlingssonne? Noch vor einer halben Stunde schien die Arbeitswelt in Ordnung, während des Urlaubs hatte DWM Zeit gehabt, sich mit ihrer Situation abzufinden, was hat sich verändert durch das Lesen der Information, die auf das direkte Geschehen keinen Einfluß hat (und auch gar nicht für sie gedacht war)? Was motiviert uns? Was demotiviert uns? Ist es die Anerkennung, bzw. der Mangel daran? Oder ist es die Erinnerung an das Unrecht, nachdem DWM begonnen hatte, es sich in ihrer neuen Situation kuschelig einzurichten. Ist das gut, weil es sie antreibt, statt dessen etwas an der Situation zu ändern oder schlecht, weil es sie hindert, in einer Situation glücklich zu werden, die sie ohnehin nicht ändern kann?

Urlaub Tag 20 – Smalltalk oder Willkommen bei den Pi´s

Heute haben die Kinder endlich die Jungs von ihrem „Contact“ im Hafen wiedergetroffen. Nachdem sie schon eine Weile in der Hafenkneipe sitzen, fühlen sich DWM und der Captain verpflichtet, dort nach dem Rechten zu sehen. Zwei Tische werden zusammengeschoben, der Smalltalk kann beginnen. Denkt DWM. Denn plötzlich sieht sie sich vom Captain der anderen Familie mit der Frage konfrontiert:

„Wie berechnet man die Innenwinkelsumme eines Dreiecks?“

„Und die Außenwinkelsumme?“

und zu guter Letzt: „Wie berechnet man Pi?“

Weder mit der Antwort, Pi betrage ca. 3,14 noch mit dem Versuch, Pi sei eine Taste auf dem Taschenrechner, kann DWM punkten. Sie freut sich, dass sie nicht ganz so nach Gesellschaft giert wie ihre Tochter und beschließt, vor dem nächsten Bootsurlaub ihr Mathebuch oder zumindest Wikipedia zu konsultieren. Da soll nochmal einer sagen, Smalltalk sei einfach!

 

Urlaub Tag 19: Kizil Ada

Heute steht endlich ein Highlight an: ein Abendessen auf der Leuchtturm-Insel Kizil Ada. Für DSB eine seltene Gelegenheit, standesgemäß mit dem Motorboot zu reisen (die langsame Fortbewegung unter Segeln ist nicht wirklich sein Ding), denn der Transfer von Fethyie zur Insel ist im Restaurantpreis inbegriffen.

Urlaub Tag 18 – zu alt (2)

Zur Abwechslung und weil es dort außer Gemüse nichts zu kaufen gibt, verbringen wir heute wieder einmal einen Tag in unsere geliebten Karacaören-Bucht. Für DSB heißt das: endlich wieder wakeboarden! DWM hat ihre Wehwehchen ausgeheilt und beschließt: heute will sie das auch versuchen! Den ersten Dämpfer bekommt sie vom sonst so netten Juniorchef des Restaurants und Watersport-Motorbootfahrer Can, der DSBs sportliches Talent bisher in den höchsten Tönen gelobt hat.

DWM: „Can I try it today?“

Can: (blickt DWM an, als hätte sie ihn gebeten, die ganze Segeljacht hinter seinem Motorboot herzuziehen) „You want to try it?“

DWM (ist an diesem Tag wild entschlossen, sich nicht verunsichern zu lassen): „Yes! You don´t think, I can do it?“

Can: (blickt immer noch so skeptisch, als müsse er seiner Urgroßmutter das Wakeboarden beibringen) „If you have talent, you can do it“

DWM klettert ins Motorboot und bewundert ihren Sohn gebührend, der bereits mit einer Hand fährt und die ersten Sprünge in der Hecksee wagt. Plötzlich bekommt sie eine Schwimmweste zugeworfen. Jetzt ist sie an der Reihe.

Can: „You have 6 try.“

DWM nimmt Can übel, dass er es ihr wohl von vornherein nicht zutraut. Nach dem sechsten Versuch ist Wasser in alle Körperöffnungen gedrungen und den Muskelkater in den Unterarmen beginnt sie jetzt schon zu spüren. Da sie beim letzten Versuch wenigstens beinahe aus dem Wasser gekommen wäre, versteigt Can sich zu der kühnen Behauptung: „If you have some training, you can do it.“

Na bitte! Woher sollte DSB sonst sein Talent haben?

Urlaub Tag 17 – zu alt (1)

Wie DWM vielleicht schon erwähnt hat, ist ein weibliches Leben ohne Shopping-Gen zwar prinzipiell möglich und auch recht sparsam, aber nicht immer einfach, speziell im Zusammenleben mit einer halbwüchsigen Tochter, der sie dieses Manko offensichtlich nicht vererbt hat. Als toleranter Mensch und immer um Gerechtigkeit bemüht, versucht DWM, das Urlaubsbudget nicht nur in Wakeboarding für DSB sondern auch in Bekleidung für DSG zu investieren. Trotz der Hitze versucht sie tapfer, ihre Tochter zu begleiten. Wenn DSG ihre Freude und Dankbarkeit ausdrückt, indem sie auf der Straße spontan nach DWMs Hand greift, ist diese glücklich, über ihren Schatten gesprungen zu sein. Heute macht sie die erstaunliche Erfahrung, dass diese Shopping-Ausflüge seitens DSG nicht ausschließlich einseitig gewünscht sind. DSG findet in einer netten Boutique eine weiße Tunika, die ihre Mutter unbedingt kaufen sollte.

DSG: „Mama, du musst dir unbedingt auch mal was kaufen!“

DWM: „Je weniger ich für mich kaufe, desto mehr Geld bleibt für dich, ist das nicht viel besser?“

DSG: „Du bist aber langsam zu alt für deine Boardshorts!“

Urlaub Tag 16 – Regentag

Damit die Crew auf dieser Reise nicht verlernt, sich auf zwei Beinen fortzubewegen, planen wir heute einen kleinen Spaziergang auf das Hügelchen hinter dem Hafen. DSG kann schon zu Hause dem Wandern wenig abgewinnen und sieht daher nicht ein, warum sie dieser schweißtreibenden Tätigkeit im Urlaub nachgehen sollte. Nach unseren bisherigen meteorologischen Erfahrungen benutzte DWM das bordeigene I-Pad ausnahmsweise einmal zur ursprünglichen Zweck des Wetterbericht-Lesens und siehe da – Gewitter wurden nicht ausgeschlossen. Die Crew beschloss also, ein weiteres Mal im Hafen zu übernachten. Obwohl es bereits ein wenig zugezogen hat, machen sich drei viertel der Crew in ihren Flip-Flops (sowas profanes wie Schuhe haben wir nicht dabei) auf den Weg, um den Hügel zu besteigen. Das feine Nieseln, das uns auf dem Gipfel empfängt, steigert sich auf dem Rückweg zu einem richtigen Regen. Kurz nachdem wir es an Bord geschafft haben, geht ein Wolkenbruch nieder. DSG war so geistesgegenwärtig, die Fenster zu schließen und unser outdoor-Stilleben nach drinnen zu verfrachten. Die Kinder flitzen im Regen über die Stege und genießen das ungewöhnliche Wetter, bestaunen die Bimini-Tops von einsamen Booten, die sich unter der Wasserlast zu biegen beginnen (das Bootspflegepersonal ist wegen der Ramadan-Feiertage nur sehr rudimentär anwesend).

DWM befindet aber alsbald, dass sie für dieses Wetter auch zu Hause hätte bleiben können. Sie überdenkt nochmal ihren Wunsch, einmal in Skandinavien zu segeln.