Urlaub Tag 14 – Interessenskonflikte

DWM war immer stolz darauf, dass sie nicht wie andere Eltern den Kindern die eigenen Interessen aufzwingt. Sie durften Skifahren, Fußballspielen, Segeln, damit wieder aufhören und statt dessen Eiskunstlaufen, Snowboarden, Tennis spielen, obwohl DWM nur mit einem Teil dieser Sportarten etwas anfangen konnte. Auch im Urlaub ist der Nachwuchs nicht untätig, DSB hat Wakeboarden gelernt und DSG Wasserskifahren. (DWM ist durch ihr Ohr heuer leider gehandicapt und muss sich mit Kopf-über-Wasser-schwimmen begnügen – wie die alten Leute halt).

Heute ankern wir wieder in einer Bucht, wo Watersports angeboten wird und DSB hat bereits frühmorgens seinen Außenborder gestartet, um den Watersports-Menschen zu wecken. Nur DSG will sich nicht aus ihrer Hängematte erheben. Auf sanften Druck von DWM reagiert sie etwas unwirsch: „Warum kann ich nicht einfach mal meinen Urlaub genießen? Ich mach´ doch zu Hause genug Sport, warum soll ich mich hier hinter einem Motorboot herziehen lassen? Du findest nur immer alles toll, was DSG macht, mich hast du noch kein einziges Mal dafür gelobt, dass ich jede Woche 200 Seiten auf englisch lese.“

DWM, ganz Selbstkritik in Person, geht in sich. Kann es sein, dass sie von ihren Kindern erwartet, alles nachzuholen, was sie selbst in ihrer Kindheit nicht haben konnte? Dass sie ihre übersteigerte Angst vor Gewichtszunahme auch gleich ihrer Tochter implantieren und ihr einen Tag in der Hängematte vermiesen möchte?

Es ist nicht immer lustig, von einem kritischen Teenager täglich einen Spiegel vorgehalten zu bekommen (noch dazu auf eine nicht sehr einfühlsame Weise), aber es ist sehr lehrreich!

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Urlaub Tag 13 – Karacaören für uns allein

Wenn man es sich leisten kann, länger als eine Woche zu segeln, sollte man unbedingt die Nacht von Freitag auf Samstag in einer Bucht verbringen. Alle Charterer bringen ihre Boote zurück und man hat ganze Buchten für sich allein.

Unter diesen Umständen unterzieht sich DWM endlich einer Lektion, die sie jetzt schon seit fast zwei Wochen vor sich herschiebt: sie lässt sich von DSB das Steuern des Außenborders beibringen. Heute kann sie hier niemanden überfahren und auch nicht vor Peinlichkeit sterben. DWM meistert die Prüfung mit Bravour, ist aber trotzdem froh, als sie sich wieder aus dem knatternden, stinkenden, schaukelnden Dinge entfernen darf und genießt lieber den Sonnenuntergang in der einsamen Bucht (Dass diese Einsamkeit nicht für jedes Crewmitglied ein Genuss ist, kann man unter Tag 12 nachlesen).

Urlaub Tag 12 – Contact oder die Einsamkeit auf See

Während der Großteil der Crew die Privatsphäre an Bord genießt, ist es für DSG ein wenig zu einsam. An unserem Steg im Heimathafen wurde schon vor ein paar Tagen eine weitere Familiencrew mit drei Jungs geortet, doch die Kontaktaufnahme gestaltet sich schwierig. Um die Annäherung zu erleichtern, verbringt der Nachwuchs viel Zeit in der Hafenkneipe. Dort verbringen die drei Jungs einen Großteil des Tages vor dem Internet. Nach tagelangem Anlaufnehmen mit Pokern im Lokal springen sie doch noch ins kalte Wasser und sprechen die Jungs an, ob sie mitspielen wollen (DWM kann nicht als Augenzeugin berichten, weil sie nicht ganz so viel Zeit in der Kneipe verbringt). Eine Runde wird gemeinsam gepokert, doch dann hocken zwei der drei wieder vor ihrem Monitor. Immerhin verbleibt noch einer, denn die drei haben nur zwei Laptops dabei. Trotzdem scheint der Kontakt nicht befriedigend genug verlaufen zu sein, denn DSG ist am Nachmittag bereit, das Hafencamping zu beenden und – endlich – wieder eine Bucht für die nächste Nacht anzusteuern. Vielleicht sieht man sich danach ja mal wieder.

 Das ist ein Aufruf an alle segelnden Familien:

Falls ihr für den nächsten Sommer einen Segeltörn plant, euer Nachwuchs interessiert an einer Kontaktaufnahme wäre und ihr selber auch nicht abgeneigt, sich in der einen oder anderen Bucht oder Marina zu treffen, bitte um Info! Der Captain und DWM wollen nicht noch einmal Cluburlaub machen, um ausreichend Gesellschaft für den Nachwuchs zu haben.

Urlaub Tag 11 – Beach Day

Als DWM noch eine echte Landratte war, stellte sie es sich immer sehr idyllisch vor: mit der schneeweißen (heute weiss sie, dass eine große Crew erforderlich ist, um diese Farbe aufrechtzuerhalten) Segelyacht am Strand vor Anker gehen, um zu baden. Heute weiß sie, dass das in den seltensten Fällen möglich ist. Entweder hält der Anker in den idyllischen Sandbuchten nicht oder der Wind kommt aus der falschen Richtung oder beides. Der Versuch der Crew, Calis Beach mit dem Dickschiff anzusteuern, scheiterte schon in einem recht frühen Stadium, denn wir hatten wenig Lust, die Leinen eines Kitesurfers aus unserem Mast zu wickeln. Der auflandige Wind in Kombination mit dem sandigen Untergrund hätte ohnehin kein sicheres Ankern ermöglicht. Die Reklamefotos in DWMs Hirn sind wohl alles Fotomontagen. Weil DSG sich aber einen Beach-Day wünscht und DWM die Surfstation erkunden will, steuert die Crew also Calis Beach stillos mit dem Taxi an. In einem so langen Segelurlaub kann sich auch der Captain mal für einen halben Tag von seinem Schiff trennen. Die Station ist wohl nur für Kiters, für die antiquierten Windsurfer gibts nur Anfängermaterial. Nach zwei Schnupperkursen hatte DWM aber beschlossen, dass sie nicht jeden Trend mitmachen muss, es bleibt also ein lazy Beach-day.

Urlaub Tag 10 – Pfirsichschlacht

Warum bloß schafft DWM es nicht, die Geschwisterstreitereien zu überhören? Dieses Schiff ist definitiv zu klein, um einander ausreichend aus dem Weg zu gehen. Diesmal entzünden sich die Gemüter an einem Pfirsich. Das Obst hier ist einfach eine Wucht und sogar die Kinder essen es freiwillig. Auf einem kurzen Segelstück schneidet DWM einen Pfirsich auf und offeriert ihn dem Nachwuchs auf einem Teller. Die Betonung liegt auf EINEM, da sie an Bord auf eine Spülmaschine verzichten muss. Ungeachtet der Tatsache, dass noch der halbe Kühlschrank voller Pfirsiche ist, entbrennt bald ein heißes Gefecht um die Obstschnitze. DWM setzt sich in den Bugkorb, in der Hoffnung, dass sie das Gezänk gegen den Wind nicht mit anhören muss. Mit dem Weghör-Training war sie wohl noch nicht sehr erfolgreich. Irgendwann reißt ihr der Geduldsfaden, so schnell es das schaukelnde Boot erlaubt, bewegt sie sich nach hinten, packt den Teller und schleudert die Pfirsiche über Bord. (Nicht den Teller wohlgemerkt, das hat der Captain letztes Jahr erledigt, als er beim Frühstück demonstrieren wollte, dass diese Teller schwimmen. Da er der beste Taucher von uns ist, musste er ihn auch wieder aus der recht tiefen Ankerbucht heraufholen.) DWM beschränkt sich in ihrem Wutanfall auf leichter substituierbare Wurfgegenstände, trifft dafür aber mit einem Pfirsichstück das Lieblings-T-Shirt ihrer Tochter.

Regieanweisung: Reumütig beginnt DWM das T-Shirt zu waschen, was wesentlich aufwänder ist, als einen zweiten Teller von Pfirsichsaft zu säubern.

Urlaub Tag 9 – Boje gegen Essen in Karacaören

Heute steuert die Crew ihre Lieblingsbucht an. Weil DWM ein wenig Landleinenpause braucht, nehmen wir heute ein in der Türkei beliebtes Geschäft in Anspruch. Wir machen an einer Boje fest und essen dafür abends im Restaurant des Bojen-Erhalters.

  Damit verliert DWM gleich zwei ihrer Jobs: Landleinenausbringer und Smutje. Dafür hat sie viel Zeit zum Fotografieren:

 Heute werden drei Flottillen erwartet, daher wird die Bucht ein wenig voll, aber als Stammkunden bekommen wir trotzdem die größte Boje von allen.

 Schon der Einstieg über die Badeleiter mutet ein wenig abenteuerlich an:

 

Der Eindruck bleibt erhalten, denn hier haben sich die Betreiber mit viel Kreativität ausgetobt.

Oben genießen wir einen herrlichen Ausblick auf die Abendstimmung

 

Nach kurzer Zeit ist unser Dingi bereits eingeparkt:

 

Für denn Fall, dass jemand vergessen hat, im Hafen einzukaufen, gibt es im Restaurant praktischerweise auch einen kleinen Markt – obwohl die Betreiber sich selbst per Boot versorgen müssen, aber Kundenservice wird hier groß geschrieben, und Geschäftstüchtigkeit wohl auch.

Urlaub Tag 8 – Nachtfahrt unfreiwillig und Versöhnung im Shopping Center

Eines gleich mal vorweg: DWMs Landleinen-Knoten hat den nächtlichen Fallböen standgehalten. Der Captain hat sicherheitshalber sogar ein Messer mitgenommen, als er sich um drei Uhr morgens mit dem Beiboot zum Felsen begab, um die Landleine zu lösen. Was nicht gehalten hat, war der Anker. Immer wenn wir nachts dieses komische Schleifgeräusch hörten, versuchte DWM sich zu beruhigen: das war sicher nicht der Anker, es gibt schließlich jede Menge unheimlicher Geräusche nachts an Bord.Der Captain läßt sich nicht so leicht täuschen, er versucht den Anker immer wieder nachzuspannen – ohne Erfolg. Da an Schlaf unter diesen Umständen ohnehin nicht zu denken war, können wir auch gleich aufbrechen.

Die Kinder schrecken nur kurz auf und schlafen wieder weiter, DWM übernimmt die zweite Wache und kommt somit erstmals in diesem Urlaub in den Genuss eines Sonnenaufgangs auf See

Aus den kümmerlichen Resten wird ein Frühstück improvisiert, der Captain kocht Kaffee. Um halb elf liegt unser Boot sturmfest vertäut auf seinem Liegeplatz und wir erfreuen uns den Rest des Tages an den Segnungen der Zivilisation: Klimaanlagen, Duschen, Restaurants, Internet, Shops, Shops, Shops. Dort ist inzwischen die Winterware eingetroffen und DWM kann guten Gewissens mit DSG dort Shoppen gehen.