Hast du Untersportung?

Da wir gerade einen so warmen Winter haben, wo wir nicht mal snowboarden können, weil es die ganze Zeit regnet (von anderen Outdoor-Sportarten ganz zu schweigen), ist DWM vielleicht nicht ganz so ausgeglichen wie sonst. Selbstverständlich würde sie das niemals ihre Familie spüren lassen.

Trotzdem fragt DSB sie heute: „Mama, hast du Untersportung?“

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„Das ist so ähnlich wie Unterzuckerung, nur viiiieel schlimmer. Ich hab das auch manchmal!“

Regieanweisung: DWM geht in den Keller und klaubt die Spinnweben von ihrem Spinning-Rad.

Was macht ihr so gegen den Lagerkoller?

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in Ihrem Alter…..

Den nächsten Versuch, von der derzeitigen Arbeitsfront zu desertieren, macht DWM mithilfe eines Profis, einer Profi-in genauer gesagt, so viel Zeit muss sein. Die Stellenanzeige war von einer Personalberaterin geschalten und obwohl oder gerade weil es branchenfremd war, spricht es DWM besonders an. Diesmal betrachtet sie es beinahe schon als Selbstverständlichkeit, in die zweite Runde zu kommen und zu einem Gespräch geladen zu werden. Obwohl, zu einem Gespräch beim Personalberater geladen zu sein, kann wohl kaum als großer Fortschritt gewertet werden, aber das weiß unsere bewerbungs-unerfahrene DWM zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die wollen ihre Kartei so umfangreich wie möglich halten und schauen sich jeden an, der nicht völlig daneben lag mit seiner Bewerbung. DWM genießt in ansprechender Atmosphäre einen Espresso, während sie das Warm-Up mit Bravour besteht. Das ist auch gut so, denn kurz danach kommt die Ernüchterung: „….in Ihrem Alter …..die Branche wechseln….unwahrschlich….aber vielleicht bekomme ich ja mal was Passendes rein….“

DWM neigte ja bisher oft ein wenig zu der Ansicht „für mich gilt das nicht“, egal ob es in ihrer Jugendzeit um die Frage ging „Kinder und Karriere sind nicht vereinbar“, „Beziehungen mit einem Moslem sind schwierig“ oder „Anfänger sollten bei den fünf Tibetern nicht mehr 5 Umdrehungen machen“. Genauso ging es ihr mit „ab 40 ist man auf dem Arbeitsmarkt alt“. Auch hier muss sie plötzlich feststellen, dass so ein Allgemeinplatz sogar für DWM gilt.

Erziehungsversuche

Seien wir mal ehrlich, unsere Kinder haben es wirklich nicht immer leicht, uns zu konsumfreudigen Stützen der Wirtschaft zu erziehen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sie schon mal verzweifeln. DWM glaubt z.B. immer noch, mit einem Mountainbike überwinde man die Höhenmeter in beide Richtungen aus eigener Kraft, obwohl DSB ihr schon so oft vermittelt hat, dass für die Höhenmeter in die anstrengende Richtung die Seilbahn gedacht ist und man sich anschließend über künstliche Hindernisse möglichst halsbrecherisch ins Tal stürzt. Trotz geduldiger Erziehungsversuche spendiert DWM solche Events nur zu besonderen Gelegenheiten, z.B. als Zeugnisgeschenk.

Des weiteren glaubte DWM bis vor kurzem, man komme ohne Handtasche aus und stopfte ihre persönlichen Gegenstände einfach in die diversen Fächer ihres Laptop-Rucksackes. Nachdem DSG ihre Mutter endlich von der Notwendigkeit eines solchen Gegenstandes überzeugt hatte, weigerte sie sich immer noch, die Marke mit der schönen Schnalle zu kaufen. Auch hier war wieder einiges an Erziehungsarbeit nötig, bis DSG zweieinhalb davon und DWM immerhin eine halbe ihr Eigen nennen konnten.

Nun glaubt sie aber immer noch, Pullover werden wegen der niedriegen Temperaturen getragen und können auch bei H+M gekauft werden.

Weder mit dem tollen Online-Shop von Abercrombie & Fitch noch mit dem günstigen Wechselkurs des britischen Pfund oder den geringen Versandgebühren konnte DSG punkten. Obwohl in allen Standardwerken zur Erziehung geraten wird, man solle sich nicht provozieren lassen, entfuhr ihr ein „Du bist so blöd!“, bevor sie sich in ihrem Zimmer verbarrikadierte.

Die Reaktion von DWM hängt in solchen Fällen davon ab, wie der Arbeitstag gelaufen war und da sieht man wieder einmal, wie ungerecht das Leben ist, denn was kann ein DSG für einen schlechten Arbeitstag? Diesemal hatte DWM aber einen sehr erfolgreichen Arbeitstag hinter sich und trug ihren Rüffel mit Fassung. DSG hatte sich erstaunlich rasch daran erinnert, dass in der Standard-Erziehungsliteratur immer darauf hingewiesen wird, man solle Meinungsverschiedenheiten in der Sache strikt von der Person trennen und ein „Deine Meinung ist blöd“ niemals verwechseln mit „Du bist blöd“, sie kriecht aus ihrem Zimmer hervor und entschuldigt sich (Anmerkung der Redaktion: vielleicht hat sie sich aber auch nur daran erinnert, dass die Spendierfreudigkeit der DWM proportional zur Stimmung verläuft). Nach gegenseitigen Liebesbekundungen kann die Erziehungsarbeit wieder aufgenommen werden – Ausgang offen.

Wie viel Mama braucht das Kind?

Was liegt näher nach der Degradierung, als sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen? Selbstverständlich hat DWM sofort damit begonnen, aber sie ist etwas aus der Übung (genau genommen hat sie sich überhaupt erst einmal auf dem freien Markt anbieten müssen). Das beginnt schon mal damit, dass sie in den Unterlagen ehrlich über ihren Teilzeitstatus berichtet. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn im besten Fall eine schriftliche Absage kommt. In der nächsten Version des Lebenslaufes werden zwar die Kinder erwähnt, aber nicht das Ausmaß des Beschäftigungsvertrages. Und schon kommt die erste Einladung zum Gesprächstermin. Geht doch! Bei 35 Grad sitzt DWM brav in grauem Anzug und Bluse einem Vorstandsmitglied in kurzärmeligem Hemd gegenüber. Das Gesrpäch läuft gut, aber ganz zum Schluss muss DWM doch noch beichten, dass sie auf zeitliche Flexibilität angewiesen ist. Der Vorstand wirft einen erstaunten Blick in die Bewerbungsunterlagen vor ihm. „WIE alt sind ihre Kinder? Da brauchen sie doch die Mama eh nicht mehr.“ Im Warm-Up-Smalltalk hatte er erzählt, sein Sohn lebe im Internat. Na dann weiß er natürlich ganz genau, wie viel Mama die Kinder in welchem Alter brauchen. Einige Tage später kommt die Absage.

kein Nachteil ohne Vorteil

würde meine sprichwortverrückte Freundin sagen. Da ich seit meiner Degradierung meine Arbeitszeiten steche, sammeln sich durch meinen Teilzeitvertrag jede Menge Überstunden an. Somit kriege ich eine ungefähre Vorstellung davon, wieviel Zeit (und Geld) ich bisher verschenkt habe. Diese Überstunden darf ich jetzt abgleiten und das trifft sich gut, da der DesperateSchoolBoy bereits Ferien hat. Nachdem er in den Jahren meiner Pseudowichtigkeit brav diverse Feriencamps über sich ergehen hatte lassen, stellte er heuer fest, er sei groß genug um vormittags auf sich selbst aufzupassen und lehnte jede Zwangsbespaßung ab. DWM versuchte ihren Gluckentrieb zu unterdrücken – was nicht einfach war – und erfüllte ihm diesen Wunsch. Nach den ersten Tagen stand das Haus immer noch, und auch DSB war unverletzt.  Er wollte sogar noch einen Schritt weitergehen und verkündete, ich solle doch die „Wie-geht-es-dir-ist-auch-alles-in-Ordnung“-Anrufe unterlassen. Letzte Woche nützte ich den einzigen sonnigen Tag weit und breit und nahm mir kurzfristig einen Gleit-Tag. Einfach so und fast ohne schlechtes Gewissen. Erst versuchte ich eine kleine Wanderung mit DSB, aber nachdem er mir erklärt hatte, der Berg sei heute weiter weg als sonst, irgendjemand müsse den Weg gestretcht haben, kehrten wir nach einer ausgiebigen Rast auf dem ersten Zwischengipfel

um fuhren an den nächstgelegenen See.

Dieser wunderschöne spontane Tag mit meinem Sohn entschädigt mich für vieles. Vielleicht hat SmallBoss mir sogar einen Gefallen getan?

Die Ohnmacht des Herrschers

„Ich bin der uneingeschränkte Herrscher der Abteilung“ verkündete Busybody mit stolzgeschwellter Brust, die ihn fast hintenüberfallen ließ, als ich heute morgen unser Büro betrat. Da fiel mir wieder ein, dass der Abteilungsleiter ApplePolisher diese Woche auf Urlaub war. Kurz überlegte ich, ob ich Busybody darauf hinweisen sollte, dass in unserer Abteilung die Vertretung ausnahmsweise nach oben delegiert wurde, somit SmallBoss in ApplePolishers Abwesenheit unser Ansprechpartner war? Da ich mir nicht sicher war, wie gefährlich es ist, wenn man Menschen, die unter völligem Realitätsverlust leiden, mit den nackten Tatsachen konfrontiert, hüllte ich mich lieber in vornehmes Schweigen. Schließlich wollte ich hier keinen medizinischen Notfall provozieren. Ich startete meinen Rechner und begann mein Tagwerk, als Busybody völlig aufgelöst mit der Post zurückkam. „Eine massive Beschwerde……eine massive Beschwerde mit Beantwortungsfrist 2 Wochen…. und der externe Anwalt ist auf Urlaub“. Wozu leisten wir uns eigentlich einen hauseigenen Juristen, noch dazu einen uneingeschränkten Herrscher, wenn wir für jede Beantwortung einer Behördenanfrage einen externen Anwalt hinzuziehen müssen?

Abserviert (5) – meine neue berufliche Heimat

Was war denn jetzt eigentlich so schlimm an meiner Degradierung? Ich würde dasselbe Gehalt verdienen wie vorher und das bei weniger Verantwortung und geregelten Arbeitszeiten. Zusätzlich würde mich ein neuer Mitarbeiter unterstützen. Schöne neue Arbeitswelt, oder nicht? Der Hund liegt wie so oft im Detail. Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass ich es als Zeichen von Wertschätzung empfunden hätte, wenn ich etwas früher informiert gewesen wäre. Und auch der Kollege, der sich meine Position unter den Nagel gerissen hat, ist nur zu einem Teil der Grund meines Frustes. ApplePolisher hat die grandiose Fähigkeit, immer zu wissen, was sein Gegenüber gerade hören möchte. Mit seiner genauen Beobachtungsgabe und fast schon komödiantischem Talent (bei Betriebsfeiern unterhält er uns immer glänzend mit überzeugenden Parodien von Geschäftspartnern) kommunziert er immer genau so, wie wahlweise SmallBoss oder BigBoss es gerade brauchen. Da die beiden den direkten Weg nicht immer so schätzen, brauchen sie ApplePolisher beide gleichermaßen. APs Abteilung hängt als einzige unter beiden Vorständen. Mit dieser machtvollen Position kann er alles erreichen, ohne sich mit den mühevollen Niederungen des täglichen Doings aufhalten zu müssen. Immer wenn ihm trotzdem ein wenig langweilig wird, droht er damit, das Unternehmen zu verlassen, und dann muss ein neues Zuckerl für ihn gefunden werden. Um das Fachgebiet meiner kleinen aber feinen Abteilung war in der letzten Zeit ein kleiner Hype entstanden und so dauerte es nicht lange, bis sie auf der „Will haben“-Liste von ApplePolisher landete. Auf die gleiche Weise hat er sich vorher schon zwei andere Abteilungen angeeignet. Gegen ApplePolisher zu verlieren, ist somit keine Schande. Eigentlich kann ich es sogar als Ehre betrachten, dass ich etwas hatte, was er unbedingt haben wollte. Neid muss man sich schließlich verdienen. Das unangenehme Detail liegt mehr im persönlichen. Und zwar in den Personen der beiden zuvor degradierten, mit denen ich in Zukunft das Zimmer teilen würde. Jetzt könnte man sagen, geteiltes Leid ist halbes Leid, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass dieser Spruch immer zutrifft. Wenn ich im Wartezimmer vom Zahnarzt sitze, lassen meine Schmerzen auch nicht nach, nur weil ich andere leiden sehe. Im Gegenteil, in meiner neuen Abteilung würde ich eher davon ausgehen, dass der Spruch vom Glück zutrifft, dass sich angeblich vervielfacht, wenn man es teilt. Ich wusste, was mich in der Sammelstelle der Degradierten erwarten würde. Beim ersten Opfer, Chatterbox, muss ich ganz ehrlich zugeben, dass ich nicht sehr erstaunt war. Hochmut kommt vor den Fall, wie man sieht. Ihr Auftauchen in manchen Abteilungen war gefürchtet, wenn sie mit einem „Juhuuuuu, ich wollte nur schauen, ob ihr eh was arbeitet“ zu einem längeren Pläuschchen einleitete. Offensichtlich war es in ihrer Ein-Frau-Abteilung zu einsam gewesen. Das zweite Opfer, BusyBody, hat bis heute nicht ganz verinnerlicht, dass er degradiert wurde. Wenn er sich unbeobachtet glaubt, signiert er seine Mails nach wie vor mit „Leiter XY“ und seine alten Visitenkarten benützt er auch noch. Um sich zusätzlichen Status zu verschaffen, hat er sich zum Betriebsrat wählen lassen. In seiner Wahlwerbung hatte er angeboten, kostenlose Rechtsberatung für die Mitarbeiter in privaten Belangen zu leisten. Somit landete er auf Platz eins der Liste und war endlich wieder ein Leiter – der des Betriebsrates und als solcher auch Mitglied des Aufsichtsrates. In dieser Funktion konnte er gern schon mal übersehen, dass er dafür kein Abteilungsleiter mehr war. Wer würde nicht einem Aufsichtsratsmitglied mit Ehrfurcht begegnen? Bei solcher Wichtigkeit war es eigentlich nicht verwunderlich, dass er Chatterbox als seine Sekretärin betrachtete, die sich dagegen lautstark zur Wehr setzte und mich auch schon vor meinem Eintritt in diese Leidensgemeinschaft über sämtliche Entwicklungen auf dem laufenden gehalten hatte. Ich weiss also, was mich erwartet – vielleicht sollte ich es mit einer Packung Pringles in der Hand als Kino betrachten?